Verfahren : 2016/2872(RSP)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : B8-1127/2016

Eingereichte Texte :

B8-1127/2016

Aussprachen :

PV 27/10/2016 - 3
CRE 27/10/2016 - 3

Abstimmungen :

Erklärungen zur Abstimmung

Angenommene Texte :

P8_TA(2016)0425

ENTSCHLIESSUNGSANTRAG
PDF 263kWORD 67k
Siehe auch den gemeinsamen Entschließungsantrag RC-B8-1126/2016
19.10.2016
PE589.727v01-00
 
B8-1127/2016

eingereicht im Anschluss an die Anfrage zur mündlichen Beantwortung B8-1803/2016

gemäß Artikel 128 Absatz 5 der Geschäftsordnung


zum Europäischen Freiwilligendienst  (2016/2872(RSP))


Michaela Šojdrová, Sabine Verheyen, Milan Zver, Elissavet Vozemberg-Vrionidi im Namen der PPE-Fraktion

Entschließung des Europäischen Parlaments zum Europäischen Freiwilligendienst  (2016/2872(RSP))  
B8-1127/2016

Das Europäische Parlament,

–  unter Hinweis auf die Entscheidung des Rates über das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit zur Förderung der aktiven Bürgerschaft (2011)(1),

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission vom 20. September 2011 mit dem Titel „EU-Politik und Freiwilligentätigkeit: Anerkennung und Förderung grenzüberschreitender Freiwilligenaktivitäten in der EU“ (COM(2011)0568),

–  unter Hinweis auf das Maßnahmenprogramm der Allianz des Europäischen Jahres der Freiwilligentätigkeit 2011 für die Freiwilligentätigkeit in Europa,

–  unter Hinweis auf die Empfehlung des Rates vom 20. Dezember 2012 zur Validierung nichtformalen und informellen Lernens(2),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 23. Oktober 2013 zur Freiwilligentätigkeit und ehrenamtlichen Tätigkeit in Europa(3),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 12. Juni 2012 zu der Anerkennung und Förderung grenzüberschreitender Freiwilligenaktivitäten in der EU(4),

–  unter Hinweis auf die „European Charter on the Rights and Responsibilities of Volunteers“ (Europäische Charta der Rechte und Pflichten von Freiwilligen)(5),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 22. April 2008 zur Freiwilligentätigkeit als Beitrag zum wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt(6),

–  unter Hinweis auf die Anfrage an die Kommission zum Europäischen Freiwilligendienst (O-000107/2016 – B8-1803/2016),

–  gestützt auf Artikel 128 Absatz 5 und Artikel 123 Absatz 2 seiner Geschäftsordnung,

A.  in der Erwägung, dass der Europäische Freiwilligendienst (EFD) im Jahr 2016 sein 20-jähriges Bestehen feiert und dass in diesen zwanzig Jahren 100 000 Freiwillige unterstützt wurden;

B.  in der Erwägung, dass das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011, das vom Europäischen Parlament nachdrücklich unterstützt wurde, eine hervorragende politische Gelegenheit war, den Mehrwert der Freiwilligentätigkeit in Europa hervorzuheben, und dass das Europäische Parlament fünf Jahre danach Überlegungen darüber anstellen sollte, welche Auswirkungen das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011 auf die Entwicklung von Strategien hatte und wie die Freiwilligentätigkeit in wichtige europäische Programme, wie etwa Erasmus+ und seinen Europäischen Freiwilligendienst, eingebunden ist;

C.  in der Erwägung, dass Menschen die Freiwilligentätigkeit aus freien Stücken, aufgrund einer eigenen Entscheidung und aus persönlicher Motivation heraus aufnehmen und nicht nach finanziellem Gewinn streben; in der Erwägung, dass Freiwilligentätigkeit Solidarität bedeutet und eine Möglichkeit darstellt, menschliche, gesellschaftliche und ökologische Probleme und Fragestellungen anzugehen;

D.  in der Erwägung, dass der Freiwilligentätigkeit ein Wert und eine Bedeutung als eine der sichtbarsten Ausdrucksformen von Solidarität zukommt, durch welche die soziale Inklusion, der Aufbau sozialen Kapitals und die Auslösung einer Transformationswirkung auf die Gesellschaft gefördert und erleichtert werden, und dass die Freiwilligentätigkeit zur Entwicklung einer blühenden Zivilgesellschaft, die kreative und innovative Lösungen für gemeinsame Probleme bieten kann, sowie zum Wirtschaftswachstum beiträgt und es daher verdient, spezifisch und zielgerichtet hinsichtlich des wirtschaftlichen und sozialen Kapitals gemessen zu werden;

E.  in der Erwägung, dass die Freiwilligentätigkeit eine Kombination aus Unterstützungsmechanismen und/oder angemessenen Organisationsstrukturen erfordert, die durch einen geeigneten Rechtsrahmen, in dem die Rechte und Pflichten der Freiwilligen und des Freiwilligendienstes festgelegt sind, weiter gestärkt werden sollten;

F.  in der Erwägung, dass jeder ein Anrecht auf gleichberechtigten Zugang zu Möglichkeiten des freiwilligen Engagements und Schutz vor jeglicher Art von Diskriminierung hat, und dass jeder das Recht erhalten sollte, Freiwilligentätigkeit mit seinem Privat- und Berufsleben in Einklang zu bringen, damit er während der Freiwilligentätigkeit ein gewisses Maß an Flexibilität erlangen kann;

G.  in der Erwägung, dass die Anerkennung der Freiwilligentätigkeit auch entscheidend dafür ist, geeignete Anreize für alle Interessenträger zu fördern und so die Quantität, die Qualität und die Wirkung der Freiwilligentätigkeit zu steigern, und dass dies die Entwicklung einer Kultur der Anerkennung erfordert, durch die gezeigt wird, dass die Freiwilligentätigkeit eine treibende Kraft ist, wenn es darum geht, die europäischen Werte in die Praxis umzusetzen;

1.  stellt fest, dass Freiwilligentätigkeit ein Ausdruck von Solidarität, Freiheit und Verantwortungsbewusstsein ist, dazu beiträgt, die aktive Bürgerschaft zu stärken und die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln, ein wesentliches Instrument für die soziale Inklusion und Kohäsion sowie für Ausbildung, Bildung und interkulturellen Dialog darstellt und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Verbreitung europäischer Werte leistet; betont, dass sich ihr Nutzen auch bei freiwilligen Tätigkeiten in Zusammenarbeit mit Drittländern zeigt, wo sie ein strategisches Instrument für die Förderung des gegenseitigen Verständnisses und der interkulturellen Beziehungen darstellt;

2.  weist darauf hin, dass Freiwilligentätigkeit Menschen dabei hilft, Fähigkeiten und Kompetenzen zu erlangen, die als informelle und nichtformale Bildung anerkannt werden sollten;

3.  fordert die Mitgliedstaaten auf, den Europäischen Freiwilligendienst in ihren Bildungs- und Hochschulsystemen als Instrument zur Verbreitung von Bildung in den Bereichen Solidarität und bürgerschaftliches Engagement unter der jüngeren Generation zu fördern;

4.  stellt fest, dass in Europa fast 100 Millionen Bürger aller Altersgruppen Freiwilligentätigkeiten verrichten und dass durch diese Arbeit etwa 5 % des europäischen BIP erwirtschaftet werden;

5.  ersucht die Kommission darum, eine Studie über nationale Systeme des Freiwilligendienstes, über Korps für bürgerschaftliches Engagement und Solidarität und über das bestehende Umfeld für potentielle Freiwillige in den einzelnen Mitgliedstaaten durchzuführen, um das gegenseitige Verständnis und die Verbreitung bewährter Verfahren zu erleichtern, sowie über die Möglichkeit der Einrichtung eines Europäischen freiwilligen Gesellschaftsdienstes – alles im Hinblick auf die Förderung der Unionsbürgerschaft; betont jedoch, dass Modelle im Bereich des freiwilligen Gesellschaftsdienstes die bereits bestehenden Möglichkeiten für Freiwilligentätigkeiten ergänzen und nicht ersetzen sollten;

6.  fordert die Kommission auf, die Entwicklung einer koordinierten europäischen Strategie für Freiwilligentätigkeit in die Wege zu leiten, in deren Rahmen eine zentrale Anlaufstelle bei der Kommission eingerichtet werden sollte, in der die einzelnen Initiativen und Programme miteinander vernetzt werden;

7.  unterstreicht die Rolle des aktiven Alterns bei der Freiwilligentätigkeit, weist erneut auf die Rolle junger und älterer Bürger beim bürgerschaftlichen Engagement in Europa hin und fordert, auf den Impulsen aufzubauen, die vom Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit (2011) und dem Europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen (2012) ausgingen;

8.  weist darauf hin, dass der EFD auf einer Struktur beruhen sollte, die einen schnellen und einfachen Zugang junger Menschen zu dem Programm ermöglicht, und fordert deshalb eine Vereinfachung des derzeitigen Systems der Bewerbung für den EFD;

9.  betont, dass die Folgemaßnahmen und die lokale Dimension nach einer Freiwilligentätigkeit im Ausland dadurch gestärkt werden müssen, dass den lokalen Gemeinschaften nicht nur vor dem Aufbruch ins Ausland, sondern auch nach der Rückkehr Unterstützung in Form von Schulungen zur Orientierung und Integration nach der Freiwilligentätigkeit zur Verfügung gestellt wird;

10.  beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat, der Kommission und den Regierungen der Mitgliedstaaten zu übermitteln.

(1)

ABl. L 17 vom 22.1.2010, S. 43.

(2)

ABl. C 398 vom 22.12.2012, S. 1.

(3)

Angenommene Texte, P7_TA(2013)0549.

(4)

ABl. C 332 E vom 15.11.2013, S. 14.

(5)

http://ec.europa.eu/citizenship/pdf/volunteering_charter_en.pdf

(6)

ABl. C 259 E vom 29.10.2009, S. 9.

Rechtlicher Hinweis