Verfahren : 2018/2858(RSP)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : B8-0485/2018

Eingereichte Texte :

B8-0485/2018

Aussprachen :

Abstimmungen :

PV 25/10/2018 - 13.13
Erklärungen zur Abstimmung

Angenommene Texte :

P8_TA(2018)0429

ENTSCHLIESSUNGSANTRAG
PDF 271kWORD 53k
Siehe auch den gemeinsamen Entschließungsantrag RC-B8-0484/2018
17.10.2018
PE624.177v01-00
 
B8-0485/2018

eingereicht im Anschluss an die Anfrage zur mündlichen Beantwortung B8-0410/2018

gemäß Artikel 128 Absatz 5 der Geschäftsordnung


zum Tierschutz, Einsatz von Antibiotika und den Auswirkungen der industriellen Masthähnchenzucht auf die Umwelt (2018/2858(RSP))


Herbert Dorfmann im Namen der PPE-Fraktion

Entschließung des Europäischen Parlaments zum Tierschutz, Einsatz von Antibiotika und den Auswirkungen der industriellen Masthähnchenzucht auf die Umwelt (2018/2858(RSP))  
B8-0485/2018

Das Europäische Parlament,

–  unter Hinweis auf die Verordnung (EU) 2016/429 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 9. März 2016 zu Tierseuchen und zur Änderung und Aufhebung einiger Rechtsakte im Bereich der Tiergesundheit („Tiergesundheitsrecht“)(1),

–  unter Hinweis auf die Verordnung (EU) 2017/625 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2017 über amtliche Kontrollen und andere amtliche Tätigkeiten zur Gewährleistung der Anwendung des Lebens- und Futtermittelrechts und der Vorschriften über Tiergesundheit und Tierschutz, Pflanzengesundheit und Pflanzenschutzmittel(2),

–  unter Hinweis auf das EU-Hygienepaket vom 29. April 2004, und zwar die Verordnungen (EG) Nr. 852/2004(3), 853/2004(4) und 854/2004(5) des Europäischen Parlaments und des Rates,

–  unter Hinweis auf die Richtlinie 2007/43/EG des Rates vom 28. Juni 2007 mit Mindestvorschriften zum Schutz von Masthühnern(6),

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission vom 29. Juni 2017 mit dem Titel „Europäischer Aktionsplan zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen (AMR) im Rahmen des Konzepts „Eine Gesundheit“ (COM(2017)0339),

–  unter Hinweis auf den Durchführungsbeschluss (EU) 2017/302 der Kommission vom 15. Februar 2017 über Schlussfolgerungen zu den besten verfügbaren Techniken (BVT) gemäß der Richtlinie 2010/75/EU des Europäischen Parlaments und des Rates in Bezug auf die Intensivhaltung oder -aufzucht von Geflügel oder Schweinen(7),

–  unter Hinweis auf den Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10. September 2014 über Tierarzneimittel (COM(2014)0558),

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission vom 19. Januar 2012 über die Strategie der Europäischen Union für den Schutz und das Wohlergehen von Tieren 2012−2015 (COM(2012)0006),

–  unter Hinweis auf das Europäische Übereinkommen zum Schutz von Tieren in landwirtschaftlichen Tierhaltungen,

–  unter Hinweis auf den Bericht der Kommission an das Europäische Parlament und den Rat vom 13. April 2018 über die Anwendung der Richtlinie 2007/43/EG und ihren Einfluss auf das Wohlergehen von Masthühnern sowie über die Entwicklung der Tierschutzindikatoren (COM(2018)0181),

–  unter Hinweis auf die Anfrage an die Kommission zum Tierschutz, Einsatz von Antibiotika und zu den Auswirkungen der industriellen Masthähnchenzucht auf die Umwelt (O-000095/2018 – B8-0410/2018),

–  gestützt auf Artikel 128 Absatz 5 und Artikel 123 Absatz 2 seiner Geschäftsordnung,

A.  in der Erwägung, dass in dem von der OECD und der FAO gemeinsam herausgegebenen Bericht über die Aussichten der Agrarmärkte 2018–2027 bestätigt wird, dass Geflügelfleisch nach wie vor die treibende Kraft hinter dem Wachstum der gesamten Fleischerzeugung ist; in der Erwägung, dass geringe Produktionskosten, eine hohe Futterverwertung und niedrige Produktpreise dazu beigetragen haben, dass sich Geflügelfleisch sowohl bei den Erzeugern als auch bei den Verbrauchern besonderer Beliebtheit erfreut;

B.  in der Erwägung, dass einer kürzlich veröffentlichten Studie zufolge der Verzehr von Geflügelfleisch im Rahmen einer Ernährung mit einem hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel das Risiko der Entstehung von Übergewicht, Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes senkt(8);

C.  in der Erwägung, dass die europäische Geflügelbranche dem Grundsatz „vom Hof auf den Tisch“ folgt(9);

D.  in der Erwägung, dass die Europäische Union anerkanntermaßen einer der am stärksten engagierten und führenden Akteure mit Blick auf Tierschutzvorschriften ist(10);

E.  in der Erwägung, dass die Mitgliedstaaten und die Erzeuger in der EU diese Vorschriften einhalten müssen, und in der Erwägung, dass die Kommission und die Behörden der Mitgliedstaaten regelmäßige Inspektionen in diesem Bereich durchführen müssen;

F.  in der Erwägung, dass die weltweite Nachfrage nach Geflügelfleisch schneller ansteigt als das Angebot an diesem; in der Erwägung, dass für den Zeitraum von 2000 bis 2050 ein Anstieg um 120 % prognostiziert wird; in der Erwägung, dass die zunehmende Erzeugung von Geflügelfleisch auch zu einem Anstieg des Fleischverzehrs in der EU geführt hat (Anteil Geflügelfleisch am gesamten verzehrten Fleisch insgesamt: 1964: 12,6 %, 2014: 31,4 %);

G.  in der Erwägung, dass die Schlussfolgerungen zu den besten verfügbaren Techniken (BVT) gemäß dem Durchführungsbeschluss (EU) 2017/302 der Kommission in Bezug auf die Intensivhaltung oder -aufzucht von Geflügel oder Schweinen Techniken und strenge Emissionsgrenzwerte vorsehen, damit die Auswirkungen der Geflügelproduktion auf die Umwelt, insbesondere die Ammoniakemissionen bei der Masthähnchenproduktion, verringert werden(11);

H.  in der Erwägung, dass die Geflügelbranche jüngsten Schätzungen der Umweltauswirkungen der Tierproduktion zufolge die geringsten Ammoniak- und Treibhausgasemissionen verursacht(12);

I.  in der Erwägung, dass die Menge des in die EU eingeführten Geflügelfleischs höher ist als die aller anderen Fleischsorten, sodass 25 % des in der EU verzehrten Geflügelbrustfleischs aus Drittländern mit weniger strengen Vorschriften kommen;

J.  in der Erwägung, dass der überwiegende Teil des eingeführten Geflügelfleischs in der Gastronomie oder der Lebensmittelverarbeitung verarbeitet wird, wo Angaben zur Herkunft des Fleisches nicht zwingend vorgeschrieben sind;

K.  in der Erwägung‚ dass Einfuhren aus Brasilien(13)‚ der Ukraine(14) und Thailand(15) insgesamt 90 % der Einfuhren aus Drittländern ausmachen und dass die GD SANTE der Kommission in diesen Ländern Audits durchgeführt hat, wobei erhebliche Mängel mit Blick auf die Produktionsverfahren und die Einhaltung der EU-Rechtsvorschriften festgestellt wurden;

1.  nimmt die Ergebnisse des Berichts der Kommission über die Anwendung der Richtlinie 2007/43/EG und ihren Einfluss auf das Wohlergehen von Masthühnern zur Kenntnis; weist darauf hin, dass nur zwei Drittel der Mitgliedstaaten entsprechende Systeme eingerichtet haben und dass Behörden und Halter in der Lage waren, auf der Grundlage der mit Blick auf das Wohlergehen von Masthähnchen erzielten tatsächlichen Ergebnisse durch die Auswertung der Fußballendermatitis Fortschritte zu messen und Standards beizubehalten;

2.  vertritt die Auffassung, dass im Wege regelmäßiger Inspektionen durch die Behörden der Mitgliedstaaten und die Kommission sichergestellt werden kann, dass die Geflügelproduzenten in der EU die strengen EU-Standards in Bezug auf Lebensmittelsicherheit, Tiergesundheit, Umwelt und Tierschutz in der Praxis einhalten; fordert die Kommission auf, dafür zu sorgen, dass derartige Inspektionen in der gesamten EU regelmäßig und auf ordnungsgemäße Weise stattfinden;

3.  hebt hervor, dass die ordnungsgemäße Anwendung der geltenden strengen EU-Vorschriften diesbezüglich der wichtigste Aspekt ist; betont, dass das Parlament eine wettbewerbsfähige und nachhaltige Geflügelfleischproduktion in der gesamten EU unterstützen wird;

4.  erkennt die Anstrengungen an, die im Interesse des Wohlergehens von Masthähnchen bereits von den Haltern in den einzelnen Mitgliedstaaten unternommen wurden;

5.  fordert die Kommission mit Nachdruck auf, im Interesse gleicher Wettbewerbsbedingungen für eine einheitliche Umsetzung der Bestimmungen der Masthühnerrichtlinie in allen Mitgliedstaaten zu sorgen;

6.  fordert die Kommission auf, Vorschriften für den Einzelhandel und die Gastronomie über die obligatorische Kennzeichnung des Ursprungs von Erzeugnissen, die Geflügelfleisch enthalten, vorzuschlagen, damit die Verbraucher in die Lage versetzt werden, sachkundige Entscheidungen zu treffen;

7.  weist darauf hin, dass die Massentierhaltung weder mit Blick auf die Nachhaltigkeit noch mit Blick auf die Umwelt ein Problem darstellt, sondern dass hier im Gegenteil häufig ein größerer finanzieller Spielraum für den Einsatz von Umwelttechnologien vorhanden ist, und daher geringere Emissionen je erzeugter Einheit verursacht werden als bei der Tierhaltung kleineren Maßstabs(16);

8.  vertritt die Ansicht, dass die antimikrobielle Resistenz ein weltweites Problem ist, und weist darauf hin, dass die europäische Geflügelbranche und die nationalen Behörden Initiativen ergreifen, um den Einsatz von Antibiotika durch die Modernisierung der Geflügelzuchtbetriebe zu senken(17);

9.  fordert die Kommission auf, dafür zu sorgen, dass die Untersuchungen von Geflügelfleisch, das aus Drittländern eingeführt wird, mit den EU-Vorschriften in den Bereichen Tierschutz, Lebensmittelsicherheit und Umwelt in Einklang stehen, damit gerechte und gleiche Ausgangsbedingungen für die Erzeuger aus der EU gewährleistet sind;

10.  beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat und der Kommission sowie den Regierungen und Parlamenten der Mitgliedstaaten zu übermitteln.

(1)

ABl. L 84 vom 31.3.2016, S. 1.

(2)

ABl. L 95 vom 7.4.2017, S. 1.

(3)

ABl. L 139 vom 30.4.2004, S. 1.

(4)

ABl. L 139 vom 30.4.2004, S. 55.

(5)

ABl. L 139 vom 30.4.2004, S. 206.

(6)

ABl. L 182 vom 12.7.2007, S. 19.

(7)

ABl. L 43 vom 21.2.2017, S. 231.

(8)

Marangoni F. u. a., Role of poultry meat in a balanced diet aimed at maintaining health and wellbeing: an Italian consensus document (Geflügelfleisch und seine Bedeutung für eine ausgewogenen Ernährung: italienisches Konsenspapier), Food and Nutrition Research, 2015; 59: 10.3402/fnr.v59.27606.

(9)

Kurzdarstellung des Europäischen Parlaments zur Lebensmittelsicherheit.

(10)

Broom, D. M, Animal Welfare in the European Union (Tierschutz in der Europäischen Union), Studie für den Petitionsausschuss des Europäischen Parlaments, Europäische Union, 2017.

(11)

ABl. L 43 vom 21.2.2017, S. 231 – siehe Tabelle 3.2.

(12)

Willems, O.W. u. a., Aspects of selection for feed efficiency in meat producing poultry (Auswahlkriterien mit Blick auf die Futterverwertung in der Geflügelfleischproduktion), World’s Poultry Science Journal 69, S. 77–88, März 2013.

(13)

Bericht der Kommission über ein Audit in Brasilien, Beef, horse and poultry meat – follow up of recommendations of audit report DG SANTE/2017-626 (Rindfleisch, Pferdefleisch und Geflügelfleisch – Folgemaßnahmen zu den Empfehlungen des Prüfberichts der GD SANTE/2017–626) vom 25. Juni 2018.

(14)

Bericht der Kommission über ein Audit in der Ukraine, Geflügelfleisch und daraus hergestellte Erzeugnisse vom 20. Juli 2018.

(15)

Bericht der Kommission über ein Audit in Thailand, Geflügelfleisch und daraus hergestellte Erzeugnisse vom 23. August 2018.

(16)

Von Witzke, H. u. a., Der gesamtgesellschaftliche Nutzen moderner Geflügelfleischerzeugung in Deutschland und der Europäischen Union. Eine Analyse ökonomischer und ökologischer Effekte, HFFA Research GmbH, Deutschland, 2017.

(17)

Frankreich: Pressemitteilung der Anses vom 5. Oktober 2017 mit dem Titel „Antimicrobial resistance in animal health: animal exposure to antimicrobials continued to decline in 2016“ (Antimikrobielle Resistenz und Tiergesundheit: Verwendung antimikrobieller Wirkstoffe 2016 weiter gesunken).

Vereinigtes Königreich: Meldung des British Poultry Council vom 4. Juni 2018 mit dem Titel: British poultry meat sector’s drive for excellence in bird health delivers again on antibiotic stewardship (Streben des britischen Fleischsektors um Exzellenz bei der Vogelgesundheit zeigt erneut Wirkung mit Blick auf den verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika).

Letzte Aktualisierung: 22. Oktober 2018Rechtlicher Hinweis