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Die Einheit der europäischen Kultur und Bildung 

Flitner, Wilhelm  

Hamburg : im Selbstverlag der Universität

1952

© Hugbert Flitner 
Biography 

Wilhelm Flitner (geboren am 20. August 1889 in Berka, Thüringen – gestorben am 21. Januar 1990). Studium der Germanistik, Anglistik, Geschichte und Philosophie in Jena und Berlin (1909–1914). Dissertation 1912 und Staatsexamen 1914. Nach dem Kriegsdienst seit 1918 Lehrer an der Oberrealschule sowie Leiter der Volkshochschule in Jena. 1926 Professor für Pädagogik an der Pädagogischen Akademie und der Universität Kiel. 1929 bis 1936 und 1945 bis 1957 Professor für Pädagogik und Philosophie an der Universität Hamburg. Flitner gilt als wesentlicher Vertreter der sog. „Geisteswissenschaftlichen Pädagogik'.

Summary 

Anlass der Rede war die während der Tagung des Rates der Europäischen Bewegung im September 1951 in Hamburg entwickelte Idee, eines der neuen Studentenwohnheime dem Europagedanken zu widmen. Flitner nutzte seine Rede im Mai des darauf folgenden Jahres, um der Öffentlichkeit eine Begründung zur Prüfung vorzulegen.

An mehreren Stellen seiner Rede greift Flitner die Ideen der im deutschen Dienst der BBC 1946 gesendeten Radioansprachen T.S. Eliots ('The Unity of European Culture') auf und präsentiert den Europa-Gedanken als kulturelles und nicht politisches Konzept. Wie Eliot hebt er die Nationalkultur hervor, die aber bedingt ist durch den Europäischen Kulturkreis, der auf drei Überlieferungen beruht, dem Christentum, dem römischen Reich und der griechischen Bildung. Kulturen gelten beiden als 'Verleiblichungen der Religion'.

Die Eigenart Europas bzw. des Abendlandes bestehe darin, dass diese Überlieferungen einen ungebrochenen Impuls erzeugt haben, der eine einheitliche Gesittung schaffe. Diese brauche die Einheit von Glaube, Politik und Bildung zur gesellschaftlichen Stabilisierung. Allerdings stellt diese, von den Karolingern geschaffene, Theokratie eine Gefahr für die persönliche Existenz dar. Die daraus entstehenden Bewegungen dienten aber immer der Wiederherstellung der ursprünglichen Ordnung und wirkten gemeineuropäisch.

Er schließt mit der Feststellung, dass die Tragfähigkeit des Abendlandes für die Existenz in Freiheit von drei Faktoren abhänge: 1. dem Wiederfinden des christlichen Menschenverständnisses, 2. der Begründung einer stabilen Ordnung auf dem Willen möglichst breiter Kreise der 'Regierten' und 3. dem Festhalten an einem Kanon von erstrittenen Freiheiten (u.a. der Freiheit der Kirche vom Staat und umgekehrt und den Menschenrechten).

Die Aufgabe der akademischen Forschungs- und Lehrstätten sei es, dieses Bewusstsein im europäischen Sinn philosophisch zu klären und zu erneuern. Dem wissenschaftlichen Denken fällt es zu, die Freiheiten zu bewachen.