Verfahren : 2017/2277(INI)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : A8-0208/2018

Eingereichte Texte :

A8-0208/2018

Aussprachen :

PV 10/09/2018 - 24
CRE 10/09/2018 - 24

Abstimmungen :

PV 11/09/2018 - 6.8
Erklärungen zur Abstimmung

Angenommene Texte :

P8_TA(2018)0325

BERICHT     
PDF 348kWORD 71k
12.6.2018
PE 616.839v02-00 A8-0208/2018

über die Möglichkeiten der Wiedereingliederung von Arbeitnehmern in hochwertige Beschäftigung nach einer Verletzung oder Erkrankung

(2017/2277(INI))

Ausschuss für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten

Berichterstatterin: Jana Žitňanská

ENTWURF EINER ENTSCHLIESSUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS
 BEGRÜNDUNG
 ANGABEN ZUR ANNAHME IM FEDERFÜHRENDEN AUSSCHUSS
 NAMENTLICHE SCHLUSSABSTIMMUNG IM FEDERFÜHRENDEN AUSSCHUSS

ENTWURF EINER ENTSCHLIESSUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS

zu Möglichkeiten der Wiedereingliederung von Arbeitnehmern in hochwertige Beschäftigung nach einer Verletzung oder Erkrankung

(2017/2277(INI))

Das Europäische Parlament,

–  unter Hinweis auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte,

–  unter Hinweis auf die Europäische Charta der Grundrechte,

–  unter Hinweis auf die interinstitutionelle Proklamation zur europäischen Säule sozialer Rechte,

–  unter Hinweis auf die Europäische Sozialcharta vom 3. Mai 1996,

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 15. September 2016 zu der Anwendung der Richtlinie zur Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf(1),

–  unter Hinweis auf die gemeinsame Erklärung der Europäischen Allianz gegen chronische Krankheiten (ECDA) von November 2017 zur Verbesserung der Beschäftigung von Menschen mit chronischen Krankheiten in Europa („Improving the employment of people with chronic diseases in Europe“),

–  unter Hinweis auf das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen und dessen Inkrafttreten in der EU am 21. Januar 2011 entsprechend dem Beschluss des Rates 2010/48/EG vom 26. November 2009,

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 25. November 2015 zu dem strategischen Rahmen der EU für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz 2014–2020(2),

–  unter Hinweis auf den gemeinsamen Bericht 2014 der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU‑OSHA) und der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) zum Thema „Psychosoziale Risiken in Europa: Prävalenz und Präventionsstrategien“,

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 30. November 2017 zur Umsetzung der Europäischen Strategie zugunsten von Menschen mit Behinderungen(3),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 7. Juli 2016 zur Umsetzung des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen unter besonderer Berücksichtigung der abschließenden Bemerkungen des Ausschusses der Vereinten Nationen zum Schutz der Rechte von Menschen mit Behinderungen(4),

–  unter Hinweis auf die Erklärung von Philadelphia vom 10. Mai 1944 zu den Zielen und Zwecke der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 23. Mai 2007 zu dem Thema „Menschenwürdige Arbeit für alle fördern“(5),

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission mit dem Titel „Eine erneuerte Sozialagenda: Chancen, Zugangsmöglichkeiten und Solidarität im Europa des 21. Jahrhunderts“ (COM(2008)0412),

–  unter Hinweis auf den Bericht der Kommission über die Umsetzung der Rahmenvereinbarung zu arbeitsbedingtem Stress, die von den Sozialpartnern geschlossen wurde (SEC(2011)0241),

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission mit dem Titel „Die Arbeitsplatzqualität verbessern und die Arbeitsproduktivität steigern: Gemeinschaftsstrategie für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz 2007–2012“ (COM(2007)0062),

–  unter Hinweis auf die Richtlinie des Rates 2000/78/EG vom 27. November 2000 zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf,

–  unter Hinweis auf die Richtlinie des Rates 2000/78/EG vom 27. November 2000 zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf und die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), etwa die verbundenen Rechtssachen C‑335/11 und C‑337/11 von April 2013 (HK Danmark), mit denen für Arbeitgeber ein Verbot der Diskriminierung wegen mit einer Behinderung in Zusammenhang stehenden Langzeiterkrankungen sowie die Verpflichtung, die Arbeitsbedingungen angemessen anzupassen, erlassen wurden,

–  unter Hinweis auf die 2013 eingeleitete gemeinsame Maßnahme der EU zum Thema geistige Gesundheit und Wohlbefinden,

–  unter Hinweis auf die Kampagne der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) mit dem Titel „Gesunde Arbeitsplätze – den Stress managen“,

–  unter Hinweis auf sein Pilotprojekt jüngeren Datums für den Gesundheitsschutz und die Sicherheit älterer Arbeitnehmer, das von der EU‑OSHA durchgeführt wurde,

–  unter Hinweis auf den Bericht der EU‑OSHA von 2016 mit dem Titel „Rehabilitation und Rückkehr in das Erwerbsleben: Systeme und politische Strategien in Europa“,

–  unter Hinweis auf den Bericht von Eurofound von 2014 mit dem Titel „Employment opportunities for people with chronic diseases“ (Beschäftigungsmöglichkeiten für chronisch erkrankte Personen),

–  unter Hinweis auf den Fachartikel von Business Europe von 2012 mit dem Titel „Employers’ practices for Active Ageing“ (Arbeitgebermaßnahmen für aktives Altern),

–  unter Hinweis auf Artikel 52 seiner Geschäftsordnung,

–  unter Hinweis auf den Bericht des Ausschusses für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten (A8‑0208/2018),

A.  in der Erwägung, dass arbeitsbedingter Stress ein zunehmendes Problem ist und in Europa am zweithäufigsten als arbeitsbedingtes Gesundheitsproblem angegeben wird; in der Erwägung, dass 25 %(6) der Arbeitnehmer angeben, dass sie arbeitsbedingtem Stress ausgesetzt sind; in der Erwägung, dass arbeitsbedingter Stress dem Recht des Einzelnen auf gesunde Arbeitsbedingungen zuwiderlaufen kann; in der Erwägung, dass arbeitsbedingter Stress zur weiteren Zunahmen von Fehlzeiten führt und die Produktivität beeinträchtigt und auf diesen Stress fast die Hälfte der jährlichen Fehltage zurückzuführen ist;

B.  in der Erwägung, dass die Alterung der erwerbstätigen Bevölkerung in Europa mit neuen Herausforderungen einhergeht, was das Arbeitsumfeld und die Veränderung der Arbeitsorganisation angeht; in der Erwägung, dass mit zunehmendem Alter das Risiko chronischer psychischer und physischer Gesundheitsprobleme, einschließlich Behinderungen und Erkrankungen, zunimmt, weswegen Prävention, Wiedereingliederung und Rehabilitation wichtige Maßnahmen darstellen, wenn Arbeitsplätze sowie die Renten- und Sozialversicherungssysteme nachhaltig bleiben sollen; in der Erwägung, dass nicht nur ältere Menschen von chronischen Erkrankungen betroffen sind;

C.  in der Erwägung, dass sich langfristige Fehlzeiten am Arbeitsplatz negativ auf die psychische und psychische Gesundheit auswirken, mit hohen sozialen und wirtschaftlichen Kosten einhergehen und dazu führen können, dass kein Wiedereinstieg in die Beschäftigung erfolgt; in der Erwägung, dass Gesundheit und Wohlergehen für die Schaffung nachhaltiger Volkswirtschaften von zentraler Bedeutung sind; in der Erwägung, dass berücksichtigt werden muss, dass Erkrankungen oder Behinderungen mit schwerwiegenden finanziellen Folgen für die Familien der Betroffenen einhergehen, wenn diese nicht in das Erwerbsleben zurückkehren können;

D.  in der Erwägung, dass zwar zwischen Behinderung, Verletzung, Krankheit und altersbedingtem Befinden unterschieden wird, sich diese Phänomene aber oft überschneiden und eine umfassende, auf den Einzelfall und die betroffene Einzelperson abgestimmte Herangehensweise erfordern;

E.  in der Erwägung, dass die Alterung der Bevölkerung zu den größten gesellschaftlichen Herausforderungen in der EU zählt; in der Erwägung, dass daher Strategien notwendig sind, um aktives Altern zu fördern, damit die Menschen bis zum Renteneintrittsalter – oder auf eigenen Wunsch auch länger – aktiv und erwerbstätig bleiben können; in der Erwägung, dass ältere Arbeitnehmer mit ihren Erfahrungen für den Arbeitsmarkt unverzichtbar sind; in der Erwägung, dass für viele ältere Menschen, die ihre Erwerbstätigkeit fortsetzen möchten, flexible Arbeitszeiten bzw. individuelle Beschäftigungsmodelle von Bedeutung sind; in der Erwägung, dass Krankheiten, Behinderungen und die Ausgrenzung vom Arbeitsmarkt schwerwiegende finanzielle Folgen nach sich ziehen;

F.  in der Erwägung, dass der Konsum von Tabak, Alkohol und Drogen zu den größten Gesundheitsrisiken der Erwerbsbevölkerung in der EU zählt und sowohl mit Verletzungen als auch mit verschiedenen nichtübertragbaren Krankheiten in Zusammenhang steht(7); in der Erwägung, dass 20 % bis 25 % aller Arbeitsunfälle alkoholisierte Personen(8) betreffen und schätzungsweise zwischen 5 % und 20 % der Erwerbsbevölkerung in Europa schwerwiegende Probleme im Zusammenhang mit ihrem Alkoholkonsum haben(9); in der Erwägung, dass die Wiedereingliederung von Arbeitnehmern mit Suchtproblemen in hochwertige Beschäftigung für Arbeitgeber mit besonderen Herausforderungen verbunden ist;

G.  in der Erwägung, dass Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen oder Personen, die sich nach einer Verletzung oder einer Krankheit in der Genesungsphase befinden, schutzbedürftig sind und individuelle Unterstützung erhalten sollten, was die Rückkehr an ihren Arbeitsplatz oder an den Arbeitsmarkt angeht; in der Erwägung, dass manche Menschen mit chronischen Erkrankungen nicht in die Berufstätigkeit zurückkehren möchten oder können;

H.  in der Erwägung, dass sich im Rahmen der Wiedereingliederung in das Berufsleben und des Wiedereinstiegs in die Berufstätigkeit wertvolle Möglichkeiten der Freiwilligentätigkeit ergeben könnten, etwa im Zuge der Beschäftigung von Personen im Ruhestand als Freiwillige; in der Erwägung, dass Freiwilligentätigkeiten in allen Altersstufen gefördert werden sollten;

I.  in der Erwägung, dass die Arbeitgeber zunächst für eine Gesundheits- und Sicherheitskultur am Arbeitsplatz sorgen müssen; in der Erwägung, dass die freiwillige Beteiligung an Maßnahmen im Bereich Sicherheit und Gesundheit, etwa an Arbeitsgruppen, möglicherweise auch zu einem Kulturwandel beitragen könnte;

J.  in der Erwägung, dass Arbeit eine wichtige Rolle spielt, wenn der Genesungs- und Rehabilitationsprozess gefördert werden soll, da Arbeit für den Arbeitnehmer mit wichtigen positiven psychosozialen Vorteilen einhergeht; in der Erwägung, dass angemessene Maßnahmen im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz von wesentlicher Bedeutung sind, was die Produktivität und Motivation der Mitarbeiter angeht, zumal diese dann auch einen Beitrag dazu leisten, dass ein Unternehmen wettbewerbs- und innovationsfähig bleibt, und womit für das Wohlergehen der Arbeitnehmer gesorgt und dazu beigetragen wird, dass wertvolle Fertigkeiten und Berufserfahrung erhalten bleiben, die Mitarbeiterfluktuation abnimmt und es nicht zu Exklusion, zu Unfällen und Verletzungen kommt; in der Erwägung, dass die Kommission daher für den Bereich der aktiven, sozialen Inklusion ein gesamtkostenorientiertes Verfahren in Erwägung ziehen sollte; in der Erwägung, dass die Annahme angemessener, auf den Einzelfall abgestimmter Konzepte für die Wiedereingliederung von Menschen in hochwertige Beschäftigung nach einer Verletzung oder Erkrankung ein wesentlicher Aspekt ist, wenn zusätzliche Fehlzeiten oder Anwesenheit trotz Krankheit verhindert werden sollen;

K.  in der Erwägung, dass die Bestimmungen des Begriffs „Person mit verminderter Erwerbsfähigkeit“ in einigen Mitgliedstaaten nicht deckungsgleich sind;

L.  in der Erwägung, dass bei KMU und Kleinstunternehmen in dieser Hinsicht ein besonderer Bedarf besteht, da sie über weniger Ressourcen verfügen. was die Einhaltung der Verpflichtungen im Zusammenhang mit der Prävention von Krankheiten und Unfällen angeht, und daher oft Unterstützung dabei benötigen, ihre Ziele im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz zu erreichen; in der Erwägung, dass angemessene Maßnahmen im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz für KMU und Kleinstunternehmen andererseits für die Tragfähigkeit der Geschäftstätigkeit von wesentlicher Bedeutung sind; in der Erwägung, dass die EU verschiedene Programme finanziert, in deren Rahmen die Möglichkeit zu einem nutzbringenden Austausch über Innovationen und bewährte Verfahren in Bezug auf nachhaltige Maßnahmen im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz besteht;

M.  in der Erwägung, dass negative psychosoziale Faktoren am Arbeitsplatz nicht nur mit gesundheitlichen Folgen in Zusammenhang stehen, sondern auch mit höheren Fehlzeiten und einer niedrigeren Zufriedenheit am Arbeitsplatz; in der Erwägung, dass mit auf den Einzelfall abgestimmten Maßnahmen im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz bewirkt werden kann, dass Einzelpersonen mit veränderter Beschäftigungsfähigkeit in Beschäftigung bleiben können, was mit Vorteilen für die gesamte Arbeitnehmerschaft einhergeht; in der Erwägung, dass Fehlzeiten am Arbeitsplatz zwar zuweilen aus medizinischer Sicht notwendig sind, sich daraus aber für Personen, die länger abwesend sind, auch weitere negative psychosoziale Auswirkungen ergeben können, zumal bei längeren Abwesenheiten die Wahrscheinlichkeit der Rückkehr in die Beschäftigung sinkt; in der Erwägung, dass frühzeitige, koordinierte Fürsorge, in deren Mittelpunkt zuvörderst das Wohlbefinden des Arbeitnehmers steht, von entscheidender Bedeutung ist, wenn es gilt, bei der Rückkehr in die Beschäftigung bessere Ergebnisse zu erzielen und langfristige negative Auswirkungen auf die Einzelperson zu vermeiden;

N.  in der Erwägung, dass die Daten zu Berufskrankheiten auf EU‑Ebene in vielen Fällen nicht in ausreichendem Maße verfügbar und vergleichbar sind; in der Erwägung, dass gemäß Eurofound etwa 28 % der Europäer angeben, von chronischen körperlichen oder mentalen Gesundheitsproblemen, Krankheiten oder Behinderungen betroffen zu sein(10); in der Erwägung, dass schätzungsweise eine von vier Personen im erwerbsfähigen Alter von langfristigen Gesundheitsproblemen betroffen ist(11); in der Erwägung, dass Behinderung und Krankheit gleichzeitig zu Armut führen und eine Folge von Armut sind; in der Erwägung, dass aus einer Studie der OECD hervorgeht, dass das Einkommen von Menschen mit Behinderungen im Durchschnitt 12 % unter dem Einkommen des Rests der Bevölkerung liegt(12); in der Erwägung, dass diese Diskrepanz in einigen Ländern bis zu 30 % beträgt; in der Erwägung, dass aus einer Studie von 2013 hervorgeht, dass 21,8 % der Krebspatienten im Alter zwischen 18 und 57 Jahren direkt nach der Diagnose arbeitslos wurden und die Arbeitslosigkeit bei 91,6 % dieser Gruppe 15 Monate nach der Diagnose eintrat(13); in der Erwägung, dass aus einer Eurostat‑Studie aus dem Jahr 2011(14) hervorgeht, dass nur 5,2 % der erwerbstätigen Personen, die aufgrund eines langfristigen Gesundheitsproblems und/oder von Schwierigkeiten bei einer grundlegenden Tätigkeit in ihrer Arbeitstätigkeit eingeschränkt sind, angeben, dass sie spezielle Regelungen zur Ausübung einer Erwerbstätigkeit in Anspruch nehmen; in der Erwägung, dass aus dieser Studie zudem hervorgeht, dass 24,2 % dieser nicht erwerbstätigen Personen angeben, dass sie solche Regelungen benötigen würden, um wieder erwerbstätig sein zu können;

O.  in der Erwägung, dass die Digitalisierung mit einem wesentlichen Wandel der Arbeitsorganisation einhergehen dürfte und zu besseren Möglichkeiten für Arbeitnehmer mit eingeschränkten körperlichen Fähigkeiten und anderen Beeinträchtigungen beitragen könnte; in der Erwägung, dass ältere Menschen diesbezüglich mit ganz spezifischen Herausforderungen konfrontiert sein dürften; in der Erwägung, dass auch sie Nutzen aus diesen Änderungen ziehen sollten;

P.  in der Erwägung, dass das Recht jedes Arbeitnehmers auf gesunde, sichere und würdige Arbeitsbedingungen in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union niedergelegt ist und gute Arbeitsbedingungen einen positiven Wert in sich selbst haben; in der Erwägung, dass gemäß der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte alle Menschen das Recht auf einen Lebensstandard haben, in dessen Rahmen ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden gewährleistet sind, sowie auf gerechte und günstige Arbeitsbedingungen; in der Erwägung, dass das gesellschaftliche Wohlbefinden insgesamt steigt und für die Mitgliedstaaten, die Arbeitnehmer und die Arbeitgeber – darunter auch ältere Arbeitnehmer und Personen mit gesundheitlichen Problemen – wirtschaftliche Vorteile entstehen, wenn sich der Gesundheitszustand der Arbeitnehmer verbessert und eine Wiedereingliederung stattfindet, und dass so auch Personal mit Fertigkeiten verfügbar bleibt, auf die andernfalls nicht mehr zurückgegriffen werden könnte; in der Erwägung, dass es für die Arbeitgeber, die Arbeitnehmer, die betroffenen Familien und Gemeinschaften mit Vorteilen einhergeht, wenn sich Erwerbsunfähigkeit in Erwerbsfähigkeit umkehrt;

Vorbeugung und Frühintervention

1.  hält es für entscheidend, dass das Management im Hinblick auf krankheitsbedingte Fehlzeiten in den Mitgliedstaaten verbessert wird und die Arbeitsplätze besser an die Bedürfnisse von Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen angepasst werden, indem die Antidiskriminierungsrichtlinie 2000/78/EG besser durchgesetzt wird; räumt ein, dass die Mitgliedstaaten im Hinblick auf eine entsprechende Verbesserung über funktionierende Rechtsvorschriften verfügen müssen und eine wirksame Überwachung stattfinden muss, damit gewährleistet ist, dass die Arbeitgeber die Arbeitsplätze besser an die Bedürfnisse von Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen anpassen, etwa auch durch die Zuteilung neuer Aufgabenbereiche sowie durch neue Ausrüstung und die Weiterentwicklung der Kompetenzen; fordert die Mitgliedstaaten auf, angemessene Vorkehrungen am Arbeitsplatz zu fördern, damit die Betroffenen rasch an den Arbeitsplatz zurückkehren können;

2.  fordert die Kommission auf, Integrations- und Rehabilitationsmaßnahmen zu fördern und die Anstrengungen der Mitgliedstaaten im Hinblick auf Sensibilisierungsmaßnahmen und die Ermittlung von bewährten Verfahren betreffend angemessene Vorkehrungen und Anpassungen am Arbeitsplatz sowie einen entsprechenden Austausch zu unterstützen; fordert alle für den Bereich der Rückkehr in die Beschäftigung relevanten Interessenträger auf, zur Verbesserung des Informationsaustauschs über mögliche nichtmedizinische Hemmnisse bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz beizutragen und Maßnahmen zu koordinieren, um diese Hemmnisse zu ermitteln und ihnen entgegenzuwirken;

3.  fordert Eurofound nachdrücklich auf, die Beschäftigungsmöglichkeiten und -fähigkeit von Menschen mit chronischen Erkrankungen weiter zu untersuchen und zu analysieren; fordert, dass künftig standardmäßig evidenzbasierte Maßnahmen getroffen werden und diese zur Grundlage der Konzepte für die Rückkehr in das Erwerbsleben gemacht werden; fordert die politischen Entscheidungsträger auf, eine Vorreiterrolle einzunehmen, was die Gewährleistung des Zugangs von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu Informationen und medizinischer Versorgung sowie die Förderung dieser bewährten Verfahren auf europäischer Ebene angeht;

4.  ist der Auffassung, dass mit dem anstehenden strategischen Rahmen der EU für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz für den Zeitraum nach 2020 über EU‑Mittel auch künftig Investitionen Vorrang eingeräumt werden sollte, die der Förderung eines längeren, gesünderen Privat- und Arbeitslebens und individueller Beschäftigungsmodelle sowie der Unterstützung entsprechender Einstellungs- und gut angepasster Wiedereingliederungsmaßnahmen dienen, sofern dies gewünscht und aus medizinischer Sicht möglich ist; ist der Ansicht, dass Investitionen in Maßnahmen der Primär- und Sekundärprävention ein integraler Bestandteil dieser Strategie sein und dass in diesem Sinne elektronische Gesundheitsdienste bereitgestellt werden sollten; fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, der Prävention von Risiken und Erkrankungen am Arbeitsplatz Vorrang einzuräumen;

5.  fordert die Mitgliedstaaten der EU auf, sich umfassend an der bevorstehenden EU‑weiten Kampagne zur Vorbeugung arbeitsbedingter Muskel- und Skeletterkrankungen 2020–2022 zu beteiligen, innovative nichtlegislative Lösungen zu ermitteln und sich mit den Sozialpartnern über Informationen und bewährte Verfahren auszutauschen; fordert, dass sich die Mitgliedstaaten aktiv an der Verbreitung des Informationsmaterials der EU‑OSHA beteiligen; fordert die Kommission erneut auf, umgehend einen Vorschlag für einen Rechtsakt über Muskel- und Skeletterkrankungen vorzulegen; fordert die Mitgliedstaaten auf, Studien über die Inzidenz von Muskel- und Skeletterkrankungen durchzuführen und diese nach Geschlecht, Alter und wirtschaftlichem Tätigkeitsbereich aufzuschlüsseln, damit diesen Erkrankungen vorgebeugt werden kann und sie bekämpft werden können und eine umfassende Strategie der EU zur Prävention und Frühintervention bei chronischen Erkrankungen ausgearbeitet werden kann;

6.  fordert die Mitgliedstaaten und die Arbeitgeber auf, die von der EU‑OSHA bereitgestellten Informationen proaktiv in ihre Strategien und Programme für das Arbeitsumfeld einzubinden; begrüßt, dass die EU‑OSHA vor kurzem auf ihrer Website einen neuen Bereich über arbeitsbedingte Erkrankungen, Rehabilitation und die Rückkehr in die Beschäftigung zugänglich gemacht hat, in dem Informationen über Präventionsmaßnahmen und -verfahren bereitgestellt werden sollen;

7.  vertritt die Ansicht, dass die systematische Vorbeugung psychosozialer Risiken ein grundlegender Aspekt eines modernen Arbeitsumfelds ist; nimmt besorgt zur Kenntnis, dass die Zahl der gemeldeten Fälle von Personen mit psychischen und psychosozialen Problemen in den vergangenen Jahren zugenommen hat, sowie die Tatsache, dass arbeitsbedingter Stress sowohl für die Arbeitgeber als auch für die Arbeitnehmer ein zunehmendes Problem darstellt; fordert die Mitgliedstaaten und die Sozialpartner auf, die Unternehmen bei der Umsetzung kohärenter Strategien und Programme am Arbeitsplatz zu unterstützen, damit diesen Problemen besser vorgebeugt werden kann, das Stigma, das mit psychischen Erkrankungen einhergeht, bekämpft werden kann und Personen, die bereits mit Erkrankungen dieser Art konfrontiert sind, unterstützt werden können, indem Zugang zu psychologischer Unterstützung geschaffen wird; weist ausdrücklich darauf hin, dass die Prävention psychosozialer Risiken und die Gesundheitsförderung mit Vorteilen – darunter nachweislich auch mit Investitionsrenditen – einhergeht, was für die Arbeitgeber eine weitere Motivation darstellen dürfte, entsprechende Maßnahmen zu treffen; stellt fest, dass sich die rechtlichen Bestimmungen und die Anerkennung psychischer und psychosozialer Gesundheitsrisiken wie etwa chronischer Stress und Burnout von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat unterscheiden;

8.  betont, dass die gemeinsamen Gesundheitsindikatoren und Begriffsbestimmungen für berufsbedingte Krankheiten, einschließlich Stress am Arbeitsplatz, aktualisiert und zur Verfügung gestellt und EU‑weit statistische Daten erhoben werden müssen, damit Ziele für die Verringerung des Auftretens von Berufskrankheiten festgelegt werden können;

9.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, ein Programm zur systematischen Überwachung von Arbeitnehmern, die von psychosozialen Risiken, einschließlich Stress, Depressionen und Burnout, betroffen sind, zu entwickeln und umzusetzen, in dessen Rahmen diese Arbeitnehmer auch entsprechend betreut und unterstützt werden, wobei unter anderem wirksame Empfehlungen und Leitlinien zur Bekämpfung dieser Risiken ausgearbeitet werden sollten; hebt hervor, dass chronischer Stress am Arbeitsplatz als großes Hemmnis für die Produktivität und Lebensqualität anerkannt ist; weist darauf hin, dass psychosoziale Risiken und arbeitsbedingter Stress oft struktureller Natur sind und mit der Arbeitsorganisation in Zusammenhang stehen und dass eine entsprechende Risikoprävention bzw. ein entsprechendes Risikomanagement durchaus möglich ist; betont, dass Studien erstellt werden müssen, die Prävention verbessert werden muss und ein Austausch über bewährte Verfahren und Instrumente stattfinden muss, was die Wiedereingliederung der betroffenen Personen in den Arbeitsmarkt angeht;

10.  fordert, dass in Bezug auf psychische Probleme und Lernschwierigkeiten auf eine Entstigmatisierung hingewirkt wird; regt an, dass Initiativen zur Sensibilisierung und zur Förderung eines entsprechenden Wandels eingeleitet werden, in dessen Rahmen Strategien und Maßnahmen zur Prävention psychosozialer Risiken auf der Unternehmensebene ausgearbeitet werden; begrüßt in diesem Zusammenhang die Maßnahmen der Sozialpartner in den Mitgliedstaaten, womit zu einem positiven Wandel beigetragen wird; weist erneut darauf hin, dass Dienstleister im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz und Arbeitsaufsichtsbeamte in Bezug auf Verfahren für das Management psychosozialer Risiken angemessen geschult werden müssen; fordert, dass die Initiativen der EU für die Bekämpfung psychosozialer Risiken am Arbeitsplatz wieder intensiver betrieben werden und dabei eine engere Zusammenarbeit stattfindet und dass diesem Thema im Rahmen der anstehenden Strategie der EU für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz Vorrang eingeräumt wird;

11.  stellt fest, dass die Wiedereingliederung von Arbeitnehmern, die mit Suchtproblemen konfrontiert waren, für Arbeitgeber mit besonderen Herausforderungen verbunden ist; weist in dieser Hinsicht auf das „Alna-Modell“ der schwedischen Sozialpartner(15) hin, in dessen Rahmen Arbeitgeber dabei unterstützt werden, proaktive Frühinterventionsmaßnahmen zu treffen, und Arbeitnehmer, die mit Suchtproblemen konfrontiert waren, in der Rehabilitationsphase Unterstützung erhalten;

12.  begrüßt die Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze – den Stress managen“; betont, dass Initiativen zur Bewältigung von arbeitsbedingtem Stress aufgrund der besonderen Arbeitsbedingungen von Frauen eine geschlechtsspezifische Dimension umfassen müssen;

13.  betont, dass mehr in Risikopräventionsmaßnahmen sowie die Förderung einer Präventionskultur am Arbeitsplatz investiert werden muss; weist darauf hin, dass die Qualität der Präventionsdienste von entscheidender Bedeutung ist, wenn die Unternehmen unterstützt werden sollen; fordert die Mitgliedstaaten auf, wirksame Strategien in Bezug auf gesunde Ernährung sowie den Alkohol- und Tabakkonsum und die Luftqualität umzusetzen, und fordert sie auf, entsprechende Strategien am Arbeitsplatz zu fördern; fordert die Mitgliedstaaten ferner auf, integrierte Gesundheitsdienste aufzubauen, die soziale, psychologische, berufsbezogene sowie arbeitsmedizinische Dienste umfassen; fordert die Mitgliedstaaten auf, dafür zu sorgen, dass Arbeitnehmer angemessenen Zugang zum Gesundheitssystem haben, damit physische und psychische Erkrankungen möglichst früh erkannt werden und sich der Wiedereingliederungsprozess einfacher gestaltet; weist erneut darauf hin, dass durch Frühintervention und Präventionsmaßnahmen die psychosozialen Spätfolgen für die Einzelperson sowie langfristig auch die Gesamtkosten für die Gesellschaft eingedämmt werden können;

14.  fordert, dass die Wiedereingliederungsmaßnahmen

–  im Einklang mit dem lebenszyklusorientierten Ansatz in der Politik in den Bereichen Bildung, lebenslanges Lernen, Soziales und Beschäftigung stehen,

–  individuell, gezielt und bedarfsorientiert gestaltet werden und dabei an die Beteiligten keine Anforderungen gestellt werden, die sie aufgrund ihres Gesundheitszustands voraussichtlich nicht erfüllen können,

–  auf einem integrierten und partizipativen Ansatz beruhen und

–  sie den Voraussetzungen Rechnung tragen, die notwendig sind, damit durch die Teilnahme keine Umstände entstehen, die ein zum Leben notwendiges Mindesteinkommen gefährden würden;

15.  ist der Ansicht, dass die Mitgliedstaaten für Personen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen gezielte zusätzliche Förderleistungen vorsehen sollten, mit denen beispielsweise die Zusatzkosten im Zusammenhang mit persönlicher Unterstützung und Assistenz, notwendigen besonderen Vorkehrungen und mit medizinischer und sozialer Betreuung gedeckt werden können, und dass dabei unter anderem für weniger begünstigte soziale Gruppen bezahlbare Preise für Arzneimittel festgelegt werden sollten; betont, dass unbedingt für angemessene Invaliditäts- und Altersrenten gesorgt werden muss;

Rückkehr in das Erwerbsleben

16.  stellt fest, dass Arbeit eine wichtige Quelle für das psychosoziale Wohlbefinden der Einzelperson darstellt und die Wiedereingliederung langzeitarbeitsloser Personen in das Erwerbsleben im Zuge individueller Maßnahmen ein wesentlicher Faktor ist, um gegen Armut und soziale Ausgrenzung vorzugehen, und dass sie auch mit weiteren Vorteilen einhergeht, was die psychosoziale Vorsorge betrifft; betont, dass die Wiedereingliederung von Personen nach einer Verletzung oder psychischen oder physischen Erkrankung in vielerlei Hinsicht vorteilhaft ist – sie begünstigt das Wohlergehen der betroffenen Person, stellt für das einzelstaatliche Sozialversicherungssystem und die einzelnen Unternehmen eine finanzielle Entlastung dar und ist auch der Wirtschaft insgesamt zuträglich, zumal dabei etwa auch die Renten- und Sozialversicherungssysteme im Hinblick auf künftige Generationen tragfähiger werden; weist darauf hin, dass die Arbeitnehmer mit Problemen konfrontiert sind, was Erstattungssysteme angeht, durch die es zu unnötigen Behandlungsverzögerungen und in bestimmten Fällen zu Entfremdung kommen könnte; fordert nachdrücklich, dass bei allen Verwaltungsverfahren im Zusammenhang mit der Wiedereingliederung von Arbeitnehmern ein kundenorientierter Ansatz verfolgt wird; fordert die Mitgliedstaaten auf, in Zusammenarbeit mit der Kommission und den einschlägigen Agenturen der EU Maßnahmen zu treffen, um den negativen Folgen langfristiger Abwesenheiten vom Arbeitsplatz – beispielsweise Isolation, psychosoziale Schwierigkeiten, sozioökonomische Folgen sowie eine verringerte Beschäftigungsfähigkeit – entgegenzutreten;

17.  vertritt die Auffassung, dass die Mitgliedstaaten und die Arbeitgeber in Bezug auf Arbeitnehmer mit Behinderungen, ältere Arbeitnehmer und Arbeitnehmer, die von einer psychischen oder physischen Erkrankung bzw. einer Verletzung, darunter auch lebensverkürzende Krankheiten, betroffen sind, einen positiven, auf Beschäftigung abzielenden Ansatz verfolgen und den Schwerpunkt dabei darauf legen sollten, schon frühzeitig zu ermitteln, inwiefern die betroffene Einzelperson beschäftigungsfähig und auch bereit ist, zu arbeiten, sowie darauf, schon frühzeitig eine psychologische, soziale und beschäftigungsbezogene Beratung sowie die Anpassung des Arbeitsplatzes zu organisieren, wobei dem beruflichen Profil und der sozioökonomischen Situation der Person und auch der Situation des Unternehmens Rechnung zu tragen wäre; fordert die Mitgliedstaaten auf, ihre sozialrechtlichen Bestimmungen so zu verbessern, dass eine Rückkehr in das Erwerbsleben begünstigt wird, sofern die Arbeitnehmer dies wünschen und die Rückkehr aus medizinischer Sicht möglich ist;

18.  weist darauf hin, dass soziale Unternehmen und insbesondere auf Eingliederung spezialisierte Sozialunternehmen (Work Integration Social Enterprises – WISEs) eine positive Rolle spielen, was die Wiedereingliederung langzeitarbeitsloser Personen in das Erwerbsleben angeht; fordert die Mitgliedstaaten auf, dafür zu sorgen, dass diese Unternehmen die notwendige Anerkennung und die erforderliche technische Unterstützung erhalten;

19.  regt an, dass in dieser Hinsicht bei allen einschlägigen Maßnahmen und Strategien auf das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen und das zugehörige Fakultativprotokoll (A/RES/61/106) Bezug genommen und der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (International Classification of Functioning, Disability and Health – ICF) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Rechnung getragen wird; teilt die Ansicht, dass die gesundheitliche Beeinträchtigung im Rahmen einer Behinderung stets mit sozioökonomischen Kontextfaktoren einhergeht;

20.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, Leitlinien für die Ausarbeitung und Umsetzung von Wiedereingliederungsplänen zu verfassen und Arbeitgebern zur Verfügung zu stellen und auch für entsprechende Coaching-, Unterstützungs- und Beratungsmaßnahmen für Arbeitgeber zu sorgen und dabei zu gewährleisten, dass die Sozialpartner kontinuierlich im Dialog bleiben und die Arbeitnehmer direkt zu Beginn des Wiedereingliederungsprozesses über ihre Rechte informiert werden; weist ferner darauf hin, dass innerhalb und/oder zwischen den Mitgliedstaaten, den Berufsgruppen, den Sozialpartnern, nichtstaatlichen Organisationen und den politischen Entscheidungsträgern ein Austausch über bewährte Verfahren in Bezug auf die Wiedereingliederung von Arbeitnehmern nach einer Erkrankung oder Verletzung erfolgen sollte;

21.  fordert die Mitgliedstaaten auf, in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern für KMU und Kleinstunternehmen, die nur wenig Erfahrung mit beruflichen Rehabilitationsprogrammen und Maßnahmen im Hinblick auf die Rückkehr in das Erwerbsleben haben, externe Fördermaßnahmen vorzusehen, in deren Rahmen diese Unternehmen Beratung und fachliche Unterstützung erhalten können; stellt fest, dass die Situation, die besonderen Bedürfnisse und die Schwierigkeiten bei der Einhaltung der Anforderungen, mit denen nicht nur KMU und Kleinstunternehmen, sondern auch bestimmte öffentliche Dienstleistungen konfrontiert sind, bei der Umsetzung von Maßnahmen am Arbeitsplatz auf Unternehmensebene unbedingt berücksichtigt werden müssen; betont, dass Sensibilisierungsmaßnahmen, ein Austausch über bewährte Verfahren, Konsultationen und Online‑Plattformen von überragender Bedeutung sind, wenn KMU und Kleinstunternehmen in dieser Hinsicht unterstützt werden sollen; fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, weitere praktische Instrumente und Leitlinien auszuarbeiten, mit denen KMU und Kleinstunternehmen, die nur wenig Erfahrung mit beruflichen Rehabilitationsprogrammen und Maßnahmen im Hinblick auf die Rückkehr in das Erwerbsleben haben, unterstützt werden können; weist drauf hin, dass unbedingt in Management‑Schulungen investiert werden muss;

22.  weist darauf hin, dass bei kreativeren Ansätzen mit dem Ziel der Wiedereingliederung der Menschen, die am weitesten vom Arbeitsmarkt entfernt sind, die Gefahr besteht, dass keine finanzielle Unterstützung gewährt wird, zumal derartige Unterstützung eher für Maßnahmen gewährt wird, die engeren Maßstäben genügen und einfach quantifizierbare Ergebnisse zeitigen; fordert die Kommission daher auf, die Förderung von Bottom‑up‑Ansätzen über die Strukturfonds und insbesondere den ESF zu verbessern;

23.  nimmt zur Kenntnis, dass das Konzept des Einzelfallmanagements bei auf Wiedereingliederung abzielenden Programmen erfolgreich ist, und betont, dass eine individuell ausgestaltete, integrierte Unterstützung durch Mitarbeiter der sozialen Dienste oder einschlägige Berater erforderlich ist; ist der Ansicht, dass es entscheidend ist, dass Unternehmen engen Kontakt zu ihren Angestellten pflegen, wenn diese aufgrund einer Erkrankung oder Verletzung abwesend sind, bzw. zu deren Vertretern;

24.  vertritt die Auffassung, dass Strategien für die Rückkehr an den Arbeitsplatz und die Wiedereingliederung Teil eines breiter angelegten, ganzheitlichen Konzepts für ein auf physischer und psychischer Ebene gesundes Arbeitsleben in einem physisch und psychisch sicheren Arbeitsumfeld während des gesamten Arbeitslebens sein sollten, damit alle Arbeitnehmer aktiv und gesund altern können; betont, dass Kommunikation, die Hilfe von Spezialisten aus dem Bereich berufliche Rehabilitation (einschlägige Assistenten/Sachbearbeiter) und ein integrierter Ansatz unter Beteiligung aller Parteien von entscheidender Bedeutung sind, damit die physische und berufliche Rehabilitation von Arbeitnehmern erfolgreich verläuft; ist der Ansicht, dass im Mittelpunkt der Systeme für die Rückkehr in die Beschäftigung der Arbeitsplatz selbst stehen sollte; spricht dem erfolgreichen österreichischen Programm „fit2work“(16) für seinen unbürokratischen, praktischen Ansatz seine Anerkennung aus, zumal ein Schwerpunkt des Programms darauf liegt, allen Arbeitnehmern einen leichten Zugang zu ermöglichen (indem beispielsweise einfache Sprache verwendet wird);

25.  betont, dass es von Bedeutung ist, dass Personen mit verminderter Erwerbsfähigkeit in Beschäftigung bleiben, und dass zu diesem Zwecke dafür gesorgt werden muss, dass KMU und Kleinstunternehmen über die Ressourcen verfügen, die sie benötigen, um dies auch wirklich umzusetzen; empfiehlt nachdrücklich, dass Arbeitnehmer nach einer Erkrankung oder Verletzung mithilfe von Umschulungs- und Fortbildungsmaßnahmen wieder in Beschäftigung und in den ersten Arbeitsmarkt eingegliedert werden, sofern dies von den Arbeitnehmern gewünscht wird und aus medizinischer Sicht möglich ist; betont, dass der Schwerpunkt der einschlägigen Regelungen auf der Beschäftigungsfähigkeit der Einzelperson liegen muss sowie darauf, dem Arbeitgeber die Vorteile zur Kenntnis zu bringen, die sich daraus ergeben, dass ihm die Erfahrung und das Wissen eines Arbeitnehmers, der andernfalls möglicherweise dauerhaft krankgeschrieben würde, erhalten bleiben; räumt allerdings ein, dass im Rahmen der einzelstaatlichen Sozialversicherungssysteme für Personen, die nicht in die Erwerbstätigkeit zurückkehren können, für ein solides Sicherheitsnetz gesorgt sein muss;

26.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, aktive Arbeitsmarktmaßnahmen einzuführen und für politische Anreize für die Arbeitgeber zu sorgen, um die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen zu fördern, und zwar auch durch angemessene Anpassungen am Arbeitsplatz bzw. die Beseitigung entsprechender Hindernisse, um eine Wiedereingliederung zu ermöglichen; weist erneut darauf hin, dass die Unternehmen und die betroffenen Personen unbedingt über die bestehenden Anreize und über ihre Rechte informiert bzw. aufgeklärt werden müssen;

27.  stellt in dieser Hinsicht fest, dass flexible, individuell gestaltete und adaptierbare Beschäftigungsmodelle, etwa Telearbeit, flexible Arbeitszeiten, geeignete Ausrüstung und Teilzeitmodelle oder auch ein niedrigeres Arbeitsvolumen, eine wichtige Rolle spielen, wenn eine Rückkehr in das Erwerbsleben stattfinden soll; betont, dass eine frühzeitige und/oder stufenweise Rückkehr an den Arbeitsplatz gefördert werden muss, sofern diese aus medizinischer Sicht möglich ist, wobei ein anteiliges Krankengeld gezahlt werden könnte, damit dafür gesorgt wäre, dass der betroffenen Einzelperson durch die Rückkehr in die Beschäftigung keine finanziellen Einbußen entstehen, und die finanziellen Anreize für die Unternehmen beibehalten werden könnten; betont, dass Modelle dieser Art – einschließlich geografischer und zeitlicher Flexibilität sowie Flexibilität in Bezug auf die auszuführenden Aufgaben – sowohl für die Arbeitnehmer als auch für die Arbeitgeber umsetzbar sein sollten, der Arbeitsorganisation zuträglich sein sollten und den im Rahmen des Produktionszyklus bestehenden Schwankungen Rechnung tragen sollten;

28.  begrüßt die nationalen Programme und Initiativen, mit denen zur besseren Wiedereingliederung von Menschen mit chronischen Erkrankungen in hochwertige Beschäftigung beigetragen wird, etwa das deutsche Programm „Job4000“(17), bei dem ein integrativer Ansatz zur besseren dauerhaften beruflichen Wiedereingliederung von schwerbehinderten Menschen und Menschen mit besonderen Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Arbeitsplatz zur Anwendung kommt, sowie die Einrichtung von Wiedereingliederungsagenturen, die Personen mit chronischen Erkrankungen dabei unterstützen, einen Arbeitsplatz zu finden, der ihren Umständen und Fähigkeiten entspricht(18);

29.  stellt fest, dass ein hohes Maß an Autonomie am Arbeitsplatz mit bedeutenden psychologischen Vorteilen und erhöhter Produktivität einhergeht; ist der Ansicht, dass ein bestimmtes Maß an Autonomie am Arbeitsplatz von entscheidender Bedeutung sein kann, um den Prozess der Wiedereingliederung von Arbeitnehmern nach einer Erkrankung oder Verletzung zu erleichtern, da sich die Umstände der betroffenen Personen sowie auch ihre Bedürfnisse ganz unterschiedlich gestalten;

30.  stellt fest, dass die Rückkehr in die Beschäftigung für den Behandlungsprozess von Bedeutung ist, da Beschäftigung vielen Personen finanzielle Unabhängigkeit ermöglicht, ihr Leben bereichert und mitunter ein wesentlicher Faktor für die Genesung ist;

31.  fordert die Mitgliedstaaten auf, Sozialleistungen nicht sofort zu kürzen, wenn Personen mit chronischen Erkrankungen einen Arbeitsplatz finden, damit diese nicht in die „Begünstigungsfalle“ geraten;

Einstellungswandel in Bezug auf die Wiedereingliederung von Arbeitnehmern

32.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern ihre Kommunikationsmaßnahmen, Leitlinien und Bestimmungen so zu gestalten, dass für Arbeitgeber ersichtlich wird, dass der Wiedereingliederungsprozess dazu dienen kann, dass sie aus den Fertigkeiten, den Kompetenzen und der Erfahrung der Arbeitnehmer Nutzen ziehen können; ist der Ansicht, dass die Arbeitgeber- und die Arbeitnehmervertreter wichtige Akteure sind, was den Prozess der Rückkehr in das Erwerbsleben angeht, und dass sie auch Teil des Entscheidungsfindungsprozesses sind;

33.  weist auf Artikel 26 und 27 des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen hin, nach denen die Vertragsstaaten verpflichtet sind, umfassende Habilitations- und Rehabilitationsdienste und ‑programme, insbesondere auf dem Gebiet der Gesundheit, der Beschäftigung, der Bildung und der Sozialdienste zu organisieren, zu stärken und zu erweitern und für Menschen mit Behinderungen Beschäftigungsmöglichkeiten und beruflichen Aufstieg auf dem Arbeitsmarkt sowie die Unterstützung bei der Arbeitssuche zu fördern;

34.  betont, dass Maßnahmen und Programme zur Sensibilisierung für die berufliche Rehabilitation und für Maßnahmen für die Rückkehr in das Erwerbsleben sowie eine verbesserte Unternehmenskultur entscheidende Faktoren sind, wenn sich die Rückkehr in das Erwerbsleben erfolgreich gestalten und auch erfolgreich gegen negative Einstellungen, Vorurteile und Diskriminierung vorgegangen werden soll; ist der Ansicht, dass sich verschiedene Unternehmen Sachverständigengruppen, etwa im Bereich der beruflichen Rehabilitation tätige Trainer und Psychologen, teilen könnten, damit auch kleinere Unternehmen Nutzen aus deren Fachwissen ziehen können; ist der Ansicht, dass im Hinblick auf dieses Verfahren auch die Möglichkeit bestünde, auf Unterstützung und die weitere Einbindung von nichtstaatlichen Organisationen und Freiwilligen zurückzugreifen;

35.  spricht jenen Unternehmen seine Anerkennung aus, die Strategien verfolgen, um Personen, die gesundheitliche Probleme haben, mit Behinderungen konfrontiert sind oder deren Beschäftigungsfähigkeit sich verändert hat, zu unterstützen, etwa durch umfassende Präventionsprogramme, die Zuteilung anderer Aufgaben sowie Fortbildungs- und Umschulungsmaßnahmen und die Vorbereitung der anderen Arbeitnehmer auf die veränderten Fähigkeiten der zurückkehrenden Kollegen, womit deren Wiedereingliederung gefördert wird; fordert nachdrücklich, dass weitere Unternehmen entsprechende Bemühungen anstrengen und Initiativen einleiten; hält es für entscheidend, dass Maßnahmen zur Förderung der Wiedereingliederung von Arbeitnehmern zu einem integralen Teil der Unternehmenskultur gemacht werden;

36.  ist der Ansicht, dass das allgemeine Bewusstsein dafür geschärft werden muss, mit welchen Herausforderungen und Diskriminierungsformen Menschen mit gesundheitlichen Problemen oder Behinderungen konfrontiert sind, namentlich mangelndes Verständnis, Vorurteile, die Vorstellung einer niedrigen Produktivität und eine Stigmatisierung durch die Gesellschaft;

37.  ist der Ansicht, dass Bildung und ein Wandel der Unternehmenskultur sowie EU-weite Kampagnen, etwa die Kampagne „Vision Zero“, von großer Bedeutung sind, wenn bewirkt werden soll, dass sich die öffentlichen Meinung ändert; fordert, dass das Bewusstsein in Zusammenhang mit den demographischen Herausforderungen auf den europäischen Arbeitsmärkten geschärft wird; hält es für nicht hinnehmbar, dass ältere Menschen häufig mit Diskriminierung aufgrund des Alters konfrontiert sind; betont, dass Kampagnen zur Bekämpfung der Diskriminierung von Arbeitnehmern auf der Grundlage des Alters und zur Förderung von Präventionsmaßnahmen sowie von Maßnahmen für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz von Bedeutung sind; fordert die Mitgliedstaaten und die EU auf, die Erkenntnisse, die sich aus dem Pilotprojekt des Europäischen Parlaments über die Gesundheit und Sicherheit älterer Arbeitnehmer ergeben haben, zu berücksichtigen;

38.  ist der Ansicht, dass die nationalen Politikrahmen eine Schlüsselrolle spielen, wenn es gilt, ein Umfeld zu schaffen, das dem Altersmanagement und dem aktiven, gesunden Altern förderlich ist; vertritt die Auffassung, dass in diesem Bereich eine wirksame Unterstützung durch Maßnahmen der EU möglich wäre, etwa durch einschlägige Bestimmungen und die Bereitstellung von Leitlinien, einen Wissensaustausch und die Bereitstellung von Mitteln aus dem ESF, dem ESIF und anderen Finanzierungsinstrumenten; fordert die Mitgliedstaaten auf, Rehabilitations- und Wiedereingliederungsmaßnahmen für ältere Arbeitnehmer zu fördern, sofern den Betroffenen die Teilnahme möglich ist und sie diese auch wünschen, und zu diesem Zweck beispielsweise die Ergebnisse des EU-Pilotprojekts über die Gesundheit und Sicherheit älterer Arbeitnehmer umzusetzen;

39.  stellt fest, dass das Grundrecht auf Arbeit auch für Menschen gilt, bei denen eine lebensverkürzende Krankheit diagnostiziert wurde; stellt darüber hinaus fest, dass diese Menschen in Bezug auf ihre Beschäftigungssituation mit ganz besonderen Herausforderungen konfrontiert sind, die mit jenen anderer Patientengruppen nicht vergleichbar sind, da ihnen oft nur wenig Zeit bleibt, mit krankheitsbedingten Veränderungen zurechtzukommen und Anpassungen an ihrem Arbeitsplatz vornehmen zu lassen; begrüßt Initiativen wie die Initiative „Dying to Work“, deren Ziel es ist, auf diese ganz besonderen Herausforderungen hinzuweisen; bestärkt die Arbeitgeber darin, mit Mitarbeitern, bei denen eine lebensverkürzende Krankheit diagnostiziert wurde, möglichst intensiv im Dialog zu bleiben, damit alle erforderlichen und umsetzbaren Anpassungen vorgenommen werden können und es dem Arbeitnehmer somit ermöglicht wird, auch weiterhin zu arbeiten, so er dies wünscht; vertritt die Auffassung, dass die Fortsetzung der Erwerbstätigkeit für viele Patienten ein persönlicher, psychologischer oder wirtschaftlicher Imperativ und für die Würde des Einzelnen und die Lebensqualität von zentraler Bedeutung ist; fordert die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, angemessene Vorkehrungen am Arbeitsplatz im Hinblick auf die ganz besonderen Herausforderungen, mit denen diese Personengruppe konfrontiert ist, zu fördern; fordert die Kommission auf, gegen den Mangel an Daten über den Beschäftigungsstatus von an Krebs erkrankten Personen vorzugehen und die Erhebung besserer Daten zu fördern, die einen Vergleich zwischen den Mitgliedstaaten erlauben, damit die Unterstützungsleistungen für diese Personen verbessert werden können;

40.  betont in diesem Zusammenhang, dass die Kompetenzen der Arbeitnehmer, die dem Bedarf der Unternehmen und dem Bedarf am Markt entsprechen, unbedingt ausgebaut und auf den neuesten Stand gebracht werden müssen, und dass dabei ein besonderer Schwerpunkt auf digitale Kompetenzen gelegt werden muss, d. h. für entsprechende Fortbildungen und Zugang zu lebenslangem Lernen gesorgt werden muss; weist darauf hin, dass die Digitalisierung am Arbeitsmarkt zunimmt; weist darauf hin, dass die Verbesserung der digitalen Kompetenzen insbesondere bei älteren Personen ein integraler Bestandteil der Vorbereitung auf die Rückkehr in die Beschäftigung darstellen kann;

41.  weist darauf hin, dass sowohl professionelle Pflegekräfte als auch informelle Pflegepersonen eine entscheidende Rolle für die berufliche Rehabilitation spielen; stellt fest, dass 80 % der Pflege in Europa von unbezahlten Pflegepersonen(19) erbracht wird und die langfristige Beschäftigungsfähigkeit dieser Personengruppe aufgrund der geleisteten Pflege signifikant sinkt; stellt ferner fest, dass die Frage der Beschäftigungssituation von Pflegepersonen angesichts der Tatsache, dass die Mehrheit der Pflegepersonen weiblich ist, eindeutig eine geschlechtsspezifische Komponente aufweist; fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten sowie die Arbeitgeber auf, den Auswirkungen, die sich aufgrund der Pflegetätigkeit für die Pflegepersonen in Bezug auf die Beschäftigung ergeben, besondere Aufmerksamkeit zu widmen;

º

º  º

42.  beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat und der Kommission zu übermitteln.

(1)

Angenommene Texte, P8_TA(2016)0360.

(2)

Angenommene Texte, P8_TA(2015)0411.

(3)

Angenommene Texte, P8_TA(2017)0474.

(4)

Angenommene Texte, P8_TA(2016)0318.

(5)

ABl. C 102 vom 24.4.2008, S. 321.

(6)

https://osha.europa.eu/en/tools-and-publications/publications/reports/psychosocial-risks-eu-prevalence-strategies-prevention/view

(7)

Institute for Health Metrics and Evaluation (2016) GBD Compare Data Visualization. http:// vizhub.healthdata.org/gbd-compare

(8)

Science Group of the European Alcohol and Health Forum (2011) Alcohol, Work and Productivity (Alkohol, Arbeit und Produktivität). https://ec.europa.eu/health//sites/health/files/alcohol/docs/science_02_en.pdf

(9)

Eurofound (2012) Use of alcohol and drugs at the workplace (Alkohol- und Drogenkonsum am Arbeitsplatz), https://www.eurofound.europa.eu/sites/default/files/ef_files/docs/ewco/tn1111013s/tn1111013s.pdf

(10)

Dritte Europäischen Erhebung zur Lebensqualität 2001–2012, Eurofound, https://www.eurofound.europa.eu/surveys/european-quality-of-life-surveys/european-quality-of-life-survey-2012

(11)

S. 7 in https://ec.europa.eu/health//sites/health/files/social_determinants/docs/final_sum_ecorys_web.pdf

(12)

S.  7, wichtigste Ergebnisse https://www.oecd.org/els/emp/42699911.pdf

(13)

S.  5, https://ec.europa.eu/health/sites/health/files/policies/docs/2017_chronic_framingdoc_en.pdf

(14)

Eurostat-Arbeitskräfteerhebung, Ad-hoc-Modul, wie dargestellt in https://ec.europa.eu/health/sites/health/files/policies/docs/2017_chronic_framingdoc_en.pdf

(15)

http://www.alna.se/in-english

(16)

„EU‑OSHA Case Study on Austria — Fit2Work programme“ https://osha.europa.eu/en/tools-and-publications/publications/austria-fit2work/view

(17)

Quelle: Pathways Project, Ziel 5.2. „Scoping Paper on the Available Evidence on the Effectiveness of Existing Integration and Re-Integration into Work Strategies for Persons with Chronic Conditions“ (Konzeptpapier zu Nachweisen für die Wirksamkeit der aktuellen Maßnahmen für die berufliche Eingliederung bzw. Wiedereingliederung von Personen mit chronischen Erkrankungen).

(18)

Quelle: Return to work coaching services for people with a chronic disease by certified “experts by experience”: the Netherlands, Case Study, EU‑OSHA (Fallstudie zum Thema Coaching-Dienste für die Rückkehr von Menschen mit einer chronischen Erkrankung an den Arbeitsplatz durch „Experten durch Erfahrung“, Niederlande, EU‑OSHA).

(19)

http://www.ecpc.org/WhitePaperOnCancerCarers.pdf


BEGRÜNDUNG

Die Alterspyramide in der EU verändert sich aufgrund der steigenden Lebenserwartung. In der EU 28 lag die Lebenserwartung bei der Geburt im Jahr 2015 bei 83,3 Jahren (Frauen) bzw. bei 77,9 Jahren (Männer). Allerdings ist die Anzahl der gesunden Lebensjahre ohne Einschränkungen eher niedriger, was insbesondere für bestimmte Mitgliedstaaten gilt. Für Europa und die Mitgliedstaaten geht die längere Lebenserwartung in Verbindung mit dem steigenden Durchschnittsalter beim Renteneintritt mit wesentlichen Herausforderungen einher. Dies trifft nicht nur auf die Gesundheitssysteme zu, sondern auch auf die Arbeitsmärkte. Ziel dieses Berichts ist daher die Ermittlung politischer Optionen, mit denen die Arbeitsmärkte umgestaltet werden können, damit sie erstens inklusiver werden und dem Bedarf einer alternden Gesellschaft, in der es vermehrt zu Erkrankungen kommt, entsprechen und zweitens weniger anfällig sind, was den Verlust von Fertigkeiten aufgrund der abnehmenden Erwerbstätigkeit angeht. In diesem Sinne werden in diesem Bericht Vorschläge für Maßnahmen zur Optimierung der Wiedereingliederung von Arbeitnehmern nach einer Verletzung oder Erkrankung vorgelegt.

Die Rehabilitation von Arbeitnehmern ist dreigliedrig: Erstens muss sie auf medizinischer, zweitens auf beruflicher und drittens auf sozialer Ebene erfolgen. Der Schwerpunkt des Berichts liegt im Wesentlichen auf der beruflichen Rehabilitation und den Schwierigkeiten, mit denen einerseits die Arbeitgeber und andererseits die Arbeitnehmer, die an den Arbeitsplatz zurückkehren möchten, konfrontiert sind (Verfahren und Initiativen zur Förderung der Rückkehr an den Arbeitsplatz). Gleichzeitig soll auch herausgestellt werden, dass alle drei Ebenen berücksichtigt werden müssen, damit eine erfolgreiche Rehabilitation bzw. eine erfolgreiche Rückkehr an den Arbeitsplatz möglich ist.

Ferner sollen die Mitgliedstaaten anhand der dargelegten Empfehlungen darin bestärkt werden, sich an bewährten Erfahren und Konzepten zu orientieren, und gleichzeitig wird versucht, Bereiche zu benennen, in denen die EU einen Mehrwert bewirken und fachliche Unterstützung leisten kann, um noch stärker darauf hinzuwirken, dass die Mitgliedstaaten Strategien umsetzen, mit denen die Wiedereingliederung von Arbeitnehmern in den Arbeitsmarkt dann letztendlich auch gelingt.

Die EU kann einen Mehrwert schaffen, indem sie die Mitgliedstaaten in den folgenden Bereichen unterstützt:

•  Ausarbeitung von Präventionsmaßnahmen

•  Ausarbeitung umfassender Strategien in den Mitgliedstaaten, darunter auch Maßnahmen der Frühintervention, institutionelle Zusammenarbeit aller Interessenträger und individuelle Ansätze für die Betroffenen

•  Förderung eines Kulturwandels: Förderung des Bewusstseins, dass für die betroffenen Arbeitnehmer gesorgt werden muss, Förderung einer positiven gesellschaftlichen Einstellung gegenüber den betroffenen Arbeitnehmern, Förderung von Maßnahmen im Hinblick auf das lebenslange psychosoziale Wohlbefinden der betroffenen Arbeitnehmer

Darüber hinaus wird dargelegt, dass durchaus viel dafür spricht, dass Strategien notwendig sind, um es den betroffenen Arbeitnehmern zu erleichtern, in den ersten Arbeitsmarkt zurückzukehren. Beispielsweise ist die Mitarbeiterfluktuation bei Organisationen mit Teams, denen Personen unterschiedlichen Alters angehören, niedriger, und ihre Produktivität ist mitunter höher, weil ihr Erfahrungsschatz größer ist und sie mit einem besseren Kompetenzmix aufwarten können. Business Europe zufolge geht aus Mitarbeiterumfragen offenbar hervor, dass ältere Mitarbeiter ihrem Arbeitgeber gegenüber loyaler sind und ihre Leistungen in den Bereichen Problemlösung und Führungskompetenz mitunter besser sind als jene jüngerer Kollegen. Und nicht nur das Alter wirkt sich positiv aus, sondern auch Diversität. Bei der Rückkehr in das Erwerbsleben spielen demnach nicht nur Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit eine Rolle, sondern sie geht auch mit positiven wirtschaftlichen Auswirkungen für die Gesellschaft einher. Daraus ergibt sich auch eine geringere Belastung der Sozialsysteme der Mitgliedstaten. Aus Forschungsarbeiten der IAO(1) geht hervor, dass bei Menschen mit Behinderungen, die in Festanstellung arbeiten, im Vergleich zu der Gesamtbelegschaft eine vergleichbare Produktivität zu verzeichnen ist, weniger Unfälle geschehen und die Mitarbeiterfluktuation niedriger ist. Das Potenzial ihrer Kompetenzen und Fähigkeiten sowie – bei entsprechendem Zugang zu Ausbildung – ihres Fachwissens und der aus dem täglichen Leben übertragbaren Problemlösungsfähigkeiten bleibt bislang ungenutzt. Personen, die im Laufe ihres Arbeitslebens eine Behinderung erwerben, verfügen neben ihren formalen Fertigkeiten und Qualifikationen oft über weitere wertvolle Erfahrungen.

Der EU‑OSHA zufolge gestaltet sich die Wiedereingliederung der Betroffenen in das Arbeitsleben aus Sicht der Unternehmen durchaus oft sehr kompliziert, und zwar nicht nur, was die finanziellen Aspekte betrifft, sondern auch das notwendige einschlägige Fachwissen. Dieser Prozess ist gerade auch für kleinere Unternehmen oft besonders schwierig. Mit externer fachlicher und finanzieller Unterstützung könnten Arbeitgeber dabei unterstützt werden, individuelle Maßnahmen zu treffen und für Arbeitnehmer Möglichkeiten der Wiedereingliederung nach einer Erkrankung zu schaffen. Eine gezielte finanzielle Förderung mit EU-Mitteln könnte eine entscheidende Rolle spielen, um diesen Wandel zu fördern. Die Förderung muss allerdings immer auch mit einem echten Wandel der Unternehmenskultur einhergehen.

Die EU spielt eine entscheidende Rolle, wenn es gilt, einzelstaatliche Arbeitsmarktreformen zu unterstützen und zu fördern. Dabei gilt es, den Austausch über innovative Ideen zu fördern und Unterstützung bei der Ausarbeitung erfolgreicher politischer Gesamtkonzepte zu leisten. Das Konzept, auf dem der strategische Rahmen der EU für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz beruht, nämlich dass mit legislativen Maßnahmen in der EU ein hoher Arbeitnehmerschutz und einheitliche Definitionen, Standards, Methoden und Vorsorgemaßnahmen in Bezug auf Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz umgesetzt werden konnten, ist richtig. Allerdings sollten die Mitgliedstaaten angesichts der Vielfalt der Modelle auch Leistungsvergleiche vornehmen, bewährte Verfahren ermitteln und sich entsprechend austauschen, Sensibilisierungsmaßnahmen durchführen, freiwillige Normen schaffen und nutzerfreundliche IT-Tools verwenden, damit wirkliche Fortschritte erreicht werden.

Abschließend sei auf die Prävalenz psychosozialer Risiken am Arbeitsplatz hingewiesen. Es müssen Maßnahmen getroffen werden, um diesen Risiken entgegenzuwirken, und es muss kontinuierlich darauf hingewirkt werden, dass die Stigmatisierung, die mit Beeinträchtigungen dieser Art einhergeht, ein Ende nimmt.

(1)

http://www.ilo.org/wcmsp5/groups/public/---ed_emp/---ifp_skills/documents/publication/wcms_167204.pdf


ANGABEN ZUR ANNAHME IM FEDERFÜHRENDEN AUSSCHUSS

Datum der Annahme

7.6.2018

 

 

 

Ergebnis der Schlussabstimmung

+:

–:

0:

41

0

0

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Mitglieder

Guillaume Balas, Enrique Calvet Chambon, David Casa, Michael Detjen, Lampros Fountoulis, Elena Gentile, Marian Harkin, Czesław Hoc, Danuta Jazłowiecka, Agnes Jongerius, Jan Keller, Ádám Kósa, Agnieszka Kozłowska-Rajewicz, Jérôme Lavrilleux, Patrick Le Hyaric, Dominique Martin, Anthea McIntyre, Miroslavs Mitrofanovs, Elisabeth Morin-Chartier, Emilian Pavel, Georgi Pirinski, Terry Reintke, Claude Rolin, Siôn Simon, Marita Ulvskog, Renate Weber, Jana Žitňanská

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellvertreter

Georges Bach, Sergio Gutiérrez Prieto, Dieter-Lebrecht Koch, Eduard Kukan, Miapetra Kumpula-Natri, Paloma López Bermejo, António Marinho e Pinto, Rory Palmer, Jasenko Selimovic, Monika Vana, Flavio Zanonato

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellv. (Art. 200 Abs. 2)

Andrea Bocskor, Dietmar Köster, Renaud Muselier


NAMENTLICHE SCHLUSSABSTIMMUNG IM FEDERFÜHRENDEN AUSSCHUSS

41

+

ALDE

Enrique Calvet Chambon, Marian Harkin, António Marinho e Pinto, Jasenko Selimovic, Renate Weber

ECR

Czesław Hoc, Anthea McIntyre, Jana Žitňanská

ENF

Dominique Martin

GUE/NGL

Patrick Le Hyaric, Paloma López Bermejo

NI

Lampros Fountoulis

PPE

Georges Bach, Andrea Bocskor, David Casa, Danuta Jazłowiecka, Dieter-Lebrecht Koch, Ádám Kósa, Agnieszka Kozłowska-Rajewicz, Eduard Kukan, Jérôme Lavrilleux, Elisabeth Morin-Chartier, Renaud Muselier, Claude Rolin

S&D

Guillaume Balas, Michael Detjen, Elena Gentile, Sergio Gutiérrez Prieto, Agnes Jongerius, Jan Keller, Dietmar Köster, Miapetra Kumpula-Natri, Rory Palmer, Emilian Pavel, Georgi Pirinski, Siôn Simon, Marita Ulvskog, Flavio Zanonato

VERTS/ALE

Miroslavs Mitrofanovs, Terry Reintke, Monika Vana

0

-

 

 

0

0

 

 

Erklärung der benutzten Zeichen:

+  :  dafür

-  :  dagegen

0  :  Enthaltung

Letzte Aktualisierung: 22. Juni 2018Rechtlicher Hinweis