Verfahren : 2017/0136(COD)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : A8-0190/2018

Eingereichte Texte :

A8-0190/2018

Aussprachen :

Abstimmungen :

PV 18/04/2019 - 10.18

Angenommene Texte :

P8_TA(2019)0438

BERICHT     ***I
PDF 703kWORD 145k
25.5.2018
PE 616.847v02-00 A8-0190/2018

über den Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 1095/2010 zur Errichtung einer Europäischen Aufsichtsbehörde (Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde) sowie der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 hinsichtlich der für die Zulassung von zentralen Gegenparteien anwendbaren Verfahren und zuständigen Behörden und der Anforderungen für die Anerkennung zentraler Gegenparteien aus Drittstaaten

(COM(2017)0331 – C8-0191/2017 – 2017/0136 (COD))

Ausschuss für Wirtschaft und Währung

Berichterstatterin: Danuta Maria Hübner

ERRATA/ADDENDA
ENTWURF EINER LEGISLATIVEN ENTSCHLIESSUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS
 ANLAGE: LISTE DER EINRICHTUNGEN UND PERSONEN, VON DENEN DIE BERICHTERSTATTERIN BEITRÄGE ERHALTEN HAT
 VERFAHREN DES FEDERFÜHRENDEN AUSSCHUSSES
 NAMENTLICHE SCHLUSSABSTIMMUNG IM FEDERFÜHRENDEN AUSSCHUSS

ENTWURF EINER LEGISLATIVEN ENTSCHLIESSUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS

zu dem Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 1095/2010 zur Errichtung einer Europäischen Aufsichtsbehörde (Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde) sowie der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 hinsichtlich der für die Zulassung von zentralen Gegenparteien anwendbaren Verfahren und zuständigen Behörden und der Anforderungen für die Anerkennung zentraler Gegenparteien aus Drittstaaten

(Ordentliches Gesetzgebungsverfahren: erste Lesung)

Das Europäische Parlament,

–  unter Hinweis auf den Vorschlag der Kommission an das Europäische Parlament und den Rat (COM(2017)0331),

–  gestützt auf Artikel 294 Absatz 2 und Artikel 114 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union, auf deren Grundlage ihm der Vorschlag der Kommission unterbreitet wurde (C8-0191/2017),

–  gestützt auf Artikel 294 Absatz 3 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union,

–  unter Hinweis auf die Stellungnahme der Europäischen Zentralbank vom 4. Oktober 2017(1),

–  unter Hinweis auf die Stellungnahme des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses vom 20. September 2017(2),

–  gestützt auf Artikel 59 seiner Geschäftsordnung,

–  in Kenntnis des Berichts des Ausschusses für Wirtschaft und Währung (A8-0190/2018),

1.  legt den folgenden Standpunkt in erster Lesung fest;

2.   fordert die Kommission auf, es erneut zu befassen, falls sie ihren Vorschlag ersetzt, entscheidend ändert oder beabsichtigt, ihn entscheidend zu ändern;

3.  beauftragt seinen Präsidenten, den Standpunkt des Parlaments dem Rat und der Kommission sowie den nationalen Parlamenten zu übermitteln.

Geänderter Text    1

ABÄNDERUNGEN DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS(3)*

am Vorschlag der Kommission

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Vorschlag für eine

VERORDNUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES

zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 1095/2010 zur Errichtung einer Europäischen Aufsichtsbehörde (Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde) sowie der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 hinsichtlich der für die Zulassung von zentralen Gegenparteien anwendbaren Verfahren und zuständigen Behörden und der Anforderungen für die Anerkennung zentraler Gegenparteien aus Drittstaaten

DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT UND DER RAT DER EUROPÄISCHEN UNION —

gestützt auf den Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union, insbesondere auf Artikel 114,

auf Vorschlag der Europäischen Kommission,

nach Zuleitung des Entwurfs des Gesetzgebungsakts an die nationalen Parlamente,

nach Stellungnahme der Europäischen Zentralbank(4),

nach Stellungnahme des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses(5),

gemäß dem ordentlichen Gesetzgebungsverfahren(6),

in Erwägung nachstehender Gründe:

(1)  Gemäß der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 des Europäischen Parlaments und des Rates(7)müssen standardisierte OTC-Derivatekontrakte im Einklang mit ähnlichen Vorgaben in anderen G20-Staaten über eine zentrale Gegenpartei („central counterparty“ – im Folgenden „CCP“) gecleart werden. Mit dieser Verordnung wurden außerdem strenge aufsichtliche und organisatorische Anforderungen sowie Wohlverhaltensregeln für CCP eingeführt und Vorkehrungen für deren Beaufsichtigung getroffen. Dadurch sollen Risiken für die Nutzer einer CCP so gering wie möglich gehalten und die Stabilität des Finanzsystems untermauert werden. Die vollständige Umsetzung der G20 Ziele, die 2009 beim Gipfeltreffen in Pittsburgh vereinbart wurden, sollte fortgeführt werden, um die Vorteile für die Stabilität des Finanzsystems in vollem Umfang auszuschöpfen.

(2)  Seit Verabschiedung der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 ist das Volumen von CCP-Tätigkeiten in der Union und weltweit sowohl im Hinblick auf den Umfang als auch die Bandbreite rasch gestiegen. Angesichts der Einführung zusätzlicher Clearingverpflichtungen und der Zunahme des freiwilligen Clearings durch nicht clearingpflichtige Gegenparteien wird sich das Wachstum der Tätigkeiten von CCP insbesondere im Zusammenhang mit OTC-Aktien- und Devisenderivaten als Anlageklassen im ursprünglichen Anwendungsbereich auch in den kommenden Jahren fortsetzen. Der Vorschlag der Kommission vom 4. Mai 2017(8), die Verordnung (EU) Nr. 648/2012 gezielt zu ändern, um ihre Wirksamkeit und Verhältnismäßigkeit zu verbessern, enthält weitere Anreize für CCP, Gegenparteien ein zentrales Clearing von Derivaten anzubieten, und wird kleinen finanziellen und nichtfinanziellen Gegenparteien den Zugang zum Clearing erleichtern. Mit diesen grundlegenden Elementen wird sichergestellt, dass die G20-Ziele vollständig umgesetzt werden und so die Stabilität des Finanzsystems auf lange Sicht verbessert wird. Die im Zuge der Kapitalmarktunion tieferen und stärker integrierten Kapitalmärkte werden den Bedarf an grenzüberschreitendem Clearing in der Union weiter beflügeln, sodass die Bedeutung und die Verflechtung der CCP innerhalb des Finanzsystems noch weiter zunehmen werden.

(3)  Die Zahl der in der Union ansässigen und gemäß der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 zugelassenen CCP ist noch immer recht gering: im Juni 2017 waren es 17. 28 Drittstaaten-CCP wurden nach den Gleichwertigkeitsbestimmungen dieser Verordnung anerkannt und dürfen auf dieser Grundlage ihre Dienstleistungen auch in der Union ansässigen Clearingmitgliedern oder Handelsplätzen anbieten(9). Die Clearing-Märkte sind unionsweit gut integriert, weisen aber bei bestimmten Anlageklassen eine starke Konzentration auf und sind sehr eng miteinander verflochten. Aufgrund der Risikokonzentration ist der Ausfall einer CCP zwar wenig wahrscheinlich, hätte aber potenziell gewaltige Auswirkungen. Im Einklang mit der im Rahmen der G20 erzielten Einigung hat die Kommission im November 2016 einen Vorschlag für eine Verordnung zur Sanierung und Abwicklung von CCP(10) angenommen, um dafür zu sorgen, dass die Behörden bei einem Ausfall einer CCP angemessen reagieren können, die Finanzstabilität gewährleistet ist und die Kosten für die Steuerzahler begrenzt werden.

(4)  Ungeachtet dieses Verordnungsvorschlags sollten die Aufsichtsregelungen für Unions-CCP und Drittstaaten-CCP angesichts des sich ausweitenden Volumens, der wachsenden Komplexität und der zunehmend grenzüberschreitenden Dimension des Clearings in der Union und weltweit überarbeitet werden. Die allgemeine Stabilität des Finanzsystems der Union könnte gestärkt und die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls einer CCP könnte noch weiter gesenkt werden, wenn frühzeitig Maßnahmen ergriffen würden, um etwaigen Problemen zu begegnen, und sowohl für Unions-CCP als auch für Drittstaaten-CCP klare und kohärente Aufsichtsregeln festgelegt würden.

(5)  Vor diesem Hintergrund hat die Kommission am 4. Mai 2017 die Mitteilung „Antworten auf Herausforderungen für kritische Finanzmarktinfrastrukturen und die Weiterentwicklung der Kapitalmarktunion“(11) angenommen, in der darauf verwiesen wird, dass zur Stärkung des derzeitigen, die Finanzstabilität gewährleistenden und die Weiterentwicklung und Vertiefung der Kapitalmarktunion unterstützenden Rahmens weitere Änderungen der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 erforderlich sind.

(6)  Gemäß der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 ist für Aufsichtsfragen in erster Linie die Behörde des Herkunftsmitgliedstaats zuständig. In der Union ansässige CCP werden derzeit von Kollegien zugelassen und beaufsichtigt, die sich aus nationalen Aufsichtsbehörden, der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA), einschlägigen Mitgliedern des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) und anderen einschlägigen Behörden zusammensetzen. Die Koordinierungsarbeit und den Informationsaustausch für diese Kollegien erbringt die für die Durchsetzung der Bestimmungen der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 zuständige nationale Behörde. Divergierende aufsichtliche Verfahren für CCP in der Union können Risiken in Form von Regulierungs- und Aufsichtsarbitrage mit sich bringen, was die Stabilität der Finanzmärkte gefährden und zu unfairen Wettbewerbssituationen führen kann. In ihrer Mitteilung zur Kapitalmarktunion vom September 2016(12) und in der öffentlichen Konsultation über die Tätigkeit der Europäischen Aufsichtsbehörden (ESA)(13) hat die Kommission auf diese neu entstehenden Risiken und die Notwendigkeit einer stärkeren aufsichtlichen Konvergenz hingewiesen.

(7)  Zu den grundlegenden Aufgaben des ESZB gehören die Festlegung und Durchführung der Geldpolitik der Union und die Förderung des reibungslosen Funktionierens der Zahlungssysteme. Um diese grundlegenden Aufgaben und insbesondere sein oberstes Ziel, die Sicherstellung der Preisstabilität, erfüllen zu können, muss sich das ESZB auf sichere und effiziente Finanzmarktinfrastrukturen und Clearingsysteme stützen können. Da im Falle des Versagens einer CCP die Erfüllung dieser grundlegenden Aufgaben und des obersten Ziels gefährdet sein kann und auch die für die Umsetzung der geldpolitischen Maßnahmen relevanten Instrumente und Gegenparteien in Mitleidenschaft gezogen würden, sollten die einschlägigen Mitglieder des ESZB, wie die Zentralbanken, die die Währungen der von CCP abgerechneten Finanzinstrumente emittieren, in die Beaufsichtigung von CCP eingebunden sein. Daher sollten die emittierenden Zentralbanken in die Bewertung des Risikomanagements von CCP eingebunden sein. Solange sich die Mandate der Zentralbanken und Aufsichtsbehörden zuweilen überschneiden, können außerdem Inkongruenzen entstehen, wenn aufsichtliche Maßnahmen Auswirkungen auf Kernzuständigkeiten der Zentralbanken in Bereichen wie Preisstabilität, Geldpolitik und Zahlungssysteme haben. Wenn weiterhin unklar bleibt, wie die Zuständigkeiten zwischen den Behörden aufgeteilt sind, können solche Inkongruenzen in Krisensituationen die Risiken für die Finanzstabilität verstärken.

(8)  Auf der Grundlage der Verträge wurde eine Wirtschafts- und Währungsunion geschaffen, deren Währung der Euro ist, und ein einschlägiges Unionsorgan, die Europäische Zentralbank (EZB), eingerichtet. Die EZB und die nationalen Zentralbanken der Mitgliedstaaten, deren Währung der Euro ist, bilden das Eurosystem und legen die Geldpolitik der Union fest und setzen diese im Rahmen des ESZB um. Die besondere Rolle des Eurosystems als Zentralbank, die die einheitliche Währung der Union ausgibt, sollte daher gewürdigt werden. Außer dem Euro sollten auch die anderen in der Union bestehenden Währungen und die diese Währungen ausgebenden Zentralbanken Beachtung finden.

(9)  Angesichts des globalen Charakters von Finanzmärkten und der Notwendigkeit, die Inkohärenzen bei der Beaufsichtigung von in der Union und in Drittstaaten ansässigen CCP zu beseitigen, sollte die ESMA besser dazu befähigt werden, auf eine Angleichung der Aufsicht von CCP hinzuwirken. Um der ESMA neue Befugnisse und Zuständigkeiten zu übertragen, sollte innerhalb der bestehenden Organisationsstruktur der ESMA ein neues Gremium eingerichtet werden.

(9a)  Jede Ausweitung der Befugnisse der ESMA, mit der ihr das Erreichen ihrer Ziele ermöglicht werden soll, würde sowohl eine geeignete Organisationsstruktur als auch eine ausreichende finanzielle Ausstattung erfordern. Damit die ESMA ihre Ziele erreichen kann, reicht es nicht aus, nur ihre Befugnisse zu erweitern, vielmehr sind hierfür auch eine hinreichende finanzielle Ausstattung sowie eine wirksame und effiziente Verwaltung erforderlich.

(10)  Innerhalb der ESMA sollte ein spezieller interner ESMA-Ausschuss („CCP-Aufsichtsausschuss“) eingerichtet werden, der für die Ausarbeitung von Entscheidungen und die Wahrnehmung von Aufgaben im Zusammenhang mit der Beaufsichtigung von CCP, der Wahrnehmung von Aufgaben im Zusammenhang mit CCP im Allgemeinen und im Besonderen für die Beaufsichtigung von Unions- und Drittstaaten-CCP zuständig ist. Der CCP-Aufsichtsausschuss sollte sich aus Behörden zusammensetzen, die mit der Beaufsichtigung von CCP erfahren sind. Um eine reibungslose Integration des CCP-Aufsichtsausschusses in die Organisationsstruktur der ESMA zu gewährleisten und dabei den besonderen Anforderungen an die Beaufsichtigung von CCP sowie der Notwendigkeit, ein zügiges Entscheidungsverfahren aufrechtzuerhalten, Rechnung zu tragen ist, sollte der CCP-Aufsichtsausschuss einen unabhängigen Vorsitzenden haben, der von einem unabhängigen stellvertretenden Vorsitzenden unterstützt werden sollte. Die Beschlüsse des CCP-Aufsichtsausschusses sollten vom Rat der Aufseher der ESMA gebilligt werden müssen, soweit sie sich auf die wichtigsten Bereiche der Beaufsichtigung von CCP beziehen. In allen anderen Fällen sollten sie davon abhängen, dass der Rat der Aufseher keine Einwände erhebt. Es sollten geeignete Vorkehrungen getroffen werden, um die Unabhängigkeit des CCP-Aufsichtsausschusses innerhalb der ESMA sicherzustellen.

(11)  Um eine kohärente Aufsichtspraxis sicherzustellen und alle an der Beaufsichtigung von CCP beteiligten Behörden einzubeziehen, sollte sich der CCP-Aufsichtsausschuss aus einem ständigen Vorsitzenden, einem ständigen stellvertretenden Vorsitzenden, vier ständigen Direktoren und CCP-spezifischen Mitgliedern zusammensetzen. Der Vorsitzende, der stellvertretende Vorsitzende und die Direktoren des CCP-Aufsichtsausschusses sollten unabhängig und objektiv im Interesse der gesamten Union handeln. Die Mitglieder des CCP-Aufsichtsausschusses, die für jede CCP spezifisch sind, sollten einen gemäß der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 benannten Vertreter der zuständigen Behörde des Mitgliedstaats, in dem die CCP ansässig ist, und einen Vertreter der betreffenden emittierenden Zentralbank(en) umfassen. Der Vorsitzende des CCP-Aufsichtsausschusses sollte befugt sein, Mitglieder des Kollegiums der Aufsichtsbehörden und Vertreter von Behörden, die für von der ESMA anerkannte CCP aus Drittstaaten zuständig sind, als Beobachter einzuladen, um sicherzustellen, dass die Standpunkte der anderen betroffenen Behörden vom CCP-Aufsichtsausschuss hinreichend berücksichtigt werden. Die ständigen Mitglieder sollten an allen Sitzungen des CCP-Aufsichtsausschusses teilnehmen und die CCP-spezifischen Mitglieder und Beobachter sollten nur teilnehmen, soweit dies im Hinblick auf die von ihnen beaufsichtigten CCP erforderlich und zweckmäßig ist. Die Präsenz sowohl unabhängiger ▐ als auch CCP-spezifischer Mitglieder dürfte gewährleisten, dass der CCP-Aufsichtsausschuss unionsweit kohärente, angemessene und verhältnismäßige Beschlüsse fasst und die einschlägigen nationalen zuständigen Behörden, emittierenden Zentralbanken und Beobachter in die Beschlussfassung über Fragen im Zusammenhang mit einer in einem Mitgliedstaat ansässigen CCP eingebunden sind.

(11a)  Um eine kohärente Aufsichtspraxis sicherzustellen, berücksichtigt die ESMA, zusätzlich zu den gemäß dieser Verordnung vorgesehenen Stresstests, die von den CCP im Rahmen ihrer Sanierungs- und Abwicklungsmaßnahmen durchgeführten Stresstests. Diese Stresstests, bei denen eine CCP ihre unionsweiten Vereinbarungen im Hinblick darauf, wie sie sich insgesamt auf die Finanzstabilität der Union auswirken, berücksichtigen sollte, sollten in Simulationen unter Krisenbedingungen in Bezug auf mögliche systemweite Stressereignisse einbezogen werden.

(12)  Ist über Fragen im Zusammenhang mit einer in einem Mitgliedstaat ansässigen CCP zu beschließen, so sollte der CCP-Aufsichtsausschuss sicherstellen, dass seine ständigen Mitglieder, die betreffenden Mitglieder, die dieser Mitgliedstaat gemäß der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 als Vertreter seiner zuständigen Behörden benannt hat, und die von den betreffenden emittierenden Zentralbanken benannten Beobachter eingeladen werden und in die Beschlussfassung eingebunden sind. Bei Beschlüssen über eine Drittstaaten-CCP sollten lediglich die ständigen Mitglieder, die betreffende(n) emittierende(n) Zentralbank(en) sowie die betreffenden Beobachter des CCP-Aufsichtsausschusses an der Beschlussfassung teilnehmen.

(13)  Um eine angemessene, wirksame und zügige Beschlussfassung zu gewährleisten, sollten der Vorsitzende, der stellvertretende Vorsitzende und die Direktoren des CCP-Aufsichtsausschusses sowie der Vertreter der zuständigen Behörde des Mitgliedstaats, in dem die CCP ansässig ist, stimmberechtigt sein. Die Vertreter der EZB, der Kommission und der betreffenden Zentralbank(en) sowie die Beobachter sollten nicht stimmberechtigt sein. Der CCP-Aufsichtsausschuss sollte seine Beschlüsse mit einfacher Mehrheit seiner Mitglieder fassen und bei Stimmengleichheit sollte die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag geben.

(14)  Der CCP-Aufsichtsausschuss sollte für spezifische Aufgaben zuständig sein, die ihm gemäß der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 zugewiesen werden, um das ordnungsgemäße Funktionieren des Binnenmarktes sowie die Finanzstabilität der Union und ihrer Mitgliedstaaten zu gewährleisten.

(15)  Damit eine wirksame Aufsicht gewährleistet werden kann, muss der CCP-Aufsichtsausschuss mit eigenen Mitarbeitern, die über ausreichendes Wissen, Fähigkeiten und Erfahrung verfügen, sowie mit angemessenen Ressourcen ausgestattet sein, damit seine Autonomie und Unabhängigkeit gewährleistet sind und er seinen Aufgaben in ordnungsgemäßer Weise nachkommen kann. Die budgetären Auswirkungen der neuen Aufsichtsbefugnisse des ESMA in Bezug auf CCP sind gemäß der Verordnung (EU) Nr. 1095/2010 im Voranschlag der ESMA zu berücksichtigen.

(16)  Um ein ausreichendes Maß an Fachkompetenz und Rechenschaftspflicht sicherzustellen, sollten der Vorsitzende, der stellvertretende Vorsitzende und die Direktoren des CCP-Aufsichtsausschusses auf der Grundlage ihrer Verdienste, Fähigkeiten, Kenntnisse in Fragen des Clearings, in Nachhandelsaktivitäten und in Finanzangelegenheiten sowie ihrer Erfahrung im Bereich der Beaufsichtigung und Regulierung von CCP ernannt werden. Sie sollten im Wege eines offenen Auswahlverfahrens ausgewählt werden. Die Kommission sollte in Absprache mit den nationalen Aufsichtsbehörden dem Europäischen Parlament einen Vorschlag für die Ernennung von Kandidaten zur Billigung vorlegen. Nach der Billigung dieses Vorschlags durch das Parlament sollte der Rat einen Durchführungsbeschluss erlassen.

(17)  Um Transparenz und demokratische Kontrolle zu gewährleisten und die Rechte der Unionsorgane zu schützen, sollten der Vorsitzende, der stellvertretende Vorsitzende und die Direktoren des CCP-Aufsichtsausschusses verpflichtet sein, dem Europäischen Parlament und dem Rat für die auf der Grundlage dieser Verordnung getroffenen Beschlüsse Rechenschaft abzulegen.

(18)  Der Vorsitzende, der stellvertretende Vorsitzende und die Direktoren des CCP-Aufsichtsausschusses sollten unabhängig und objektiv im Interesse der Union handeln. Sie sollten darauf achten, dass das ordnungsgemäße Funktionieren des Binnenmarktes sowie die Finanzstabilität in jedem Mitgliedstaat und in der Union insgesamt gewährleistet werden.

(19)  Um eine einheitliche Beaufsichtigung von in der Union und in Drittstaaten ansässigen CCP zu fördern, sollte der Vorsitzende des CCP-Aufsichtsausschusses Kollegien vorsitzen und diese führen, und die ständigen Mitglieder des CCP-Aufsichtsausschusses sollten diesen Kollegien angehören. Bei Bedarf und im Einklang mit der Verordnung (EU) Nr. 1024/2013 des Rates sollte auch die EZB an diesen Kollegien teilnehmen, damit sie ihre Aufgaben gemäß Artikel 127 AEUV erfüllen kann.

(20)  Um eine angemessene und wirksame Beschlussfassung zu gewährleisten, sollte der Vorsitzende des CCP-Aufsichtsausschusses in den Kollegien eine Stimme haben, wohingegen der stellvertretende Vorsitzende, die Direktoren des CCP-Aufsichtsausschusses und der Vertreter der Kommission nicht stimmberechtigt sein sollten. Die derzeitigen Mitglieder der Kollegien sollten weiterhin ihre jeweiligen derzeitigen Stimmrechte wahrnehmen.

(20a)  Gemäß dieser Änderungsverordnung nehmen die zuständigen nationalen Behörden weiterhin ihre derzeitigen Aufsichtsaufgaben nach der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 wahr. Um jedoch in der gesamten Union eine einheitliche Aufsichtspraxis in Bezug auf CCP zu fördern, sollte in Abhängigkeit von den betreffenden Entscheidungen eine Verteilung der Zuständigkeiten festgelegt werden. Dabei sollte zwischen drei Kategorien von Entscheidungen unterschieden werden: Entscheidungen, für die die zuständigen Behörden die vorherige Zustimmung der ESMA einholen sollten, Entscheidungen, für die die zuständigen Behörden die ESMA konsultieren sollten, und Entscheidungen, für die die zuständigen Behörden allein verantwortlich bleiben sollten.

(20b)  Eine wirksame Beaufsichtigung von CCP hängt vom Aufbau von Kompetenzen, Fachkenntnissen und Fähigkeiten sowie von der Entwicklung kooperativer Beziehungen und vom Austausch mit anderen Einrichtungen ab. Da all diese Prozesse im Laufe der Zeit entwickelt werden und sich nach ihrer eigenen Dynamik richten, sollte beim Entwurf eines funktionsfähigen, wirksamen und effizienten Aufsichtssystems für CCP seine potenzielle langfristige Entwicklung berücksichtigt werden. Die in dieser Änderungsverordnung festgelegte Verteilung der Zuständigkeiten ist darauf ausgerichtet, sich mit der Entwicklung der Rolle und Kapazitäten der ESMA weiterzuentwickeln.

(21)  Da es zwischen der ESMA und den zuständigen nationalen Behörden zu Streitigkeiten hinsichtlich bestimmter zu treffender Entscheidungen kommen könnte, wird für den Fall von Meinungsverschiedenheiten zwischen der ESMA und den zuständigen nationalen Behörden ein spezieller Mechanismus eingeführt. Ist eine zuständige Behörde mit einem Änderungsvorschlag oder einem Einwand der ESMA nicht einverstanden, sollte sie das Recht haben, ein begründetes Ersuchen an den Rat der Aufseher zu richten, um von diesem eine Überprüfung des Einwands oder des Änderungsvorschlags zu verlangen. Der Rat der Aufseher kann die Einwände oder Änderungsvorschläge der ESMA billigen oder ablehnen. Aufgrund der potenziellen Risiken, die das Versagen einer CCP für die Durchführung der Geldpolitik der Union und die Förderung des reibungslosen Funktionierens der Zahlungssysteme birgt, muss auch den geldpolitischen Aufgaben und Zuständigkeiten der emittierenden Zentralbanken besser Rechnung getragen werden.

(21a)  ▌Die jeweiligen emittierenden Zentralbanken sollten von der ESMA oder gegebenenfalls der zuständigen Behörde zu bestimmten Entscheidungen konsultiert werden, insbesondere wenn sich Entscheidungen auf die Zahlungs- und Abrechnungsregelungen und die einschlägige Liquiditätsrisiko-Steuerung einer CCP für Transaktionen beziehen, die auf die von der betreffenden Zentralbank emittierte Währung lauten. Nach Ablauf der Frist für die Konsultation der emittierenden Zentralbanken sollte die ESMA oder die zuständige Behörde jede Anstrengung unternehmen, um den von der jeweiligen Zentralbank vorgeschlagenen Änderungen nachzukommen. Werden die von einer emittierenden Zentralbank vorgeschlagenen Änderungen im Entscheidungsentwurf nicht aufgegriffen, so sollte die ESMA oder die zuständige Behörde die betreffende emittierende Zentralbank hiervon unter Angabe sämtlicher Gründe und unter Erläuterung jeder substanziellen Abweichung von den vorgeschlagenen Änderungen schriftlich in Kenntnis setzen.

(22)  Damit die ESMA ihre Aufgaben im Zusammenhang mit CCP wirksam wahrnehmen kann, sollten sowohl in der Union ansässige CCP als auch in Drittstaaten ansässige CCP Gebühren für die Beaufsichtigungs- und Verwaltungsaufgaben der ESMA zu entrichten haben. Diese Gebühren sollten in einem angemessenen Verhältnis zum Umsatz der betreffenden CCP stehen und sollten Anträge auf Zulassung von Unions-CCP, ▌ Anträge auf Anerkennung von Drittstaaten-CCP und ▌ die jährlichen in den Zuständigkeitsbereich der ESMA fallenden Aufgaben abdecken. Die Kommission sollte die Art der Gebühren, die Tatbestände, für die Gebühren zu entrichten sind, die Höhe der Gebühren und die Art und Weise, wie sie von zugelassenen und antragstellenden Unions-CCP und von anerkannten Drittstaaten-CCP zu zahlen sind, im Wege eines delegierten Rechtsakts näher festlegen.

(23)  Die in dieser Verordnung enthaltenen Aufsichtsbestimmungen für Drittstaaten-CCP, die Clearingdienste in der Union anbieten, bedürfen ebenfalls einer Überarbeitung. Wenn beträchtliche Auswirkungen auf die Finanzstabilität von Einrichtungen in der Union vermieden werden sollen, müssen in Bezug auf Drittstaaten-CCP der Zugang zu Informationen, die Befugnis, Vor-Ort-Prüfungen durchzuführen, und die Möglichkeiten für den Informationsaustausch zwischen den einschlägigen Behörden auf Mitgliedstaaten- und Unionsebene verbessert werden. Es besteht zudem ein Risiko, dass Änderungen an in einem Drittstaat geltenden CCP-Vorschriften oder Regulierungsrahmen nicht berücksichtigt werden können und die Regulierungs- oder Aufsichtsergebnisse beeinträchtigen, sodass ungleiche Wettbewerbsbedingungen für Unions-CCP und Drittstaaten-CCP entstehen.

(24)  Beträchtliche Volumen von Finanzinstrumenten, die auf Währungen von Mitgliedstaaten lauten, werden durch anerkannte Drittstaaten-CCP gecleart. Diese Volumen werden sich wesentlich erhöhen, sobald das Vereinigte Königreich aus der Union austritt und die dort ansässigen CCP nicht mehr unter die Anforderungen dieser Verordnung fallen. Für die im Rahmen der Aufsichtskollegien geschlossenen Kooperationsvereinbarungen werden dann die Garantien und Verfahren dieser Verordnung nicht mehr gelten und der Gerichtshof der Europäischen Union nicht mehr zuständig sein. Dies stellt die Union und die Mitgliedstaaten vor erhebliche Herausforderungen in Bezug auf die Wahrung der Finanzstabilität.

(25)  Als Teil ihres Engagements für die Schaffung integrierter Finanzmärkte sollte die Kommission weiterhin in Form von Gleichwertigkeitsbeschlüssen festlegen, ob die Rechts- und Aufsichtsrahmen von Drittstaaten die Anforderungen nach der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 erfüllen. Um die Umsetzung der derzeitigen Gleichwertigkeitsregelung in Bezug auf CCP zu verbessern, sollte die Kommission befugt sein, erforderlichenfalls weitere Kriterien für die Bewertung der Gleichwertigkeit von Drittstaaten-Regelungen für CCP festzulegen. Ferner ist es erforderlich, die ESMA mit der Überwachung der regulatorischen und aufsichtlichen Entwicklungen der von der Kommission als gleichwertig anerkannten Drittstaaten-CCP-Regelungen zu beauftragen. Dies soll sicherstellen, dass Drittstaaten die Gleichwertigkeitskriterien sowie etwaige besondere Bedingungen für ihre Anwendung weiterhin erfüllen. Die ESMA sollte der Kommission über ihre Feststellungen vertraulich Bericht erstatten.

(26)  Derzeit kann die Kommission einen Gleichwertigkeitsbeschluss jederzeit ändern, aussetzen, überprüfen und widerrufen, insbesondere wenn in einem Drittstaat Entwicklungen festgestellt werden, die sich in wesentlichem Maße auf Elemente auswirken, die im Einklang mit den Gleichwertigkeitsanforderungen dieser Verordnung bewertet werden. Wenn die einschlägigen Behörden eines Drittstaates nicht mehr loyal mit der ESMA oder anderen aufsichtlichen Stellen der Union zusammenarbeiten oder die anwendbaren Gleichwertigkeitsanforderungen dauerhaft nicht einhalten, hat die Kommission unter anderem die Möglichkeit, die Behörde des Drittstaates zu verwarnen oder eine spezielle Empfehlung zu veröffentlichen. Die Kommission kann nicht nur den Gleichwertigkeitsbeschluss für einen Drittstaat jederzeit widerrufen, sondern auch das Datum der Anwendung dieses Beschlusses verschieben, um drohende finanzielle Instabilitäten oder Marktstörungen abzuwenden. Neben ihren aktuellen Befugnissen sollte die Kommission auch die Möglichkeit haben, besondere Bedingungen festzulegen, die sicherstellen, dass ein Drittstaat, für den ein Gleichwertigkeitsbeschluss existiert, die Gleichwertigkeitskriterien auch dauerhaft erfüllt. Ferner sollte die Kommission befugt sein, Bedingungen festzulegen, die gewährleisten, dass die ESMA ihre Zuständigkeiten in Bezug auf Drittstaaten-CCP, die im Rahmen dieser Verordnung anerkannt wurden, und in Bezug auf die Überwachung der regulatorischen und aufsichtlichen Entwicklungen in einem Drittstaat, die sich auf bereits angenommene Gleichwertigkeitsbeschlüsse auswirken, wirksam durchsetzen kann.

(27)  Angesichts der zunehmend grenzüberschreitenden Dimension der CCP und der Verflechtungen im Finanzsystem der Union muss die Kapazität der Union, die potenziellen von Drittstaaten-CCP ausgehenden Risiken zu ermitteln, zu überwachen und einzudämmen, verbessert werden. Daher sollte die Rolle der ESMA ausgebaut werden, sodass sie Drittstaaten-CCP, die eine Anerkennung zum Erbringen von Clearingdiensten in der Union beantragen, wirksam beaufsichtigen kann. Zudem sollten die emittierenden Zentralbanken der Union stärker in die Anerkennung und Beaufsichtigung von Drittstaaten-CCP, die mit den von ihnen emittierten Währungen arbeiten, eingebunden werden. So sollten die emittierenden Zentralbanken der Union konsultiert werden, wenn bestimmte Aspekte ihrer gelpolitischen Zuständigkeiten durch Finanzinstrumente berührt werden, die auf Währungen der Union lauten und in erheblichem Umfang von außerhalb der Union ansässigen CCP gecleart werden.

(28)  Wenn die Kommission die Gleichwertigkeit des Rechts- und Aufsichtsrahmens eines Drittstaats mit jenem der Union festgestellt hat, sollten beim Verfahren zur Anerkennung der CCP aus diesem Drittstaat die Risiken berücksichtigt werden, die von diesen CCP für die Finanzstabilität der Union oder des Mitgliedstaats ausgehen.

(29)  Bei der Prüfung von Anträgen auf Anerkennung von Drittstaaten-CCP sollte die ESMA das Ausmaß des systemischen Risikos, das von einer Drittstaaten-CCP für die Finanzstabilität der Union oder eines oder mehrerer ihrer Mitgliedstaaten ausgeht ▌. Bei dieser Bewertung sollte die ESMA die Geschäftstätigkeit der CCP in der Union sowie andere Geschäftstätigkeiten der CCP außerhalb der Union berücksichtigen, soweit diese Geschäftstätigkeiten außerhalb der Union die Gesamtkomplexität der CCP beeinflussen können.

(29a)  Die ESMA sollte das Ausmaß des systemischen Risikos, das von einer eine Anerkennung beantragenden Drittstaaten-CCP für die Finanzstabilität der Union oder eines oder mehrerer ihrer Mitgliedstaaten ausgeht, anhand objektiver und transparenter Kriterien beurteilen, die in dieser Verordnung festgelegt sind. Diese Kriterien sollten in einem delegierten Rechtsakt der Kommission näher erläutert werden. Bei der Festlegung dieser Kriterien im Wege dieses delegierten Rechtsakts sollten die Art der von der CCP geclearten Transaktionen, einschließlich ihrer Komplexität, Preisvolatilität und durchschnittlichen Laufzeit, sowie die Transparenz und Liquidität der betreffenden Märkte und das Ausmaß, in dem die Clearingaktivitäten der CCP auf Euro oder eine andere Währung der Union lauten, berücksichtigt werden. In diesem Zusammenhang können besondere Merkmale hinsichtlich bestimmter, an regulierten Märkten in Drittstaaten notierter und ausgeführter Agrarderivatekontrakte, die sich auf Märkte beziehen, die die vorwiegend inländischen nichtfinanziellen Gegenparteien in diesem Drittstaat bedienen, welche ihre Geschäftsrisiken anhand solcher Kontrakte verwalten, ein vernachlässigbares Risiko für Clearingmitglieder und Handelsplätze in der Union darstellen, da sie systemisch nur in geringem Ausmaß mit dem übrigen Finanzsystem zusammenhängen. Ist in dem Drittstaat, in dem die CCP, die eine Anerkennung beantragt, eine Regelung für die Sanierung und Abwicklung von CCP in Kraft, so sollte dieser Umstand auch von der ESMA bei ihrer Analyse des Ausmaßes des systemischen Risikos berücksichtigt werden, das von der CCP für die finanzielle Stabilität der Union oder eines oder mehrerer ihrer Mitgliedstaaten ausgeht.

(30)  CCP, die keine systemrelevante Bedeutung für die Finanzstabilität der Union oder eines oder mehrerer ihrer Mitgliedstaaten haben, sollten als „Tier 1-CCP“ gelten. CCP, die für die Finanzstabilität der Union oder eines oder mehrerer ihrer Mitgliedstaaten systemrelevante Bedeutung haben oder diese erlangen könnten, sollten als „Tier 2-CCP“ gelten. Gelangt die ESMA zu der Auffassung, dass eine Drittstaaten-CCP für die Finanzstabilität der Union oder eines oder mehrerer ihrer Mitgliedstaaten keine systemrelevante Bedeutung hat, so sollten für diese CCP die aktuellen, in der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 festgelegten Anerkennungsbedingungen gelten. Gelangt die ESMA zu der Auffassung, dass eine Drittstaaten-CCP systemrelevante Bedeutung hat, so sollten für diese CCP zusätzliche Anforderungen festgelegt werden, die zu dem von ihr ausgehenden Risiko in angemessenem Verhältnis stehen. Die ESMA sollte eine solche CCP nur anerkennen, wenn diese CCP diese Anforderungen erfüllt.

(31)  Die zusätzlichen Anforderungen sollten bestimmte aufsichtliche Anforderungen der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 umfassen, die darauf abstellen, die Sicherheit und Effizienz von CCP zu stärken. Die ESMA sollte unmittelbar sicherstellen müssen, dass eine systemrelevante Drittstaaten-CCP diese Anforderungen erfüllt. Damit die ESMA diese CCP auch umfassend und wirksam beaufsichtigen kann, sollten dafür einschlägige Anforderungen gelten.

(32)  Um die ordnungsgemäße Einbindung der emittierenden Zentralbank(en) sicherzustellen, sollte die systemrelevante Drittstaaten-CCP außerdem sämtliche einschlägigen Anforderungen erfüllen, die diese Zentralbank(en) nach Maßgabe dieser Verordnung für erforderlich hält/halten. Die emittierende(n) Zentralbank(en) sollte(n) der ESMA innerhalb einer Frist von 150 Tagen nach Stellung eines vollständigen Antrags durch die CCP bestätigen, ob die CCP diese zusätzlichen Anforderungen erfüllt.

(32a)  Beschließt eine emittierende Zentralbank, einer systemrelevanten CCP eines Drittstaats eine zusätzliche Anforderung aufzuerlegen, so sollte sie sich darum bemühen, eine möglichst transparente Entscheidung zu treffen und gleichzeitig der Notwendigkeit des Schutzes vertraulicher oder sensibler Informationen angemessen Rechnung zu tragen.

(32b)  Die emittierenden Zentralbanken sollten die Resilienz anerkannter Drittstaaten-CCP gegenüber ungünstigen Marktentwicklungen bewerten, und zwar unter Berücksichtigung des Risikos, das sie für die Stabilität der Währung der emittierenden Zentralbank, die Übertragung der Geldpolitik und das reibungslose Funktionieren der Zahlungssysteme darstellen. In solchen Fällen sollten die Zusammenarbeit und der Informationsaustausch zwischen den Zentralbanken und der ESMA sichergestellt werden, um Doppelarbeit zu vermeiden.

(32c)  Ausnahmesituationen, die sich auf die Transmission der Geldpolitik oder das reibungslose Funktionieren der Zahlungssysteme auswirken, können, soweit dies im institutionellen Rahmen einer Zentralbank zulässig ist, die Auferlegung von Anforderungen in Bezug auf Liquiditätsrisiken, Abwicklungsvereinbarungen, Margen, Sicherheiten oder Interoperabilitätsvereinbarungen gegenüber systemrelevanten Drittstaaten-CCP erfordern. In solchen Situationen sollten die emittierenden Zentralbanken und die ESMA zusammenarbeiten und Informationen austauschen, insbesondere ihre Einschätzung der mit der Situation verbundenen Risiken und ihrer möglichen Dauer sowie der beabsichtigten Wirkungen der Anforderungen, die auferlegt werden sollen.

(32d)  Die Zusammenarbeit und der Informationsaustausch zwischen der Union und den Aufsichtsbehörden von Drittstaaten sind unerlässlich, um eine wirksame Beaufsichtigung von Drittstaaten-CCP zu gewährleisten und es allen zuständigen Behörden zu ermöglichen, in koordinierter, wirksamer und effizienter Weise auf Notsituationen zu reagieren. Daher sollte die ESMA Kooperationsvereinbarungen mit den zuständigen Behörden von Drittstaaten abschließen, deren Rechts- und Aufsichtsrahmen als dieser Verordnung gleichwertig anerkannt wurde, wobei diese Vereinbarungen alle Elemente umfassen sollten, die erforderlich sind, um unter anderem einen reibungslosen Informationsaustausch, die Koordinierung der Aufsichtstätigkeiten, die wirksame Überwachung der Regulierungs- und Aufsichtsentwicklungen in dem betreffenden Drittstaat und eine wirksame Zusammenarbeit in Notsituationen sicherzustellen.

(33)  Eine systemrelevante CCP kann ein unterschiedlich hohes Risiko für das Finanzsystem und die Stabilität der Union darstellen. Die Anforderungen an systemrelevante CCP sollten daher im Verhältnis zu den Risiken angewandt werden, die von diesen für die Union ausgehen. Gelangt die ESMA im Einvernehmen mit der bzw. den betreffende(n) emittierende(n) Zentralbank(en) zu dem Schluss, dass die systemische Bedeutung einer Drittstaaten-CCP so groß ist, dass durch die Einhaltung der zusätzlichen, in dieser Verordnung festgelegten Anforderungen dem Risiko für die Finanzstabilität der Union oder eines oder mehrerer ihrer Mitgliedstaaten nicht ausreichend entgegengewirkt wird, sollte die ESMA befugt sein, der Kommission zu empfehlen, diese CCP nicht anzuerkennen und besondere Clearingdienste oder ‑aktivitäten zu ermitteln, die ihrer Ansicht nach nur von einer gemäß dieser Verordnung zugelassenen CCP für Clearingmitglieder und Handelsplätze mit Sitz in der Union erbracht werden sollten. Die Kommission sollte in der Lage sein, auf der Grundlage dieser Empfehlung einen delegierten Rechtsakt zu erlassen, in dem festgestellt wird, dass einige oder alle der von der betreffenden CCP erbrachten Dienstleistungen nur in der Union ansässigen Clearingmitgliedern und Handelsplätzen von einer in der Union ansässigen und als solche zugelassenen CCP erbracht werden dürfen. Es sollte möglich sein, in diesem delegierten Rechtsakt einen angemessenen Übergangszeitraum für die CCP, ihre Clearingmitglieder und ihre Kunden festzulegen und ebenso die Bedingungen für eine vorübergehende Anerkennung der CCP während dieses Übergangszeitraums sowie Maßnahmen, die zur Begrenzung der potenziellen Kosten für die Clearingmitglieder und Kunden der CCP, insbesondere solcher, die in der Union ansässig sind, getroffen werden sollten.

(34)  Die ESMA sollte die Anerkennung von Drittstaaten-CCP und deren Einstufung als Tier 1- beziehungsweise Tier 2-CCP regelmäßig überprüfen. Dabei sollte sie unter anderem Änderungen der Art, des Umfangs und der Komplexität der Geschäftstätigkeit der Drittstaaten-CCP beurteilen. Diese Überprüfungen sollten mindestens alle zwei Jahre oder alle fünf Jahre stattfinden, je nachdem, inwieweit die von der CCP geclearten Finanzinstrumente auf Währungen der Union lauten. Überprüfungen sollten auch dann stattfinden, wenn eine anerkannte Drittstaaten-CCP die Bandbreite ihrer Tätigkeiten und Dienstleistungen in der Union erweitert hat. Im Anschluss an solche Überprüfungen sollte die ESMA unbeschadet ihres Rechts, der Kommission zu empfehlen, dass eine CCP nicht anerkannt werden sollte, in der Lage sein, die Einstufung einer CCP von Tier 1 auf Tier 2 oder umgekehrt zu ändern. Wird die Einstufung von Tier 1 auf Tier 2 geändert, sollte ein Übergangszeitraum eingeräumt werden.

(35)  Die ESMA sollte auch berücksichtigen dürfen, inwiefern die Erfüllung der im Drittstaat anwendbaren Anforderungen durch eine systemrelevante Drittstaaten-CCP mit deren Erfüllung der Anforderungen der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 vergleichbar ist. Bei der Durchführung dieser Beurteilung sollte die ESMA gegebenenfalls berücksichtigen, ob die Kommission einen Durchführungsrechtsakt erlassen hat, in dem festgestellt wird, dass die Rechts- und Aufsichtsmechanismen des Drittstaats, in dem die CCP ihren Sitz hat, denen dieser Verordnung und allen Bedingungen gleichwertig sind, die möglicherweise für die Anwendung des Durchführungsrechtsakts gelten. Um die Verhältnismäßigkeit sicherzustellen, sollte die ESMA bei der Durchführung dieser Beurteilung auch prüfen, inwiefern die von der CCP geclearten Finanzinstrumente auf Unionswährungen lauten. Die Kommission sollte einen delegierten Rechtsakt erlassen, in dem sie die Modalitäten und Bedingungen für die Bewertung der Vergleichbarkeit näher festlegt.

(36)  Die ESMA sollte mit sämtlichen Befugnissen ausgestattet werden, die erforderlich sind, um anerkannte Drittstaaten-CCP zu beaufsichtigen, damit sichergestellt ist, dass diese die Anforderungen der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 fortlaufend einhalten. In bestimmten Bereichen sollte(n) die betreffende(n) emittierende(n) Zentralbank(en) zu den Aspekten des Entwurfs einer Entscheidung konsultiert werden, die sich auf die von ihr/ihnen emittierte Währung beziehen. Nach Ablauf des Zeitraums für die Konsultation der emittierenden Zentralbanken sollte sich der CCP-Aufsichtsausschuss nach besten Kräften bemühen, die von ihnen vorgeschlagenen Änderungen umzusetzen. Werden die von einer emittierenden Zentralbank vorgeschlagenen Änderungen im Entscheidungsentwurf des CCP-Aufsichtsausschusses, der dem Rat der Aufseher vorzulegen ist, nicht aufgegriffen, sollte der CCP-Aufsichtsausschuss die betreffende emittierende Zentralbank hierüber schriftlich unter Angabe sämtlicher Gründe und einer Erläuterung jeder substanziellen Abweichung von den vorgeschlagenen Änderungen in Kenntnis setzen.

(36a)  Um den Informationsaustausch über Drittstaaten-CCP zu erleichtern, sollten Kollegien für Drittstaaten-CCP eingerichtet werden. In diesen Kollegien sollten ständige Mitglieder des CCP-Aufsichtsausschusses, die zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten, die emittierenden Zentralbanken und die Aufsichtsbehörden der in der Union ansässigen Rechtssubjekte, auf die sich die Geschäfte der Drittstaaten-CCP auswirken könnten, nämlich Clearingmitglieder, Handelsplätze und zentrale Wertpapierverwahrstellen, vertreten sein. Die Kollegien für Drittstaaten-CCP können den Vorsitzenden des Aufsichtsausschusses der CCP ersuchen, bestimmte Angelegenheiten im Zusammenhang mit einer in einem Drittstaat ansässigen CCP zu erörtern.

(38)  Die ESMA sollte Zwangsgelder verhängen können, um Drittstaaten-CCP dazu zu zwingen, Verstöße zu beenden, die von der ESMA angeforderten vollständigen und richtigen Informationen zu übermitteln oder sich einer Untersuchung oder einer Prüfung vor Ort zu unterziehen.

(39)  Die ESMA sollte Geldbußen gegen Tier 1- und Tier 2-CCP verhängen können, wenn sie feststellt, dass diese vorsätzlich oder fahrlässig gegen diese Verordnung verstoßen haben, indem sie der ESMA sachlich falsche oder irreführende Auskünfte übermittelt haben. Ferner sollte die ESMA Geldbußen gegen Tier 2-CCP verhängen können, wenn sie feststellt, dass diese vorsätzlich oder fahrlässig gegen die gemäß dieser Verordnung auf sie anwendbaren zusätzlichen Anforderungen verstoßen haben.

(40)  Die Höhe der Geldbuße sollte sich nach der Schwere des Verstoßes richten. Die Verstöße sollten in verschiedene Gruppen unterteilt werden, für die spezifische Geldbußen festgesetzt werden sollten. Zur Berechnung der Geldbußen im Zusammenhang mit einem konkreten Verstoß sollte die ESMA ein zweistufiges Verfahren anwenden, das aus der Festlegung eines Grundbetrags und gegebenenfalls der Anpassung des Grundbetrags durch bestimmte Koeffizienten besteht. Der Grundbetrag sollte unter Berücksichtigung des Jahresumsatzes der betreffenden Drittstaaten-CCP festgesetzt werden, und die Anpassungen sollten dadurch erfolgen, dass der Grundbetrag durch die Anwendung der entsprechenden Koeffizienten gemäß dieser Verordnung erhöht oder verringert wird.

(41)  In dieser Verordnung sollten Koeffizienten für erschwerende oder mildernde Umstände festgelegt werden, um der ESMA zu ermöglichen, Geldbußen zu verhängen, die im Verhältnis zu der Schwere der von einer Drittstaaten-CCP begangenen Verstöße stehen, wobei die Umstände zu berücksichtigen sind, unter denen die Verstöße begangen wurden.

(42)  Die Verhängung von Geldbußen oder Zwangsgeldern sollte sich auf eine unabhängige Untersuchung stützen.

(43)  Bevor die ESMA beschließt, Geldbußen oder Zwangsgelder zu verhängen, sollte sie den Personen, gegen die Verfahren eingeleitet worden sind, die Gelegenheit zur Anhörung geben, um deren Verteidigungsrechte zu wahren.

(44)  Die ESMA sollte davon absehen, Geldbußen oder Zwangsgelder zu verhängen, wenn ein früherer Freispruch oder eine frühere Verurteilung aufgrund identischer oder im Wesentlichen gleichartiger Tatsachen als Ergebnis eines Strafverfahrens nach nationalem Recht Rechtskraft erlangt hat.

(45)  Die Beschlüsse der ESMA, mit denen Geldbußen und Zwangsgelder verhängt werden, sollten vollstreckbar sein, und ihre Zwangsvollstreckung sollte nach den Vorschriften des Zivilprozessrechts des Staates erfolgen, in dessen Hoheitsgebiet sie stattfindet. Die Vorschriften des Zivilprozessrechts sollten keine Strafverfahrensvorschriften umfassen, könnten jedoch Verwaltungsverfahrensvorschriften einschließen.

(46)  Bei einem Verstoß einer Tier 2-CCP sollte die ESMA befugt sein, eine Reihe möglicher Aufsichtsmaßnahmen zu ergreifen; unter anderem sollte sie die Tier 2-CCP zur Beendigung des Verstoßes auffordern und in letzter Instanz die Anerkennung entziehen können, wenn die Tier 2-CCP in schwerwiegender Weise oder wiederholt gegen diese Verordnung verstoßen hat. Bei der Anwendung der Aufsichtsmaßnahmen sollte die ESMA der Art und Schwere des Verstoßes Rechnung tragen und den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit beachten. Bevor die ESMA Aufsichtsmaßnahmen beschließt, sollte sie den Personen, gegen die Verfahren eingeleitet worden sind, Gelegenheit zur Anhörung geben, um deren Verteidigungsrechte zu wahren.

(47)  Die Validierung wesentlicher Änderungen an den Modellen und Parametern, die eine CCP zur Berechnung der Einschussanforderungen, der Beiträge zum Ausfallfonds, der Anforderungen an die Sicherheiten sowie anderer Mechanismen zur Risikosteuerung verwendet, sollte der neuen Anforderung unterliegen, der zufolge bestimmte Entscheidungen der zuständigen Behörde des Mitgliedstaates in Bezug auf in der Union ansässige CCP die vorherige Zustimmung der ESMA erfordern. Um das Validierungsverfahren für die Modelle zu vereinfachen, sollte anstelle der zwei Validierungen, die die zuständige Behörde des Mitgliedstaats und die ESMA unabhängig voneinander vornehmen mussten, eine Validierung der zuständigen Behörde des Mitgliedstaats ausreichen, die der vorherigen Zustimmung der ESMA unterliegt. Ferner sollte die Beziehung zwischen dieser Validierung und dem Beschluss des Kollegiums geklärt werden. Die vorläufige Annahme einer wesentlichen Änderung von Modellen und Parametern sollte in bestimmten Fällen und insbesondere dann möglich sein, wenn die Wahrung der Solidität des Risikomanagements der CCP eine zügige Änderung erfordert.

(48)  Der Kommission sollte die Befugnis übertragen werden, gemäß Artikel 290 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union Rechtsakte zu erlassen, in denen die folgenden Aspekte genauer spezifiziert werden: die einzelnen Gebührenarten, die Tatbestände, für die Gebühren zu entrichten sind, die Höhe der Gebühren und die Art und Weise der Gebührenentrichtung, die Bedingungen für die Festlegung der Kriterien für die Bewertung, ob eine Drittstaaten-CCP für die Finanzstabilität der Union oder eines oder mehrerer ihrer Mitgliedstaaten systemrelevant ist oder werden könnte, sowie der Kriterien für die Prüfung, ob eine CCP von erheblicher Systemrelevanz ist, zusätzliche Anforderungen, die die emittierenden Zentralbanken einer systemrelevanten Drittstaaten-CCP auferlegen können, die Festlegung, dass die von einer Drittstaaten-CCP erbrachten Dienstleistungen nur nach Erteilung einer Zulassung gemäß Artikel 14 und einem entsprechenden Übergangszeitraum erbracht werden dürfen, die Kriterien, die für die Bewertung der Gleichwertigkeit von Drittstaaten anzuwenden sind, in welcher Weise und unter welchen Bedingungen Drittstaaten-CCP bestimmte Anforderungen einhalten müssen, weitere Verfahrensvorschriften für die Verhängung von Geldbußen oder Zwangsgeldern, einschließlich der Bestimmungen zu den Verteidigungsrechten, zu Zeitpunkten und Fristen, zur Einziehung der Geldbußen oder Zwangsgelder und zur Verjährung bezüglich der Verhängung und Vollstreckung von Buß- oder Zwangsgeldern, die Maßnahmen für eine Änderung des Anhangs IV entsprechend den Entwicklungen auf den Finanzmärkten.

(49)  Zur Gewährleistung einheitlicher Bedingungen für die Durchführung dieser Verordnung, insbesondere in Bezug auf die Anerkennung von CCP aus Drittstaaten und die Gleichwertigkeit der Rechtsrahmen, sollten der Kommission Durchführungsbefugnisse übertragen werden.

(50)  Da das Ziel dieser Richtlinie, nämlich die Erhöhung der Sicherheit und Effizienz von CCP durch die Festlegung einheitlicher Vorschriften für die Ausübung ihrer Tätigkeiten, auf Ebene der Mitgliedstaaten nicht ausreichend erreicht werden kann, sondern im Hinblick auf seinen Umfang und seine Wirkungen besser auf Unionsebene zu erreichen ist, kann die Union im Einklang mit dem in Artikel 5 des Vertrags über die Europäische Union niedergelegten Subsidiaritätsprinzip tätig werden. Entsprechend dem in demselben Artikel genannten Grundsatz der Verhältnismäßigkeit geht diese Verordnung nicht über das für die Erreichung dieses Ziels erforderliche Maß hinaus.

(51)  Solange die Kriterien für die Bewertung, ob eine Drittstaaten-CCP für die Finanzstabilität der Union oder eines oder mehrerer ihrer Mitgliedstaaten systemrelevant ist oder werden könnte, nicht genauer festgelegt sind, sollte die ESMA die Anwendung ihrer Ermächtigung zur Anerkennung von Drittstaaten-CCP als Tier 1- beziehungsweise Tier 2-CCP aussetzen.

(52)  Die Verordnungen (EU) Nr. 1095/2010 und (EU) Nr. 648/2012 sollten daher entsprechend geändert werden —

HABEN FOLGENDE VERORDNUNG ERLASSEN:

Artikel 2

Änderung der Verordnung (EU) Nr. 648/2012

Die Verordnung (EU) Nr. 648/2012 wird wie folgt geändert:

1.  Artikel 6 Absatz 2 Buchstabe b erhält folgende Fassung:

„b)  die im Einklang mit Artikel 17 zugelassenen oder im Einklang mit Artikel 25 anerkannten CCP, das Datum der jeweiligen Zulassung oder Anerkennung sowie die Angabe, dass die CCP für die Wahrnehmung der Clearingpflicht zugelassen oder anerkannt sind.“

1a.  Dem Artikel 15 werden folgende Absätze angefügt:

1a. Im Sinne von Absatz 1 ist für die Ausweitung der Aktivitäten oder Dienstleistungen in folgenden Fällen eine Erweiterung der Zulassung erforderlich:

(a)  Aufgrund der neuen Aktivität oder Dienstleistung entstehen neue oder erhöhte Risiken für die CCP.

(b)  Die neue Dienstleistung oder Aktivität bezieht sich auf eine Kategorie von Finanzinstrumenten mit einem abweichenden Risikoprofil oder mit wesentlichen Unterschieden zu den bereits durch die CCP geclearten Produkten.

(c)  Die neue Leistung oder Aktivität bezieht sich auf eine Kategorie von Finanzinstrumenten, die nicht in der Zulassung der CCP aufgeführt wurden.

1b. Zugunsten einheitlicher Bedingungen für die Anwendung des Absatzes 1 entwickelt die ESMA zusammen mit dem ESZB Entwürfe für technische Regulierungsstandards mit einer Auflistung von Indikatoren für eine genauere Definition der in Absatz 1a aufgeführten Bedingungen.

Die ESMA legt der Kommission diese Entwürfe für technische Regulierungsstandards bis zum ... [zwölf Monate nach Inkrafttreten dieser Änderungsverordnung] vor. Der Kommission wird die Befugnis übertragen, die in Unterabsatz 1 genannten technischen Regulierungsstandards gemäß den Artikeln 10 bis 14 der Verordnung (EU) Nr. 1095/2010 zu erlassen.“

2.  Artikel 17 Absatz 3 erhält folgende Fassung:

„(3)  Die zuständige Behörde prüft den Antrag im Benehmen mit der ESMA innerhalb von 30 Arbeitstagen nach Eingang auf Vollständigkeit. Ist der Antrag unvollständig, setzt sie der antragstellenden CCP eine Frist, bis zu der diese zusätzliche Informationen vorlegen muss. Die zuständige Behörde übermittelt diese zusätzlichen Informationen unmittelbar nach Erhalt der ESMA und dem nach Artikel 18 Absatz 1 eingerichteten Kollegium. Stellt die zuständige Behörde im Benehmen mit der ESMA fest, dass der Antrag vollständig ist, informiert sie die antragstellende CCP und die Mitglieder des Kollegiums darüber.“

2a.  Artikel 17 Absatz 4 Unterabsatz 4 erhält folgende Fassung:

„Ist keine gemeinsame Stellungnahme im gegenseitigen Einvernehmen nach Unterabsatz 3 erreicht worden und gibt das Kollegium mit einer einfachen Mehrheit eine ablehnende Stellungnahme ab, so kann jede der betroffenen zuständigen Behörden ▌innerhalb von 30 Kalendertagen nach Annahme der ablehnenden Stellungnahme im Einklang mit Artikel 19 der Verordnung (EU) Nr. 1095/2010 die ESMA in der Sache anrufen.

3.  Artikel 18 wird wie folgt geändert:

a)  Absatz 1 erhält folgende Fassung:

„1. Binnen 30 Kalendertagen nach Vorlage eines vollständigen Antrags gemäß Artikel 17 richtet die für die CCP zuständige Behörde ein Kollegium ein, um die Durchführung der in den Artikeln 15, 17, 49, 51 und 54 genannten Aufgaben zu erleichtern.

Management und Vorsitz dieses Kollegiums obliegen dem gemäß Artikel 22a ernannten Vorsitzenden des CCP-Aufsichtsausschusses.

b)  Absatz 2 Buchstabe a erhält folgende Fassung:

„a)  die in Artikel 22a Absatz 2 Buchstabe a genannten ständigen Mitglieder des CCP-Aufsichtsausschusses;

c)  Absatz 2 Buchstabe c erhält folgende Fassung:

„c)  die für die Beaufsichtigung derjenigen drei Clearingmitglieder der CCP verantwortlichen zuständigen Behörden▌, die innerhalb eines Einjahreszeitraums auf aggregierter Basis die höchsten Beiträge in den gemäß Artikel 42 von der CCP unterhaltenen Ausfallfonds einzahlen, sowie bei Bedarf ▌die EZB bei der Ausübung ihrer Aufgaben im Zusammenhang mit der im Rahmen eines – gemäß der Verordnung (EU) Nr. 1024/201354(14) des Rates eingerichteten – gemeinsamen Aufsichtsmechanismus erfolgenden Aufsicht über Kreditinstitute, sofern diese Behörden daran interessiert sind, sich an diesem Kollegium zu beteiligen.

ca)  In Absatz 2 wird Buchstabe ca eingefügt:

ca)  die zuständigen Behörden der Clearingmitglieder, außer jene in Buchstabe c genannten, vorbehaltlich der Zustimmung der für die CCP zuständigen Behörde. Diese zuständigen Behörden beantragen die Zustimmung für die Teilnahme am Kollegium bei der für die CCP zuständigen Behörde und begründen den Antrag anhand ihrer Abschätzung der Folgen, die eine finanzielle Notlage einer CCP auf die Finanzstabilität des lokalen Marktes, dessen Währung sie emittiert, haben könnte. Wenn die für die CCP zuständige Behörde den Antrag ablehnt, begründet sie dies ausführlich und in vollem Umfang in schriftlicher Form.“

cb)  In Absatz 4 wird Buchstabe ca eingefügt:

„ca)  Ausarbeitung einer Stellungnahme an den CCP-Aufsichtsausschuss, wenn eine Zustimmung des Ausschuss erforderlich ist oder dieser gemäß Artikel 21a konsultiert wird.“

cc)  Folgender Absatz 4a wird eingefügt:

„Kommt ein Mitglied des Kollegiums auf der Grundlage der gemäß Buchstabe b ausgetauschten Informationen zu dem Schluss, dass das Risikomanagement einer CCP nicht allen Anforderungen dieser Verordnung entspricht oder anderweitig Mängel im Hinblick auf die Belastbarkeit aufweist, kann dieses Mitglied die zuständige Behörde und das Kollegium über das Problem informieren und beantragen, dass es innerhalb des Kollegiums erörtert wird. Der Vorsitz des Kollegiums kann dann eine Diskussion über das von dem Mitglied ermittelte Problem auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Kollegiums setzen. Spricht sich mindestens ein Drittel der Mitglieder des Kollegiums – das Mitglied, das die Diskussion ursprünglich beantragt hat nicht mit eingerechnet – dafür aus, dass der Entwurf einer Empfehlung zur Behebung des Problems und zur Stärkung der Belastbarkeit der CCP ausgearbeitet wird, so ersucht der Vorsitz das Kollegium, eine derartige Empfehlung auszuarbeiten.

Das Kollegium kann die in Unterabsatz 1 genannte Empfehlung mit einfacher Mehrheit der Stimmen seiner Mitglieder annehmen.

Innerhalb von 30 Tagen nach Annahme der Empfehlung durch das Kollegium prüft die ESMA die Angelegenheit und die Empfehlung und entscheidet, ob sie spezifische Aufsichtsmaßnahmen gemäß Artikel 21a Absatz 3 beantragt.

Sie informiert unverzüglich die zuständige Behörde und das Kollegium. Die zuständige Behörde hält das Kollegium darüber auf dem Laufenden, ob und wenn ja welche Folgemaßnahmen im Zusammenhang mit der Empfehlung getroffen werden.

Wenn die zuständige Behörde es versäumt, innerhalb von 90 Tagen nach Annahme der Empfehlung Maßnahmen zu ergreifen, und wenn diese Unterlassung einen Verstoß gegen die Anforderungen dieser Verordnung nach sich zieht, können alle Mitglieder des Kollegiums innerhalb von 30 Tagen nach Ablauf der 90-tägigen Frist gemäß Artikel 19 der Verordnung (EU) Nr. 1095/2010 die Angelegenheit an die ESMA weiterleiten.

cd)  Absatz 6 erhält folgende Fassung:

(6)  Um die einheitliche und kohärente Arbeitsweise der Kollegien in der gesamten Union sicherzustellen, erarbeitet die ESMA in enger Zusammenarbeit mit dem ESZB Entwürfe für technische Regulierungsstandards, in denen die Bedingungen, anhand deren entschieden wird, welche die wichtigsten Unionswährungen im Sinne des Absatzes 2 Buchstabe h sind, und die praktischen Modalitäten im Sinne des Absatzes 5 näher bestimmt werden.

Die ESMA legt der Kommission diese Entwürfe technischer Regulierungsstandards bis zum [ein Jahr nach Inkrafttreten dieser Änderungsverordnung] vor.

Der Kommission wird die Befugnis übertragen, die in Unterabsatz 1 genannten technischen Regulierungsstandards gemäß den Artikeln 10 bis 14 der Verordnung (EU) Nr. 1095/2010 zu erlassen.“

3a.  In Artikel 19 wird folgender Absatz 1a eingefügt:

„1a. Auf Ersuchen eines Mitglieds des Kollegiums und nach Annahme durch eine Mehrheit des Kollegiums kann die Stellungnahme Empfehlungen zur Verbesserung der Belastbarkeit der CCP enthalten.“

4.  Artikel 19 Absatz 3 erhält folgende Fassung:

„(3)  Eine Stellungnahme mit Stimmenmehrheit des Kollegiums wird mit einfacher Mehrheit der Stimmen seiner Mitglieder verabschiedet.

In Kollegien mit bis zu zwölf Mitgliedern sind höchstens zwei Kollegiumsmitglieder aus demselben Mitgliedstaat stimmberechtigt, und jedes stimmberechtigte Mitglied hat eine Stimme. In Kollegien mit mehr als zwölf Mitgliedern sind höchstens drei Mitglieder aus demselben Mitgliedstaat stimmberechtigt, und jedes stimmberechtigte Mitglied hat eine Stimme.

Ist die EZB gemäß Artikel 18 Absatz 2 Buchstaben a, c oder h Kollegiumsmitglied, verfügt sie über die folgende Anzahl Stimmen:

i)  höchstens zwei Stimmen in Kollegien mit bis zu zwölf Mitgliedern;

ii)  höchstens drei Stimmen in Kollegien mit mehr als zwölf Mitgliedern;

Der Vertreter der Kommission ist nicht stimmberechtigt. Der Vorsitzende des CCP-Aufsichtsausschusses hat eine Stimme, der stellvertretende Vorsitzende und die Direktoren des CCP-Aufsichtsausschusses sind in den Kollegien nicht stimmberechtigt.“

5.  Artikel 20 Absatz 6 erhält folgende Fassung:

„(6)  Die für die CCP zuständige Behörde übermittelt der ESMA und den Mitgliedern des Kollegiums ihren ausführlich begründeten Entscheidungsentwurf, in dem die Vorbehalte der Mitglieder des Kollegiums berücksichtigt werden.“

6.  Artikel 21 wird wie folgt geändert:

a)  Absatz 1 erhält folgende Fassung:

„(1)  Unbeschadet der Rolle des Kollegiums überprüfen die in Artikel 22 genannten zuständigen Behörden in enger Zusammenarbeit mit der ESMA die Regelungen, Strategien, Verfahren und Mechanismen, die von CCP angewandt werden, um dieser Verordnung nachzukommen, und bewerten die Risiken, zumindest finanzielle, operationelle Risiken und Cyberrisiken, denen diese ausgesetzt sind oder ausgesetzt sein können.“

b)  Absatz 3 erhält folgende Fassung:

„(3)  Die ESMA legt unter besonderer Berücksichtigung der Größe, der Systemrelevanz, der Art, des Umfangs und der Komplexität der Tätigkeiten sowie der Verflechtung der betroffenen CCP mit anderen Finanzmarktinfrastrukturen Häufigkeit und Umfang der Überprüfung und Bewertung nach Absatz 1 fest. Die Überprüfung und die Bewertung werden mindestens einmal jährlich aktualisiert.

Bei ▌CCPs werden erforderlichenfalls geeignete Prüfungen vor Ort durchgeführt. Mitarbeiter der ESMA können beschließen, bei solchen Prüfungen vor Ort anwesend zu sein.

Die zuständige Behörde übermittelt der ESMA alle Informationen, die sie von den CCP erhält, und fordert sämtliche von der ESMA gewünschten Informationen, die sie nicht vorlegen kann, bei der betreffenden CCP an.“

ba)  Absatz 6 Unterabsatz 2 Buchstabe a erhält folgende Fassung:

„a)  sie unterzieht die Aufsichtstätigkeiten aller zuständigen Behörden in Bezug auf die Zulassung und die Aufsicht von CCPs einer vergleichenden Analyse nach Artikel 30 der Verordnung (EU) Nr. 1095/2010 und führt eine vergleichende Analyse der Risikomanagementverfahren der nach Artikel 14 der vorliegenden Verordnung zugelassenen CCP durch, und“

7.  In Titel III Kapitel 2 werden folgende Artikel 21a, 21b und 21c eingefügt:

„Artikel 21a

Verfahren für die Zusammenarbeit und Entscheidungsfindung im Zusammenhang mit zugelassenen CCPs

(1)  Die zuständigen Behörden, die ihre Aufgaben gemäß Artikel 22 Absatz 1 nachkommen

a)  arbeiten für Entscheidungen, die sie gemäß den Artikeln 14, 15, 20, 30, 31, 32, 33, 34, 35, 36 und 49 der vorliegenden Verordnung oder zur Wahrnehmung der ihnen aus den Anforderungen dieser Artikel erwachsenden Aufgaben annehmen, Entscheidungsentwürfe aus und legen diese vor der Annahme der ESMA zur Zustimmung vor;

b)  arbeiten für Entscheidungen, die sie gemäß den Artikeln 24 und 54 dieser Verordnung oder zur Wahrnehmung der ihnen aus den Anforderungen dieser Artikel erwachsenden Aufgaben annehmen, Entscheidungsentwürfe aus und legen diese vor der Annahme der ESMA zur Zustimmung vor;

c)  können Entscheidungen, die sie gemäß den Artikeln 7, 8, 16, 21, 26, 27, 28, 29, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 50, 51, 52 und 53 der vorliegenden Verordnung und den Artikeln 35 und 36 der Verordnung (EU) Nr. 600/2014 oder zur Wahrnehmung der ihnen aus den Anforderungen dieser Artikel erwachsenden Aufgaben annehmen, auch annehmen, ohne sie zuvor der ESMA zur Zustimmung oder Konsultation vorgelegt zu haben.

(3)  Die ESMA übermittelt den zuständigen Behörden sämtliche Informationen, die die Annahme einer Entscheidung gemäß Absatz 1 zur Folge haben können, und kann spezifische Aufsichtsmaßnahmen – auch Entscheidungen über den Entzug der Zulassung – fordern. Die zuständigen Behörden informieren die ESMA fortlaufend über die daraufhin getroffenen oder unterlassenen Folgemaßnahmen.

(4)  Wird der ESMA gemäß Absatz 1 Buchstabe a ein Entscheidungsentwurf zur Zustimmung vorgelegt, so gilt die Zustimmung der ESMA als erteilt, wenn diese innerhalb von höchstens 15 Kalendertagen nach Mitteilung des Entscheidungsentwurfs keine Änderungen vorschlägt und den Entscheidungsentwurf nicht ablehnt. Lehnt die ESMA einen Entscheidungsentwurf ab oder schlägt sie Änderungen vor, so begründet sie dies ausführlich in schriftlicher Form.

(5)  Wird der ESMA gemäß Absatz 1 Buchstabe a ein Entscheidungsentwurf zur Zustimmung vorgelegt und schlägt die ESMA Änderungen vor, so kann die zuständige Behörde die Entscheidung nur in der von der ESMA geänderten Form annehmen.

Wird der ESMA gemäß Absatz 1 Buchstabe a ein Entscheidungsentwurf zur Zustimmung vorgelegt und lehnt die ESMA eine Entscheidung im endgültigen Entwurf ab, so kann die zuständige Behörde diese Entscheidung nicht annehmen.

(6)  Wird der ESMA gemäß Absatz 1 Buchstabe a ein Entscheidungsentwurf zur Zustimmung vorgelegt und ist die zuständige Behörde mit den Änderungsvorschlägen oder der Ablehnung der ESMA nicht einverstanden, kann sie sich innerhalb von fünf Tagen an den in Artikel 6 Absatz 1 der Verordnung (EU) Nr. 1095/2010 genannten Rat der Aufseher wenden und diesen unter Angabe von Gründen um die Prüfung der Ablehnung oder des Änderungsvorschlags ersuchen. Innerhalb von zehn Tagen nach Eingang des Ersuchens teilt der Rat der Aufseher seine Einschätzung hinsichtlich der Ablehnung oder des Änderungsvorschlags der ESMA mit; die Bestimmungen des Absatzes 5 sind sodann entsprechend anwendbar.

(6a)  Wird der ESMA gemäß Absatz 1 Buchstabe b ein Entscheidungsentwurf zur Konsultation vorgelegt, so antwortet die ESMA innerhalb von höchstens 15 Kalendertagen, nachdem sie über den Entscheidungsentwurf in Kenntnis gesetzt wurde, auf die Konsultation.

(6b)  Wird der ESMA gemäß Absatz 1 Buchstabe b ein Entscheidungsentwurf zur Konsultation vorgelegt, so trägt die zuständige Behörde den Vorschlägen der ESMA gebührend Rechnung.

(7)  Unbeschadet der Befugnisse der Kommission nach Artikel 258 AEUV kann die ESMA in den folgenden Fällen einen Beschluss an einen Finanzmarktteilnehmer richten und ihn dazu verpflichten, die zur Einhaltung seiner Pflichten im Rahmen des Unionsrechts erforderlichen Maßnahmen zu treffen oder jegliche Tätigkeit einzustellen:

a)  wenn die ESMA Änderungen vorschlägt oder eine Entscheidung im endgültigen Entwurf ablehnt und die zuständige Behörde die Bestimmungen des Absatzes 5 nicht einhält;

b)  wenn eine zuständige Behörde die von der ESMA gemäß Absatz 3 geforderten Maßnahmen nicht innerhalb einer angemessenen Frist trifft und diese Unterlassung dazu führt, dass ein Finanzmarktteilnehmer die in den Titeln IV und V dieser Verordnung festgelegten Anforderungen nicht erfüllt.

Nach Unterabsatz 1 erlassene Beschlüsse haben Vorrang vor allen von den zuständigen Behörden in gleicher Sache erlassenen früheren Entscheidungen.

Artikel 21aa

Konsultation der emittierenden Zentralbank

Im Zusammenhang mit Entscheidungen gemäß den Artikeln 14, 15, 20, 44, 46, 50 und 54 konsultiert der CCP-Aufsichtsausschuss alle in Artikel 18 Absatz 2 Buchstabe h genannten emittierenden Zentralbanken über die Aspekte des Entscheidungsentwurfs, die die jeweils von ihnen emittierte Währung betreffen.

Alle emittierenden Zentralbanken antworten innerhalb von 10 Arbeitstagen nach Eingang des Entscheidungsentwurfs auf das Konsultationsersuchen.

Kommt der CCP-Aufsichtsausschuss gemäß Artikel 24 zu dem Schluss, dass es sich bei der vorliegenden Situation um eine Krisensituation handelt, verkürzt sich die im obigen Unterabsatz genannte Frist auf höchstens 24 Stunden.

Nach Ablauf des Zeitraums für die Konsultation der emittierenden Zentralbanken bemüht sich der CCP-Aufsichtsausschuss oder die jeweilige zuständige Behörde nach Kräften, die von den Zentralbanken vorgeschlagenen Änderungen umzusetzen.

Wird der ESMA ein Entscheidungsentwurf gemäß Artikel 21 Absatz 1 Buchstabe a zur Zustimmung oder gemäß Artikel 21 Absatz 1 Buchstabe b zur Konsultation vorgelegt und übernimmt die zuständige Behörde die von einer emittierenden Zentralbank vorgeschlagenen Änderungen nicht in ihrem an den CCP-Aufsichtsausschuss zu übermittelnden Entscheidungsentwurf, so setzt der CCP-Aufsichtsausschuss diese emittierende Zentralbank unter Angabe sämtlicher Gründe darüber schriftlich in Kenntnis und erläutert alle erheblichen Abweichungen von diesen Änderungen.

Artikel 21c

Gebühren

(1)  CCP entrichten folgende Gebühren:

a)  Gebühren im Zusammenhang mit Anträgen auf Zulassung nach Artikel 17 oder mit Anträgen auf Anerkennung gemäß Artikel 25 und

c)  jährliche Gebühren im Zusammenhang mit den Aufgaben der ESMA gemäß dieser Verordnung.

(1a)  Die in Absatz 1 genannten Gebühren sind anteilsmäßig vom Umsatz der betreffenden CCP abhängig und decken die im Zusammenhang mit der Zulassung bzw. Anerkennung der CCP und der Erfüllung ihrer in dieser Verordnung festgelegten Aufgaben stehenden Ausgaben der ESMA vollständig ab.

(2)  Die Kommission erlässt einen delegierten Rechtsakt nach Artikel 82, durch den Folgendes genauer festgelegt wird▌:

a)  die Arten von Gebühren;

b)  die Angelegenheiten, bei denen Gebühren fällig werden;

c)  die Höhe der Gebühren;

ca)  die Art und Weise, wie Gebühren an die folgenden Einrichtungen zu entrichten sind:

i)  in der Union niedergelassene CCP, die zugelassen sind oder eine Zulassung beantragen;

ii)  in Drittstaaten niedergelassene CCP, die nach Artikel 25 Absatz 2 anerkannt sind;

(7a)  Die folgenden Artikel werden eingefügt:

Artikel 22a

Von der ESMA eingerichteter CCP-Aufsichtsausschuss

(1)  Die ESMA richtet gemäß Artikel 41 der Verordnung (EU) Nr. 1095/2010 zum Zweck der Vorbereitung von Entscheidungen und der Durchführung von Aufgaben im Zusammenhang mit der Beaufsichtigung von CCP in der Union und in Drittstaaten einen ständigen internen Ausschuss ein (den CCP-Aufsichtsausschuss).

Der CCP-Aufsichtsausschuss legt dem Rat der Aufseher gemäß Artikel 22c vollständige Entscheidungsentwürfe zur Annahme vor.

(2)  Der CCP-Aufsichtsausschuss besteht aus

a)  den folgenden ständigen Mitgliedern:

i)  dem nicht stimmberechtigten Vorsitz,

ii)  einem stimmberechtigten stellvertretenden Vorsitz, der in Abwesenheit des Vorsitzes dessen Aufgaben wahrnimmt;

iii)  vier stimmberechtigten Direktoren,

iv)  einem nicht stimmberechtigten Vertreter der EZB und

v)  einem nicht stimmberechtigten Vertreter der Kommission;

b)  den folgenden nichtständigen Mitgliedern, die je nach Anlass für die Einberufung des CCP-Aufsichtsausschusses bei jeder CCP unterschiedlich sind:

i)  einem Vertreter der in Artikel 22 genannten zuständigen Behörde für jede in der Union niedergelassene CCP, für die der CCP-Aufsichtsausschuss zusammentritt. Diese Vertreter sind stimmberechtigt. Allerdings hat ein Mitgliedstaat, der mehrere zuständige Behörden benannt hat, unter diesem Punkt lediglich eine Stimme.

ii)  einem nicht stimmberechtigten Vertreter der in Artikel 18 Absatz 2 Buchstabe h genannten zuständigen emittierenden Zentralbank für jede in der Union niedergelassene CCP, für die der CCP-Aufsichtsausschuss zusammentritt.

iii)  – wenn der Aufsichtsausschuss in Bezug auf Entscheidungen oder Diskussionen im Zusammenhang mit den Artikeln 41, 44, 46, 50 und 54 einberufen wird – nicht stimmberechtigten Vertretern der Zentralbanken, die Unionswährungen der von der CCP geclearten oder zu clearenden Finanzinstrumente emittieren, in Bezug auf die der CCP-Aufsichtsausschuss zusammentritt, und die nicht Mitglieder gemäß Ziffer ii sind.

Der Vorsitz kann – sofern angezeigt und notwendig – weitere in Artikel 18 Absatz 2 der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 genannten Mitglieder des Kollegiums der jeweiligen CCP als Beobachter der Sitzungen des CCP-Aufsichtsausschusses einladen.

Führt der CCP-Aufsichtsausschuss eine der unter Absatz 3 Buchstabe b angeführten Aufgaben aus, können – sofern angezeigt und notwendig – Behörden von in Drittländern ansässigen CCP, die von der ESMA gemäß Artikel 25 anerkannt wurden, als Beobachter eingeladen werden.

Werden Entscheidungen im Zusammenhang mit den Absätzen 2a und 2c des Artikels 25 oder mit den Artikeln 25b, 41, 44 und 46 diskutiert, können auch die Zentralbanken, die Währungen der von der in einem Drittland ansässigen CCP geclearten oder zu clearenden Finanzinstrumente emittieren, eingeladen werden, als Beobachter an der Sitzung des CCP-Aufsichtsausschusses teilzunehmen.

Die Sitzungen des CCP-Aufsichtsausschusses werden von seinem Vorstand auf eigene Initiative oder auf Antrag eines seiner Mitglieder einberufen. Der CCP-Aufsichtsausschuss tritt mindestens fünfmal jährlich zusammen.

Betrifft die Aufgabe des CCP-Aufsichtsausschusses keine bestimmte in der Union ansässige CCP, so besteht der Ausschuss lediglich aus den unter Buchstabe a dieses Absatzes aufgeführten ständigen Mitgliedern, allen unter Buchstabe b Ziffer i aufgeführten Behörden und gegebenenfalls den unter Buchstabe b Ziffer ii dieses Absatzes aufgeführten Vertretern der emittierenden Zentralbanken.

(3)  Der CCP-Aufsichtsausschuss arbeitet Entscheidungsentwürfe aus, die dem Rat der Aufseher vorgelegt werden, wenn

a)  die ESMA gemäß Artikel 21a ihre Zustimmung geben oder konsultiert werden muss und

b)  die ESMA die in einem Drittland ansässige CCP gemäß den Artikeln 25, 25a, 25b, 25c, 25d, 25e, 25f, 25g, 25h, 25i, 25j, 25m und 25n anerkennt und überwacht.

(4)  Der in Artikel 22a Absatz 1 Buchstabe a Ziffer i genannte Vorsitzende des CCP-Aufsichtsausschusses sowie die dort genannten Direktoren nehmen ihr Amt unabhängig und als Vollzeitbeschäftigte wahr. Sie werden auf der Grundlage ihrer Verdienste, Fähigkeiten, Kenntnisse in den Bereichen Clearing, Nachhandelsaktivitäten und Finanzfragen sowie ihrer Erfahrung mit der Beaufsichtigung und Regulierung von CCP ernannt. Sie werden mittels eines offenen Auswahlverfahrens ausgewählt, das von der Kommission organisiert wird und bei dem auf die Ausgewogenheit der Geschlechter, Erfahrung und Qualifikation geachtet wird. Das Europäische Parlament und der Rat werden in jeder Phase dieses Verfahrens rechtzeitig angemessen unterrichtet.

Der Vorsitz des CCP-Aufsichtsausschusses, der stellvertretende Vorsitz und die Direktoren des CCP-Aufsichtsausschusses werden für eine Amtszeit von fünf Jahren ernannt, die einmal verlängert werden kann. Der Vorsitz des CCP-Aufsichtsausschusses, der stellvertretende Vorsitz und die Direktoren des CCP-Aufsichtsausschusses bekleiden keine weiteren Ämter, weder auf Unionsebene, noch auf nationaler oder internationaler Ebene.

Die Kommission legt dem Europäischen Parlament nach Konsultation der nationalen Aufsichtsbehörden eine Auswahlliste von Bewerbern für das Amt des Vorsitzes, des stellvertretenden Vorsitzes und der Direktoren des CCP-Aufsichtsausschusses vor und setzt den Rat von dieser Auswahlliste in Kenntnis.

Die Kommission legt dem Europäischen Parlament einen Vorschlag für die Ernennung des Vorsitzes, des stellvertretenden Vorsitzes und der Direktoren des CCP-Aufsichtsausschusses zur Annahme vor. Nach der Annahme dieses Vorschlags erlässt der Rat einen Durchführungsbeschluss zur Ernennung des Vorsitzes, des stellvertretenden Vorsitzes und der Direktoren des CCP-Aufsichtsausschusses. Der Rat beschließt mit qualifizierter Mehrheit.

Wenn der Vorsitz, der stellvertretende Vorsitz oder einer der Direktoren des CCP-Aufsichtsausschusses die zur Erfüllung seiner Pflichten erforderlichen Bedingungen nicht mehr erfüllt oder eines ernst zu nehmenden Fehlverhaltens für schuldig befunden wurde, kann der Rat auf Vorschlag der Kommission, der vom Europäischen Parlament angenommen wurde, einen Durchführungsbeschluss verabschieden, um ihn seines Amtes zu entheben. Der Rat beschließt mit qualifizierter Mehrheit.

Das Europäische Parlament oder der Rat können der Kommission mitteilen, dass sie die Bedingungen für die Amtsenthebung des Vorsitzes, des stellvertretenden Vorsitzes oder eines der Direktoren des CCP-Aufsichtsausschusses als erfüllt erachten, worauf die Kommission zu antworten hat.

(5)  Der CCP-Aufsichtsausschuss wird von geeigneten Mitarbeitern unterstützt, die über ausreichend Wissen, Fähigkeiten und Erfahrung verfügen und von der ESMA mit angemessenen Ressourcen für die Erfüllung ihrer Aufgaben ausgestattet werden.

(6)  Der CCP-Aufsichtsausschuss setzt das jeweilige Aufsichtskollegium gemäß Absatz 1 über sämtliche Entscheidungsentwürfe, die es beim Rat der Aufseher einreicht, in Kenntnis.

(7)  Der CCP-Aufsichtsausschuss stellt sicher, dass die Mitglieder des in Artikel 18 Absatz 2 genannten Kollegiums, die in Artikel 25 Absatz 3 der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 genannten Behörden und der ESRB im Einklang mit Artikel 15 der Verordnung (EU) Nr. 1092/2010 Zugang zu allen für die Erfüllung ihrer Aufgaben notwendigen Informationen haben.

Artikel 22b

Unabhängigkeit

Der Vorsitzende, der stellvertretende Vorsitzende und die Direktoren des CCP-Aufsichtsausschusses dürfen von Organen oder Einrichtungen der Union, von der Regierung eines Mitgliedstaats oder von anderen öffentlichen oder privaten Einrichtungen keine Weisungen bezüglich ihrer Aufgaben ersuchen oder entgegennehmen. Weder die Mitgliedstaaten und die Organe oder Einrichtungen der Union noch andere öffentliche oder private Einrichtungen dürfen versuchen, den in Artikel 22a Absatz 1 Buchstabe a Ziffer i genannten Vorsitzenden, stellvertretenden Vorsitzenden und die Direktoren des CCP-Aufsichtsausschusses bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben zu beeinflussen. Im Einklang mit dem in Artikel 68 der Verordnung (EU) Nr. 1095/2010 genannten Statut sind der in Artikel 22a Absatz 1 Buchstabe a Ziffer i genannte Vorsitzende, der stellvertretende Vorsitzende und die Direktoren des CCP-Aufsichtsausschusses nach dem Ausscheiden aus dem Dienst verpflichtet, bei der Annahme bestimmter Tätigkeiten oder Vorteile ehrenhaft und zurückhaltend zu handeln.

Der Vorsitzende, der stellvertretende Vorsitzende und die Direktoren des CCP-Aufsichtsausschusses unterliegen vor der Übernahme des Amtes sowie nach dessen Aufgabe einer angemessenen Karenzzeit.

Artikel 22c

Bericht

(1)  Das Europäische Parlament und der Rat können den Vorsitzenden, den stellvertretenden Vorsitzenden und die einzelnen Direktoren des CCP-Aufsichtsausschusses auffordern, unter uneingeschränkter Achtung ihrer Unabhängigkeit eine Erklärung abzugeben. Der Vorsitzende gibt vor dem Europäischen Parlament eine Erklärung ab und stellt sich den Fragen seiner Mitglieder, wenn hierum ersucht wird.

(2)  Wenn er dazu aufgefordert wird, legt der Vorsitzende des CCP-Aufsichtsausschusses dem Europäischen Parlament spätestens 15 Tage vor Abgabe der in Absatz 1 genannten Erklärung einen schriftlichen Bericht über die wichtigsten Tätigkeiten des CCP-Aufsichtsausschusses vor.

(3)  Der Vorsitzende stellt dem Europäischen Parlament ad hoc geforderte Informationen zur Verfügung.

(4)  Auf Verlangen führt der Vorsitzende des CCP-Aufsichtsausschusses mit dem Vorsitzenden und den stellvertretenden Vorsitzen des zuständigen Ausschusses des Europäischen Parlaments unter Ausschluss der Öffentlichkeit vertrauliche Gespräche, sofern dies erforderlich ist, damit das Europäische Parlament seine Befugnisse gemäß dem AEUV ausüben kann.

(5)  Bei Untersuchungen durch das Europäische Parlament arbeitet der CCP-Aufsichtsausschuss nach Maßgabe des AEUV und insbesondere der in dessen Artikel 226 genannten Verordnungen mit dem Europäischen Parlament zusammen. Innerhalb von sechs Monaten nach Ernennung des Vorsitzenden, des stellvertretenden Vorsitzenden und der Direktoren des CCP-Aufsichtsausschusses schließt der CCP-Aufsichtsausschuss mit dem Europäischen Parlament angemessene Vereinbarungen darüber, wie die demokratische Rechenschaftspflicht und Aufsicht über die Ausübung der Aufgaben, die dem CCP-Aufsichtsausschuss mit dieser Verordnung übertragen wurden, praktisch umgesetzt werden. Vorbehaltlich der Befugnisse des Europäischen Parlaments nach Artikel 226 AEUV wird in diesen Vereinbarungen unter anderem der Zugang zu Informationen, einschließlich der Vorschriften über den Umgang mit und den Schutz von Verschlusssachen oder anderweitig als vertraulich eingestuften Informationen, die Zusammenarbeit bei Anhörungen, vertraulichen Gesprächen, Berichten, Antworten auf Anfragen und Untersuchungen sowie die Unterrichtung über das Verfahren zur Auswahl des Vorsitzenden, des stellvertretenden Vorsitzenden und der Direktoren nach Artikel 22a Absatz 1 Buchstabe a dieser Verordnung geregelt.

Artikel 22d

Die Entscheidungsfindung im CCP-Aufsichtsausschuss

Der CCP-Aufsichtsausschuss beschließt mit der einfachen Mehrheit seiner Mitglieder. Bei einer Stimmengleichheit ist die Stimme des Vorsitzenden ausschlaggebend.

Artikel 22e

Beschlussfassung im Rat der Aufseher

Für Entscheidungsentwürfe, die gemäß Artikel 21a Absatz 1 und bezüglich der Artikel 14, 15, 20, 41, 44, 46, 50 und 54 eingereicht werden, sowie Entscheidungsentwürfe für gemäß Artikel 25 Absatz 2a als Tier-2-CCP eingestufte CCP, die in Zusammenhang mit den Artikeln 25a, 25 Absatz 2a, 25 Absatz 2b, 25 Absatz 2c und 25 Absatz 5 eingereicht werden, gilt, dass die vom CCP-Aufsichtsausschuss eingereichten Entscheidungsentwürfe mit einfacher Mehrheit vom Rat der Aufseher angenommen werden.

Für Beschlüsse, die nach anderen als den im ersten Unterabsatz genannten Artikeln eingereicht werden, gilt, dass vom CCP-Aufsichtsausschuss eingereichte Entscheidungsentwürfe als angenommen gelten, wenn sie mit einfacher Mehrheit gebilligt wurden, es sei denn, sie werden von Mitgliedern, die eine Sperrminorität im Sinne des Artikels 16 Absatz 4 EUV und des Artikels 3 des Protokolls (Nr. 36) über die Übergangsbestimmungen bilden, innerhalb von zehn Arbeitstagen, nachdem sie übermittelt wurden, abgelehnt.

In Fällen besonderer Dringlichkeit beträgt die Frist zur Prüfung eines Entscheidungsentwurfs 24 Stunden. Wenn der Rat der Aufseher Einwände gegen einen Entscheidungsentwurf erhebt, muss er diese schriftlich begründen.

8.  Artikel 24 erhält folgende Fassung:

„Die für die CCP zuständige Behörde oder eine andere einschlägige Behörde informiert die ESMA, das Kollegium, die einschlägigen Mitglieder des ESZB und andere einschlägige Behörden unverzüglich über etwaige eine CCP betreffende Krisensituationen, einschließlich Entwicklungen auf den Finanzmärkten, die sich negativ auf die Marktliquidität, die Transmission der Geldpolitik, das reibungslose Funktionieren der Zahlungssysteme oder die Stabilität des Finanzsystems in einem Mitgliedstaat, in dem die CCP oder eines ihrer Clearingmitglieder niedergelassen ist, auswirken können.“

9.  Artikel 25 wird wie folgt geändert:

(-a)  Absatz 1 erhält folgende Fassung:

  „(1)  Eine in einem Drittstaat ansässige CCP darf Clearingdienste für in der Union ansässige Clearingmitglieder oder Handelsplätze nur dann erbringen, wenn die betreffende CCP von der ESMA nach dem in Absatz 2 oder dem in Absatz 4 dargelegten Verfahren anerkannt wurde.

a)  In Absatz 2 wird der folgende Buchstabe e angefügt:

e)  die CCP nicht im Einklang mit Absatz 2a als ▌systemrelevante CCP eingestuft wurde, die auch künftig nicht systemrelevant werden dürfte und daher eine Tier 1-CCP ist.“

b)  Die folgenden Absätze 2a, 2b und 2c werden eingefügt:

„(2a)  Die ESMA legt nach Konsultation der Zentralbank(en), die die wichtigsten Unionswährungen der von dieser CCP geclearten oder zu clearenden Finanzinstrumente emittieren, fest, ob eine CCP für die Finanzstabilität der Union oder eines oder mehrerer ihrer Mitgliedstaaten systemrelevante Bedeutung hat oder diese erlangen könnte (Tier 2-CCP), indem sie sämtliche nachstehenden Kriterien prüft:

a)  Art, Umfang und Komplexität der Geschäftstätigkeit der CCP in der Union sowie sonstige Geschäftstätigkeiten der CCP außerhalb der Union, sofern diese Geschäftstätigkeiten die Komplexität der CCP, einschließlich von Folgendem, beeinträchtigen dürften:

i)  den Wert der über die CCP geclearten Transaktionen in aggregierter Form und in jeder Währung der Union und das Gesamtengagement der Clearingtätigkeiten ausführenden CCP gegenüber ihren Clearingmitgliedern in der Europäischen Union und, soweit möglich, ihren in der Union niedergelassenen Kunden und indirekten Kunden, einschließlich wenn diese Mitglieder oder Kunden ebenfalls gemäß Artikel 131 der Richtlinie 2013/36/EU als global systemrelevante Institute (G-SRI) oder andere systemrelevante Institute (A-SRI)eingestuft wurden;

ii)  das Risikoprofil der CCP, unter anderem was ihr Rechts-, Betriebs- und Geschäftsrisiko angeht, wobei Cyberrisiken besondere Aufmerksamkeit zu schenken ist;

b)  die Auswirkungen, die der Ausfall oder eine Unterbrechung der Tätigkeit der CCP auf Finanzmärkte, Finanzinstitute oder das Finanzsystem generell oder auf die Finanzstabilität der Union oder eines oder mehrerer ihrer Mitgliedstaaten hätte;

c)  die Clearingmitgliederstruktur der CCP oder die Struktur des Netzes der Kunden oder indirekten Kunden der Clearingsmitglieder, wenn diese leicht zu identifizieren sind, insbesondere der Anteil der Clearingmitglieder und deren Kunden und indirekten Kunden, die in der Union niedergelassen sind;

d)  die Beziehungen der CCP, ihre wechselseitigen Abhängigkeiten oder sonstigen Interaktionen mit anderen Finanzmarktinfrastrukturen, anderen Finanzinstituten und dem Finanzsystem generell in dem Maße, in dem diese Interaktionen das Finanzsystem der Union oder eines oder mehrerer ihrer Mitgliedsstaaten beeinflussen dürften;

da)  die sofortigen und mittelfristigen Auswirkungen, die der Ausfall oder eine Unterbrechung der Tätigkeit der CCP auf die Liquidität der von ihr bedienten Märkte oder auf die Umsetzung der Geldpolitik durch die emittierende Zentralbank hätte.

Innerhalb von [zwölf Monaten nach Inkrafttreten dieser Verordnung] erlässt die Kommission einen delegierten Rechtsakt nach Artikel 82, in dem die in Unterabsatz 1 genannten Kriterien genauer festgelegt werden.

(2b)  Gelangt die ESMA gemäß Absatz 2a zu dem Schluss, dass eine CCP systemrelevante Bedeutung hat oder diese erlangen könnte (Tier 2-CCP), erkennt sie die CCP nur dann an, wenn neben den Bedingungen von Absatz 2 Buchstaben a, b ▌und d auch die nachstehenden Bedingungen erfüllt sind:

a)  die CCP erfüllt die Anforderungen des Artikels 16 und der Titel IV und V zum Zeitpunkt der Anerkennung und anschließend kontinuierlich. Im Einklang mit Artikel 25a Absatz 2 berücksichtigt die ESMA, inwiefern die Erfüllung dieser Anforderungen durch die Erfüllung von im Drittstaat anwendbaren, vergleichbaren Anforderungen gewährleistet ist;

b)  ▌die CCP erfüllt die folgenden Anforderungen dauerhaft, die die Zentralbanken, die die wichtigsten Unionswährungen der von dieser Drittstaaten-CCP geclearten oder zu clearenden Finanzinstrumente emittieren, möglicherweise im Zusammenhang mit der Wahrnehmung ihrer Aufgaben im Bereich der Geldpolitik aufgestellt haben, oder hat geeignete Maßnahmen geschaffen, um diese Anforderungen dauerhaft zu erfüllen:

i)  Übermittlung angeforderter Informationen an die einschlägige emittierende Zentralbank, falls die ESMA diese Informationen nicht anders eingeholt hat;

ii)  Verpflichtung der CCP, uneingeschränkt und angemessen mit der emittierenden Zentralbank bei ihrer Bewertung der Belastbarkeit der CCP bei nachteiligen Marktbedingungen zusammenzuarbeiten;

iii)  Eröffnung eines täglich fälligen Einlagenkontos bei der emittierenden Zentralbank durch die CCP gemäß den einschlägigen Zugangskriterien und Anforderungen der emittierenden Zentralbank;

iv)  in Ausnahmefällen Erfüllung von Anforderungen im Einklang mit den Anforderungen nach Artikel 16 und den Titeln IV und V im Rahmen der Kompetenzen der emittierenden Zentralbank und im Zusammenhang mit der Kontrolle von Liquiditätsrisiken, Abwicklungsvereinbarungen, Einschusszahlungen, Sicherheits- oder Interoperabilitätsvereinbarungen, um systemischen Liquiditätsrisiken zu begegnen, welche die Transmission der Geldpolitik oder das reibungslose Funktionieren der Zahlungssysteme beeinträchtigen könnten.

Innerhalb von 150 Tagen nach Übermittlung eines vollständigen Antrags bestätigt die emittierende Zentralbank der ESMA schriftlich, dass die CCP alle Anforderungen nach dem ersten Unterabsatz dauerhaft erfüllt oder geeignete Maßnahmen geschaffen hat, um diese dauerhaft zu erfüllen.

Übermitteln die betreffenden emittierenden Zentralbanken der ESMA keine schriftliche Antwort bezüglich der Erfüllung einer oder mehrerer Anforderungen nach den Ziffern i bis iv durch die CCP, so kann die ESMA die betreffenden Anforderungen als erfüllt betrachten.

Die emittierende Zentralbank liefert der CCP und der ESMA auf der Grundlage der Bedeutung der Entscheidung für die Geldpolitik eine ausreichend begründete Erklärung ihrer Entscheidung, eine der im ersten Unterabsatz genannten Anforderungen aufzuerlegen.

Wird eine der Anforderungen nach dem ersten Unterabsatz von der emittierenden Zentralbank auferlegt, nachdem die CCP anerkannt wurde, erfüllt die CCP diese Anforderung im Einklang mit Artikel 25b umgehend, und die emittierende Zentralbank unterrichtet die ESMA unverzüglich hierüber.

Anforderungen, die von einer Zentralbank nach Ziffer iv des ersten Unterabsatzes auferlegt werden, gelten für einen Zeitraum von höchstens sechs Monaten. Ist die Zentralbank der Auffassung, dass die Ausnahmesituation nach Ziffer iv des ersten Unterabsatzes weiterhin besteht, kann sie zum Ende des ersten Zeitraums nach Konsultation der Kommission und der ESMA die Anforderungen für einen weiteren Zeitraum von höchstens sechs Monaten weiterhin stellen.

Jede emittierende Zentralbank kann der Kommission einen angemessen begründeten Antrag übermitteln, der in Unterabsatz 1 aufgeführten Liste eine oder mehrere Anforderungen hinzuzufügen.

Auf der Grundlage dieses Antrags kann die Kommission einen delegierten Rechtsakt erlassen, um die betreffenden Anforderungen zu der in Unterabsatz 1 aufgeführten Liste hinzuzufügen oder eine Verlängerung der Anwendung der Anforderungen nach Ziffer iv von Unterabsatz 1 zu genehmigen.

Falls die Kommission nach Eingang eines Antrags einer Zentralbank beschließt, eine oder mehrere Anforderungen, die gemäß dem Antrag der Zentralbank in die in Unterabsatz 1 aufgeführte Liste aufgenommen werden sollen, nicht zu dieser Liste hinzuzufügen, übermittelt sie der betreffenden Zentralbank hierfür schriftlich eine umfassende und ausführliche Erklärung.

c)  ▐ die CCP hat der ESMA in einer von ihrem rechtlichen Vertreter unterzeichneten schriftlichen Erklärung, der sie ein begründetes rechtliches Gutachten eines unabhängigen Rechtssachverständigen beifügt, worin bestätigt wird, dass die erteilte Zustimmung gemäß dem jeweils anwendbaren Recht rechtsgültig und vollstreckbar ist, bestätigt, dass die CCP ihre uneingeschränkte Zustimmung erteilt, der ESMA innerhalb von 10 Werktagen nach Eingang eines entsprechenden Antrags sämtliche Unterlagen, Aufzeichnungen, Informationen und Daten zu übermitteln, über die die CCP zum Zeitpunkt des Eingangs des Antrags verfügt, und der ESMA Zugang zu allen ihren Geschäftsräumen zu gewähren;

d)  die CCP hat sämtliche Maßnahmen getroffen und umgesetzt und alle Verfahren eingeführt, die erforderlich sind, um sicherzustellen, dass die Anforderungen der Buchstaben a und c erfüllt werden;

da)  Kooperationsvereinbarungen wurden gemäß Absatz 7a geschlossen;

e)  die Kommission hat keinen Durchführungsrechtsakt gemäß Absatz 2c erlassen.

(2c)  Die ESMA kann im Einvernehmen mit den ▐ Zentralbanken, die die wichtigsten Unionswährungen der von dieser Drittstaaten-CCP geclearten oder zu clearenden Finanzinstrumente emittieren▐ zu dem Schluss gelangen, dass die Systemrelevanz der CCP so wesentlich ist, dass die Erfüllung der in Absatz 2b festgelegten Bedingungen nicht ausreicht, um die Finanzstabilität der Union oder eines oder mehrerer ihrer Mitgliedstaaten zu gewährleisten ▐. In diesem Fall empfiehlt die ESMA der Kommission, im Wege eines delegierten Rechtsakts zu untersagen, dass die betreffende CCP gemäß Absatz 2 oder Absatz 2b anerkannt wird.

Die ESMA kann im Rahmen ihrer Prüfung spezifische Clearingdienste oder ‑tätigkeiten festlegen, die nur durch eine gemäß Artikel 14 zugelassenen CCP für Clearingmitglieder und Handelsplätzen in der Union erbracht werden dürfen.

Die Empfehlung geht mit einer Untersuchung der folgenden Elemente einher:

a)  der in Artikel 25 Absatz 2a in den Buchstaben a bis da aufgeführten Elemente;

b)  der Merkmale der von der CCP angebotenen Clearingdienste, insbesondere der Liquiditätsanforderungen und Anforderungen bezüglich der physischen Abwicklung in Verbindung mit der Erbringung solcher Dienste, und der damit einhergehenden Wahrscheinlichkeit, dass die CCP in gravierenden Stresssituationen bei der Zentralbank Liquiditätshilfe beantragen muss;

c)  des Bestehens eines tragfähigen potenziellen Ersatzes für die Erbringung der betreffenden Clearingsdienste in den betreffenden Währungen für Clearingmitglieder, ihre in der Union niedergelassenen Kunden und indirekten Kunden;

d)  des Bestehens und der Art von Liquiditätshilfsmechanismen, die der CCP in ihrem Herkunftsland zur Verfügung stehen, und des möglichen Bestehens von Vereinbarungen zur Risikominderung;

e)  der möglichen Folgen, die sich aus der Einbeziehung der von der CCP im Rahmen des delegierten Rechtsakts gehaltenen ausstehenden Kontrakte ergeben;

f)  der potenziellen Kosten und Vorteile, die sich daraus ergeben, dass die CCP in der Union für Folgendes eine Genehmigung beantragen muss:

i)  für die Clearingmitglieder der CCP und ihre in der Union niedergelassenen Kunden und indirekten Kunden;

ii)  die mit der CCP verbundenen und interoperablen FMI;

iii)  die Finanzstabilität der Union oder einer oder mehrerer ihrer Mitgliedstaaten, einschließlich der Frage, ob das systemische Risiko dadurch verringert wird, dass die CCP in der Union eine Genehmigung beantragen muss.

Auf Grundlage der in Unterabsatz 1 genannten Empfehlung und der damit einhergehenden Bewertung kann die Kommission den delegierten Rechtsakt gemäß Unterabsatz 1 erlassen, in dem verfügt wird, dass einige oder alle der von der betreffenden CCP erbrachten Dienste nur für Clearingmitglieder und Handelsplätze in der Union und nur von einer gemäß Artikel 14 zugelassenen CCP erbracht werden dürfen, gegebenenfalls nach einem Übergangszeitraum. In diesem delegierten Rechtsakt kann Folgendes festgelegt werden:

a)  ein angemessener Übergangszeitraum für die CCP, ihre Clearingmitglieder und deren Kunden;

b)  die Bedingungen, unter denen die CCP während des in Buchstabe a genannten Übergangszeitraums vorübergehend anerkannt werden kann; und

c)  sämtliche Maßnahmen, die während des Übergangszeitraums ergriffen werden, um die potenziellen Kosten für Clearingmitglieder und deren Kunden, insbesondere diejenigen, die in der Union ansässig sind, zu begrenzen.

ba)  Absatz 3 wird wie folgt geändert:

  i)  Der einleitende Teil erhält folgende Fassung:

  „(3)  Für die Prüfung, ob die Voraussetzungen nach Absatz 2 oder gegebenenfalls Absatz 2a erfüllt sind, konsultiert die ESMA“

  ii)  Buchstabe f erhält folgende Fassung:

  „f)    die Zentralbanken, die alle Unionswährungen der durch die Drittstaat-CCP geclearten oder zu clearenden Finanzinstrumente emittieren.“

bb)  Absatz 4 Unterabsatz 6 erhält folgende Fassung:

  „Die ESMA veröffentlicht auf ihrer Website ein Verzeichnis der gemäß dieser Verordnung anerkannten zentralen Gegenparteien und gibt deren Einstufung als Tier-1- bzw. Tier-2-CCPs an.“

c)  Absatz 5 erhält folgende Fassung:

„(5) Die ESMA überprüft nach Anhörung der in Absatz 3 genannten Behörden und Stellen die Anerkennung einer in einem Drittstaat ansässigen CCP,

a) wenn die betreffende CCP das Spektrum ihrer Tätigkeiten und Dienstleistungen in der Union erweitert; und entweder

b) mindestens alle zwei Jahre, wenn das Volumen der von dieser CCP geclearten, auf eine Unionswährung lautenden Finanzinstrumente für die betreffenden Währungen das in den in Unterabsatz 5 genannten technischen Regulierungsstandards festgelegte Niveau übersteigt; oder

c) in allen anderen Fällen mindestens alle fünf Jahre.

Diese Überprüfung wird nach Maßgabe der Absätze 2, 3 und 4 durchgeführt.

Über diese Überprüfung hinaus kann die ESMA unbeschadet Absatz 2c und bei Einhaltung der in Absatz 1a genannten Kriterien entweder

a) im Einklang mit Absatz 2a feststellen, dass eine Tier 1-CCP Bedeutung für die finanzielle Stabilität der Union oder einen oder mehrere seiner Mitgliedsstaaten erlangt hat oder voraussichtlich erlangen wird und daher als Tier 2-CCP einzustufen ist;

b) feststellen, dass eine Tier 2-CCP keine Bedeutung mehr für die finanzielle Stabilität der Union oder einen oder mehrere seiner Mitgliedsstaaten hat oder voraussichtlich haben wird und daher wieder als Tier 1-CCP einzustufen ist; oder

c) feststellen, dass die Bedeutung der betreffenden CCP unverändert ist und die Einstufung dieser CCP beibehalten wird.

Stellt die ESMA zusätzlich zu der in Unterabsatz 1 genannten Überprüfung fest, dass eine Drittstaaten-CCP, die von der ESMA zuvor als Tier-1-CCP eingestuft wurde, als Tier-2-CCP eingestuft werden sollte, legt die ESMA einen angemessenen Übergangszeitraum von höchstens zwölf Monaten fest, innerhalb dessen die CCP die in Absatz 2b aufgeführten Anforderungen erfüllen muss.

Die ESMA kann diesen Übergangszeitraum auf begründete Anfrage seitens der CCP oder der zuständigen für die Aufsicht von Clearingmitgliedern der CCP verantwortlichen Behörde um bis zu sechs weitere Monate verlängern, falls eine derartige Verlängerung durch außergewöhnliche Umstände und die besonderen Bedürfnisse der in der Union ansässigen Clearingmitglieder der CCP gerechtfertigt ist.

(5a) Die ESMA erarbeitet in Absprache mit den Mitgliedern des ESZB Entwürfe für technische Regulierungsstandards, in denen jeweils die Schwellenwerte für jede in Absatz 5 Unterabsatz 1 Buchstabe b genannte Unionswährung festgelegt sind.

Die ESMA legt der Kommission diese Entwürfe für technische Regulierungsstandards bis zum ... [zwölf Monate nach Inkrafttreten dieser Änderungsverordnung] vor.

Der Kommission wird die Befugnis übertragen, die in Unterabsatz 1 genannten technischen Regulierungsstandards gemäß den Artikeln 10 bis 14 der Verordnung (EU) Nr. 1095/2010 zu erlassen.

d)  Absatz 6 erhält folgende Fassung:

„(6) Die Kommission erlässt gemäß Artikel 5 der Verordnung (EU) Nr. 182/2011 einen Durchführungsrechtsakt, in dem sie feststellt,

a) dass die Rechts- und Aufsichtsmechanismen eines Drittstaats gewährleisten, dass die in diesem Drittstaat zugelassenen CCP dauerhaft rechtsverbindliche Anforderungen erfüllen, die den Anforderungen des Titels IV dieser Verordnung entsprechen;

b) dass in dem Drittstaat dauerhaft eine wirksame Beaufsichtigung der betreffenden CCP und eine effektive Rechtsdurchsetzung sichergestellt sind;

c) dass der Rechtsrahmen des betreffenden Drittstaats ein wirksames gleichwertiges System der Anerkennung von nach dem Recht eines Drittstaats zugelassenen CCP vorsieht.

Die Kommission kann die Anwendung des in Unterabsatz 1 genannten Durchführungsrechtsakts davon abhängig machen, dass ein Drittstaat sämtliche darin festgelegten Anforderungen dauerhaft erfüllt und dass die ESMA in der Lage ist, ihre Zuständigkeiten in Bezug auf Drittstaaten-CCP, die gemäß den Absätzen 2 und 2b anerkannt wurden, oder in Bezug auf die in Absatz 6b genannte Überwachung – auch im Wege des Abschlusses und der Anwendung von Kooperationsvereinbarungen nach Absatz 7 – wirksam durchzusetzen.“

e)  Folgende Absätze 6a und 6b werden eingefügt:

„(6a) Die Kommission erlässt einen delegierten Rechtsakt nach Artikel 82, in dem die in Absatz 6 Buchstaben a, b und c genannten Kriterien genauer festgelegt werden.

(6b) Die ESMA überwacht die regulatorischen und aufsichtlichen Entwicklungen in Drittstaaten, für die Durchführungsrechtsakte gemäß Absatz 6 erlassen wurden.

Stellt die ESMA in diesen Drittstaaten regulatorische oder aufsichtliche Entwicklungen fest, die sich auf die Finanzstabilität der Union oder eines oder mehrerer ihrer Mitgliedstaaten auswirken können, teilt sie dies der Kommission, dem Europäischen Parlament und dem Rat unverzüglich auf vertrauliche Weise mit.

Die ESMA legt der Kommission jährlich einen vertraulichen Bericht über die regulatorischen und aufsichtlichen Entwicklungen in Drittstaaten gemäß Unterabsatz 1 vor.“

f)  Absatz 7 Satz 1 erhält folgende Fassung:

(7) Wenn nach einer gemäß Absatz 2a durchgeführten Bewertung eine CCP als Tier 1-CCP eingestuft wird, schließt die ESMA wirksame Kooperationsvereinbarungen mit den jeweils zuständigen Behörden der Drittstaaten, deren Rechts- und Aufsichtsrahmen gemäß Absatz 6 als dieser Verordnung gleichwertig anerkannt wurden.“

g)  In Absatz 7 erhält der Buchstabe d folgende Fassung und wird der folgende Buchstabe e angefügt:

„d) die Verfahren zur Koordinierung der Aufsichtstätigkeiten, einschließlich des Einverständnisses der Behörden in Drittstaaten für die Durchführung von Untersuchungen und Vor-Ort-Prüfungen im Einklang mit Artikel 25d beziehungsweise 25e;

e) die für die wirksame Überwachung der regulatorischen und aufsichtlichen Entwicklungen in dem betreffenden Drittstaat erforderlichen Verfahren.“

ga)  In Absatz 7 wird der folgende Buchstabe angefügt:

„f) Verfahren zur Kooperation in den in Artikel 24 genannten Situationen, einschließlich

i) der Einwilligung der jeweils zuständigen Behörden der Drittstaaten, die ESMA und die Zentralbanken, die die wichtigsten Unionswährungen der durch die Drittstaat-CCP geclearten oder zu clearenden Finanzinstrumente emittieren, unverzüglich über Situationen zu benachrichtigen, die eine von ihnen beaufsichtigte CCP betreffen; und

ii) der Einwilligung der jeweils zuständigen Behörden der Drittstaaten, die ESMA und die Zentralbanken, die die wichtigsten der durch die Drittstaat-CCP geclearten oder zu clearenden Unionswährungen emittieren, angemessen in die in solchen Situationen getroffenen Beschlüsse einzubinden.“

gb)  In Absatz 7 wird folgender Unterabsatz angefügt:

„Die ESMA konsultiert die Zentralbanken, die die wichtigsten der durch die Drittstaat-CCP geclearten oder zu clearenden Unionswährungen emittieren, bei der Ausarbeitung der Bestimmungen der Kooperationsvereinbarungen, die sich auf in Buchstabe f genannte Sachverhalte beziehen.“

gc)  In Artikel 25 werden folgende Absätze 7a und 7b werden eingefügt:

„(7a) Wenn nach einer gemäß Absatz 2a durchgeführten Bewertung eine CCP als Tier 2-CCP eingestuft wird, schließt die ESMA wirksame Kooperationsvereinbarungen mit den jeweils zuständigen Behörden der Drittstaaten, deren Rechts- und Aufsichtsrahmen gemäß Absatz 6 als dieser Verordnung gleichwertig anerkannt wurden. Diese Vereinbarungen sehen mindestens Folgendes vor:

a) einen Mechanismus für den Informationsaustausch zwischen der ESMA und den zuständigen Behörden der betreffenden Drittstaaten, einschließlich des Zugangs zu allen von der ESMA angeforderten Informationen über in Drittstaaten zugelassene CCPs und des Informationsaustauschs und der Berichterstattung bei wesentlichen Änderungen der Risikomodelle und ‑parameter, der Erweiterung der CCP-Tätigkeiten und ‑Dienstleistungen, Änderungen der Kundenkontenstruktur und der Verwendung von Zahlungssystemen, die sich erheblich auf die Union auswirken;

b) einen Mechanismus zur sofortigen Benachrichtigung der ESMA, wenn die zuständige Behörde eines Drittstaats der Ansicht ist, dass eine von ihr beaufsichtigte Drittstaaten-CCP gegen die Zulassungsvoraussetzungen oder anderes des für sie geltenden Rechts verstößt;

c) einen Mechanismus zur sofortigen Benachrichtigung der ESMA durch die zuständige Behörde eines Drittstaats, wenn einer von ihr beaufsichtigten CCP die Erlaubnis erteilt wurde, Clearingdienste für in der Union ansässige Clearingmitglieder oder Kunden zu erbringen;

d) die Verfahren zur Koordinierung der Aufsichtstätigkeiten, einschließlich des Einverständnisses der Behörden in Drittstaaten für die Durchführung von Untersuchungen und Vor-Ort-Prüfungen im Einklang mit Artikel 25d beziehungsweise 25e;

e) die für die wirksame Überwachung der regulatorischen und aufsichtlichen Entwicklungen in dem betreffenden Drittstaat erforderlichen Verfahren;

f) die ausdrückliche Zustimmung der zuständigen Behörden des Drittstaates zur Weitergabe von Informationen, die sie gemäß Buchstaben a bis d bereitstellen, an die in Absatz 3 genannten Behörden unter Vorbehalt der in Artikel 83 genannten Verpflichtung zur Wahrung des Berufsgeheimnisses;

g) falls der ESMA gemäß Artikel 25b Rechte in Bezug auf Entscheidungen übertragen werden, Verfahren zur effektiven Durchsetzung dieser Rechte;

h) Verfahren zur Kooperation in den in Artikel 24 genannten Situationen, einschließlich

i) der Einwilligung der jeweils zuständigen Behörden der Drittstaaten, die ESMA und die Zentralbanken, die die wichtigsten Unionswährungen der durch die Drittstaat-CCP geclearten oder zu clearenden Finanzinstrumente emittieren, unverzüglich über Situationen zu benachrichtigen, die eine von ihnen beaufsichtigte CCP betreffen;

ii) die Einwilligung der jeweils zuständigen Behörden der Drittstaaten, die ESMA und die Zentralbanken, die die wichtigsten der durch die Drittstaat-CCP geclearten oder zu clearenden Unionswährungen emittieren, angemessen in die in solchen Situationen getroffenen Beschlüsse einzubinden.

Die ESMA konsultiert die Zentralbanken, die die wichtigsten der durch die Drittstaat-CCP geclearten oder zu clearenden Unionswährungen emittieren, bei der Ausarbeitung der Bestimmungen der Kooperationsvereinbarungen, die sich auf in Buchstabe h genannte Sachverhalte beziehen.

(7b) Ist die ESMA der Auffassung, dass eine zuständige Behörde aus einem Drittstaat es versäumt, die in einer gemäß Absatz 7 oder 7a getroffenen Kooperationsvereinbarung festgelegten Bestimmungen anzuwenden, setzt sie die Kommission hierüber vertraulich und unverzüglich in Kenntnis. In einem solchen Fall kann die Kommission entscheiden, den Durchführungsrechtsakt im Einklang mit Absatz 6 zu überarbeiten.“

10.  Die folgenden Artikel 25a, 25b, 25c, 25d, 25e, 25f, 25g, 25h, 25i, 25j, 25k, 25l, 25m und 25n werden eingefügt:

„Artikel 25a

Vergleichbarkeitsprinzip

(1) Eine von Artikel 25 Absatz 2b Buchstabe a betroffene CCP kann unter Angabe von Gründen beantragen, dass die ESMA beurteilt, ob ihre Konformität mit dem im Drittstaat gültigen Rechtssystem als für die Erfüllung der in Artikel 25 Absatz 2b Buchstabe a genannten und in Artikel 16 sowie den Titeln IV und V festgelegten Anforderungen ausreichend erachtet wird.

Die ESMA führt auf der Grundlage des Antrags die in Unterabsatz 1 genannte Bewertung durch. Bei der Durchführung ihrer Bewertung berücksichtigt die ESMA die Bestimmungen des Durchführungsrechtsakts, der in Übereinstimmung mit Artikel 25 Absatz 6 angenommen wurde.

Gelangt die ESMA bei dieser Bewertung zu der Ansicht, dass die Einhaltung der in Artikel 25 Absatz 2b Buchstabe a genannten und in Artikel 16 sowie den Titeln IV und V festgelegten Anforderungen durch die CCP durch ihre Einhaltung der vergleichbaren im Drittland gültigen Anforderungen erfüllt wird, wird diese Ansicht für die Zwecke von Artikel 25 Absatz 2b Buchstabe a berücksichtigt.

(2) Ein Antrag nach Absatz 1 enthält eine faktengestützte Feststellung der Vergleichbarkeit sowie die Begründung, weshalb die Erfüllung der im Drittstaat anwendbaren Anforderungen der Erfüllung der in Artikel 16 sowie den Titeln IV und V festgelegten Anforderungen gleichwertig ist.

(3) Um zu gewährleisten, dass die in Absatz 1 genannte Beurteilung den Regulierungszielen der in Artikel 16 sowie den Titeln IV und V festgelegten Anforderungen sowie dem Interesse der gesamten Union tatsächlich gerecht wird, erlässt die Kommission einen delegierten Rechtsakt, in dem Folgendes festgelegt wird:

a) die für die Zwecke von Absatz 1 mindestens zu beurteilenden Punkte;

b) die für die Durchführung der Beurteilung geltenden Modalitäten und Bedingungen.

Die Kommission erlässt den in Unterabsatz 1 genannten delegierten Rechtsakt nach Artikel 82.

Artikel 25b

Dauerhafte Erfüllung der Anerkennungsvoraussetzungen

(1) Die ESMA hat die aus dieser Verordnung erwachsenden Aufgaben in Bezug auf die laufende Beaufsichtigung der Erfüllung der Anforderungen nach Artikel 25 Absatz 2b Buchstabe a durch die anerkannten Tier 2-CCP wahrzunehmen.

Die ESMA verlangt von jeder Tier 2-CCP mindestens jährlich eine Bestätigung, dass sie die Anforderungen nach Artikel 25 Absatz 2b Buchstaben a, b, c, d und e weiterhin erfüllt.

Ist eine in Artikel 18 Absatz 2 Buchstabe h genannte emittierende Zentralbank der Auffassung, dass eine Tier 2-CCP die in Artikel 25 Absatz 2b Buchstabe b festgelegte Bedingung nicht mehr erfüllt, unterrichtet sie die ESMA unverzüglich.

(1a)  Erhält die ESMA eine Benachrichtigung gemäß Absatz 1 Unterabsatz 3, oder versäumt eine Tier 2-CCP, der ESMA die Bestätigung nach Absatz 1 Unterabsatz 2 vorzulegen, gelten die Bedingungen für die Anerkennung der CCP nach Artikel 25 Absatz 2b nicht mehr als erfüllt und die Verfahren nach Artikel 25m Absatz 2, 3 und 4 kommen zur Anwendung.

(2) In Bezug auf die Beschlüsse gemäß den Artikeln 41, 44, 46, 50 und 54 hört der CCP-Aufsichtsausschuss die emittierenden Zentralbanken, die die wichtigsten der durch die Drittstaaten-CCP geclearten oder zu clearenden Unionswährungen emittieren, zu den Aspekten des Beschlussentwurfs an, die die von ihr emittierte Währung betreffen.

Alle emittierenden Zentralbanken antworten auf das Anhörungsersuchen der ESMA innerhalb von zehn Werktagen nach der Übermittlung des Beschlussentwurfs.

Kommt der CCP-Aufsichtsausschuss gemäß Artikel 24 zu dem Schluss, dass es sich bei der vorliegenden Situation um eine Krisensituation handelt, verkürzt sich die im obigen Unterabsatz genannte Frist auf höchstens 24 Stunden.

Nach Ablauf des Zeitraums für die Anhörung der emittierenden Zentralbanken bemüht sich der CCP-Aufsichtsausschuss nach besten Kräften, die von ihnen vorgeschlagenen Änderungen umzusetzen.

Übernimmt der CCP-Aufsichtsausschuss die von einer emittierenden Zentralbank vorgeschlagenen Änderungen nicht in ihrem an den Rat der Aufseher zu übermittelnden Beschlussentwurf, so setzt er diese emittierende Zentralbank unter Angabe sämtlicher Gründe darüber schriftlich in Kenntnis und erklärt alle erheblichen Abweichungen von diesen Änderungen.

(3) Die ESMA führt in enger Zusammenarbeit mit den Behörden der Drittstaaten, den emittierenden Zentralbanken und dem ESRB Bewertungen der Belastbarkeit von anerkannten CCPs bei ungünstigen Marktentwicklungen nach Artikel 32 Absatz 2 der Verordnung (EU) Nr. 1095/2010 durch. Bei der Durchführung dieser Bewertungen berücksichtigt die ESMA zumindest die finanziellen und operationellen Risiken sowie die Cyberrisiken und stellt sicher, dass ihre Bewertungen mit den Bewertungen der Belastbarkeit der CCPs der Union nach Artikel 21 Absatz 6 dieser Verordnung kohärent sind.

Artikel 25ba

Kollegium für Drittstaaten-CCPs

(1) Die ESMA richtet ein Kollegium für Drittstaaten CCPs ein, um den Informationsaustausch zu erleichtern.

(2) Dem Kollegium gehören an:

a) die ständigen Mitglieder des CCP-Aufsichtsausschusses;

b) die zuständigen Behörden, die für die Beaufsichtigung der CCPs verantwortlich sind, die von den Mitgliedstaaten gemäß Artikel 22 benannt werden;

c) die zuständigen Behörden, die für die Beaufsichtigung der in der Union ansässigen Clearingmitglieder einer gemäß Artikel 25 anerkannten Drittstaaten-CCP verantwortlich sind;

d) die zuständigen Behörden, die für die Beaufsichtigung der in der Union gelegenen Handelsplätze verantwortlich sind, an denen eine gemäß Artikel 25 anerkannte Drittstaaten-CCP Dienstleistungen erbringt oder zu erbringen beabsichtigt;

e) die zuständigen Behörden, die zentrale Wertpapierverwahrstellen mit Sitz in der Union beaufsichtigen, mit denen eine gemäß Artikel 25 anerkannte Drittstaaten-CCP verbunden ist oder eine Verbindung einzugehen beabsichtigt; und

f) die Mitglieder des Europäischen Systems der Zentralbanken.

(3) Das Kollegium kann den CCP-Aufsichtsausschuss ersuchen, bestimmte Angelegenheiten in Bezug auf eine in einem Drittstaat niedergelassene CCP zu besprechen. Der CCP-Aufsichtsausschuss zieht Ersuchen dieser Art gebührend in Betracht und übermittelt eine angemessene Antwort.

(4) Der Vorsitzende des CCP-Aufsichtsausschusses ist gleichzeitig Vorsitzender des Kollegiums. Grundlage für die Einrichtung und die Arbeitsweise des Kollegiums ist eine schriftliche Vereinbarung zwischen allen Mitgliedern des Kollegiums.

Artikel 25bb

Ausübung der in den Artikeln 25c bis 25e genannten Befugnisse

Die der ESMA oder Bediensteten der ESMA oder sonstigen von ihr nach den Artikeln 25c bis 25e bevollmächtigten Personen übertragenen Befugnisse dürfen nicht genutzt werden, um die Offenlegung von Informationen oder Unterlagen zu ersuchen, die einem Rechtsprivileg unterliegen.

Artikel 25c

Informationsersuchen

(1) Die ESMA kann durch einfaches Ersuchen oder im Wege eines Beschlusses von anerkannten CCP und mit diesen verbundenen Dritten, an die die CCP betriebliche Aufgaben oder Tätigkeiten ausgelagert haben, die Vorlage sämtlicher Informationen verlangen, die sie für die Wahrnehmung ihrer Aufgaben im Rahmen dieser Verordnung benötigt.

(2) Das von der ESMA übermittelte einfache Informationsersuchen nach Absatz 1 enthält sämtliche folgenden Angaben:

a) Bezugnahme auf diesen Artikel als Rechtsgrundlage für das Ersuchen;

b) Zweck des Ersuchens;

c) angefragte Informationen;

d) Frist für die Vorlage der Informationen;

e) Unterrichtung der Person, von der die Informationen angefordert werden, dass sie nicht zu deren Übermittlung verpflichtet ist, dass jedoch die übermittelten Informationen im Falle einer freiwilligen Beantwortung des Ersuchens nicht falsch und irreführend sein dürfen;

f) Hinweis auf die in Artikel 25g in Verbindung mit Anhang III Abschnitt V Buchstabe a vorgesehene Geldbuße für den Fall, dass die Antworten auf die gestellten Fragen falsch oder irreführend sind.

(3) Fordert die ESMA die Informationen im Wege eines Beschlusses nach Absatz 1 an, enthält dieser sämtliche folgenden Angaben:

a) Bezugnahme auf diesen Artikel als Rechtsgrundlage für das Ersuchen;

b) Zweck des Ersuchens;

c) angefragte Informationen;

d) Frist für die Vorlage der Informationen;

e) Hinweis auf die nach Artikel 25h zu verhängenden Zwangsgelder, wenn die vorgelegten Informationen unvollständig sind;

f) Hinweis auf die in Artikel 25g in Verbindung mit Anhang III Abschnitt V Buchstabe a vorgesehene Geldbuße für den Fall, dass die Antworten auf die gestellten Fragen falsch oder irreführend sind, und

g) Hinweis auf das Recht nach den Artikeln 60 und 61 der Verordnung (EU) Nr. 1095/2010, vor dem Beschwerdeausschuss der ESMA Beschwerde gegen den Beschluss einzulegen und den Beschluss durch den Gerichtshof der Europäischen Union (im Folgenden „Gerichtshof“) überprüfen zu lassen.

(4) Die in Absatz 1 genannten Personen oder deren Vertreter und bei nicht rechtsfähigen Vereinigungen die nach Gesetz oder Satzung zur Vertretung berufenen Personen stellen die angeforderten Informationen zur Verfügung. Ordnungsgemäß bevollmächtigte Rechtsanwälte können die Informationen im Namen ihrer Mandanten vorlegen. Letztere bleiben in vollem Umfang dafür verantwortlich, dass die vorgelegten Informationen vollständig, sachlich richtig und nicht irreführend sind.

(5) Die ESMA übermittelt der zuständigen Behörde des Drittstaats, in dem die in Absatz 1 genannten und von dem Informationsersuchen betroffenen Personen ansässig oder niedergelassen sind, unverzüglich eine Kopie des einfachen Ersuchens oder ihres Beschlusses.

Artikel 25d

Allgemeine Untersuchungen

(1) Zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben nach dieser Verordnung kann die ESMA im Hinblick auf Tier 2-CCP erforderliche Untersuchungen durchführen. Zu diesem Zweck haben die Bediensteten der ESMA und sonstige von ihr bevollmächtigte Personen die Befugnis,

a) Aufzeichnungen, Daten, Verfahren und sonstiges für die Erfüllung ihrer Aufgaben relevantes Material unabhängig von der Speicherform zu prüfen;

b) beglaubigte Kopien oder Auszüge dieser Aufzeichnungen, Daten, Verfahren und des sonstigen Materials anzufertigen oder zu verlangen;

c) Tier 2-CCP oder ihre Vertreter oder Beschäftigten vorzuladen und zur Abgabe mündlicher oder schriftlicher Erklärungen zu Sachverhalten oder Unterlagen aufzufordern, die mit Gegenstand und Zweck der Untersuchung in Zusammenhang stehen, und die Antworten aufzuzeichnen;

d) jede andere natürliche oder juristische Person zu befragen, die dieser Befragung zum Zweck der Einholung von Informationen über den Untersuchungsgegenstand zustimmt;

e) Aufzeichnungen von Telefongesprächen und Datenübermittlungen anzufordern.

Die Zentralbanken, die die wichtigsten der durch die CCP geclearten oder zu clearenden Unionswährungen emittieren, können einen angemessen begründeten Antrag an die ESMA stellen, an diesen Untersuchungen teilzunehmen, wenn diese Untersuchungen für die Durchführung ihrer geldpolitischen Aufgaben gemäß Artikel 25 Absatz 2b Buchstabe b von Bedeutung ist.

(2) Die Bediensteten der ESMA und sonstige von ihr zu Untersuchungen im Sinne des Absatzes 1 bevollmächtigte Personen üben ihre Befugnisse unter Vorlage einer schriftlichen Vollmacht aus, in der Gegenstand und Zweck der Untersuchung angegeben werden. Darüber hinaus wird in der Vollmacht angegeben, welche Zwangsgelder gemäß Artikel 25h verhängt werden, wenn die angeforderten Aufzeichnungen, Daten, Verfahren und das sonstige Material oder die Antworten auf die Fragen, die den Tier 2-CCP gestellt wurden, nicht oder unvollständig bereitgestellt beziehungsweise erteilt werden, und welche Geldbußen gemäß Artikel 25g in Verbindung mit Anhang III Abschnitt V Buchstabe b verhängt werden, wenn die Antworten auf die Fragen, die den Tier 2-CCP gestellt wurden, sachlich falsch oder irreführend sind.

(3) Die Tier 2-CCP sind verpflichtet, sich den durch Beschluss der ESMA eingeleiteten Untersuchungen zu unterziehen. In dem Beschluss wird Folgendes angegeben: Gegenstand und Zweck der Untersuchung, die in Artikel 25h vorgesehenen Zwangsgelder, die nach der Verordnung (EU) Nr. 1095/2010 möglichen Rechtsbehelfe sowie das Recht, den Beschluss durch den Gerichtshof überprüfen zu lassen.

(4) Bevor die ESMA einer Tier 2-CCP eine anstehende Untersuchung ankündigt, unterrichtet sie die zuständige Behörde des Drittstaats, in dem die Untersuchung erfolgen soll, über die bevorstehende Untersuchung und die Identität der bevollmächtigten Personen. Auf Antrag der ESMA können Bedienstete der zuständigen Behörde des betreffenden Drittstaats die bevollmächtigten Personen bei der Durchführung ihrer Aufgaben unterstützen. Bedienstete der zuständigen Behörde des betreffenden Drittstaats können auch an den Untersuchungen teilnehmen. Untersuchungen im Sinne dieses Artikels werden durchgeführt, sofern die Behörde des betreffenden Drittstaats sich diesen nicht widersetzt.

Artikel 25e

Prüfungen vor Ort

(1) Zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben nach dieser Verordnung kann die ESMA erforderlichenfalls Vor-Ort-Prüfungen in den Geschäftsräumen oder auf den Grundstücken von Tier 2-CCPs durchführen. Die Zentralbanken, die die wichtigsten der durch die CCP geclearten oder zu clearenden Unionswährungen emittieren, werden eingeladen, an diesen Untersuchungen teilzunehmen, wenn diese Untersuchungen für die Durchführung ihrer geldpolitischen Aufgaben gemäß Artikel 25 Absatz 2b Buchstabe b von Bedeutung sind.

(2) Die Bediensteten der ESMA und sonstige von ihr zur Durchführung der Prüfungen vor Ort bevollmächtigte Personen sind befugt, die Geschäftsräume oder Grundstücke der juristischen Personen, die Gegenstand des Beschlusses der ESMA über die Einleitung einer Untersuchung sind, zu betreten und verfügen über sämtliche in Artikel 25d Absatz 1 genannten Befugnisse. Darüber hinaus sind sie befugt, die Geschäftsräume und Bücher oder Aufzeichnungen für die Dauer und in dem Ausmaß zu versiegeln, wie es die Prüfung erfordert.

(3) Die ESMA setzt die zuständige Behörde des betreffenden Drittstaats, in dem die Prüfung vorgenommen werden soll, rechtzeitig vor deren Beginn von der Prüfung in Kenntnis. Wenn die ordnungsgemäße Durchführung und die Wirksamkeit der Prüfung dies erfordern, kann die ESMA die Prüfung vor Ort ohne vorherige Ankündigung an die CCP durchführen, sofern sie die zuständige Behörde des betreffenden Drittstaats entsprechend vorab informiert hat. Prüfungen im Sinne dieses Artikels werden durchgeführt, sofern die Behörde des betreffenden Drittstaats bestätigt hat, dass sie sich diesen nicht widersetzt.

Die Bediensteten der ESMA und sonstige von ihr zur Durchführung der Prüfungen vor Ort bevollmächtigte Personen üben ihre Befugnisse unter Vorlage einer schriftlichen Vollmacht aus, in der der Gegenstand und der Zweck der Prüfung genannt werden und angegeben wird, welche Zwangsgelder gemäß Artikel 25h verhängt werden, wenn sich die betreffenden Personen nicht der Prüfung unterziehen.

(4) Die Tier 2-CCP sind verpflichtet, sich den durch Beschluss der ESMA angeordneten Vor-Ort-Prüfungen zu unterziehen. In dem Beschluss wird Folgendes angegeben: Gegenstand, Zweck und Zeitpunkt des Beginns der Prüfung, die in Artikel 25h vorgesehenen Zwangsgelder, die nach der Verordnung (EU) Nr. 1095/2010 möglichen Rechtsbehelfe sowie das Recht, den Beschluss durch den Gerichtshof überprüfen zu lassen.

(5) Bedienstete der zuständigen Behörde des Drittstaats, in dem die Prüfung vorgenommen werden soll, sowie von dieser Behörde entsprechend ermächtigte oder bestellte Personen können die Bediensteten der ESMA und sonstige von ihr bevollmächtigte Personen aktiv unterstützen. Bedienstete der zuständigen Behörde des betreffenden Drittstaats werden eingeladen, an den Vor-Ort-Prüfungen teilzunehmen.

(6) Die ESMA kann die zuständigen Behörden des Drittstaats zudem ersuchen, bestimmte Untersuchungsaufgaben und Vor-Ort-Prüfungen im Sinne dieses Artikels und von Artikel 25d Absatz 1 in ihrem Namen durchzuführen.

(7) Stellen die beauftragten Bediensteten der ESMA oder andere von ihr ermächtigte Begleitpersonen fest, dass sich eine Person einer nach Maßgabe dieses Artikels angeordneten Prüfung widersetzt, kann die zuständige Behörde des betreffenden Drittstaats gegebenenfalls unter Einsatz von Polizeikräften oder einer entsprechenden vollziehenden Behörde die erforderliche Unterstützung gewähren, damit die Vor-Ort-Prüfung durchgeführt werden kann.

Artikel 25f

Verfahrensvorschriften für Aufsichtsmaßnahmen und Geldbußen

(1) Stellt die ESMA bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben nach dieser Verordnung fest, dass es ernsthafte Anhaltspunkte für das Vorliegen von Tatsachen gibt, die einen oder mehrere der in Anhang III aufgeführten Verstöße darstellen können, benennt sie aus dem Kreis ihrer Bediensteten einen unabhängigen Untersuchungsbeauftragten zur Untersuchung des Sachverhalts. Der benannte Beauftragte darf nicht direkt oder indirekt in die Anerkennung oder Beaufsichtigung der betreffenden CCP einbezogen sein oder gewesen sein und nimmt seine Aufgaben unabhängig von der ESMA wahr.

(2) Der Untersuchungsbeauftragte untersucht die mutmaßlichen Verstöße, wobei er alle Bemerkungen der Personen, die Gegenstand der Untersuchungen sind, berücksichtigt, und legt der ESMA eine vollständige Verfahrensakte mit seinen Feststellungen vor.

Zur Erfüllung seiner Aufgaben kann der Untersuchungsbeauftragte von der Befugnis Gebrauch machen, nach Artikel 25c Informationen anzufordern und nach den Artikeln 25d und 25e Untersuchungen und Vor-Ort-Prüfungen durchzuführen. Bei der Ausübung dieser Befugnisse befolgt der Untersuchungsbeauftragte die Bestimmungen von Artikel 25bb.

Bei der Erfüllung seiner Aufgaben hat der Untersuchungsbeauftragte Zugang zu allen Unterlagen und Informationen, die die ESMA bei ihren Tätigkeiten zusammengetragen hat.

(3) Beim Abschluss seiner Untersuchung gibt der Untersuchungsbeauftragte den Personen, gegen die sich die Untersuchung richtet, Gelegenheit, zu den untersuchten Fragen angehört zu werden, bevor er der ESMA die Verfahrensakte mit seinen Feststellungen vorlegt. Der Untersuchungsbeauftragte stützt seine Feststellungen nur auf Tatsachen, zu denen die betreffenden Personen Stellung nehmen konnten.

Während der Untersuchungen nach diesem Artikel sind die Verteidigungsrechte der betreffenden Personen in vollem Umfang zu wahren.

(4) Wenn der Untersuchungsbeauftragte der ESMA die Verfahrensakte mit seinen Feststellungen vorlegt, setzt er die Personen, gegen die sich die Untersuchungen richten, davon in Kenntnis. Vorbehaltlich des berechtigten Interesses anderer Personen an der Wahrung ihrer Geschäftsgeheimnisse haben die Personen, gegen die sich die Untersuchungen richten, das Recht auf Einsicht in die Verfahrensakte. Von der Akteneinsicht ausgenommen sind vertrauliche Informationen sowie interne vorbereitende Unterlagen der ESMA.

(5) Anhand der Verfahrensakte mit den Feststellungen des Untersuchungsbeauftragten und – wenn die betreffenden Personen darum ersuchen – nach der gemäß Artikel 25i erfolgten Anhörung der Personen, die Gegenstand der Untersuchungen waren, entscheidet die ESMA, ob die Personen, die Gegenstand der Untersuchungen waren, einen oder mehrere der in Anhang III aufgeführten Verstöße begangen haben; ist dies der Fall, ergreift sie eine Aufsichtsmaßnahme nach Artikel 25n und verhängt eine Geldbuße nach Artikel 25g.

(6) Der Untersuchungsbeauftragte nimmt nicht an den Beratungen der ESMA teil und greift auch nicht in anderer Weise in den Beschlussfassungsprozess der ESMA ein.

(7) Die Kommission erlässt delegierte Rechtsakte nach Artikel 82 mit weiteren Verfahrensvorschriften für die Ausübung der Befugnis zur Verhängung von Geldbußen oder Zwangsgeldern, einschließlich Bestimmungen zu den Verteidigungsrechten, zu Zeitpunkten und Fristen, zu der Einziehung der Geldbußen und Zwangsgelder und zur Verjährung bezüglich der Verhängung und Vollstreckung von Sanktionen.

(8) Stellt die ESMA bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben nach dieser Verordnung ernsthafte Anhaltspunkte für das Vorliegen von Tatsachen fest, von denen sie weiß, dass sie nach dem geltenden Gesetz Straftaten darstellen könnten, verweist sie diese Sachverhalte zur weiteren Untersuchung und etwaigen strafrechtlichen Verfolgung an die betreffenden nationalen Behörden. Ferner sieht die ESMA davon ab, Geldbußen oder Zwangsgelder zu verhängen, wenn sie sich dessen bewusst ist, dass ein früherer Freispruch oder eine frühere Verurteilung aufgrund identischer oder im Wesentlichen gleichartiger Tatsachen als Ergebnis eines Strafverfahrens nach nationalem Recht bereits Rechtskraft erlangt hat.

Artikel 25g

Geldbußen

(1) Stellt die ESMA im Einklang mit Artikel 25f Absatz 5 fest, dass eine CCP vorsätzlich oder fahrlässig einen der in Anhang III genannten Verstöße begangen hat, fasst sie im Einklang mit Absatz 2 dieses Artikels einen Beschluss über die Verhängung einer Geldbuße.

Ein Verstoß einer CCP gilt als vorsätzlich begangen, wenn die ESMA objektive Anhaltspunkte zum Nachweis dessen ermittelt hat, dass die CCP oder ihre Geschäftsleitung den Verstoß absichtlich begangen hat.

(2) Die Grundbeträge der gemäß Absatz 1 verhängten Geldbußen betragen bis zur zweifachen Höhe der aufgrund des Verstoßes erzielten Gewinne oder verhinderten Verluste – sofern diese sich beziffern lassen – oder bis zu 10 % des jährlichen Gesamtumsatzes im Sinne des einschlägigen Unionsrechts einer juristischen Person im vorangegangenen Geschäftsjahr.

(3) Erforderlichenfalls werden die Grundbeträge nach Absatz 2 zur Berücksichtigung etwaiger erschwerender oder mildernder Faktoren anhand der entsprechenden in Anhang IV festgelegten Koeffizienten angepasst.

Die betreffenden erschwerenden Koeffizienten werden einzeln auf den Grundbetrag angewendet. Ist mehr als ein erschwerender Koeffizient anzuwenden, wird die Differenz zwischen dem Grundbetrag und dem Betrag, der sich aus der Anwendung jedes einzelnen erschwerenden Koeffizienten ergibt, zum Grundbetrag hinzugerechnet.

Die betreffenden mildernden Koeffizienten werden einzeln auf den Grundbetrag angewendet. Ist mehr als ein mildernder Koeffizient anzuwenden, wird die Differenz zwischen dem Grundbetrag und dem Betrag, der sich aus der Anwendung jedes einzelnen mildernden Koeffizienten ergibt, vom Grundbetrag abgezogen.

(4) Unbeschadet der Absätze 2 und 3 darf der Betrag der Geldbuße 20 % des Umsatzes der betreffenden CCP im vorangegangenen Geschäftsjahr nicht überschreiten, muss aber in dem Fall, dass die CCP direkt oder indirekt einen finanziellen Gewinn aus dem Verstoß gezogen hat, zumindest diesem Gewinn entsprechen.

Hat eine CCP als Folge einer Handlung oder Unterlassung mehr als einen der in Anhang III aufgeführten Verstöße begangen, so wird nur die höhere der gemäß den Absätzen 2 und 3 für einen der zugrunde liegenden Verstöße berechneten Geldbußen verhängt.

Artikel 25h

Zwangsgelder

(1) Die ESMA verhängt per Beschluss Zwangsgelder, um

a) eine Tier 2-CCP im Einklang mit einem Beschluss gemäß Artikel 25n Absatz 1 Buchstabe a zur Beendigung eines Verstoßes zu verpflichten;

b) eine in Artikel 25c Absatz 1 genannte Person dazu zu verpflichten, eine Information, die per Beschluss nach Artikel 25c angefordert wurde, vollständig zu erteilen;

c) eine Tier 2-CCP

i) zur Einwilligung in eine Untersuchung und insbesondere zur Vorlage vollständiger Aufzeichnungen, Daten, Verfahren und sonstigen angeforderten Materials sowie zur Vervollständigung und Korrektur sonstiger im Rahmen einer per Beschluss nach Artikel 25d angeordneten Untersuchung beizubringender Informationen zu verpflichten, oder

ii) zur Duldung einer per Beschluss nach Artikel 25e angeordneten Vor-Ort-Prüfung zu verpflichten.

(2) Ein Zwangsgeld muss wirksam und verhältnismäßig sein. Die Zahlung des Zwangsgelds wird für jeden Tag des Verzugs angeordnet.

(3) Unbeschadet des Absatzes 2 beträgt das Zwangsgeld 3 % des durchschnittlichen Tagesumsatzes im vorangegangenen Geschäftsjahr beziehungsweise bei natürlichen Personen 2 % des durchschnittlichen Tageseinkommens im vorausgegangenen Kalenderjahr. Es wird ab dem im Beschluss über die Verhängung des Zwangsgelds festgelegten Termin berechnet.

(4) Ein Zwangsgeld wird für einen Zeitraum von höchstens sechs Monaten ab der Bekanntgabe des Beschlusses der ESMA verhängt. Nach Ende dieses Zeitraums überprüft die ESMA diese Maßnahme.

Artikel 25i

Anhörung der betreffenden Personen

(1) Vor einem Beschluss über die Verhängung einer Geldbuße oder eines Zwangsgelds gemäß den Artikeln 25g und 25h gibt die ESMA den Personen, gegen die das Verfahren eingeleitet wurde, Gelegenheit, zu ihren Feststellungen angehört zu werden. Die ESMA stützt ihre Beschlüsse nur auf Feststellungen, zu denen sich die Personen, gegen die das Verfahren eingeleitet wurde, äußern konnten.

(1a) Absatz 1 gilt nicht für den Fall dringender Maßnahmen, die ergriffen werden müssen, um ernsthaften und unmittelbar bevorstehenden Schaden vom Finanzsystem abzuwenden. In einem solchen Fall kann die ESMA einen Interimsbeschluss fassen und muss den betreffenden Personen die Gelegenheit geben, so bald wie möglich nach Erlass ihres Beschlusses gehört zu werden.

(2) Die Verteidigungsrechte der Personen, gegen die das Verfahren eingeleitet wurde, müssen während des Verfahrens in vollem Umfang gewahrt werden. Sie haben vorbehaltlich des berechtigten Interesses anderer Personen an der Wahrung ihrer Geschäftsgeheimnisse Recht auf Einsicht in die Akten der ESMA. Von der Akteneinsicht ausgenommen sind vertrauliche Informationen sowie interne vorbereitende Unterlagen der ESMA.

Artikel 25j

Offenlegung, Art, Zwangsvollstreckung und Zuweisung der Geldbußen und Zwangsgelder

(1) Die ESMA veröffentlicht sämtliche gemäß den Artikeln 25g und 25h verhängten Geldbußen und Zwangsgelder, sofern dies die Stabilität der Finanzmärkte nicht ernsthaft gefährdet und den Beteiligten daraus kein unverhältnismäßiger Schaden erwächst. Die Veröffentlichung darf keine personenbezogenen Daten im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 45/2001 enthalten.

(2) Gemäß den Artikeln 25g und 25h verhängte Geldbußen und Zwangsgelder sind administrativer Art.

(3). Beschließt die ESMA, keine Geldbußen oder Zwangsgelder zu verhängen, informiert sie das Europäische Parlament, den Rat, die Kommission und die zuständigen Behörden des betreffenden Drittstaats entsprechend und legt die Gründe für ihren Beschluss dar.

(4) Gemäß den Artikeln 25g und 25h verhängte Geldbußen und Zwangsgelder sind vollstreckbar.

Die Zwangsvollstreckung erfolgt nach den Vorschriften des Zivilprozessrechts des Mitgliedstaats oder des Drittstaats, in dessen Hoheitsgebiet sie stattfindet.

(5) Die Geldbußen und Zwangsgelder werden dem Gesamthaushaltsplan der Europäischen Union zugewiesen.

Artikel 25k

Kontrolle durch den Gerichtshof

Der Gerichtshof besitzt die▐Befugnis zur Überprüfung von Beschlüssen, mit denen die ESMA eine Geldbuße oder ein Zwangsgeld festgesetzt hat. Er kann die verhängten Geldbußen oder Zwangsgelder aufheben, herabsetzen oder erhöhen.

Artikel 25l

Änderung des Anhangs IV

Um den Entwicklungen auf den Finanzmärkten Rechnung zu tragen, wird der Kommission die Befugnis übertragen, in Bezug auf Maßnahmen zur Änderung des Anhangs IV delegierte Rechtsakte nach Artikel 82 zu erlassen.

Artikel 25m

Entzug der Anerkennung

(1) Unbeschadet des Artikels 25n entzieht die ESMA eine gemäß Artikel 25 zuerkannte Anerkennung im Einklang mit den nachstehenden Absätzen, wenn ▌

a) die betreffende CCP ausdrücklich auf die Anerkennung verzichtet, während eines Zeitraums von sechs Monaten von der Anerkennung keinen Gebrauch gemacht oder seit mehr als sechs Monaten keine Geschäftstätigkeit ausgeübt hat;

b) die betreffende CCP die Anerkennung aufgrund falscher Angaben oder auf andere Weise unrechtmäßig erlangt hat;

c) die betreffende CCP die Voraussetzungen für eine Anerkennung nach Artikel 25 Absatz 2b nicht mehr erfüllt;

ca) die ESMA aufgrund des Versäumnisses der für die CCP zuständigen Behörde des Drittstaats, ihr alle relevanten Informationen im Einklang mit Artikel 25 Absatz 7 oder Artikel 25 Absatz 7a vorzulegen, nicht in der Lage ist, ihre Aufgaben nach dieser Verordnung im Hinblick auf die betreffende CCP wirksam auszuüben.

d) sich nicht mehr auf den in Artikel 25 Absatz 6 genannten Durchführungsrechtsakt stützen kann, weil dieser widerrufen oder ausgesetzt wurde oder eine seiner Voraussetzungen nicht mehr erfüllt ist.

Die ESMA kann den Entzug der Anerkennung auf eine bestimmte Dienstleistung, eine bestimmte Tätigkeit oder eine bestimmte Kategorie von Finanzinstrumenten beschränken.

Bei der Festlegung des Anwendungsdatums des Entzugs der Anerkennung trägt die ESMA dafür Sorge, etwaige Marktstörungen so gering wie möglich zu halten.

(2) Ist die ESMA der Auffassung, dass im Falle einer CCP oder bestimmter Dienstleistungen, Tätigkeiten oder Klasse von Finanzinstrumenten dieser CCP das Kriterium von Absatz 1 Buchstabe c erfüllt ist, unterrichtet sie, bevor sie eine Anerkennung entzieht, diese CCP und die Behörden des betreffenden Drittstaats und verlangt entsprechende Abhilfemaßnahmen, die innerhalb einer Frist von höchstens drei Monaten zu treffen sind.

Stellt die ESMA fest, dass die Abhilfemaßnahmen nicht innerhalb der gesetzten Frist getroffen wurden oder nicht angemessen sind, entzieht sie die Anerkennung.

(3) Die ESMA teilt der zuständigen Behörde des betreffenden Drittstaats unverzüglich ihren Beschluss mit, einer CCP die Anerkennung zu entziehen.

(4) Vertritt eine der in Artikel 25 Absatz 3 Buchstaben a bis e genannten Behörden oder eine der Zentralbanken, die die wichtigsten der durch die Drittstaaten-CCP geclearten oder zu clearenden Unionswährungen emittieren, die Auffassung, dass eine der Bedingungen des Absatzes 1 erfüllt ist, kann sie die ESMA auffordern zu überprüfen, ob die Bedingungen für den Entzug der Anerkennung der betreffenden CCP oder einer bestimmten Dienstleistung, Tätigkeit oder Klasse von Finanzinstrumenten dieser CCP erfüllt sind. Beschließt die ESMA, die Anerkennung der betreffenden CCP nicht zu entziehen, begründet sie dies der antragstellenden Behörde gegenüber umfassend.

Artikel 25n

Aufsichtsmaßnahmen

(1) Stellt die ESMA gemäß Artikel 25f Absatz 5 fest, dass eine Tier 2-CCP einen der in Anhang III aufgeführten Verstöße begangen hat, beschließt sie eine oder mehrere der folgenden Maßnahmen:

a) Aufforderung an die CCP, den Verstoß zu beenden;

b) Verhängung von Geldbußen gemäß Artikel 25g;

c) öffentliche Bekanntmachung;

d) Entzug der Anerkennung der CCP oder einer bestimmten Dienstleistung, Tätigkeit oder Klasse von Finanzinstrumenten dieser CCP nach Artikel 25m.

(2) Beim Erlass der Beschlüsse gemäß Absatz 1 berücksichtigt die ESMA die Art und die Schwere des Verstoßes anhand folgender Kriterien:

a) Dauer und Häufigkeit des Verstoßes;

b) ob der Verstoß schwerwiegende oder systemische Schwächen der Verfahren der CCP oder ihrer Managementsysteme oder internen Kontrollen aufgedeckt hat;

c) ob Finanzkriminalität verursacht oder erleichtert wurde oder ansonsten mit dem Verstoß in Verbindung steht;

d) ob der Verstoß vorsätzlich oder fahrlässig begangen wurde.

(3) Die ESMA teilt der betreffenden CCP unverzüglich jeden nach Absatz 1 gefassten Beschluss mit und setzt die zuständigen Behörden des betreffenden Drittstaats und die Kommission davon in Kenntnis. Sie macht jeden derartigen Beschluss innerhalb von zehn Arbeitstagen ab dem Datum seines Erlasses auf ihrer Website öffentlich bekannt.

Bei der öffentlichen Bekanntmachung ihres Beschlusses gemäß Unterabsatz 1 gibt die ESMA auch öffentlich bekannt, dass die betreffende CCP das Recht hat, gegen den Beschluss Beschwerde einzulegen, und gegebenenfalls, dass Beschwerde eingelegt wurde, wobei sie darauf hinweist, dass die Beschwerde keine aufschiebende Wirkung hat und dass der Beschwerdeausschuss der ESMA die Möglichkeit hat, die Anwendung des angefochtenen Beschlusses nach Artikel 60 Absatz 3 der Verordnung (EU) Nr. 1095/2010 auszusetzen.“

11.  Artikel 49 wird wie folgt geändert:

a)  Absatz 1 erhält folgende Fassung:

„(1) Eine CCP überprüft regelmäßig die Modelle und Parameter, die bei der Berechnung ihrer Einschussanforderungen, der Beiträge zum Ausfallfonds und der Anforderungen an die Sicherheiten zugrunde gelegt werden, sowie andere Risikokontrollmechanismen. Sie unterwirft die Modelle häufigen, strikten Stresstests, um ihre Belastbarkeit unter extremen, aber plausiblen Marktbedingungen zu bewerten, und sie führt Backtests durch, um die Zuverlässigkeit der angewandten Methodik zu beurteilen. Die CCP lässt eine unabhängige Validierung vornehmen, unterrichtet die für sie zuständige Behörde und die ESMA über die Ergebnisse der durchgeführten Tests und holt vor einer wesentlichen Änderung der Modelle und Parameter nach Absatz 1a und Artikel 21a ihre Validierung der zuständigen Behörde ein.

Die angenommenen Modelle und Parameter sowie wesentliche Änderungen daran werden im Einklang mit den folgenden Absätzen dem Kollegium zur Stellungnahme vorgelegt.

Die ESMA stellt sicher, dass die Informationen über die Ergebnisse der Stresstests an die ESA, das ESZB und den Einheitlichen Abwicklungsausschuss weitergeleitet werden, damit diese das Risiko von Finanzunternehmen gegenüber dem Ausfall von CCP bewerten können.“

b)  Die folgenden Absätze 1a, 1b, 1c, 1d und 1e werden angefügt:

„(1) Beabsichtigt eine CCP die Annahme wesentlicher Änderungen der Modelle und Parameter gemäß Absatz 1, beantragt sie bei der zuständigen Behörde die Validierung dieser Änderungen. Sie fügt ihrem Antrag eine unabhängige Validierung der beabsichtigten Änderung bei.

(1b) Binnen 30 Arbeitstagen nach Eingang des Antrags führt die zuständige Behörde im Benehmen mit der ESMA eine Risikobewertung der CCP durch und legt dem gemäß Artikel 18 eingerichteten Kollegium einen Bericht vor.

(1c) Binnen 15 Arbeitstagen nach Eingang des in Absatz 1b genannten Berichts verabschiedet das Kollegium eine Stellungnahme mit Stimmenmehrheit nach Artikel 19 Absatz 3.

(1d) Binnen 60 Arbeitstagen nach Eingang des in Absatz 1a genannten Antrags teilt die zuständige Behörde der CCP schriftlich mit ausführlicher Begründung mit, ob die Validierung erteilt oder verweigert wurde.

(1e) Solange die in Absatz 1d genannte Validierung nicht erteilt wurde, nimmt die CCP keine wesentliche Änderung der Modelle und Parameter gemäß Absatz 1d vor. Die für die CCP zuständige Behörde kann mit der Zustimmung der ESMA vor Erteilung der Validierung die vorläufige Annahme einer wesentlichen Änderung der Modelle und Parameter genehmigen, falls dies gerechtfertigt ist.

ba)  Folgender Absatz 4a wird eingefügt:

„(4a) Zur Sicherstellung gleichwertiger Bedingungen für die Anwendung dieses Artikels erarbeitet die ESMA zusammen mit dem ESZB Entwürfe für technische Regulierungsstandards mit einer Auflistung von Indikatoren für CCP, die ESMA und zuständige nationale Behörden für die Einschätzung der Bedeutung von Änderungen der in Absatz 1 genannten Modelle und Parameter sowie etwaiger erforderlicher Freigaben durch die ESMA und die zuständige Behörde.

Die ESMA legt der Kommission diese Entwürfe für technische Regulierungsstandards bis zum ... [zwölf Monate nach dem Inkrafttreten dieser Änderungsverordnung] vor. Der Kommission wird die Befugnis übertragen, die in Unterabsatz 1 genannten technischen Regulierungsstandards gemäß den Artikeln 10 bis 14 der Verordnung (EU) Nr. 1095/2010 zu erlassen.“

11a.  In Artikel 84 wird folgender Absatz 3a eingefügt:

„(3a) Die zuständigen Behörden und die ESMA erteilen den emittierenden Zentralbanken Informationen, wenn diese Informationen für die Wahrnehmung ihre Pflichten von Bedeutung sind, wobei die Bestimmungen zum Berufsgeheimnis nach Artikel 83 eingehalten werden.“

12.  In Artikel 89 werden folgende Absätze eingefügt:

„(3a) Die ESMA nimmt die ihr in Artikel 25 Absätze 2a, 2b und 2c übertragenen Befugnisse erst ab dem [Datum des Inkrafttretens des in diesem Artikel Absatz 3 Unterabsatz 2a genannten delegierten Rechtsakts] wahr.

(3b) Die ESMA prüft vor dem [Datum des Inkrafttretens der vorliegenden abgeänderten Verordnung] die gemäß Artikel 25 Absatz 1 zuerkannten Anerkennungen, um festzustellen, ob es sich bei allen nach diesen Beschlüssen anerkannten CCPs um Tier 1- oder Tier 2-CCPs handelt. Binnen 18 Monaten nach dem Inkrafttreten des in Artikel 25 Absatz 2a Unterabsatz 2 genannten delegierten Rechtsakts teilt die ESMA die anerkannten CCPs in eine Kategorie ein.

12a.  In Artikel 89 wird folgender Absatz 9a angefügt:

„Die Kommission überprüft bis zum ... [drei Jahre nach dem Inkrafttreten der vorliegenden abgeänderten Verordnung] die Umsetzung der Titel III, IV und V dieser Verordnung im Hinblick auf die Zulassung, Anerkennung und die Beaufsichtigung der CCPs. Sie bewertet die Übertragung weiterer Aufgaben an die ESMA, insbesondere die Funktionsweise und die Wirksamkeit der an die ESMA in den Titeln III, IV und V übertragenen Aufgaben und die Aufsichtskollegien. Die Kommission übermittelt dem Europäischen Parlament und dem Rat darüber einen Bericht. Gegebenenfalls wird diesem Bericht ein Gesetzgebungsvorschlag beigefügt.“

12b.  Artikel 90 erhält folgende Fassung:

Artikel 90

Personal und Ressourcen der ESMA

Spätestens bis zum .... [zwei Jahre nach Inkrafttreten dieser abgeänderten Verordnung] beurteilt die ESMA den Personal- und Mittelbedarf, der sich aus der Wahrnehmung der ihr gemäß dieser Verordnung übertragenen Aufgaben und Befugnisse ergibt, und übermittelt dem Europäischen Parlament, dem Rat und der Kommission einen Bericht.“

13.  Der Wortlaut des Anhangs der vorliegenden Verordnung wird als Anhänge III und IV angefügt.

Artikel 3

Diese Verordnung tritt am zwanzigsten Tag nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union in Kraft.

Diese Verordnung ist in allen ihren Teilen verbindlich und gilt unmittelbar in jedem Mitgliedstaat.

Geschehen zu Brüssel am

Im Namen des Europäischen Parlaments  Im Namen des Rates

Der Präsident  Der Präsident

ANHANG

Folgende Anhänge werden der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 als Anhänge III und IV beigefügt.

„ANHANG III

Liste der Verstöße nach Artikel 25g Absatz 1

I.  Verstöße im Zusammenhang mit Eigenkapitalanforderungen:

a) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 16 Absatz 1, wenn sie nicht über ein ständiges und verfügbares Anfangskapital in Höhe von mindestens 7,5 Mio. EUR verfügt;

b) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 16 Absatz 2, wenn sie nicht über das Eigenkapital einschließlich der Gewinnrücklagen und sonstigen Rücklagen verfügt, das im Verhältnis zu dem Risiko stehen muss, das sich aus ihren Tätigkeiten ergibt, und das zu jedem Zeitpunkt ausreichen muss, um eine geordnete Abwicklung oder Restrukturierung der Geschäftstätigkeiten über einen angemessenen Zeitraum zu ermöglichen und einen ausreichenden Schutz der CCP vor Kredit-, Gegenpartei-, Markt-, Betriebs-, Rechts- und Geschäftsrisiken zu gewährleisten, sofern diese nicht bereits durch besondere Finanzmittel gemäß den Artikeln 41, 42, 43 und 44 gedeckt sind.

II.  Verstöße im Zusammenhang mit organisatorischen Anforderungen oder mit Interessenkonflikten:

a)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 26 Absatz 1, wenn sie nicht über solide Regelungen zur Unternehmensführung verfügt, wozu eine klare Organisationsstruktur mit genau abgegrenzten, transparenten und kohärenten Verantwortungsbereichen, wirksamen Ermittlungs-, Steuerungs-, Überwachungs- und Berichterstattungsverfahren für die Risiken, denen sie ausgesetzt ist oder ausgesetzt sein könnte, sowie angemessene interne Kontrollmechanismen einschließlich solider Verwaltungs- und Rechnungslegungsverfahren zählen;

b)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 26 Absatz 2, wenn sie keine angemessenen Strategien und Verfahren einführt, die hinreichend wirksam sind, um die Einhaltung aller Bestimmungen dieser Verordnung, auch durch ihre Manager und Beschäftigten, sicherzustellen;

c)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 26 Absatz 3, wenn sie nicht dauerhaft über eine Organisationsstruktur verfügt, die Kontinuität und ein ordnungsgemäßes Funktionieren im Hinblick auf die Erbringung ihrer Dienstleistungen und Ausübung ihrer Tätigkeiten gewährleistet, oder wenn sie keine angemessenen und geeigneten Systeme, Ressourcen und Verfahren einsetzt;

d)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 26 Absatz 4, wenn sie nicht für eine stete klare Trennung zwischen den Berichtslinien für das Risikomanagement und den Berichtslinien für ihre übrigen Tätigkeiten sorgt;

e)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 26 Absatz 5, wenn sie nicht für die Festlegung, Einführung und Aufrechterhaltung einer Vergütungspolitik sorgt, die einem soliden, effektiven Risikomanagement förderlich ist und keine Anreize für eine Lockerung der Risikostandards schafft;

f)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 26 Absatz 6, wenn sie keine informationstechnischen Systeme betreibt, die der Komplexität, der Vielfalt und der Art ihrer Dienstleistungen und Tätigkeiten angemessen sind, sodass hohe Sicherheitsstandards und die Integrität und Vertraulichkeit der Informationen gewahrt sind;

g)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 26 Absatz 7, wenn sie ihre Regelungen zur Unternehmensführung, die für die CCP geltenden Vorschriften sowie die Kriterien für die Zulassung als Clearingmitglied nicht unentgeltlich öffentlich zugänglich macht;

h)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 26 Absatz 8, wenn sie nicht regelmäßig stattfindenden unabhängigen Prüfungen unterworfen wird, oder wenn sie die Ergebnisse dieser Prüfungen nicht dem Leitungsorgan mitteilt oder der ESMA zur Verfügung stellt;

i)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 27 Absatz 1 oder gegen Artikel 27 Absatz 2 Unterabsatz 2, wenn sie nicht dafür sorgt, dass ihre Geschäftsleitung und die Mitglieder ihres Leitungsorgans hinlänglich gut beleumundet sind und über ausreichende Erfahrung verfügen, um ein solides und umsichtiges Management der CCP sicherzustellen;

j)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 27 Absatz 2, wenn sie nicht dafür sorgt, dass mindestens ein Drittel der Mitglieder, jedoch nicht weniger als zwei Mitglieder dieses Leitungsorgans unabhängig sind, oder wenn sie bei Angelegenheiten, die für die Artikel 38 und 39 relevant sind, nicht die Vertreter der Kunden von Clearingmitgliedern zu den Sitzungen des Leitungsorgans einlädt, oder wenn die Vergütung der unabhängigen und der anderen nicht geschäftsführenden Mitglieder des Leitungsorgans vom geschäftlichen Erfolg der CCP abhängt;

k)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 27 Absatz 3, wenn sie die Rollen und Zuständigkeiten des Leitungsorgans nicht klar definiert, oder wenn sie der ESMA oder den Abschlussprüfern die Protokolle der Sitzungen des Leitungsorgans nicht zugänglich macht;

l)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 28 Absatz 1, wenn sie keinen Risikoausschuss einrichtet oder wenn diesem Risikoausschuss keine Vertreter ihrer Clearingmitglieder, unabhängige Mitglieder des Leitungsorgans sowie Vertreter ihrer Kunden angehören, wenn in diesem Risikoausschuss eine der Gruppen von Vertretern über eine Mehrheit im Risikoausschuss verfügt, oder wenn die ESMA trotz ihres einschlägigen Ersuchens nicht in gebührendem Umfang über die Tätigkeiten und Beschlüsse des Risikoausschusses unterrichtet wird;

m)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 28 Absatz 2, wenn sie das Mandat, die Regelungen zur Unternehmensführung zur Gewährleistung ihrer Unabhängigkeit, die operationellen Verfahren, die Zulassungskriterien oder den Mechanismus für die Wahl der Ausschussmitglieder nicht in klarer Form festlegt, wenn sie die Regelungen zur Unternehmensführung nicht öffentlich zugänglich macht, oder wenn sie nicht festlegt, dass den Vorsitz im Risikoausschuss ein unabhängiges Mitglied des Leitungsorgans führt, dass der Ausschuss unmittelbar dem Leitungsorgan unterstellt ist und dass er regelmäßige Sitzungen abhält;

n)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 28 Absatz 3, wenn sie dem Risikoausschuss nicht gestattet, das Leitungsorgan in allen Belangen zu beraten, die sich auf das Risikomanagement der CCP auswirken können, oder wenn sie keine angemessenen Bemühungen unternimmt, in Krisenzeiten den Risikoausschuss in Bezug auf Entwicklungen, die sich auf das Risikomanagement der CCP auswirken, zu hören;

o)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 28 Absatz 5, wenn sie die ESMA nicht unverzüglich über jeden Beschluss des Leitungsorgans, nicht den Empfehlungen des Risikoausschusses zu folgen, unterrichtet;

p)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 29 Absatz 1, wenn sie nicht sämtliche Aufzeichnungen über erbrachte Dienstleistungen und ausgeübte Tätigkeiten für einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren aufbewahrt, sodass die ESMA überwachen kann, inwieweit die CCP die Bestimmungen dieser Verordnung einhält;

q)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 29 Absatz 2, wenn sie nicht sämtliche Informationen über alle von ihr abgewickelten Kontrakte für einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren nach Beendigung des jeweiligen Kontrakts aufbewahrt, wobei die betreffenden Informationen es ermöglichen müssen, die ursprünglichen Bedingungen einer Transaktion vor dem Clearing durch die betreffende CCP festzustellen;

r)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 29 Absatz 3, wenn sie der ESMA und den einschlägigen Mitgliedern des ESZB auf Anfrage nicht die in Artikel 29 Absätze 1 und 2 genannten Aufzeichnungen oder Informationen sowie sämtliche Informationen über die Positionen geclearter Kontrakte zur Verfügung stellt, unabhängig vom Ort, an dem die Transaktionen abgeschlossen wurden;

s)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 30 Absatz 1, wenn sie der ESMA keine, falsche oder unvollständige Angaben zu Identität und Höhe der Beteiligung der natürlichen oder juristischen Personen, die als direkte oder indirekte Aktionäre oder Gesellschafter eine qualifizierte Beteiligung an der CCP halten, übermittelt;

t)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 30 Absatz 4, wenn sie den in Artikel 30 Absatz 1 genannten Personen eine Einflussnahme gestattet, die sich voraussichtlich zum Nachteil eines soliden und umsichtigen Managements der CCP auswirken wird;

u)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 31 Absatz 1, wenn sie der ESMA keine, falsche oder unvollständige Angaben zu jeglichen Veränderungen in der Geschäftsleitung übermittelt, oder wenn sie der ESMA nicht sämtliche Informationen zur Verfügung stellt, die erforderlich sind, um die Einhaltung von Artikel 27 Absatz 1 und Artikel 27 Absatz 2 Unterabsatz 2 zu bewerten;

v)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 33 Absatz 1, wenn sie nicht auf Dauer wirksame, in schriftlicher Form festgelegte organisatorische und administrative Vorkehrungen trifft, um potenzielle Interessenkonflikte zwischen ihr, einschließlich Managern, Beschäftigten oder anderer Personen, zu denen ein direktes oder indirektes Kontrollverhältnis oder eine enge Verbindung besteht, einerseits und ihren Clearingmitgliedern oder deren Kunden, soweit diese ihr bekannt sind, andererseits zu erkennen und zu regeln, oder wenn sie keine geeigneten Verfahren zur Beilegung von Interessenkonflikten einführt oder anwendet;

w)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 33 Absatz 2, wenn sie im Falle, dass die von der CCP zur Regelung von Interessenkonflikten getroffenen organisatorischen oder administrativen Vorkehrungen nicht ausreichen, um nach vernünftigem Ermessen zu gewährleisten, dass eine mögliche Beeinträchtigung der Interessen eines Clearingmitglieds oder eines Kunden vermieden wird, vor der Durchführung neuer Transaktionen im Auftrag des Clearingmitglieds das betreffende Clearingmitglied oder einen der CCP bekannten betroffenen Kunden dieses Clearingmitglieds nicht unmissverständlich über die allgemeine Art oder die Quellen der Interessenkonflikte in Kenntnis setzt;

x)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 33 Absatz 3, wenn sie in den schriftlich festgelegten Regelungen nicht allen Umständen Rechnung trägt, die der CCP bekannt sind oder bekannt sein sollten und die aufgrund der Struktur und der Geschäftstätigkeiten anderer Unternehmen, von denen sie ein Mutterunternehmen oder ein Tochterunternehmen ist, zu einem Interessenkonflikt führen könnten;

y)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 33 Absatz 5, wenn sie nicht alle angemessenen Maßnahmen trifft, um einen Missbrauch der in ihren Systemen enthaltenen Informationen zu unterbinden, oder wenn sie die Nutzung dieser Informationen für andere Geschäftstätigkeiten oder durch eine natürliche Person, die in einer engen Verbindung zu einer CCP steht, oder durch eine juristische Person, die in einer Mutter-Tochter-Beziehung zu einer CCP steht, nicht verhindert und von dieser CCP erfasste vertrauliche Informationen ohne vorherige schriftliche Einwilligung des Kunden, der das Verfügungsrecht über die vertraulichen Informationen hat, für gewerbliche Zwecke nutzt;

z)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 36 Absatz 1, wenn sie nicht fair und professionell im besten Interesse ihrer Clearingmitglieder und Kunden handelt;

aa)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 36 Absatz 2, wenn sie nicht über zugängliche, transparente und faire Vorschriften für die zügige Bearbeitung von Beschwerden verfügt;

bb)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 37 Absatz 1 oder Absatz 2, wenn sie dauerhaft diskriminierende, undurchsichtige oder subjektive Kriterien verwendet, oder wenn sie nicht dauerhaft einen fairen und offenen Zugang zu dieser CCP gewährleistet, oder wenn sie nicht sicherstellt, dass ihre Clearingmitglieder dauerhaft über ausreichende finanzielle Mittel und operationelle Kapazitäten verfügen, um den aus der Anbindung an eine CCP als Teilnehmer erwachsenden Verpflichtungen nachkommen zu können, oder wenn sie nicht mindestens einmal jährlich eine umfassende Überprüfung vornimmt, um festzustellen, ob die Clearingmitglieder ihren Verpflichtungen nachkommen;

cc)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 37 Absatz 4, wenn sie nicht über objektive und transparente Verfahren für die Aussetzung der Anbindung an eine CCP als Teilnehmer und die ordentliche Beendigung der Clearingmitgliedschaft von Teilnehmern verfügt, die nicht mehr die in Artikel 37 Absatz 1 genannten Kriterien erfüllen;

dd)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 37 Absatz 5, wenn sie Clearingmitgliedern, die die in Artikel 37 Absatz 1 genannten Kriterien nicht mehr erfüllen, den Zugang verweigert, ohne dies in schriftlicher Form und auf der Grundlage einer umfassenden Risikoanalyse hinreichend zu begründen;

ee)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 38 Absatz 1, wenn sie den Kunden ihrer Clearingmitglieder keinen separaten Zugang zu den erbrachten spezifischen Dienstleistungen ermöglicht;

ff)  eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 39 Absatz 7, wenn sie die in jenem Absatz genannten jeweiligen Grade der Kontentrennung nicht zu handelsüblichen Bedingungen anbietet.

III.  Verstöße im Zusammenhang mit betrieblichen Anforderungen:

a) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 34 Absatz 1, wenn sie keine angemessene Strategie zur Fortführung des Geschäftsbetriebs sowie einen Notfallwiederherstellungsplan festlegt, umsetzt und befolgt, um eine Aufrechterhaltung der Funktionen der CCP, eine rechtzeitige Wiederherstellung des Geschäftsbetriebs sowie die Erfüllung der Pflichten der CCP zu gewährleisten, wobei ein solcher Plan zumindest eine Wiederherstellung aller Transaktionen zum Zeitpunkt der Störung ermöglichen muss, sodass die CCP weiterhin zuverlässig arbeiten und die Abwicklung zum geplanten Termin vornehmen kann;

b) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 34 Absatz 2, wenn sie kein geeignetes Verfahren einrichtet, anwendet oder beibehält, das Gewähr dafür bieten soll, dass die Vermögenswerte und Positionen ihrer Kunden und Clearingmitglieder im Fall eines Entzugs der Anerkennung aufgrund eines Beschlusses nach Artikel 25 zügig und ordnungsgemäß abgewickelt oder übertragen werden;

c) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 35 Absatz 1 Unterabsatz 2, wenn sie wichtige, mit dem Risikomanagement der CCP zusammenhängende Tätigkeiten auslagert;

d) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 39 Absatz 1, wenn sie keine getrennten Aufzeichnungen und Abrechnungskonten führt, die es ihr ermöglichen, in den bei ihr geführten Konten jederzeit unverzüglich die im Namen eines Clearingmitglieds gehaltenen Vermögenswerte und Positionen von den im Namen eines anderen Clearingmitglieds gehaltenen Vermögenswerten und Positionen sowie von den eigenen Vermögenswerten zu unterscheiden;

e) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 39 Absatz 2, wenn sie nicht die Möglichkeit bietet oder auf Anfrage nicht in der Lage ist, getrennte Aufzeichnungen und Abrechnungskonten zu führen, die es jedem Clearingmitglied ermöglichen, in Konten bei der CCP zwischen seinen eigenen Vermögenswerten und Positionen und den im Namen seiner Kunden gehaltenen zu unterscheiden;

f) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 39 Absatz 3, wenn sie nicht die Möglichkeit bietet oder auf Anfrage nicht in der Lage ist, getrennte Aufzeichnungen und Abrechnungskonten zu führen, die es jedem Clearingmitglied ermöglichen, in Konten bei der CCP die im Namen eines Kunden gehaltenen Vermögenswerte und Positionen von den im Namen anderer Kunden gehaltenen zu unterscheiden, oder wenn sie auf entsprechenden Wunsch Clearingmitgliedern nicht auf Ersuchen die Möglichkeit einräumt, weitere Konten im eigenen Namen im Namen ihrer Kunden zu eröffnen;

g) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 40, wenn sie nicht in nahezu Echtzeit ihre Liquiditäts- und Kreditrisikopositionen in Bezug auf jedes Clearingmitglied und gegebenenfalls in Bezug auf eine andere CCP misst und bewertet, mit der sie eine Interoperabilitätsvereinbarung geschlossen hat, oder wenn sie nicht über einen zeitnahen und diskriminierungsfreien Zugang zu den relevanten Quellen für die Preisermittlung verfügt, sodass sie ihre Risikopositionen auf einer angemessenen Kostengrundlage effektiv messen kann;

h) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 41 Absatz 1, wenn sie keine Einschusszahlungen (margins) vorschreibt, anfordert oder einzieht, um ihre von ihren Clearingmitgliedern oder gegebenenfalls von anderen CCP, mit denen Interoperabilitätsvereinbarungen bestehen, ausgehenden Kreditrisiken zu begrenzen, oder wenn sie Einschusszahlungen vorschreibt, anfordert oder einzieht, die nicht ausreichen, um potenzielle Risiken zu decken, die nach Einschätzung der CCP bis zur Liquidierung der relevanten Positionen eintreten können, oder um Verluste aus mindestens 99 % der Forderungsveränderungen über einen angemessenen Zeithorizont zu decken, oder die nicht ausreichen, um zu gewährleisten, dass die CCP ihre Risikopositionen gegenüber allen ihren Clearingmitgliedern und gegebenenfalls gegenüber allen anderen CCP, mit denen Interoperabilitätsvereinbarungen bestehen, in vollem Umfang mindestens auf Tagesbasis besichert, oder wenn sie dabei im gegebenen Fall nicht den potenziell prozyklischen Wirkungen solcher Anpassungen Rechnung trägt;

i) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 41 Absatz 2, wenn sie bei der Festlegung der von ihr eingeforderten Einschusszahlungen keine Modelle und Parameter vorgibt, die die Risikomerkmale der geclearten Produkte berücksichtigen und dem Intervall der Einforderung der Einschusszahlungen, der Marktliquidität und der Möglichkeit von Veränderungen während der Laufzeit der Transaktion Rechnung tragen;

j) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 41 Absatz 3, wenn sie keine Einschusszahlungen untertägig einfordert, und zwar mindestens dann, wenn zuvor festgelegte Schwellenwerte überschritten werden;

k) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 42 Absatz 3, wenn sie keinen Ausfallfonds vorhält, der sie in die Lage versetzt, unter extremen, aber plausiblen Marktbedingungen zumindest den Ausfall des Clearingmitglieds, gegenüber dem sie die höchsten Risikopositionen hält, oder, wenn diese Summe höher ist, der Clearingmitglieder, gegenüber denen sie die zweit- und dritthöchsten Risikopositionen hält, aufzufangen, oder wenn sie Szenarien entwickelt, die nicht die volatilsten Perioden, die bisher auf den von ihr bedienten Märkten beobachtet wurden, und nicht mehrere für die Zukunft denkbare Szenarien beinhalten, die unerwartete Verkäufe von Finanzmitteln und einen schnellen Rückgang der Marktliquidität berücksichtigen;

l) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 43 Absatz 2, wenn der Ausfallfonds gemäß Artikel 42 und ihre sonstigen Finanzmittel gemäß Artikel 43 Absatz 1 es der CCP nicht ermöglichen, unter extremen, aber plausiblen Marktbedingungen einen Ausfall mindestens der beiden Clearingmitglieder, gegenüber denen sie die höchsten Risikopositionen hält, aufzufangen;

m) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 44 Absatz 1, wenn sie nicht jederzeit Zugang zu ausreichender Liquidität hat, um ihre Dienstleistungen und Tätigkeiten ausführen zu können, oder wenn sie nicht täglich ihren potenziellen Liquiditätsbedarf ermittelt;

o) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 45 Absätze 1, 2 und 3, wenn sie nicht erst die Einschusszahlungen eines ausgefallenen Clearingmitglieds verwendet, bevor sie andere Finanzmittel zur Deckung von Verlusten einsetzt;

p) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 45 Absatz 4, wenn sie nicht erst zugeordnete Eigenmittel einsetzt, bevor sie auf die in den Ausfallfonds eingezahlten Beiträge der nicht ausgefallenen Clearingmitglieder zurückgreift;

q) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 46 Absatz 1, wenn sie im Falle, dass sonstige Sicherheiten nach dem in Artikel 46 Absatz 3 genannten delegierten Rechtsakt der Kommission nicht erlaubt sind, zur Deckung ihrer anfänglichen und laufenden Risikopositionen gegenüber ihren Clearingmitgliedern etwas anderes als hochliquide Sicherheiten mit minimalem Kredit- und Marktrisiko akzeptiert;

r) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 47 Absatz 1, wenn sie ihre Finanzmittel anders als in bar oder in hochliquiden Finanzinstrumenten mit minimalem Markt- und Kreditrisiko, die schnell und mit minimalem negativem Preiseffekt liquidierbar sind, anlegt;

s) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 47 Absatz 3, wenn sie Finanzinstrumente, die als Einschusszahlung oder als Beiträge zum Ausfallfonds hinterlegt werden, nicht bei Betreibern von Wertpapierliefer- und ‑abrechnungssystemen hinterlegt, die einen umfassenden Schutz der betreffenden Finanzinstrumente gewährleisten, wenn diese verfügbar sind, oder wenn sie nicht andere besonders sichere Vereinbarungen mit zugelassenen Finanzinstituten nutzt;

t) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 47 Absatz 4, wenn sie Geldanlagen auf andere Weise als durch besonders sichere Vereinbarungen mit zugelassenen Finanzinstituten oder durch die Nutzung der ständigen Einlagefazilitäten der Zentralbanken oder anderer von den Zentralbanken bereitgestellter vergleichbarer Anlageformen tätigt;

u) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 47 Absatz 5, wenn sie Vermögenswerte bei einem Dritten hinterlegt, ohne durch eine andere Bezeichnung der betreffenden Konten in den Büchern dieses Dritten oder durch andere gleichwertige Vorkehrungen, die dasselbe Schutzniveau garantieren, sicherzustellen, dass die Vermögenswerte, die von den Clearingmitgliedern stammen, von den eigenen Vermögenswerten der CCP und von den Vermögenswerten des Dritten unterschieden werden können, oder wenn sie bei Bedarf keinen sofortigen Zugang zu den Finanzinstrumenten hat;

v) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 47 Absatz 6, wenn sie ihr Kapital oder die aufgrund der Anforderungen gemäß den Artikeln 41, 42, 43 oder 44 erhaltenen Beträge in eigenen Wertpapieren oder Wertpapieren ihres Mutterunternehmens oder ihres Tochterunternehmens anlegt;

w) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 48 Absatz 1, wenn sie nicht über detaillierte Verfahren verfügt, die in dem Fall Anwendung finden, dass ein Clearingmitglied die in Artikel 37 genannten Zulassungsvorschriften der CCP nicht innerhalb der von der CCP vorgegebenen Frist und im Einklang mit den von ihr festgelegten Verfahren erfüllt, oder wenn sie nicht detailliert festlegt, welche Verfahren Anwendung finden, wenn der Ausfall eines Clearingmitglieds nicht durch die CCP bekannt gegeben wird, oder wenn sie diese Verfahren nicht jährlich überprüft;

x) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 48 Absatz 2, wenn sie nicht unverzüglich Maßnahmen ergreift, um Verluste und Liquiditätsengpässe, die sich durch den Ausfall von Clearingmitgliedern ergeben, zu begrenzen, und nicht dafür sorgt, dass durch die Glattstellung der Positionen eines Clearingmitglieds ihr Geschäftsbetrieb nicht beeinträchtigt wird und die nicht ausfallenden Clearingmitglieder nicht Verlusten ausgesetzt werden, die sie nicht erwarten oder kontrollieren können;

y) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 48 Absatz 3, wenn sie nicht unverzüglich die ESMA unterrichtet, bevor der Ausfall erklärt oder das entsprechende Verfahren angewendet wird;

z) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 48 Artikel 4, wenn sie sich nicht überzeugt, dass ihre Verfahren bei einem Ausfall rechtlich durchsetzbar sind, und wenn sie nicht alle angemessenen Maßnahmen trifft, um sicherzustellen, dass sie über die rechtlichen Befugnisse verfügt, um Eigenhandelspositionen des ausfallenden Clearingmitglieds abzuwickeln und die Kundenpositionen des ausfallenden Clearingmitglieds zu übertragen oder abzuwickeln;

aa) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 49 Absatz 1, wenn sie nicht regelmäßig die Modelle und Parameter, die bei der Berechnung ihrer Einschussanforderungen, der Beiträge zum Ausfallfonds und der Anforderungen an die Sicherheiten zugrunde gelegt werden, sowie andere Risikokontrollmechanismen überprüft, und wenn sie diese Modelle nicht häufigen, strikten Stresstests unterwirft, um ihre Belastbarkeit unter extremen, aber plausiblen Marktbedingungen zu bewerten, oder keine Backtests durchführt, um die Zuverlässigkeit der angewandten Methodik zu beurteilen, oder wenn sie keine unabhängige Validierung vornehmen lässt oder die ESMA nicht über die Ergebnisse der durchgeführten Tests unterrichtet, oder wenn sie vor einer wesentlichen Änderung der Modelle und Parameter keine Validierung durch die ESMA vornehmen lässt;

bb) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 49 Absatz 2, wenn sie die wesentlichen Aspekte ihrer Verfahren bei Ausfall eines Clearingmitglieds nicht regelmäßigen Tests unterwirft, oder wenn sie nicht alle angemessenen Maßnahmen ergreift, um sicherzustellen, dass alle Clearingmitglieder diese Verfahren verstehen und geeignete Vorkehrungen getroffen haben, um bei einem Ausfall entsprechend reagieren zu können;

cc) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 49 Absatz 1a, wenn sie eine wesentliche Änderung der in Artikel 49 Absatz 1 genannten Modelle und Parameter ohne vorherige Validierung dieser Änderung durch die ESMA vornimmt;

dd) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 50 Absatz 1, wenn sie nicht, soweit zweckmäßig und verfügbar, Zentralbankgeld für die Abwicklung ihrer Transaktionen verwendet, oder wenn sie im Falle, dass kein Zentralbankgeld genutzt wird, keine Maßnahmen trifft, um die mit dem Barausgleich verbundenen Risiken streng zu begrenzen;

ee) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 50 Absatz 3, wenn sie im Falle, dass eine CCP zur Lieferung oder Entgegennahme von Finanzinstrumenten verpflichtet ist, die Erfüllungsrisiken nicht durch Anwendung des Prinzips „Lieferung gegen Zahlung“ weitestgehend ausschaltet;

ff) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 50a oder Artikel 50b, wenn sie die KCCP nicht gemäß dem genannten Artikel berechnet, oder wenn sie die in Artikel 50a Absatz 2, Artikel 50b und Artikel 50d genannten Regeln für die Berechnung der KCCP nicht einhält;

gg) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 50a Absatz 3, wenn sie die KCCP nicht zumindest quartalsweise berechnet oder seltener berechnet, als die ESMA dies gemäß Artikel 50a Absatz 3 verlangt;

hh) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 51 Absatz 2, wenn sie, sofern sie den von dem betreffenden Handelsplatz festgelegten operationellen und technischen Anforderungen genügt, keinen diskriminierungsfreien Zugang zu den Daten, die sie für die Wahrnehmung ihrer Aufgaben vom betreffenden Handelsplatz benötigt, sowie zum entsprechenden Abwicklungssystem erhält;

ii) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 52 Absatz 1, wenn sie eine Interoperabilitätsvereinbarung schließt, ohne die unter den Buchstaben a, b, c oder d des Artikels genannten Anforderungen zu erfüllen;

jj) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 53 Absatz 1, wenn sie in den Abrechnungskonten die Vermögenswerte und Positionen, die sie für die Rechnung einer anderen CCP hält, mit der sie eine Interoperabilitätsvereinbarung geschlossen hat, nicht gesondert ausweist;

kk) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 54 Absatz 1, wenn sie eine Interoperabilitätsvereinbarung ohne vorherige Genehmigung durch die ESMA schließt.

IV.  Verstöße im Zusammenhang mit der Transparenz und der Verfügbarkeit von Informationen:

a) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 38 Absatz 1, wenn sie die Preise und Entgelte nicht für jede separat erbrachte Dienstleistung und Aufgabe offenlegt, einschließlich der Abschläge und Rabatte sowie der Bedingungen für die Gewährung entsprechender Nachlässe;

b) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 38 Absatz 1, wenn sie die Informationen über die Aufwendungen für ihre Dienstleistungen und daraus resultierende Einkünfte der ESMA gegenüber nicht offenlegt;

c) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 38 Absatz 2, wenn sie ihren Clearingmitgliedern und deren Kunden gegenüber nicht offenlegt, welche Risiken mit den erbrachten Dienstleistungen verbunden sind;

d) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 38 Absatz 3, wenn sie die Preisinformationen, die bei der Berechnung ihrer Risikopositionen gegenüber ihren Clearingmitgliedern am Tagesende zugrunde gelegt werden, gegenüber ihren Clearingmitgliedern und der ESMA nicht offenlegt, oder wenn sie nicht bei jedem durch die CCP geclearten Instrument das Volumen der geclearten Transaktionen in zusammengefasster Form öffentlich bekannt gibt;

f) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 38 Absatz 4, wenn sie die betrieblichen und technischen Vorschriften in Zusammenhang mit den Nachrichtenprotokollen nicht öffentlich bekannt macht, welche sich auf die Inhalts- und Nachrichtenformate erstrecken, die sie für die Kommunikation mit Dritten verwendet, einschließlich der operativen und technischen Anforderungen, die gemäß Artikel 7 vorgesehen sind;

g) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 38 Absatz 5, wenn sie Verstöße von Clearingmitgliedern gegen die in Artikel 37 Absatz 1 genannten Kriterien oder die in Artikel 38 Absatz 5 genannten Anforderungen nicht öffentlich bekannt macht, es sei denn, die ESMA gelangt zu dem Schluss, dass eine solche Veröffentlichung eine Bedrohung für die Stabilität der Finanzmärkte oder das Vertrauen in die Märkte schaffen würde oder die Finanzmärkte erheblich gefährden oder zu einem unverhältnismäßigen Schaden bei den Beteiligten führen würde;

h) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 39 Absatz 7, wenn sie die Schutzniveaus und die Kosten, die mit dem jeweiligen Grad der von ihr angebotenen Kontentrennung verbunden sind, nicht veröffentlicht;

i) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 49 Absatz 3, wenn sie Hauptaspekte zu ihrem Risikomanagementmodell oder die bei der Durchführung des Stresstests gemäß Artikel 49 Absatz 1 zugrunde gelegten Annahmen nicht veröffentlicht;

j) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 50 Absatz 2, wenn sie nicht in klarer Form ihre Verpflichtungen in Bezug auf die Lieferung von Finanzinstrumenten darlegt, unter anderem, ob sie verpflichtet ist, Finanzinstrumente zu liefern oder entgegenzunehmen, und ob sie Teilnehmer für Verluste im Zusammenhang mit der Lieferung entschädigt;

k) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 50c Absatz 1, wenn sie den Instituten unter ihren Clearingmitgliedern und deren zuständige Behörden nicht die in Artikel 50c Absatz 1 Buchstaben a, b, c, d und e genannten Angaben macht;

l) eine Tier 2-CCP verstößt gegen Artikel 50c Absatz 2, wenn sie die Institute unter ihren Clearingmitgliedern nicht mindestens quartalsweise oder seltener informiert, als die ESMA dies gemäß Artikel 50c Absatz 2 verlangt.

V.  Verstöße im Zusammenhang mit der Behinderung von Aufsichtstätigkeiten:

a) eine CCP verstößt gegen Artikel 25c, wenn sie es versäumt, in Übereinstimmung mit Artikel 25c Absatz 2 auf Aufforderung Informationen zur Verfügung zu stellen oder wenn sie auf ein einfaches Auskunftsersuchen der ESMA nach Artikel 25c Absatz 2 oder Absatz 3 oder einen Beschluss der ESMA zur Anforderung von Auskünften nach Artikel 25c Absatz 3 hin sachlich falsche oder irreführende Auskünfte abgibt; als Antwort auf eine Entscheidung der ESMA, in der Informationen verlangt werden, nach Artikel 25c Absatz 3 falsche oder irreführende Informationen bereitstellt.

b) eine CCP begeht einen Verstoß, wenn sie sachlich falsche oder irreführende Antworten auf Fragen erteilt, die nach Artikel 25d Absatz 1 Buchstabe c oder Artikel 25d Absatz 1 Buchstabe c oder 25d Absatz 1 Buchstabe d gestellt werden;

c) eine Tier 2-CCP begeht einen Verstoß, wenn sie einer aufgrund eines Beschlusses der ESMA nach Artikel 25n erlassenen Aufsichtsmaßnahme nicht fristgemäß nachkommt;

d) eine Tier 2-CCP begeht einen Verstoß, wenn sie sich keiner durch einen Beschluss der ESMA nach Artikel 25e über die Einleitung einer Inspektion angeordneten Prüfung vor Ort unterzieht.

1.  Folgender Anhang IV wird eingefügt:

„ANHANG IV

Liste der Koeffizienten aufgrund erschwerender und mildernder Faktoren zum Zwecke der Anwendung des Artikels 25g Absatz 3

Die nachstehenden Koeffizienten sind kumulativ auf die Grundbeträge nach Artikel 25g Absatz 2 anzuwenden:

I.  Anpassungskoeffizienten aufgrund erschwerender Faktoren:

a) wenn der Verstoß wiederholt begangen wurde, gilt für jede Wiederholung ein zusätzlicher Koeffizient von 1,1;

b) wenn der Verstoß während mehr als sechs Monaten begangen wurde, gilt ein Koeffizient von 1,5;

c) wenn durch den Verstoß systemimmanente Schwachstellen in der Organisation der CCP, insbesondere in ihren Verfahren, Verwaltungssystemen oder internen Kontrollen, erkennbar geworden sind, gilt ein Koeffizient von 2,2;

d) wenn der Verstoß negative Auswirkungen auf die Qualität der Tätigkeiten und Dienstleistungen der CCP hat, gilt ein Koeffizient von 1,5;

e) wenn der Verstoß vorsätzlich begangen wurde, gilt ein Koeffizient von 2;

f) wenn seit der Feststellung des Verstoßes keine Abhilfemaßnahmen getroffen wurden, gilt ein Koeffizient von 1,7;

g) wenn die Geschäftsleitung der CCP nicht mit der ESMA bei der Durchführung von deren Ermittlungen zusammengearbeitet hat, gilt ein Koeffizient von 1,5.

II.  Anpassungskoeffizienten aufgrund mildernder Faktoren:

a) wenn der Verstoß während weniger als zehn Arbeitstagen begangen wurde, gilt ein Koeffizient von 0,9;

b) wenn die Geschäftsleitung der CCP nachweisen kann, dass sie alle erforderlichen Maßnahmen zur Verhinderung des Verstoßes ergriffen hat, gilt ein Koeffizient von 0,7;

c) wenn die CCP die ESMA zügig, wirkungsvoll und umfassend von dem Verstoß in Kenntnis gesetzt hat, gilt ein Koeffizient von 0,4;

d) wenn die CCP freiwillig Maßnahmen getroffen hat, damit ein ähnlicher Verstoß künftig nicht mehr begangen werden kann, gilt ein Koeffizient von 0,6.“

(1)

  ABl. C 385 vom 15.11.2017, S. 3.

(2)

  ABl. C 434 vom 15.11.2017, S. 63.

(3)

*   Änderungen: Der neue bzw. geänderte Text wird durch Fett- und Kursivdruck gekennzeichnet; Streichungen werden durch das Symbol ▌ gekennzeichnet.

(4)

  ABl. C 385 vom 15.11.2017, S. 3.

(5)

  ABl. C 434 vom 15.12.2017, S. 63.

(6)

  Standpunkt des Europäischen Parlaments vom … (ABl. ...) und Beschluss des Rates vom ...

(7)

  Verordnung (EU) Nr. 648/2012 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 4. Juli 2012 über OTC-Derivate, zentrale Gegenparteien und Transaktionsregister (ABl. L 201 vom 27.7.2012, S. 1).

(8)

  Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 in Bezug auf die Clearingpflicht, die Aussetzung der Clearingpflicht, die Meldepflichten, die Risikominderungstechniken für nicht durch eine zentrale Gegenpartei geclearte OTC-Derivatekontrakte, die Registrierung und Beaufsichtigung von Transaktionsregistern und die Anforderungen an Transaktionsregister (COM(2017) 208 final).

(9)

  Gemäß der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 stellt die ESMA ein Verzeichnis der anerkannten CCP aus Drittstaaten bereit, die Dienstleistungen und Tätigkeiten in der Union anbieten dürfen. Die Drittstaaten-CCP sind in 15 Ländern ansässig, die unter von der Kommission angenommene Gleichwertigkeitsbeschlüsse fallen, darunter Australien, Hongkong, Singapur, Japan, Kanada, Schweiz, Südkorea, Mexiko, Südafrika und die USA (von der CFTC beaufsichtigte Märkte), Brasilien, Vereinigte Arabische Emirate, Dubai International Financial Centre (DIFC), Indien und Neuseeland.

(10)

  Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über einen Rahmen für die Sanierung und Abwicklung zentraler Gegenparteien und zur Änderung der Verordnungen (EU) Nr. 1095/2010, (EU) Nr. 648/2012 und (EU) 2015/2365. COM(2016) 856 final.

(11)

  Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat und die Europäische Zentralbank „Antworten auf Herausforderungen für kritische Finanzmarktinfrastrukturen und die Weiterentwicklung der Kapitalmarktunion“, vorgelegt in Brüssel am 4. Mai 2017 (COM(2017) 225 final).

(12)

  Mitteilung über die Lage der Union 2016: „Vollendung der Kapitalmarktunion – Kommission will Reform rasch voranbringen“ (14. September 2016).

(13)

  Öffentliche Konsultation über die Tätigkeit der Europäischen Aufsichtsbehörden, 21.3.2017 - 16.5.2017.

(14)

  Verordnung (EU) Nr. 1024/2013 des Rates vom 15. Oktober 2013 zur Übertragung besonderer Aufgaben im Zusammenhang mit der Aufsicht über Kreditinstitute auf die Europäische Zentralbank (ABl. L 287 vom 29.10.2013, S. 63).“


ANLAGE: LISTE DER EINRICHTUNGEN UND PERSONEN, VON DENEN DIE BERICHTERSTATTERIN BEITRÄGE ERHALTEN HAT

Die folgende Liste wurde auf rein freiwilliger Grundlage und unter alleiniger Verantwortung der Berichterstatterin erstellt. Die Berichterstatterin hat im Zuge der Vorbereitung des Berichts dieses Berichtsentwurfs Beiträge von folgenden Einrichtungen oder Personen erhalten:

Einrichtung und/oder Person

 

American Chamber of Commerce (US-Handelskammer): Mitglieder des Ausschusses für Finanzdienstleistungen

Association Française de Gestion Financière (AFG): Virginie Buey, Virginie Gaborit, Pierre Garrault, Jean-Louis Laurens

 

Association for Financial Markets in Europe : Stephen Burton, Michael Cole-Fontayn

Autorité des Marchés Financiers (französische Finanzaufsicht): Patrice Aguesse, Claire Guillaumot, Isabelle Massonat

Bank of England (Zentralbank des Vereinigten Königreichs): David Bailey, Barry King, Zertasha Malik, Holly Snaith, Richard Spooner

Banque de France (französische Zentralbank): Emmanuelle Assouan, Claudine Hurman, Ivan Odonnat, Francois Villeroy de Galhau,

Blackrock: Stephen Fisher, Carey Evans

Brunswick Group: Michael Feuerstein

Centre for European Policy Studies (CEPS): Karel Lannoo

Chicago Mercantile Exchange (CME): Sunil Cutinho, Sean Downey, Emily Hendrix, Simon Turek

City Bank: Slawomir Sikora

City UK: John Mac Farlane

City of London (Stadt London): Jeremy Browne

Commerzbank: Martin Zielke

The Depository Trust and Clearing Corporation (DTCC): Ann Schuman, Michalis Sotiropoulos, Mark Wetjen

Deutsche Bank: Jürgen Feil, Arthur Marquis, Nina Schindler, Katharina Wolf

Deutsche Börse: Niels Brab, Claire Bravard Alexandra Hachmeister

Eurex: Thomas Book, Niels Brab, Matthias Graulich, Erik Müller

European Association of Public Banks: Filip Chraska, Thorsten Guthke

European Association of CCP Clearing Houses: Chiara Bergamaschi, Rafael Plata

Europäische Zentralbank: Marguerite Connell, Benoit Coeure, Stephanie.Bergbauer, Corinna Freund, Jean-Francois Jamet, Pierre Marmara, Yves Mersch, Panagiotis Papapaschalis, Clement Rouveyrol

Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde: Giampiero Carla , Steven Maijoor, Jakub Michalik, Maud Thimon

Federation of European Securities Exchanges (Arbeitsgemeinschaft der europäischen Wertpapierbörsen): Richard Fenner

Französischer Bankenverband: Taha Bousmaha, Philippe de Soumagnat, Benjamin Quatre

Bundesverband Investment und Asset Management (BVI): Felix Ertl, Rudolf Siebel

Intercontinental Exchange (ICE): Nicolas Kügler, Finbarr Hutcheson

KPDW CCP: Slawomir Panasiuk, Marcin Truchanowicz, Karolina Ziolkowska

London Clearing House (LCH): Julien Jardelot, Daniel Maguire, Corentine Poilvet-Clediere, Nikhil Rathi

Bankenverband und Investmentfonds-Verband von Luxemburg: Marc-André Bechet, Antoine Kremer, Gilles Pierre

 

FIA: Walt Lukken, Jackie Mesa, Corinna Schempp, Simon Puleston Jones

International Swaps and Derivatives Association (ISDA): Roger Cogan, Ulrich Karl

International Regulatory Strategy Group: Mark Hoban

Moody’s: Nigel Phipps

Japan Center for International Finance: Jutaro Kaneko

NASDAQ: Erica Brown, Julia Haglind, Hans-Ole Jochumsen,

Nomura Bank: Yuji Nakata

SIX-clear: Matthias Heer, Urs Wieland

Bundesland Hessen: Mark Weinmeister, Robert Möhrle

Union Investment: Andreas Illenseer

US-Commodity Futures Trading Commission (US-Aufsichtsbehörde für den Warenterminhandel): John Behnam, Chris Giancarlo, Brian Quintenz, Eric Pan, Tracey Wingate

US-Finanzministerium: Corrado Camera, Lawrence Norton, Rebekah Goshorn-Jurata

Handelskammer der USA: Thomas Quaadman, Samantha DeZur, Sean Downey, Giovanni Campi

An den Veranstaltungen der folgenden Einrichtungen nahm Frau Hübner teil und stellte ihre Tätigkeit zur CCP-Aufsicht vor:

APCO, Bundesverband deutscher Banken, Association for Financial Markets in Europe (AFME), Handelskammer von Großbritannien, Eurofi, European Parliamentary Financial Services Forum (EPFSF), Financial Future, Fleishmann Hillard, Linklaters, QED


VERFAHREN DES FEDERFÜHRENDEN AUSSCHUSSES

Titel

Änderung der Verordnung (EU) Nr. 1095/2010 zur Errichtung einer Europäischen Aufsichtsbehörde (Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde) und Änderung der Verordnung (EU) Nr. 648/2012 im Hinblick auf die an der Zulassung von zentralen Gegenparteien (CCPs) beteiligten Verfahren und Behörden und die Anforderungen für die Anerkennung von Drittstaat-CCPs

Bezugsdokumente - Verfahrensnummer

COM(2017)0331 – C8-0191/2017 – 2017/0136(COD)

Datum der Übermittlung an das EP

13.6.2017

 

 

 

Federführender Ausschuss

Datum der Bekanntgabe im Plenum

ECON

11.9.2017

 

 

 

Mitberatende Ausschüsse

Datum der Bekanntgabe im Plenum

BUDG

11.9.2017

ITRE

11.9.2017

JURI

11.9.2017

AFCO

11.9.2017

Nicht abgegebene Stellungnahme(n)

Datum des Beschlusses

BUDG

29.6.2017

ITRE

11.10.2017

JURI

12.7.2017

AFCO

11.9.2017

Berichterstatter

Datum der Benennung

Danuta Maria Hübner

6.7.2017

 

 

 

Prüfung im Ausschuss

10.10.2017

21.2.2018

24.4.2018

 

Datum der Annahme

16.5.2018

 

 

 

Ergebnis der Schlussabstimmung

+:

–:

0:

45

4

5

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Mitglieder

Gerolf Annemans, Burkhard Balz, Hugues Bayet, Pervenche Berès, Thierry Cornillet, Esther de Lange, Markus Ferber, Jonás Fernández, Giuseppe Ferrandino, Sven Giegold, Neena Gill, Roberto Gualtieri, Brian Hayes, Danuta Maria Hübner, Cătălin Sorin Ivan, Petr Ježek, Wolf Klinz, Georgios Kyrtsos, Philippe Lamberts, Werner Langen, Sander Loones, Bernd Lucke, Olle Ludvigsson, Ivana Maletić, Gabriel Mato, Costas Mavrides, Alex Mayer, Bernard Monot, Luděk Niedermayer, Stanisław Ożóg, Sirpa Pietikäinen, Pirkko Ruohonen-Lerner, Anne Sander, Alfred Sant, Martin Schirdewan, Molly Scott Cato, Pedro Silva Pereira, Peter Simon, Theodor Dumitru Stolojan, Kay Swinburne, Paul Tang, Ramon Tremosa i Balcells, Ernest Urtasun, Marco Valli, Tom Vandenkendelaere, Marco Zanni

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellvertreter

Andrea Cozzolino, Ramón Jáuregui Atondo, Paloma López Bermejo, Thomas Mann, Joachim Starbatty, Romana Tomc, Lieve Wierinck

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellv. (Art. 200 Abs. 2)

Agnieszka Kozłowska-Rajewicz

Datum der Einreichung

25.5.2018


NAMENTLICHE SCHLUSSABSTIMMUNG IM FEDERFÜHRENDEN AUSSCHUSS

45

+

ALDE

Thierry Cornillet, Petr Ježek, Wolf Klinz, Ramon Tremosa i Balcells, Lieve Wierinck

ECR

Sander Loones, Bernd Lucke, Stanisław Ożóg, Pirkko Ruohonen-Lerner, Joachim Starbatty

PPE

Burkhard Balz, Markus Ferber, Brian Hayes, Danuta Maria Hübner, Agnieszka Kozłowska-Rajewicz, Georgios Kyrtsos, Esther de Lange, Werner Langen, Ivana Maletić, Thomas Mann, Gabriel Mato, Luděk Niedermayer, Sirpa Pietikäinen, Anne Sander, Theodor Dumitru Stolojan, Romana Tomc, Tom Vandenkendelaere

S&D

Hugues Bayet, Pervenche Berès, Andrea Cozzolino, Jonás Fernández, Giuseppe Ferrandino, Roberto Gualtieri, Cătălin Sorin Ivan, Ramón Jáuregui Atondo, Olle Ludvigsson, Costas Mavrides, Alfred Sant, Pedro Silva Pereira, Peter Simon, Paul Tang

VERTS/ALE

Sven Giegold, Philippe Lamberts, Molly Scott Cato, Ernest Urtasun

4

-

ECR

Kay Swinburne

ENF

Gerolf Annemans, Bernard Monot, Marco Zanni

5

0

EFDD

Marco Valli

GUE/NGL

Paloma López Bermejo, Martin Schirdewan

S&D

Neena Gill, Alex Mayer

Erklärung der benutzten Zeichen:

+  :  dafür

-  :  dagegen

0  :  Enthaltung

Letzte Aktualisierung: 8. Juni 2018Rechtlicher Hinweis