Verfahren : 2018/2028(INI)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : A8-0228/2018

Eingereichte Texte :

A8-0228/2018

Aussprachen :

PV 10/09/2018 - 27
CRE 10/09/2018 - 27

Abstimmungen :

PV 11/09/2018 - 6.15
Erklärungen zur Abstimmung

Angenommene Texte :

P8_TA(2018)0332

BERICHT     
PDF 472kWORD 72k
27.6.2018
PE 618.224v02-00 A8-0228/2018

über die Gleichstellung von Sprachen im digitalen Zeitalter

(2018/2028(INI))

Ausschuss für Kultur und Bildung

Berichterstatterin: Jill Evans

Verfasserin der Stellungnahme (*):

Marisa Matias, Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie

(*) Assoziierter Ausschuss – Artikel 54 der Geschäftsordnung

ENTWURF EINER ENTSCHLIESSUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS
 BEGRÜNDUNG
 STELLUNGNAHME des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie
 ANGABEN ZUR ANNAHME IM FEDERFÜHRENDEN AUSSCHUSS
 NAMENTLICHE SCHLUSSABSTIMMUNG IM FEDERFÜHRENDEN AUSSCHUSS

ENTWURF EINER ENTSCHLIESSUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS

zu der Gleichstellung von Sprachen im digitalen Zeitalter

(2018/2028(INI))

Das Europäische Parlament,

–  unter Hinweis auf Artikel 2 und Artikel 3 Absatz 3 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV),

–  unter Hinweis auf Artikel 21 Absatz 1 und Artikel 22 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union,

–  unter Hinweis auf das Übereinkommen der UNESCO von 2003 zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes,

–  unter Hinweis auf die Richtlinie 2003/98/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. November 2003 über die Weiterverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors(1),

–  unter Hinweis auf die Richtlinie 2013/37/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Änderung der Richtlinie 2003/98/EG über die Weiterverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors(2),

–  unter Hinweis auf den Beschluss (EU) 2015/2240 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. November 2015 zur Einrichtung eines Programms über Interoperabilitätslösungen und gemeinsame Rahmen für europäische öffentliche Verwaltungen, Unternehmen und Bürger (Programm ISA2) als Mittel zur Modernisierung des öffentlichen Sektors(3),

–  unter Hinweis auf die Entschließung des Rates vom 21. November 2008 zu einer europäischen Strategie für Mehrsprachigkeit (2008/C 320/01)(4),

–  unter Hinweis auf den Beschluss des Rates vom 3. Dezember 2013 über das Spezifische Programm zur Durchführung des Rahmenprogramms für Forschung und Innovation „Horizont 2020“ (2014–2020) und zur Aufhebung der Beschlüsse 2006/971/EG, 2006/972/EG, 2006/973/EG, 2006/974/EG und 2006/975/EG(5),

–  unter Hinweis auf das von der EU im Jahr 2010 ratifizierte Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen,

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission vom 18. September 2008 mit dem Titel „Mehrsprachigkeit: Trumpfkarte Europas, aber auch gemeinsame Verpflichtung“ (COM(2008)0566),

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission vom 26. August 2010 mit dem Titel „Eine Digitale Agenda für Europa“ (COM(2010)0245),

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission vom 11. Januar 2012 mit dem Titel „Ein kohärenter Rahmen zur Stärkung des Vertrauens in den digitalen Binnenmarkt für elektronischen Handel und Online-Dienste“ (COM(2011)0942),

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission vom 6. Mai 2015 mit dem Titel „Strategie für einen digitalen Binnenmarkt für Europa“ (COM(2015)0192),

–  unter Hinweis auf die Stellungnahme des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses zu der „Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: Eine Digitale Agenda für Europa“ (COM(2010)0245)(6),

–  unter Hinweis auf die auf der 32. Tagung der Generalkonferenz der UNESCO am 15. Oktober 2003 in Paris verabschiedete Empfehlung zur Förderung und Nutzung der Mehrsprachigkeit und zum universellen Zugang zum Cyberspace,

–  unter Hinweis auf das im Juni 2012 veröffentlichte Eurobarometer Spezial 386 mit dem Titel „Europeans and their Languages“ (Die Europäer und ihre Sprachen),

–  unter Hinweis auf die Schlussfolgerungen des Vorsitzes des Europäischen Rates von Barcelona vom 15./16. März 2002 (SN 100/1/02 REV 1),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 17. Juni 1988 zur Zeichensprache für Gehörlose(7),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 14. Januar 2004 zu der Erhaltung und der Förderung der kulturellen Vielfalt: die Rolle der europäischen Regionen und internationaler Organisationen wie der UNESCO und des Europarates(8) und auf seine Entschließung vom 4. September 2003 zu den regionalen und weniger verbreiteten europäischen Sprachen – den Sprachen der Minderheiten in der Europäischen Union – unter Berücksichtigung der Erweiterung und der kulturellen Vielfalt(9),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 24. März 2009 zum Thema „Mehrsprachigkeit: Trumpfkarte Europas, aber auch gemeinsame Verpflichtung“(10),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 11. September 2013 zu vom Aussterben bedrohten europäischen Sprachen und der Sprachenvielfalt in der Europäischen Union(11),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 7. Februar 2018 zum Schutz und zur Nichtdiskriminierung von Minderheiten in den Mitgliedstaaten der EU(12),

–  unter Hinweis auf die im März 2017 veröffentlichte Studie des Wissenschaftlichen Diensts des Europäischen Parlaments (EPRS), Referat Wissenschaftliche Vorausschau (STOA), mit dem Titel „Gleichstellung von Sprachen im digitalen Zeitalter – Für ein Projekt der menschlichen Sprache“,

–  gestützt auf Artikel 52 seiner Geschäftsordnung,

–  unter Hinweis auf den Bericht des Ausschusses für Kultur und Bildung sowie die Stellungnahme des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie (A8‑0228/2018),

A.  in der Erwägung, dass Sprachtechnologien Gehörlosen und Schwerhörigen, Blinden und Sehbehinderten sowie Legasthenikern Kommunikation erleichtern kann, und in der Erwägung, dass sich der Begriff „Sprachtechnologie“ für die Zwecke dieses Berichts auf Technologie bezieht, die nicht nur gesprochene Sprachen, sondern auch Gebärdensprachen unterstützt, da Gebärdensprachen ein wichtiger Bestandteil der sprachlichen Vielfalt Europas sind;

B.  in der Erwägung, dass die Entwicklung der Sprachtechnologien zahlreiche Forschungsbereiche und Fachgebiete einschließlich der Computerlinguistik, der künstlichen Intelligenz, der Informatik und der Linguistik (mit Anwendungen wie etwa der natürlichen Sprachverarbeitung, der Textanalyse, der Sprechtechnologie und der Datenauswertung) umfasst;

C.  in der Erwägung, dass aus dem Eurobarometer Spezial 386 mit dem Titel „Europeans and their Languages“ (Die Europäer und ihre Sprachen) hervorgeht, dass gerade einmal etwas mehr als die Hälfte der Europäer (54 %) in der Lage ist, in mindestens einer weiteren Sprache ein Gespräch zu führen, ein Viertel (25 %) zumindest zwei weitere Sprachen spricht und jeder Zehnte (10 %) mindestens drei Sprachen beherrscht;

D.  in der Erwägung, dass es in der Europäischen Union 24 Amtssprachen und mehr als 60 nationale und regionale Sprachen sowie Minderheitensprachen gibt, zu denen sich Migrantensprachen und – auf der Grundlage des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen – mehrere staatlich anerkannte Gebärdensprachen hinzugesellen; in der Erwägung, dass die Mehrsprachigkeit einen der wichtigsten Trümpfe der kulturellen Vielfalt in Europa und gleichzeitig eine der größten Herausforderungen für die Schaffung einer wirklich integrierten EU darstellt;

E.  in der Erwägung, dass die Unterstützung lokaler Gemeinschaften wie etwa indigener, ländlicher oder abgeschiedener Gruppen bei der Überwindung geografischer, sozialer und wirtschaftlicher Hindernisse mit Blick auf den Breitband-Zugang eine grundlegende Voraussetzung für eine wirksame EU-Politik der Mehrsprachigkeit ist;

F.  in der Erwägung, dass Mehrsprachigkeit in die Einflusssphäre mehrerer Politikbereiche der EU fällt, zu denen beispielsweise Kultur, Bildung, Wirtschaft, der digitale Binnenmarkt, lebensbegleitendes Lernen, Beschäftigung, soziale Inklusion, Wettbewerbsfähigkeit, Jugend, Zivilgesellschaft, Mobilität, Forschung und Medien gehören; in der Erwägung, dass das Augenmerk verstärkt auf den Abbau von Hindernissen für den interkulturellen und interlinguistischen Dialog und auf die Förderung des gegenseitigen Verständnisses gerichtet werden muss;

G.  in der Erwägung, dass die Kommission einräumt, dass der digitale Binnenmarkt mehrsprachig sein muss; in der Erwägung, dass keine gemeinsame EU-Strategie vorgeschlagen wurde, um das Problem der Sprachbarrieren zu bewältigen;

H.  in der Erwägung, dass Sprachtechnologien in praktisch sämtlichen alltäglichen digitalen Produkten und Dienstleistungen eingesetzt werden, da die meisten von ihnen (insbesondere alle mit dem Internet zusammenhängenden Produkte wie Suchmaschinen, soziale Netzwerke und der elektronische Geschäftsverkehr) in gewissem Maß auf Sprache zurückgreifen; in der Erwägung, dass sich der Rückgriff auf Sprachtechnologien außerdem auf Bereiche wie Bildung, Kultur und Gesundheit auswirkt, denen grundlegende Bedeutung für das Wohlergehen der Bürger Europas im Alltag zukommt;

I.  in der Erwägung, dass 2015 nur 16 % der Bürger Europas einen Online-Einkauf in einem anderen EU-Staat getätigt haben, was bedeutet, dass kaum grenzüberschreitend Online-Handel betrieben wird; in der Erwägung, dass Sprachtechnologien in Europa künftig zur Kommunikation über geografische und sprachliche Grenzen hinweg, zu Wirtschaftswachstum, zur sozialen Stabilität und zum Abbau natürlicher Schranken beitragen können, wobei gleichzeitig Kohäsion und Konvergenz geachtet und gefördert werden und die Wettbewerbsfähigkeit der EU weltweit gestärkt wird;

J.  in der Erwägung, dass die technologische Entwicklung zunehmend auf Sprache beruht und sich auf Wachstum und Gesellschaft auswirkt; in der Erwägung, dass es unbedingt mehr sprachsensibler politischer Strategien bedarf und dass in den Bereichen digitale Kommunikation und Sprachtechnologien und mit Blick auf deren Bezug zu Wachstum und Gesellschaft vermehrt technologisch, aber auch wirklich multidisziplinär geforscht und ausgebildet werden muss;

K.  in der Erwägung, dass die Verwirklichung des Barcelona-Ziels, wonach die Bürger in die Lage versetzt werden sollen, in ihrer Muttersprache und in zwei weiteren Sprachen gut zu kommunizieren, den Menschen mehr Möglichkeiten bieten würde, Zugang zu kulturellen, bildungsbezogenen und wissenschaftlichen Inhalten in digitaler Form zu erlangen, sich als Bürger einzubringen und auf den digitalen Binnenmarkt zuzugreifen; in der Erwägung, dass zusätzliche – insbesondere die von den Sprachtechnologien bereitgestellten – Mittel und Instrumente für den angemessenen Umgang mit der europäischen Mehrsprachigkeit und für die Förderung der individuellen Mehrsprachigkeit unabdingbar sind;

L.  in der Erwägung, dass auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz bahnbrechende Fortschritte erzielt wurden und dass die Entwicklung der Sprachtechnologien rasch voranschreitet; in der Erwägung, dass sprachorientierte künstliche Intelligenz neue Möglichkeiten der digitalen Kommunikation, der DECT-Kommunikation, der technologiegestützten Kommunikation und der Zusammenarbeit in allen europäischen und in weiteren Sprachen bietet, da Sprechern verschiedener Sprachen ein gleichwertiger Zugang zu Informationen und Wissen gewährt wird und die Netzfunktionen der Informationstechnologie verbessert werden;

M.  in der Erwägung, dass die gemeinsamen europäischen Werte der Zusammenarbeit, der Solidarität, der Gleichheit, der Anerkennung und der Achtung bedeuten sollten, dass alle Bürger über einen uneingeschränkten und gleichwertigen Zugang zu digitalen Technologien verfügen, wodurch nicht nur Zusammenhalt und Wohlergehen in Europa gesteigert würden, sondern auch ein mehrsprachiger digitaler Binnenmarkt ermöglicht würde;

N.  in der Erwägung, dass die Verfügbarkeit von technologischen Anwendungen wie Videospielen bzw. Bildungsanwendungen in Minderheitensprachen und wenig verbreiteten Sprachen im Hinblick auf die Entwicklung von Sprachkompetenzen insbesondere bei Kindern wesentlich ist;

O.  in der Erwägung, dass Sprecher von wenig gesprochenen europäischen Sprachen in der Lage sein müssen, sich kulturell aussagekräftig auszudrücken und ihre eigenen kulturellen Inhalte in lokalen Sprachen zu erschaffen;

P.  in der Erwägung, dass das Aufkommen von Methoden wie etwa des tiefen Lernens, das auf einer größeren Rechnerleistung und dem Zugang zu riesigen Datenmengen beruht, Sprachtechnologien faktisch zu einer Lösung für die Überwindung von Sprachbarrieren macht;

Q.  in der Erwägung, dass sich Sprachbarrieren erheblich auf die Heranbildung der europäischen Identität und die Zukunft des europäischen Integrationsprozesses auswirken; in der Erwägung, dass die EU-Bürger online und offline in ihrer Muttersprache über die Beschlussfassung und die Strategien der EU informiert werden sollten;

R.  in der Erwägung, dass Sprache einen überaus großen Bestandteil des ständig zunehmenden Datenreichtums der Big Data ausmacht;

S.  in der Erwägung, dass riesige Datenmengen in Humansprachen zum Ausdruck gebracht werden; in der Erwägung, dass das Management der Sprachtechnologien zahlreiche innovative IT-Produkte und ‑Dienstleistungen in Industrie, Handel, Regierung, Forschung, öffentlichen Dienstleistungen und Verwaltung möglich machen dürfte, wodurch natürliche Schranken abgebaut und Marktkosten gesenkt würden;

Bestehende Hindernisse für die Verwirklichung der Gleichstellung von Sprachen im digitalen Zeitalter in Europa

1.  bedauert, dass es in Europa aufgrund der Tatsache, dass es an geeigneten Strategien fehlt, derzeit ein immer größer werdendes Technologiegefälle zwischen gut und weniger gut mit Ressourcen ausgestatteten Sprachen gibt, wobei es unerheblich ist, ob die letztgenannten Amtssprachen, Ko-Amtssprachen oder keine Amtssprachen der EU sind; bedauert außerdem, dass mehr als 20 europäische Sprachen vom digitalen Aussterben bedroht sind; stellt fest, dass die EU und ihre Organe in der Pflicht stehen, die sprachliche Vielfalt in Europa zu stärken, zu fördern und zu achten;

2.  weist darauf hin, dass sich die digitale Technologie im letzten Jahrzehnt erheblich auf die sprachliche Entwicklung ausgewirkt hat und dass diese Auswirkungen bislang kaum ermessen werden können; empfiehlt den politischen Entscheidungsträgern, die Studien ernst zu nehmen, aus denen hervorgeht, dass die digitale Kommunikation die Lese- und Schreibkompetenzen junger Erwachsener untergräbt und grammatikalische und generell sprachliche Gräben zwischen den Generationen aufreißt sowie eine allgemeine Verarmung der Sprache nach sich zieht; ist der Ansicht, dass die digitale Kommunikation zur Vertiefung, Bereicherung und Förderung von Sprachen genutzt werden sollte und dass diesen Bestreben in der einzelstaatlichen Spracherziehung und in den Maßnahmen zur Förderung der Lese- und Schreibkompetenz Rechnung getragen werden sollte;

3.  hebt hervor, dass die weniger verbreiteten europäischen Sprachen aufgrund eines akuten Mangels an Instrumenten, Ressourcen und Forschungsgeldern deutlich benachteiligt sind, wobei dieser Mangel die Tätigkeit der Forscher einschränkt und nicht zur Entfaltung kommen lässt, da diese auch dann, wenn sie über die erforderlichen technologischen Kenntnisse verfügen, nicht den größten Nutzen aus den Sprachtechnologien ziehen können;

4.  nimmt die sich vertiefende digitale Kluft zwischen verbreiteten und weniger verbreiteten Sprachen und die zunehmende Digitalisierung der europäischen Gesellschaft zur Kenntnis, die insbesondere Menschen mit niedrigem Bildungsstand, ältere Menschen, Menschen mit niedrigem Einkommen und Menschen aus benachteiligten Verhältnissen beim Zugang zu Informationen benachteiligt; betont, dass die Ungleichheit verringert würde, wenn Inhalte in mehreren Sprachen angeboten würden;

5.  stellt fest, dass Europa zwar in der Sprachtechnik und ‑technologie wissenschaftlich gut aufgestellt ist und ihm Sprachtechnologien wirtschaftlich und kulturell eine riesige Chance bieten, es aber trotzdem nach wie vor erheblich zurückliegt, was auf die Fragmentierung des Marktes, ungeeignete Investitionen in Wissen und Kultur, nicht aufeinander abgestimmte Forschungstätigkeiten, die unzureichende Finanzierung und rechtliche Hindernisse zurückzuführen ist; stellt außerdem fest, dass der Markt derzeit von Akteuren aus Drittstaaten dominiert wird, die nicht auf den konkreten Bedarf eines mehrsprachigen Europas eingehen; hält es für geboten, dieses Muster aufzubrechen und die Führungsrolle Europas bei den Sprachtechnologien zu stärken, indem ein konkret auf den Bedarf und die Anforderungen Europas zugeschnittenes Projekt ins Leben gerufen wird;

6.  stellt fest, dass Sprachtechnologien zunächst in englischer Sprache verfügbar sind; ist sich bewusst, dass große globale und europäische Hersteller und Unternehmen häufig auch für die großen europäischen Sprachen wie Spanisch, Französisch und Deutsch, die über vergleichsweise große Märkte verfügen, Sprachtechnologien entwickeln (wobei es bei diesen Sprachen in einigen Teilbereichen bereits an Ressourcen fehlt); betont jedoch, dass auf EU-Ebene allgemeine Maßnahmen (Strategien, Finanzierung, Forschung und Bildung) ergriffen werden sollten, um dafür zu sorgen, dass Sprachtechnologien für weniger verbreitete Amtssprachen der EU entwickelt werden, und dass auf EU-Ebene konkrete Maßnahmen (Strategien, Finanzierung, Forschung und Bildung) eingeleitet werden sollten, die regionale Sprachen und Minderheitensprachen in diese Entwicklung einbinden und fördern;

7.  betont mit Nachdruck, dass neue technologische Ansätze, die auf höheren Rechnerleistungen und dem besseren Zugang zu umfangreichen Datenmengen beruhen, besser genutzt werden müssen, damit die Entwicklung neuronaler „Deep-Learning“-Netzwerke gefördert wird, durch die Humansprachen-Technologien faktisch zu einer Lösung für die Überwindung von Sprachbarrieren werden; fordert die Kommission daher auf, ausreichend Mittel für die Unterstützung derartiger technologischer Entwicklungen bereitzustellen;

8.  weist darauf hin, dass Sprachen mit weniger Sprechern eine angemessene Unterstützung von Interessenträgern benötigen, bei denen es sich etwa um Schriftenhersteller für diakritische Zeichen, um Tastaturhersteller oder um Inhaltsmanagementsysteme handeln kann, damit Inhalte in diesen Sprachen ordnungsgemäß gespeichert, verarbeitet und angezeigt werden können; fordert die Kommission auf zu bewerten, wie diese Unterstützung eingeleitet und bei Vergabeverfahren in der EU als Empfehlung aufgenommen werden kann;

9.  fordert die Mitgliedstaaten auf, die Verwendung mehrerer Sprachen bei digitalen Dienstleistungen wie etwa mobilen Apps zu fördern;

10.  nimmt mit Besorgnis zur Kenntnis, dass der digitale Binnenmarkt aufgrund zahlreicher Hindernisse – darunter auch Sprachbarrieren – nach wie vor fragmentiert ist und dass hierdurch der Online-Handel, die Kommunikation in sozialen Netzwerken und anderen Kommunikationskanälen, der grenzübergreifende Austausch kultureller, kreativer und audiovisueller Inhalte und eine größere Verbreitung europaweiter öffentlicher Dienstleistungen eingeschränkt werden; hebt hervor, dass der grenzübergreifende Zugriff auf Inhalte – insbesondere zu Bildungszwecken – der kulturellen Vielfalt und der Mehrsprachigkeit in Europa zugutekommen dürfte; fordert die Kommission auf, eine solide und koordinierte Strategie für einen mehrsprachigen digitalen Binnenmarkt auszuarbeiten;

11.  stellt fest, dass Sprachtechnologien in der europäischen politischen Agenda derzeit keine Rolle spielen, obwohl die Wahrung der sprachlichen Vielfalt in den Verträgen verankert ist;

12.  lobt die wichtige Funktion der bislang von der EU finanzierten Forschungsnetzwerke wie etwa FLaReNet, CLARIN, HBP und META-NET (einschließlich META-SHARE), da sie beim Aufbau einer europäischen Sprachtechnologieplattform federführend sind;

Verbesserung des institutionellen Rahmens für Sprachtechnologiestrategien auf EU-Ebene

13.  fordert den Rat auf, eine Empfehlung zum Schutz und zur Förderung der kulturellen und sprachlichen Vielfalt in der Union unter anderem im Bereich der Sprachtechnologien zu verfassen;

14.  empfiehlt der Kommission, den Bereich „Mehrsprachigkeit und Sprachtechnologie“ in den Aufgabenbereich eines Kommissionsmitglieds aufzunehmen, damit das Profil der Sprachtechnologien in Europa geschärft wird; ist der Ansicht, dass das zuständige Kommissionsmitglied aufgrund der großen Bedeutung der sprachlichen Vielfalt für die Zukunft Europas mit der Förderung der sprachlichen Vielfalt und Gleichstellung in der EU befasst werden sollte;

15.  regt an, die 60 Regional- und Minderheitensprachen auf der Ebene der EU umfassend rechtlich zu schützen, die kollektiven Rechte nationaler und sprachlicher Minderheiten in der digitalen Welt anzuerkennen und für muttersprachlichen Unterricht in den Amtssprachen und den anderen Sprachen der EU zu sorgen;

16.  hält die Mitgliedstaaten, die bereits ihre eigenen erfolgreichen politischen Strategien im Bereich der Sprachtechnologien konzipiert haben, dazu an, ihre Erfahrungen und bewährten Verfahren weiterzugeben, damit andere nationale, regionale und lokale Behörden bei der Konzipierung ihrer eigenen Strategien unterstützt werden;

17.  fordert die Mitgliedstaaten auf, umfassende Sprachenstrategien zu konzipieren sowie Mittel einzuplanen und geeignete Instrumente zu nutzen, um die sprachliche Vielfalt und die Mehrsprachigkeit im digitalen Bereich zu fördern und zu erleichtern; betont, dass der EU, den Mitgliedstaaten sowie Hochschulen und anderen öffentlichen Einrichtungen im Hinblick auf den Erhalt ihrer Sprachen in der digitalen Welt und die Entwicklung von Datenbanken und Übersetzungstechnologien für alle – auch die weniger verbreiteten – EU-Sprachen gemeinsame Verantwortung zukommt; fordert, dass sich Forschung und Wirtschaft mit Blick auf das gemeinsame Ziel der Verbesserung der digitalen Möglichkeiten bei der Übersetzung von Sprachen und mit Blick auf einen offenen Zugang zu den Daten, die für den technologischen Fortschritt erforderlich sind, abstimmen;

18.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, Strategien und politische Maßnahmen zu konzipieren, die Mehrsprachigkeit auf dem digitalen Markt ermöglichen; ersucht die Kommission und die Mitgliedstaaten in diesem Zusammenhang, die zumindest erforderlichen sprachlichen Ressourcen wie Datenbestände, Lexika, Sprachprotokolle, Übersetzungsspeicher, annotierte Korpora und enzyklopädische Inhalte festzulegen, über die sämtliche europäischen Sprachen verfügen sollten, um ihr digitales Aussterben zu verhindern;

19.  empfiehlt der Kommission, die Einrichtung eines Zentrums für sprachliche Vielfalt in Betracht zu ziehen, dass das Bewusstsein für die große Bedeutung weniger verbreiteter, regionaler und von Minderheiten gesprochener Sprachen unter anderem im Bereich der Sprachtechnologien stärkt;

20.  ersucht die Kommission, ihre Rahmenstrategie zur Mehrsprachigkeit zu überarbeiten und einen präzisen Aktionsplan vorzuschlagen, aus dem ersichtlich wird, wie die sprachliche Vielfalt gefördert werden kann und sprachliche Hürden im digitalen Bereich überwunden werden können;

21.  fordert die Kommission auf, bei der Sprachtechnologie kleinen Mitgliedstaaten mit eigener Sprache Vorrang einzuräumen, damit den sprachlichen Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert sind, Beachtung geschenkt wird;

22.  hebt hervor, dass die Entwicklung der Sprachtechnologie die Untertitelung, Synchronisierung und Übersetzung von Videospielen und Softwareanwendungen in Minderheitensprachen und weniger verbreiteten Sprachen erleichtern wird;

23.  betont, dass das Technologiegefälle zwischen Sprachen verringert werden muss, indem der Austausch von Wissen und Technologie gestärkt wird;

24.  fordert die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, wirksame Möglichkeiten zur Konsolidierung ihrer Landessprachen vorzuschlagen;

Empfehlungen für die Forschungsstrategien der EU

25.  fordert die Kommission auf, auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene ein groß und langfristig angelegtes koordiniertes Finanzierungsprogramm für Forschung, Entwicklung und Innovation im Bereich der Sprachtechnologien einzurichten, das konkret auf den Bedarf und die Anforderungen Europas abgestimmt ist; betont, dass mit dem Programm versucht werden sollte, im Wege der gemeinsamen Nutzung von Wissen, Infrastrukturen und Ressourcen natürliche Sprachen vertieft zu verstehen und eine Effizienzsteigerung zu erreichen, damit innovative Technologien und Dienste entwickelt werden und auf diese Weise der nächste wissenschaftliche Durchbruch in diesem Bereich erzielt und ein Beitrag zur Verringerung des Technologiegefälles zwischen den europäischen Sprachen geleistet wird; hebt hervor, dass dies unter Beteiligung von Forschungseinrichtungen, der Wissenschaft, Unternehmen (insbesondere KMU und Start-ups) und anderen einschlägigen Interessenträgern erfolgen sollte; betont außerdem, dass dieses Vorhaben offen, Cloud-basiert und interoperabel sein und in hohem Maße skalierbare und grundlegende Instrumente mit hoher Leistung für mehrere Sprachtechnologie-Anwendungen hervorbringen sollte;

26.  vertritt die Ansicht, dass Systemintegratoren in der EU wirtschaftliche Anreize geboten werden sollten, damit sie schneller Cloud-gestützte Dienste bereitstellen, sodass Humansprachen-Technologien reibungslos in ihre Anwendungen für den elektronischen Handel eingebunden werden können und insbesondere KMU die Vorteile der automatisierten Übersetzung nutzen können;

27.  betont, dass Europa seine Führungsposition im Bereich der sprachenorientierten künstlichen Intelligenz sichern muss; weist darauf hin, dass die Unternehmen in der EU am besten in der Lage sind, Lösungen anzubieten, die auf den konkreten kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedarf Europas abgestimmt sind;

28.  ist der Ansicht, dass gesonderte Programme im Rahmen bestehender Finanzierungsstrukturen wie etwa Horizont 2020 sowie Nachfolge-Finanzierungsprogramme die langfristige Grundlagenforschung sowie den Transfer von Wissen und Technologie zwischen Ländern und Regionen fördern sollten;

29.  empfiehlt die Einrichtung einer europäischen Plattform für Sprachtechnologie unter Beteiligung von Vertretern aller europäischen Sprachen, die insbesondere Hochschulen und Forschungseinrichtungen die gemeinsame Nutzung von Ressourcen, Dienstleistungen und Paketen offener Quellcodes im Zusammenhang mit der Sprachtechnologie ermöglicht, wobei dafür Sorge getragen werden sollte, dass die Open-Source-Gemeinschaft mit allen Finanzierungsstrukturen arbeiten und auch auf diese zugreifen kann;

30.  empfiehlt die Einrichtung oder Ausweitung von Projekten wie etwa des Projekts für digitale sprachliche Vielfalt, die den digitalen Bedarf sämtlicher europäischer Sprachen – einschließlich der Sprachen mit sehr wenigen Sprechern und der Sprachen mit zahlreichen Sprechern – erforschen, damit die digitale Kluft angegangen und ein Beitrag dazu geleistet wird, diese Sprachen auf eine dauerhafte digitale Zukunft vorzubereiten;

31.  empfiehlt eine Aktualisierung der 2012 veröffentlichten Reihe der META-NET-Weißbücher – einer europaweiten Erhebung zum Status der Sprachtechnologien, zu den Ressourcen für sämtliche europäischen Sprachen, zu Informationen über Sprachbarrieren und zu damit verbundenen Maßnahmen –, damit die Strategien für Sprachtechnologie bewertet und weiterentwickelt werden können;

32.  fordert die Kommission nachdrücklich auf, eine Finanzierungsplattform für Humansprachen-Technologien einzurichten, die an die Umsetzung des 7. Forschungsrahmenprogramms, von Horizont 2020 und der Fazilität „Connecting Europe“ anknüpft; vertritt außerdem die Ansicht, dass die Kommission Forschungsbereiche wie beispielsweise Computerlinguistik, Sprachwissenschaft, künstliche Intelligenz, Sprachtechnologien, Informatik und Kognitionswissenschaft in den Mittelpunkt rücken sollte, die für das vertiefte Verstehen von Sprachen erforderlich sind;

33.  weist darauf hin, dass Sprache ein Hindernis für den Austausch von wissenschaftlichen Erkenntnissen darstellen kann; stellt fest, dass die meisten viel beachteten wissenschaftlichen Zeitschriften auf Englisch veröffentlicht werden, was eine enorme Verschiebung bei der Abfassung und Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse nach sich zieht; betont, dass diese Bedingungen für die Gewinnung von Erkenntnissen in den europäischen Forschungs- und Innovationsstrategien und -programmen zum Ausdruck kommen müssen; fordert die Kommission nachdrücklich auf, nach Lösungen zu suchen, mit denen dafür gesorgt wird, dass wissenschaftliche Erkenntnisse auch in anderen Sprachen als Englisch verfügbar gemacht werden, und die Entwicklung der künstlichen Intelligenz für natürliche Sprachen zu unterstützen;

Bildungspolitik für eine bessere Zukunft der Sprachtechnologien in Europa

34.  ist der Ansicht, dass die Bildungspolitik in Europa in Anbetracht der Tatsache, dass der Markt für Sprachtechnologien derzeit von nichteuropäischen Akteuren dominiert wird, darauf abzielen sollte, Talente in Europa zu halten, den gegenwärtigen Bildungsbedarf im Zusammenhang mit Sprachtechnologie (einschließlich aller beteiligten Bereiche und Fachrichtungen) analysieren und auf dieser Grundlage Leitlinien für strukturelle und gemeinsame Maßnahmen auf europäischer Ebene bereitstellen sollte und Schüler und Studierende für ihre Karrierechancen in der Sprachtechnologie-Branche einschließlich der sprachenorientierten künstlichen Intelligenz sensibilisieren sollte;

35.  vertritt die Auffassung, dass digitale Lehrmaterialien auch in den Minderheiten- und Regionalsprachen ausgearbeitet werden müssen, was wichtig ist, damit keine Diskriminierung erfolgt, da nur auf diese Weise Chancengleichheit und Gleichbehandlung herbeigeführt werden;

36.  hält es für geboten, eine immer stärkere Beteiligung von Frauen – als maßgeblicher Faktor für den Ausbau von Forschung und Innovation – an den europäischen Forschungsarbeiten zu Sprachtechnologien zu fördern;

37.  schlägt der Kommission und den Mitgliedstaaten vor, den Rückgriff auf Sprachtechnologien in den Austauschprogrammen für europäische Bürger auf den Gebieten Kultur und Bildung wie etwa bei Erasmus+ mit der Erasmus+-Online-Sprachunterstützung zu fördern, damit die Hindernisse, die die sprachliche Vielfalt dem interkulturellen Dialog und dem gegenseitigen Verständnis insbesondere beim schriftlichen und audiovisuellen Ausdruck in den Weg legen kann, abgebaut werden;

38.  empfiehlt den Mitgliedstaaten, auch in den europäischen Minderheiten- und Regionalsprachen Programme für digitale Kompetenzen zu konzipieren und Ausbildungsangebote und Instrumente für Sprachtechnologie in die Lehrpläne ihrer Schulen, Hochschulen und Berufsschulen aufzunehmen; weist außerdem nachdrücklich darauf hin, dass die Lese- und Schreibkompetenz nach wie vor ein wichtiger Faktor und eine unerlässliche Voraussetzung dafür ist, dass bei der digitalen Inklusion von Gemeinschaften Fortschritte erzielt werden können;

39.  betont, dass die Mitgliedstaaten den Bildungseinrichtungen die Unterstützung zuteilwerden lassen sollten, die für eine bessere Digitalisierung von Sprachen in der EU erforderlich ist;

Sprachtechnologien: zum Nutzen von Unternehmen der Privatwirtschaft und öffentlicher Stellen

40.  hält es für geboten, dass die Entwicklung von Investitionsinstrumenten und Start-up-Beschleunigern gefördert wird, die darauf abzielen, dass Sprachtechnologien in der Kultur- und Kreativbranche vermehrt zum Einsatz kommen, wobei der Schwerpunkt auf Gruppen mit weniger Mitteln gelegt und die Entwicklung sprachtechnologischer Fähigkeiten in Bereichen, die schwächeren Branchen angehören, angeregt werden sollte;

41.  fordert nachdrücklich, dass Maßnahmen konzipiert und angemessen finanziert werden, mit denen die europäischen KMU und Start-ups in die Lage versetzt und befähigt werden, einfach auf Sprachtechnologien zuzugreifen und diese zu nutzen, sodass sie ihr Online-Geschäft ausbauen, indem sie auf neue Märkte und Entwicklungsmöglichkeiten zugreifen können, und somit ihr Innovationsniveau steigern und Arbeitsplätze schaffen;

42.  fordert die Organe der EU auf, für den Nutzen der Verfügbarkeit von Online-Diensten, ‑Inhalten und ‑Produkten in mehreren – darunter auch weniger verbreiteten, regionalen und von Minderheiten gesprochenen – Sprachen für Unternehmen, öffentliche Stellen und Bürger zu sensibilisieren, damit Sprachbarrieren überwunden werden und ein Beitrag zur Wahrung des kulturellen Erbes von Sprachgemeinschaften geleistet wird;

43.  unterstützt die Entwicklung mehrsprachiger öffentlicher elektronischer Dienstleistungen in den europäischen, nationalen und gegebenenfalls regionalen und lokalen Verwaltungsbehörden im Wege von innovativen, inklusiven und unterstützenden Sprachtechnologien, die Ungleichheiten zwischen Sprachen und Sprachgemeinschaften abbauen, den gleichberechtigten Zugang zu Dienstleistungen fördern, Anreize für die Mobilität von Unternehmen, Bürgern und Arbeitnehmern in Europa schaffen und einen inklusiven mehrsprachigen digitalen Binnenmarkt verwirklichen;

44.  fordert die Verwaltungsbehörden auf allen Ebenen auf, den Zugang zu Online-Diensten und ‑Informationen in verschiedenen Sprachen – insbesondere für Dienstleistungen in Grenzregionen und bei kulturellen Themen – zu verbessern und bereits verfügbare, frei zugängliche und quelloffene Sprachtechnologien wie beispielsweise maschinelle Übersetzung, Spracherkennung, Text-Sprache-Systeme sowie intelligente Sprachsysteme, die etwa in der Lage sind, Informationen mehrsprachig aufzufinden, Zusammenfassungen oder Kurzfassungen zu erstellen und Sprache zu verstehen, zu nutzen, damit der Zugang zu diesen Diensten verbessert wird;

45.  hebt die große Bedeutung der Techniken der Text- und Datenauswertung für die Entwicklung von Sprachtechnologien hervor; betont, dass die Zusammenarbeit zwischen der Branche und den Eigentümern von Daten ausgebaut werden muss; unterstreicht, dass der Regelungsrahmen angepasst werden muss und dass für eine offenere, interoperable Nutzung von Sprachressourcen und für deren Sammlung gesorgt werden muss; weist darauf hin, dass sensible Daten nicht gewerblichen Unternehmen und ihrer frei zugänglichen Software überlassen werden sollten, da nicht klar ist, wie diese Unternehmen das erworbene Wissen – beispielsweise Gesundheitsdaten – nutzen würden;

°

°  °

46.  beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat und der Kommission zu übermitteln.

(1)

ABl. L 345 vom 31.12.2003, S. 90.

(2)

ABl. L 175 vom 27.6.2013, S. 1.

(3)

ABl. L 318 vom 4.12.2015, S. 1.

(4)

ABl. C 320 vom 16.12.2008, S. 1.

(5)

ABl. L 347 vom 20.12.2013, S. 965.

(6)

ABl. C 54 vom 19.2.2011, S. 58.

(7)

ABl. C 187 vom 18.7.1988, S. 236.

(8)

ABl. C 92 E vom 16.4.2004, S. 322.

(9)

ABl. C 76 E vom 25.3.2004, S. 374.

(10)

ABl. C 117 E vom 6.5.2010, S. 59.

(11)

ABl. C 93 vom 9.3.2016, S. 52.

(12)

Angenommene Texte, P8_TA(2018)0032.


BEGRÜNDUNG

Die EU ist ein einzigartiges Projekt, an dem mehr als 500 Millionen Bürger beteiligt sind, die rund 80 unterschiedliche Sprachen sprechen. Die Mehrsprachigkeit ist zwar einer der wichtigsten Trümpfe Europas, sie stellt jedoch auch eine der größten Herausforderungen für die Schaffung einer kulturell und gesellschaftlich integrierten EU und ein Hindernis für die Verwirklichung der Ziele des digitalen Binnenmarkts dar.

Sprachtechnologien liegen zahlreichen alltäglichen digitalen Produkten zugrunde, da die meisten dieser Produkte in gewissem Maß auf Sprache zurückgreifen. Mobile Kommunikation, soziale Medien, intelligente Assistenten und sprachbasierte Schnittstellen unterziehen die Art und Weise, in der Bürger, Unternehmen und öffentliche Behörden in der digitalen Welt interagieren, einem Wandel. Außerdem leisten Sprachtechnologien einen Beitrag zur Entwicklung mehrsprachiger Ressourcen und Inhalte außerhalb des digitalen Umfelds. Obwohl den Sprachtechnologien bei dieser digitalen Revolution große technologische Bedeutung zukommt, nehmen sie auf den Agenden europäischer Politiker nicht den Rang ein, der ihnen gebührt.

Sprachtechnologien tragen zur Gleichstellung aller europäischen Bürger – unabhängig davon, welche Sprachen sie sprechen – in ihrem Alltag bei.

Obwohl kleine oder von Minderheiten gesprochene Sprachen den größten Nutzen aus Sprachtechnologien ziehen können, stehen ihnen häufig nur wenig oder sogar keine Instrumente und Ressourcen zur Verfügung. Tatsächlich gibt es ein immer größer werdendes Technologiegefälle zwischen großen und gut ausgestatteten Sprachen und den anderen Amtssprachen, Ko-Amtssprachen oder inoffiziellen Sprachen der EU, von denen einige bereits vom digitalen Aussterben bedroht sein dürften.

Um dieses Technologiegefälle zu überwinden, sollte mit den Maßnahmen in erster Linie die technische Entwicklung aller europäischen Sprachen gefördert werden. Der Erhalt einer Sprache und somit auch der in ihrem Umfeld entstandenen Kultur steht in engem Zusammenhang mit ihrer Fähigkeit, in einem modernen und sich wandelnden Umfeld wie der digitalen Welt zu funktionieren und nutzbar zu sein. Auf diese Weise ist die kulturelle und sprachliche Vielfalt eng mit den Fähigkeiten und Ressourcen in der digitalen Welt verknüpft.

Verbesserungen bei den Sprachtechnologien hängen in erster Linie von der Fähigkeit ab, auf immer größere und immer besser abgestimmte linguistische Daten und Ressourcen zuzugreifen und diese zu bewahren. Die enge Zusammenarbeit der Eigentümer von Daten aus Forschung, Wirtschaft, öffentlichem Sektor und Privatwirtschaft wird immer dringlicher. Außerdem sollten die Rechtsvorschriften über die Nutzung dieser Daten viel offener gestaltet werden, und Kernsprachressourcen (Korpora, Lexika, Ontologien usw.) sollten interoperabel gemacht und in einer offenen Umgebung gemeinsam genutzt werden. Der von der Richtlinie über die Weiterverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors (Richtlinie 2003/98/EG, bekannt als PSI-Richtlinie) gesetzte Rahmen ermöglicht die Nutzung riesiger, von den öffentlichen Verwaltungsbehörden generierter Daten- und Informationsmengen als wertvolle sprachtechnologische Ressourcen.

In einem mehrsprachigen Europa wird davon ausgegangen, dass Sprachbarrieren tiefgreifende und ineinander verwobene soziale und wirtschaftliche Folgen haben, wie etwa (1) die Begünstigung einer sprachlichen Kluft, (2) die Beeinträchtigung der Mobilität von Arbeitnehmern, (3) die Erschwerung des Zugangs zu grenzüberschreitenden öffentlichen Dienstleistungen, (4) die Einschränkung des Engagements der Bürger und ihrer Beteiligung am politischen Prozess, (5) die Fragmentierung der Märkte für den grenzüberschreitenden Offline- und Online-Handel, insbesondere für KMU, und (6) die Einschränkung des Zugangs zu Kultur- und Bildungsressourcen.

Außerdem weisen die Experten für Sprachtechnologie in Europa auf die mangelnde Abstimmung zwischen den Forschungstätigkeiten und dem Markt für Humansprachtechnologie-Anwendungen und ‑Dienste hin. Aktuelle Initiativen wie etwa META-NET, der Zusammenschluss „Cracking the Language Barrier“, LT-Innovate und die Fazilität „Connecting Europe“ haben jedoch viel bewirkt und die fragmentierte Gemeinschaft zusammengeführt.

Die Mehrsprachigkeit in Europa ist aber ein komplexes Thema, das viele Akteure in verschiedenen Ländern mit ineinander verwobenen Interessen umfasst. Eine Einzelmaßnahme reicht nicht aus, um die genannten Probleme zu lösen. Im Gegenteil: Um die Chancen des mehrsprachigen Europas wirklich auszuschöpfen, ist ein gemeinsames und koordiniertes Handeln auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene unter Beteiligung verschiedener Interessenträger erforderlich.

Europa kann eine weltweite Führungsrolle im Bereich der sprachlichen Vielfalt und Gleichstellung übernehmen. Die Instrumente und Methoden, die dafür geschaffen werden, dass sämtliche europäischen Sprachen umfassend genutzt werden können, können auf den Rest der Welt übertragen werden. Es sollte zur Kenntnis genommen werden, dass es in Europa etwa 80 und weltweit 6 000 Sprachen gibt, von denen lediglich ungefähr 2 000 Schriftsprachen sind und nur etwa 300 eine Standardversion aufweisen. Die in Europa konzipierten Instrumente und Methoden wären mindestens 200 weiteren Sprachen weltweit dienlich.

Deshalb werden in diesem Bericht verschiedene politische Optionen vorgeschlagen, die die Gleichstellung der Sprachen in Europa im Wege des Rückgriffs auf neue Technologien verbessern dürften, indem (1) die institutionellen Rahmen für Maßnahmen im Bereich der Sprachtechnologie verbessert werden, (2) neue Forschungsstrategien für einen vermehrten Einsatz der Sprachtechnologie in Europa konzipiert werden, (3) bildungspolitische Maßnahmen zum Einsatz kommen, damit die Gleichstellung der Sprachen auch künftig im digitalen Zeitalter gesichert ist, und (4) die Unterstützung sowohl privater Unternehmen als auch öffentlicher Stellen beim besseren Einsatz von Sprachtechnologien ausgeweitet wird.


STELLUNGNAHME des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie (25.4.2018)

für den Ausschuss für Kultur und Bildung

zu der Gleichstellung von Sprachen im digitalen Zeitalter

(2018/2028(INI))

Verfasserin der Stellungnahme(*): Marisa Matias

(*)  Assoziierter Ausschuss – Artikel 54 der Geschäftsordnung

VORSCHLÄGE

Der Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie ersucht den federführenden Ausschuss für Kultur und Bildung, folgende Vorschläge in seinen Entschließungsantrag zu übernehmen:

A.  in der Erwägung, dass es in der Europäischen Union 24 Amtssprachen und mehr als 60 nationale und regionale Sprachen sowie Minderheiten-, Gebärden- und Migrantensprachen gibt;

B.  in der Erwägung, dass mehr als 20 europäische Sprachen vom digitalen Aussterben bedroht sind; in der Erwägung, dass Sprachtechnologien bei der Wahrung und Förderung der sprachlichen Vielfalt und insbesondere bei weniger verbreiteten Sprachen eine wesentliche Rolle spielen;

C.  in der Erwägung, dass der UNESCO zufolge nur 30–50 % der weltweiten Online-Inhalte in englischer Sprache verfasst sind; in der Erwägung, dass hochwertige maschinelle und computergestützte Übersetzung dazu beitragen wird, Sprachbarrieren abzubauen und den sprachenübergreifenden Zugang zu Informationen zu verbessern;

D.  in der Erwägung, dass die Mehrsprachigkeit einer der wichtigsten Trümpfe Europas und ein Grundprinzip der EU ist, da sie die Annäherung in einem Europa der Bürger fördert, aber auch eine ihrer größten Herausforderungen darstellt und die Entwicklung der Gigabit-Gesellschaft vorantreiben dürfte;

E.  in der Erwägung, dass die Kommission bestätigt, dass der digitale Binnenmarkt mehrsprachig sein muss; in der Erwägung, dass keine gemeinsame EU-Strategie vorgeschlagen wurde, um das Problem der Sprachbarrieren zu bewältigen;

F.  in der Erwägung, dass die EU und ihre Organe in der Pflicht stehen, die sprachliche Vielfalt in Europa zu stärken, zu fördern und zu achten;

G.  in der Erwägung, dass der grenzübergreifende Online-Handel kaum verbreitet ist; in der Erwägung, dass Sprachtechnologien in Europa künftig zur Kommunikation über geografische und sprachliche Grenzen hinweg, zu Wirtschaftswachstum, zur sozialen Stabilität und zum Abbau natürlicher Schranken beitragen können, wobei gleichzeitig Kohäsion und Konvergenz geachtet und gefördert werden und die Wettbewerbsfähigkeit der EU weltweit gestärkt wird;

H.  in der Erwägung, dass durch Sprachtechnologien die Kommunikation und die Zusammenarbeit in verschiedenen Sprachen erleichtert werden, für Sprecher verschiedener Sprachen ein gleichwertiger Zugang zu Informationen und Wissen sichergestellt wird und die Netzfunktionen der Informationstechnologie verbessert werden;

I.  in der Erwägung, dass Sprache einen überaus großen Bestandteil des ständig zunehmenden Datenreichtums der Big Data ausmacht;

J.  in der Erwägung, dass Schwierigkeiten beim Zugang zu linguistischen Daten (wozu auch Online-Daten und Forschungsdatensätze zählen) der technologischen Entwicklung von Sprachtechnologien im Wege stehen;

K.  in der Erwägung, dass riesige Datenmengen in Humansprachen zum Ausdruck gebracht werden; in der Erwägung, dass das Management der Sprachtechnologien zahlreiche innovative IT-Produkte und -Dienstleistungen in Industrie, Handel, Regierung, Forschung, öffentlichen Dienstleistungen und Verwaltung möglich machen würde, wodurch natürliche Schranken abgebaut und Marktkosten gesenkt würden;

L.  in der Erwägung, dass Europa im Bereich der Sprachtechnologien nach wie vor erheblich zurückliegt, was auf die Fragmentierung des Marktes, ungeeignete Investitionen in Wissen und Kultur, nicht aufeinander abgestimmte Forschungstätigkeiten, die unzureichende Finanzierung und rechtliche Hindernisse zurückzuführen ist, dass jedoch die Entwicklung derzeit rasch voranschreitet und es ein riesiges Potenzial für weitere Fortschritte gibt;

M.  in der Erwägung, dass die technologische Entwicklung zunehmend auf Sprache beruht und sich auf Wachstum und Gesellschaft auswirkt; in der Erwägung, dass es unbedingt mehr sprachsensibler politischer Strategien bedarf und dass Forschung und Bildung in den Bereichen digitale Kommunikation und Sprachtechnologien und mit Blick auf deren Bezug zu Wachstum und Gesellschaft technologisch, aber auch wirklich multidisziplinär ausgerichtet sein müssen;

N.  in der Erwägung, dass die Verfügbarkeit von technologischen Hilfsmitteln wie Videospielen bzw. Bildungsanwendungen in Minderheitensprachen im Hinblick auf die Entwicklung von Sprachkompetenzen insbesondere bei Kindern wesentlich ist;

O.  in der Erwägung, dass europäische Humansprachen-Technologien sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus kultureller Sicht eine riesige Chance für die EU darstellen;

P.  in der Erwägung, dass die weltweit führenden Akteure im Bereich Sprachtechnologien nicht aus Europa stammen und nicht auf den konkreten Bedarf Europas eingehen;

Q.  in der Erwägung, dass mehrsprachige Dienstleistungen in der Strategie für den digitalen Binnenmarkt nur am Rande erwähnt werden;

R.  in der Erwägung, dass auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz wesentliche Durchbrüche erzielt wurden; in der Erwägung, dass Sprachtechnologien von zentraler Bedeutung sind, damit sichergestellt ist, dass künstliche Intelligenz mehrsprachig ist;

1.  betont, dass die Umsetzung des digitalen Binnenmarkts ohne technologische Lösungen zur Überwindung von Sprachbarrieren nicht möglich ist; fordert die Kommission auf, eine solide und koordinierte Strategie für einen mehrsprachigen digitalen Binnenmarkt auszuarbeiten;

2.  unterstützt nachdrücklich die Einrichtung einer koordinierten Initiative mit einer soliden, tragfähigen und groß und auf lange Sicht angelegten Finanzierungsstruktur für Sprachtechnologien, die auf das wissenschaftliche Ziel des vertieften Verstehens natürlicher Sprachen und eine Steigerung der Effizienz durch die Weitergabe von Wissen, Infrastrukturen und Ressourcen ausgerichtet ist; hebt hervor, dass die Finanzierungsstruktur auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene unter Beteiligung von Forschungseinrichtungen, der Wissenschaft, Unternehmen – insbesondere KMU und Start-ups – und anderen einschlägigen Interessenträgern bestehen muss; betont, dass dieses Vorhaben offen, Cloud-basiert und interoperabel sein und in hohem Maße skalierbare und grundlegende Instrumente mit hoher Leistung für mehrere Sprachtechnologie-Anwendungen hervorbringen sollte;

3.  weist auf die Bemühungen und das Engagement im Bereich der auf ehrenamtlicher Tätigkeit beruhenden Lokalisierung und auf die Internationalisierungsanstrengungen bei der Entwicklung quelloffener Software hin; empfiehlt, dafür Sorge zu tragen, dass Open-Source-Gemeinschaften mit allen Finanzierungsstrukturen für Humansprachen-Technologien arbeiten und auch auf diese zugreifen können;

4.  betont, dass das Technologiegefälle zwischen Sprachen verringert werden muss, indem der Austausch von Wissen und Technologie gestärkt wird;

5.  hebt hervor, dass der grenzübergreifende Zugriff auf Inhalte – insbesondere zu Bildungszwecken – der kulturellen Vielfalt und der Mehrsprachigkeit in Europa zugutekommen dürfte;

6.  fordert nachdrücklich, dass Maßnahmen ausgearbeitet und angemessen finanziert werden, mit denen die europäischen KMU und Start-ups in die Lage versetzt und befähigt werden, einfach auf Sprachtechnologien zuzugreifen und diese zu nutzen, damit sie ihr Online-Geschäft ausbauen können, indem sie auf neue Märkte und Entwicklungsmöglichkeiten zugreifen, und somit ihr Innovationsniveau steigern und Arbeitsplätze schaffen können;

7.  fordert die Kommission nachdrücklich auf, eine Finanzierungsplattform für Humansprachen-Technologien einzurichten, die an die Umsetzung des 7. Forschungsrahmenprogramms, von Horizont 2020 und der Fazilität „Connecting Europe“ anknüpft; vertritt außerdem die Ansicht, dass die Kommission Forschungsbereiche in den Mittelpunkt rücken sollte, die wie beispielsweise Computerlinguistik, Sprachwissenschaft, künstliche Intelligenz, Sprachtechnologien, Informatik und Kognitionswissenschaft für das vertiefte Verstehen von Sprachen erforderlich sind;

8.  betont, dass die EU, die Mitgliedstaaten, Hochschulen und andere öffentliche Einrichtungen im Hinblick auf den Erhalt ihrer Sprachen in der digitalen Welt und die Entwicklung von Datenbanken und Übersetzungstechnologien für alle – auch die weniger verbreiteten – Sprachen der EU eine wichtige Rolle spielen; fordert, dass sich Forschung und Wirtschaft abstimmen und auf das gemeinsame Ziel der Verbesserung der digitalen Möglichkeiten bei der Übersetzung von Sprachen hinarbeiten, und dass es einen offenen Zugang zu den Daten gibt, die für den technologischen Fortschritt erforderlich sind;

9.  stellt fest, dass das Technologiegefälle zwischen Englisch und den anderen EU-Sprachen immer größer wird und Unterschiede beim Zugang zu Informationen aufgrund des Alters, der unterschiedlichen Regionen und Mitgliedstaaten sowie des Bildungsstands nach sich zieht; betont, dass die Ungleichheit verringert würde, wenn Inhalte in mehreren EU-Sprachen angeboten würden;

10.  weist darauf hin, dass Sprache ein Hindernis für den Austausch von wissenschaftlichen Erkenntnissen darstellen kann; stellt fest, dass die meisten viel beachteten wissenschaftlichen Zeitschriften auf Englisch veröffentlicht werden, was eine enorme Verschiebung bei der Abfassung und Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse nach sich zieht; betont, dass diese Bedingungen für die Gewinnung von Erkenntnissen in den europäischen Forschungs- und Innovationsstrategien und -programmen zum Ausdruck kommen müssen; fordert die Kommission nachdrücklich auf, nach Lösungen zu suchen, mit denen dafür gesorgt wird, dass wissenschaftliche Erkenntnisse auch in anderen Sprachen als Englisch verfügbar gemacht werden, und die Entwicklung der künstlichen Intelligenz für natürliche Sprachen zu unterstützen;

11.  stellt fest, dass quelloffene und frei zugängliche Softwaresysteme den Unionsbürgern zugutekommen, da kommerzielle Algorithmen nicht öffentlich zugänglich sind, quelloffene Algorithmen jedoch von jedermann überprüft und weiterentwickelt werden können, was wiederum dazu beiträgt, dass Maschinensprachen auf dem neuesten Stand bleiben und ordnungsgemäß funktionieren;

12.  weist darauf hin, dass manche der in Übersetzungssysteme eingegebenen Informationen sensibel sind und deshalb aus Gründen des Schutzes der personenbezogenen Daten und der Privatsphäre nicht gewerblichen Unternehmen und ihrer frei zugänglichen Software überlassen werden können, da nicht klar ist, wie diese Unternehmen das durch Übersetzungsprogramme erworbene Wissen – beispielsweise Gesundheitsdaten – nutzen würden;

13.  weist darauf hin, dass bereichsübergreifende Forschungstätigkeiten und Studien erforderlich sind, um die Auswirkungen der Ausgrenzung von Sprachen in der digitalen Welt und die Folgen für die Gleichstellung und den Zugang zu Informationen zu untersuchen;

14.  unterstützt die Entwicklung mehrsprachiger öffentlicher elektronischer Dienstleistungen in den europäischen, nationalen und gegebenenfalls regionalen und lokalen Verwaltungsbehörden im Wege von innovativen, inklusiven und unterstützenden Sprachtechnologien, die Ungleichheiten zwischen Sprachen und Sprachgemeinschaften abbauen, den gleichberechtigten Zugang zu Dienstleistungen fördern, Anreize für die Mobilität von Unternehmen, Bürgern und Arbeitnehmern in Europa schaffen und einen inklusiven mehrsprachigen digitalen Binnenmarkt verwirklichen;

15.  stellt fest, dass Sprachtechnologien zunächst in englischer Sprache verfügbar sind; ist sich bewusst, dass große globale und europäische Hersteller und Unternehmen häufig auch für die großen europäischen Sprachen wie Spanisch, Französisch und Deutsch, die über vergleichsweise große Märkte verfügen, Sprachtechnologien entwickeln (wobei es bei diesen Sprachen in einigen Teilbereichen bereits an Ressourcen fehlt); betont jedoch, dass auf EU-Ebene allgemeine Maßnahmen (Strategien, Finanzierung, Forschung und Bildung) ergriffen werden sollten, um dafür zu sorgen, dass Sprachtechnologien für weniger verbreitete Amtssprachen der EU entwickelt werden, und dass auf EU-Ebene konkrete Maßnahmen (Strategien, Finanzierung, Forschung und Bildung) eingeleitet werden sollten, die regionale Sprachen und Minderheitensprachen in diese Entwicklung einbinden und dazu anhalten;

16.  betont mit Nachdruck, dass neue technologische Ansätze, die auf höheren Rechnerleistungen und dem besseren Zugang zu umfangreichen Datenmengen beruhen, besser genutzt werden müssen, damit die Entwicklung neuronaler „Deep-Learning“-Netzwerke gefördert wird, durch die Humansprachen-Technologien faktisch zu einer Lösung für die Überwindung von Sprachbarrieren werden; fordert die Kommission daher auf, ausreichend Mittel für die Unterstützung derartiger technologischer Entwicklungen bereitzustellen;

17.  weist darauf hin, dass Sprachen mit weniger Sprechern eine angemessene Unterstützung von Interessenträgern benötigen, bei denen es sich etwa um Schriftenhersteller für diakritische Zeichen, um Tastaturhersteller oder um Inhaltsmanagementsysteme handeln kann, damit Inhalte in diesen Sprachen ordnungsgemäß gespeichert, verarbeitet und angezeigt werden können; fordert die Kommission auf zu bewerten, wie diese Unterstützung eingeleitet und bei Vergabeverfahren in der EU als Empfehlung aufgenommen werden kann;

18.  betont, dass die Zusammenarbeit zwischen der Branche und den Eigentümern von Daten ausgebaut werden muss; hebt hervor, dass der Regelungsrahmen angepasst und für eine offenere, interoperable Nutzung und Erfassung von Sprachressourcen gesorgt werden muss;

19.  vertritt die Ansicht, dass Systemintegratoren in der EU wirtschaftliche Anreize geboten werden sollten, damit sie schneller Cloud-gestützte Dienste bereitstellen, sodass Humansprachen-Technologien reibungslos in ihre Anwendungen für den elektronischen Handel eingebunden werden können und insbesondere KMU die Vorteile der automatisierten Übersetzung nutzen können;

20.  betont, dass Europa seine Führungsposition im Bereich der sprachenorientierten künstlichen Intelligenz sichern muss; weist darauf hin, dass die Unternehmen in der EU am besten in der Lage sind, Lösungen anzubieten, die auf den konkreten kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedarf Europas abgestimmt sind;

21.  fordert die Kommission auf, die Untertitelung, Synchronisierung und Übersetzung von Videospielen und Softwareanwendungen in Minderheitensprachen finanziell zu unterstützen;

22.  stellt fest, dass die derzeitigen digitalen Instrumente und Ressourcen für weniger verbreitete Sprachen, darunter die digitale Verfügbarkeit aller Schreibweisen sowie der Mittel für die Übersetzung und Digitalisierung von Gebärdensprachen, unzureichend sind; fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, Projekte finanziell zu unterstützen, in deren Rahmen die besten Ressourcen entwickelt, erfasst und gefördert werden, wobei es sich hier unter anderem um Tastaturbelegungen, Wörterbücher, Übersetzungssoftware und bewährte Verfahren für die Verwendung von Sprachen, die von der digitalen Ausgrenzung bedroht sind, handeln kann.

ANGABEN ZUR ANNAHME IM MITBERATENDEN AUSSCHUSS

Datum der Annahme

24.4.2018

 

 

 

Ergebnis der Schlussabstimmung

+:

–:

0:

61

1

2

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Mitglieder

Zigmantas Balčytis, José Blanco López, David Borrelli, Jonathan Bullock, Cristian-Silviu Buşoi, Reinhard Bütikofer, Jerzy Buzek, Angelo Ciocca, Edward Czesak, Jakop Dalunde, Pilar del Castillo Vera, Christian Ehler, Fredrick Federley, Ashley Fox, Adam Gierek, Theresa Griffin, Rebecca Harms, Hans-Olaf Henkel, Eva Kaili, Kaja Kallas, Barbara Kappel, Krišjānis Kariņš, Seán Kelly, Jeppe Kofod, Peter Kouroumbashev, Zdzisław Krasnodębski, Miapetra Kumpula-Natri, Christelle Lechevalier, Janusz Lewandowski, Paloma López Bermejo, Edouard Martin, Angelika Mlinar, Csaba Molnár, Nadine Morano, Dan Nica, Angelika Niebler, Morten Helveg Petersen, Miroslav Poche, Julia Reda, Paul Rübig, Massimiliano Salini, Algirdas Saudargas, Neoklis Sylikiotis, Dario Tamburrano, Evžen Tošenovský, Claude Turmes, Vladimir Urutchev, Kathleen Van Brempt, Henna Virkkunen, Martina Werner, Lieve Wierinck, Hermann Winkler, Flavio Zanonato, Carlos Zorrinho

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellvertreter

Pilar Ayuso, Cornelia Ernst, Francesc Gambús, Françoise Grossetête, Werner Langen, Rupert Matthews, Răzvan Popa, Dominique Riquet, Theodor Dumitru Stolojan

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellv. (Art. 200 Abs. 2)

Rosa D’Amato

NAMENTLICHE SCHLUSSABSTIMMUNG IM MITBERATENDEN AUSSCHUSS

61

+

ALDE

Fredrick Federley, Kaja Kallas, Angelika Mlinar, Morten Helveg Petersen, Dominique Riquet, Lieve Wierinck

ECR

Edward Czesak, Ashley Fox, Hans-Olaf Henkel, Zdzisław Krasnodębski, Rupert Matthews, Evžen Tošenovský

EFDD

Rosa D’Amato, Dario Tamburrano

ENF

Barbara Kappel

GUE/NGL

Cornelia Ernst, Paloma López Bermejo, Neoklis Sylikiotis

NI

David Borrelli

PPE

Pilar Ayuso, Cristian-Silviu Buşoi, Jerzy Buzek, Pilar del Castillo Vera, Christian Ehler, Francesc Gambús, Françoise Grossetête, Krišjānis Kariņš, Seán Kelly, Werner Langen, Janusz Lewandowski, Nadine Morano, Angelika Niebler, Paul Rübig, Massimiliano Salini, Algirdas Saudargas, Theodor Dumitru Stolojan, Vladimir Urutchev, Henna Virkkunen, Hermann Winkler

S&D

Zigmantas Balčytis, José Blanco López, Adam Gierek, Theresa Griffin, Eva Kaili, Jeppe Kofod, Peter Kouroumbashev, Miapetra Kumpula-Natri, Edouard Martin, Csaba Molnár, Dan Nica, Miroslav Poche, Răzvan Popa, Kathleen Van Brempt, Martina Werner, Flavio Zanonato, Carlos Zorrinho

VERTS/ALE

Reinhard Bütikofer, Jakop Dalunde, Rebecca Harms, Julia Reda, Claude Turmes

1

-

EFDD

Jonathan Bullock

2

0

ENF

Angelo Ciocca, Christelle Lechevalier

Erklärung der benutzten Zeichen:

+  :  dafür

-  :  dagegen

0  :  Enthaltung


ANGABEN ZUR ANNAHME IM FEDERFÜHRENDEN AUSSCHUSS

Datum der Annahme

19.6.2018

 

 

 

Ergebnis der Schlussabstimmung

+:

–:

0:

21

0

4

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Mitglieder

Dominique Bilde, Andrea Bocskor, Silvia Costa, Angel Dzhambazki, Jill Evans, María Teresa Giménez Barbat, Petra Kammerevert, Svetoslav Hristov Malinov, Curzio Maltese, Rupert Matthews, Stefano Maullu, Luigi Morgano, Momchil Nekov, Michaela Šojdrová, Yana Toom, Julie Ward, Bogdan Brunon Wenta, Bogdan Andrzej Zdrojewski, Milan Zver, Krystyna Łybacka

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellvertreter

Marlene Mizzi, Liliana Rodrigues, Algirdas Saudargas, Remo Sernagiotto, Francis Zammit Dimech


NAMENTLICHE SCHLUSSABSTIMMUNG IM FEDERFÜHRENDEN AUSSCHUSS

21

+

ALDE

María Teresa Giménez Barbat, Yana Toom

GUE/NGL

Curzio Maltese

PPE

Andrea Bocskor, Svetoslav Hristov Malinov, Stefano Maullu, Algirdas Saudargas, Michaela Šojdrová, Bogdan Brunon Wenta, Francis Zammit Dimech, Bogdan Andrzej Zdrojewski, Milan Zver

S&D

Silvia Costa, Petra Kammerevert, Krystyna Łybacka, Marlene Mizzi, Luigi Morgano, Momchil Nekov, Liliana Rodrigues, Julie Ward

VERTS/ALE

Jill Evans

0

-

 

 

4

0

ECR

Angel Dzhambazki, Rupert Matthews, Remo Sernagiotto

ENF

Dominique Bilde

Erklärung der benutzten Zeichen:

+  :  dafür

-  :  dagegen

0  :  Enthaltung

Letzte Aktualisierung: 29. August 2018Rechtlicher Hinweis