Verfahren : 2018/2782(RSP)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : B8-0097/2019

Eingereichte Texte :

B8-0097/2019

Aussprachen :

PV 12/02/2019 - 22
CRE 12/02/2019 - 22

Abstimmungen :

PV 13/02/2019 - 16.10
Erklärungen zur Abstimmung

Angenommene Texte :

P8_TA(2019)0112

ENTSCHLIESSUNGSANTRAG
PDF 159kWORD 59k
6.2.2019
PE631.715v01-00
 
B8-0097/2019

eingereicht im Anschluss an die Anfrage zur mündlichen Beantwortung B8‑0006/2019

gemäß Artikel 128 Absatz 5 der Geschäftsordnung


zu politischen Herausforderungen und Strategien gegen frauenspezifische Krebserkrankungen und damit zusammenhängende Begleiterkrankungen (2018/2782(RSP))


Daniela Aiuto im Namen des Ausschusses für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter

Entschließung des Europäischen Parlaments zu politischen Herausforderungen und Strategien gegen frauenspezifische Krebserkrankungen und damit zusammenhängende Begleiterkrankungen (2018/2782(RSP))  
B8-0097/2019

Das Europäische Parlament,

–  unter Hinweis auf Artikel 2 des Vertrags über die Europäische Union (EUV) und die Artikel 8, 9, 10 und 19 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV),

–  unter Hinweis auf Artikel 35 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union,

–  unter Hinweis auf die Charta von Paris, die am 4. Februar 2000 auf dem ersten Weltgipfel gegen Krebs in Paris angenommen wurde(1),

–  unter Hinweis auf die Empfehlung des Rates vom 2. Dezember 2003 zur Krebsfrüherkennung(2),

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission vom 24. Juni 2009 über Maßnahmen zur Krebsbekämpfung: Europäische Partnerschaft (COM(2009)0291),

–  unter Hinweis auf den Bericht der Kommission vom 23. September 2014 zu der Umsetzung ihrer Mitteilung vom 24. Juni 2009 über Maßnahmen zur Krebsbekämpfung: Europäische Partnerschaft und auf den zweiten Bericht über die Umsetzung der Empfehlung des Rates vom 2. Dezember 2003 zur Krebsfrüherkennung (2003/878/EG) COM(2014)0584),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 5. Juni 2003 zu Brustkrebs in der Europäischen Union(3),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 25. Oktober 2006 zu Brustkrebs in der erweiterten Europäischen Union(4),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 10. April 2008 zur Bekämpfung von Krebs in der erweiterten Europäischen Union(5),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 6. Mai 2010 zu der Mitteilung der Kommission über Maßnahmen zur Krebsbekämpfung: Europäische Partnerschaft(6),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 11. Dezember 2012 zur Prävention von altersbedingten Erkrankungen bei Frauen(7),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 14. Februar 2017 zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter in den Bereichen psychische Gesundheit und klinische Forschung(8),

–  unter Hinweis auf die Verordnung (EU) 2017/745 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 5. April 2017 über Medizinprodukte, zur Änderung der Richtlinie 2001/83/EG, der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 und der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 und zur Aufhebung der Richtlinien 90/385/EWG und 93/42/EWG des Rates(9),

–  unter Hinweis auf die Veröffentlichung der Cancer Control Joint Action (gemeinsame Aktion zur Krebsüberwachung – CanCon) aus dem Jahr 2017 mit dem Titel „European Guide on Quality Improvement in Comprehensive Cancer Control“ (Europäischer Leitfaden zur Verbesserung der Qualität bei der umfassenden Krebsüberwachung),

–  unter Hinweis auf die Veröffentlichung der Gemeinsamen Forschungsstelle der Kommission aus dem Jahr 2017 mit dem Titel „Report of a European Survey on the Implementation of Breast Units: ECIBC-supporting information for breast cancer care policies and initiatives“ (Bericht über eine europäische Umfrage über den Stand der Umsetzung in den Brustzentren: Informationen zur Unterstützung der ECIBC für Strategien und Initiativen im Bereich der Brustkrebsvorsorge),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 14. Juni 2012 zu mangelhaften mit Silikongel gefüllten Brustimplantaten der französischen Firma PIP(10),

–  unter Hinweis auf das Gutachten des Wissenschaftlichen Ausschusses „Neu auftretende und neu identifizierte Gesundheitsrisiken“ (SCENIHR) zur Sicherheit von mit Silikon gefüllten Brustimplantaten der Firma PIP (Poly Implant Prothèse), das am 1. Februar 2012 vorgelegt wurde(11),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 13. Juni 2001 zu den für zulässig erklärten Petitionen betreffend Silikonimplantate (Petitionen 0470/1998 und 0771/1998)(12) und insbesondere auf die kürzlich eingegangene Petition 0663/2018 zu Brustprothetik und deren gesundheitlichen Auswirkungen für Frauen‚

–  unter Hinweis auf die an die Kommission gerichtete Anfrage zu politischen Herausforderungen und Strategien gegen frauenspezifische Krebserkrankungen und damit zusammenhängende Begleiterkrankungen (O-000134/2018 – B8-0006/2019),

–  unter Hinweis auf den Entschließungsantrag des Ausschusses für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter,

–  gestützt auf Artikel 128 Absatz 5 und Artikel 123 Absatz 2 seiner Geschäftsordnung,

A.  in der Erwägung, dass in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union das Recht von Personen auf Zugang zur Gesundheitsvorsorge und auf ärztliche Versorgung anerkannt wird;

B.  in der Erwägung‚ dass jeder dritte Europäer im Laufe seines Lebens an Krebs erkrankt und dass jedes Jahr etwa 1,3 Millionen Menschen in der EU an Krebs sterben, was etwa 26 % aller Todesfälle in der EU entspricht(13);

C.  in der Erwägung, dass Lungenkrebs die Hauptursache für krebsbedingte Todesfälle in der EU ist, gefolgt von Darm- und Brustkrebs;

D.  in der Erwägung, dass Krebs und andere damit zusammenhängende Begleiterkrankungen sowohl Frauen als auch Männer treffen, dass jedoch angesichts der geschlechtsspezifischen Krebsarten sowie der unterschiedlichen Verfahren in den Bereichen Diagnose und Prävention bei Frauen und Männern gezielte Maßnahmen erforderlich sind;

E.  in der Erwägung, dass Frauen in erster Linie von Brustkrebs, Gebärmutterkrebs und Gebärmutterhalskrebs betroffen sind; in der Erwägung, dass Brustkrebs bei Frauen die am häufigsten tödlich verlaufende Krebserkrankung ist, und zwar nicht nur innerhalb der EU (16 %), sondern auch weltweit;

F.  in der Erwägung, dass aus Daten hervorgeht, dass bis zu 50 % der krebsbedingten Todesfälle verhindert werden könnten(14)‚ wenn Krebserkrankungen rechtzeitig erkannt und richtig behandelt würden;

G.  in der Erwägung, dass die Überlebensrate der an Brustkrebs erkrankten Patienten 80 % erreichen kann, wenn der Krebs früh erkannt und rechtzeitig behandelt wird;

H.  in der Erwägung, dass Frauen, die von Krebs betroffen sind, häufig auch mit schweren, oftmals unterschätzten psychischen Problemen zu kämpfen haben, insbesondere dann, wenn eine Mastektomie oder eine Hysterektomie durchgeführt wird;

I.  in der Erwägung, dass Krebs bei Frauen die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und negative physische Folgen wie Schmerzen, Lymphödeme usw. haben kann;

J.  in der Erwägung, dass Krebs das persönliche, soziale und berufliche Leben von Frauen beeinträchtigt und ihrem Selbstwertgefühl und ihrer Selbstakzeptanz erheblich zusetzt;

K.  in der Erwägung, dass Frauen und Männern, die an Krebs und damit zusammenhängenden Begleiterkrankungen leiden und die besondere Herausforderungen zu bewältigen haben – sei es hinsichtlich ihrer Krankheit oder ihrer familiären Verpflichtungen im Zusammenhang mit der Betreuung eines Kindes, einer älteren Person oder einer Person mit Behinderung –, besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte;

L.  in der Erwägung, dass jede Frau, unabhängig von ihrem Wohnort, ihrer sozialen Stellung, ihrem Beruf, ihrer Kultur oder anderen Faktoren, universellen und gleichberechtigten Zugang zu Gesundheitsdiensten, insbesondere zu Vorsorgeuntersuchungen, zur Behandlung sowie zu kostenloser und hochwertiger Nachsorge, erhalten muss; in der Erwägung, dass die Realität jedoch anders aussieht und immer mehr Frauen in diesem Zusammenhang mit Schwierigkeiten konfrontiert sind oder von diesen Gesundheitsdiensten aufgrund der Austeritätspolitik und ihren Auswirkungen auf das öffentliche Gesundheitswesen der Mitgliedstaaten ausgeschlossen werden;

M.  in der Erwägung, dass das Leben vieler Betroffener durch die Früherkennung von Krebs im Wege ärztlicher Vorsorgeuntersuchungen gerettet werden kann; in der Erwägung, dass es daher äußerst wichtig ist, den Zugang zu verfügbaren Präventivmaßnahmen durch ärztliche Kontrolluntersuchungen zu verbessern;

N.  in der Erwägung, dass die EU auch heute noch durch große Unterschiede sowohl innerhalb als auch zwischen den Mitgliedstaaten gekennzeichnet ist: in privaten und öffentlichen Einrichtungen, ländlichen und städtischen Gebieten, Regionen, Städten und sogar Krankenhäusern, die sich in derselben Stadt befinden, unterscheidet sich die Qualität der angebotenen Behandlungen; in der Erwägung, dass sich die Gesundheitssysteme und die Standards in den Mitgliedstaaten stark voneinander unterscheiden; in der Erwägung, dass sich mit Blick auf die Inzidenz und die Sterblichkeit zwischen Mittel- und Osteuropa und dem europäischen Durchschnitt eine gewaltige Kluft auftut; in der Erwägung, dass die einzelnen Mitgliedstaaten für die Organisation der Gesundheitssysteme und die Festlegung der Vorschriften über die Krebsdiagnose und -behandlung zuständig sind; in der Erwägung, dass die Zusammenarbeit und der Austausch bewährter Verfahren auf EU-Ebene einen großen Mehrwert bieten;

O.  in der Erwägung, dass bei jeder erfolgreichen Behandlung von Krebs und damit zusammenhängenden Begleiterkrankungen den besonderen geschlechtsspezifischen Bedürfnissen und Unterschieden im Hinblick auf die Prävention und Behandlung von Krebspatienten sowie der inklusiven Kommunikation zwischen Patienten, Krebsüberlebenden, Familienangehörigen und Pflegekräften, medizinischem Personal und Wissenschaftlern Rechnung getragen werden sollte;

P.  in der Erwägung, dass es nach wie vor Defizite mit Blick auf die ganzheitliche Behandlung von Krebspatienten gibt, da die Behandlungsstruktur häufig starr ist und nicht den Bedürfnissen von Frauen, insbesondere von jungen Frauen und weiblichen LGBTIQ+, entspricht;

Q.  in der Erwägung, dass die betroffenen Frauen und Männer in jeder Krankheitsphase Zugang zu genauen Informationen, zu Maßnahmen der Krebsprävention, hochwertigen Vorsorgeuntersuchungen, Diagnose-, Beobachtungs- und Behandlungsverfahren sowie zur Nachsorge haben sollten;

R.  in der Erwägung, dass die Krebsbehandlung schwerwiegende physische und psychologische Folgen haben kann und dass es grundlegend ist, den Patienten und ihren Familien ein hohes Maß an Lebensqualität zu bieten, indem ihnen geeignete Unterstützung und Hilfe angeboten wird, die auf ihre spezielle Situation und ihre jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten ist;

S.  in der Erwägung, dass die Auswirkungen von Krebs auf das Leben der Menschen und das durch Krebs hervorgerufene Leid sehr besorgniserregend sind und deutlich mehr unternommen werden kann, um Leben zu retten, indem Ressourcen, Wissen und vorhandene Technologien gebündelt werden;

T.  in der Erwägung, dass Frauen und Männer auf unterschiedliche Weise von Krebs betroffen sind und Frauen, die Krebs überleben, bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz und ins Familienleben sowie bei der Fortsetzung ihres Bildungswegs mit besonderen Schwierigkeiten konfrontiert sein können; in der Erwägung, dass sich frühe psychosoziale Maßnahmen nachweislich positiv auf die Unterstützung von Krebspatienten bei der Bewältigung beschäftigungsbezogener Probleme auswirken; in der Erwägung, dass bei der Konzeption der psychosozialen und beruflichen Rehabilitation ein Ansatz verfolgt werden sollte, bei dem der Mensch in den Mittelpunkt gestellt und geschlechtsspezifischen Fragen Rechnung getragen wird;

U.  in der Erwägung, dass alljährlich Tausenden Frauen aus medizinischen oder ästhetischen Gründen oder bisweilen einer Kombination von beidem Brustimplantate eingesetzt werden, ohne dass die Risiken gebührend berücksichtigt werden, bevor diese Implantate den Patientinnen empfohlen werden; in der Erwägung, dass der Betrugsfall PIP die Aufmerksamkeit aller auf einen Hersteller gelenkt hat, ohne dass andere Akteure einer umfassenderen und gründlicheren Kontrolle unterzogen werden; in der Erwägung, dass Hersteller von Brustimplantaten (mit Ausnahme des Herstellers PIP) keine Informationen über die Zusammensetzung sowie über geringe oder schwerere Nebenwirkungen des Silikongels liefern, das von der pharmazeutischen Industrie für solche Zwecke verwendet wird; in der Erwägung, dass die Hersteller nicht in der Lage sind, eine 100 %-ige Reißfestigkeit der Implantate zu garantieren und dass das Problem auslaufender Implantate nach wie vor nicht gelöst ist; in der Erwägung, dass die Bruchquote und die Risiken des Eindringens von Silikon für den gesamten Körper ein wirkliches Problem sind; in der Erwägung, dass Chirurgen eigentlich dazu angehalten sind, Alternativen zu Brustimplantaten anzubieten, da ein solcher Eingriff nahezu irreversibel ist und zu Verstümmelung und zu schwerwiegenden Gesundheitsproblemen bei Frauen führen kann, einschließlich zu Krebs und damit zusammenhängenden Begleiterkrankungen; in der Erwägung, dass in mehreren Berichten ein direkter Zusammenhang zwischen der Verwendung von Silikonimplantaten und dem anaplastisch-großzelligen Lymphom (ALCL) hergestellt wurde, einer seltenen Art des Non-Hodgkin-Lymphoms, das mindestens 14 Todesfälle unter den 409+ erfassten Fällen verursacht hat; in der Erwägung, dass im Jahr 2017 der niederländische Verband SVS/Meldpunt 4 898 Patienten mit Brustimplantaten registrierte;

V.  in der Erwägung, dass Umweltfaktoren Auswirkungen auf die Gesundheit durch bestimmte bekannte Karzinogene haben, die zu einem erhöhten Risiko, insbesondere für Frauen, beitragen;

W.  in der Erwägung, dass die steigende Lebenserwartung künftige wissenschaftliche, demografische und medizinische Herausforderungen mit sich bringen wird, wobei Frauen im Allgemeinen eine längere Lebenserwartung haben als Männer;

X.  in der Erwägung, dass die hochwertige Erforschung der Ursachen und der Behandlung von Krebs entscheidend ist, wenn es gilt, Fortschritte bei der Prävention, Diagnose, der erfolgreichen Behandlung und der Behandlung der aktuellen Krankheit zu erzielen;

Y.  in der Erwägung, dass es bei bestimmten Krebserkrankungen vorkommen kann, dass Patienten in eine andere Region oder einen anderen Mitgliedstaat reisen müssen, um das beste verfügbare Behandlungsverfahren zu erhalten und Zugang zu lebensrettenden Therapien zu erhalten; in der Erwägung, dass Patienten, die in Ländern außerhalb der EU behandelt werden müssen, möglicherweise erhebliche Hindernisse zu bewältigen haben, um zeitnah eine Therapie zu erhalten;

Z.  in der Erwägung, dass Frauen in bestimmten Branchen den Großteil der Arbeitskräfte ausmachen und häufig einem höheren Risiko ausgesetzt sind, arbeitsbedingte Krebserkrankungen aufgrund der Exposition gegenüber karzinogenen Stoffen zu entwickeln;

1.  begrüßt die Verbesserung der Früherkennungsrate, die zu einer deutlichen Steigerung der Überlebensrate von Brustkrebspatienten geführt hat; weist darauf hin, dass alle Mitgliedstaaten anstreben sollten, die Therapieverfahren bei anderen Krebsarten, etwa Eierstock- oder Gebärmutterhalskrebs und damit zusammenhängenden Begleiterkrankungen, zu verbessern;

2.  weist darauf hin, dass Brustkrebs die häufigste tödlich verlaufende Krebserkrankung bei Frauen in der EU ist, gefolgt von Lungen-, Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs, während Prostata- und Lungenkrebs bei den Männern nach wie vor am häufigsten auftreten;

3.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, dem Kampf gegen den Krebs Vorrang in der Gesundheitspolitik einzuräumen, indem eine umfassende EU-Strategie und evidenzbasierte, kosteneffektive Strategien gegen Krebs und damit zusammenhängende Begleiterkrankungen ausgearbeitet und eingerichtet werden; betont, dass bei diesen Maßnahmen die besonderen Bedürfnisse von Frauen und Männern berücksichtigt werden sollten, indem genaue und umfassende Daten zur Krebsinzidenz und Überlebensrate nach Geschlecht aufgeschlüsselt erhoben werden, damit sichergestellt wird, dass spezifische Maßnahmen auf Krebspatienten ausgerichtet werden, während Forschungstätigkeiten durchgeführt werden, um vorbeugende Maßnahmen gegen bestimmte Krebsarten einzuleiten und den Zugang zu präzisen Informationen, Früherkennungs-, Diagnose-, Überwachungs- und Behandlungsverfahren sowie zur Nachsorge bereitzustellen, damit die Gesundheitsversorgung gewährleistet ist;

4.  betont, dass die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene gepaart mit dem effizienten Einsatz von EU-Mitteln zur Entwicklung einer wirksamen EU-Strategie gegen Krebs beitragen können; fordert die Kommission auf, die strategischen Trends bei der Behandlung von Krebserkrankungen, die in erster Linie Frauen in den verschiedenen Ländern betreffen, zu untersuchen, um zu ermitteln, welche Strategien sich am besten auf die Überlebensraten bei Krebs auswirken, und den Mitgliedstaaten Empfehlungen für die Schaffung und Unterstützung von qualitativ hochwertigen Krebspflegesystemen mit Normen für Krebsfrüherkennungsprogramme in der EU auszusprechen, die für alle Mitgliedstaaten identisch wären; fordert die Kommission daher auf, als Plattform für den Austausch bewährter Verfahren zwischen den Mitgliedstaaten in Bezug auf Krebsversorgungsmodelle und -standards für Krebsprogramme zu dienen, die auf individuelle Fälle und finanzielle Möglichkeiten zugeschnitten sind, um Synergien bei der Bewältigung gemeinsamer Herausforderungen zu schaffen;

5.  fordert die Kommission auf, größere Anstrengungen zu unternehmen, um die frauenbezogene Krebsforschung, die in der gesamten EU sehr fragmentiert und vielfältig ist, EU-weit besser zu koordinieren; fordert die Kommission auf, die Innovative Partnership for Action Against Cancer (innovative Partnerschaft für Maßnahmen zur Krebsbekämpfung – IPAAC) besser zu nutzen, um eine bessere Koordinierung, insbesondere im Hinblick auf Eierstockkrebs, zu erreichen;

6.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, Sensibilisierungskampagnen zu geschlechtsspezifischen Krebserkrankungen durchzuführen, von denen Frauen unverhältnismäßig stark betroffen sind, und darüber, wie Krebs verhindert werden kann, indem Informationen über die änderbaren Lebensgewohnheiten, die eine Rolle bei der Prävention spielen, etwa Ernährung, Alkoholkonsum und Bewegung, bereitgestellt werden; betont, dass diese auch Frauen darin bestärken sollten, an Programmen zur Früherkennung von Brust- oder Gebärmutterhalskrebs teilzunehmen;

7.  bestärkt die Mitgliedstaaten darin, Programme in den Bereichen Gesundheitserziehung und Gesundheitskompetenz sowie Kampagnen vorzusehen, die darauf abzielen, die Rolle von Frauen und Mädchen zu stärken und ihnen – neben öffentlichen, umfassenden und kostenlosen Gesundheitsdiensten – über das gesamte Spektrum der Gesundheitsfürsorge hinweg Instrumente bereitzustellen, die sie in die Lage versetzen, Selbstfürsorge zu betreiben;

8.  fordert die Mitgliedstaaten auf, auf dem Gebiet der Krebsprävention durch die vollständige Umsetzung des Europäischen Kodex zur Krebsbekämpfung(15) zusammenzuarbeiten;

9.  unterstreicht die besondere Lage von Männern, insbesondere von Transgender-Männern, die von Brustkrebs oder Gebärmutterkrebs betroffen sind; fordert die Mitgliedstaaten auf, Vorkehrungen für Dienstleistungen im Bereich der psychischen Gesundheit zu treffen, die auf die Notlage zugeschnitten sind, in der sich diese Personen befinden können; betont, dass medizinisches und paramedizinisches Personal über derartige Situationen im Rahmen geeigneter Schulungen informiert werden muss;

10.  bekräftigt, dass spezifisches und genaues Material verbreitet werden muss, und fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, Informationskampagnen durchzuführen, die auf verschiedene Arten von Krebs und verschiedene Patientengruppen, sei es Frauen oder Männer, zugeschnitten sind, wobei alle wesentlichen Faktoren wie Familiengeschichte, Alter, sozioökonomischer Status oder Wohnsitz zu berücksichtigen sind;

11.  stellt fest, dass für ein Drittel der Bevölkerung immer noch keine hochwertige Krebsregistrierung vorhanden ist, und zwar hauptsächlich in Regionen, in denen die Ressourcenknappheit am größten und der Gesundheitszustand am schlechtesten sind; fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, größere Anstrengungen zu unternehmen, um Krebsregister einzurichten;

12.  bekräftigt, dass die Erhebung von Daten über Krebsvorsorgetätigkeiten mit der Europäischen Gesundheitsbefragung (EHIS) und nationalen Gesundheitsbefragungen von Eurostat verknüpft werden sollte, damit genauere Informationen über die Teilnahme an und die Häufigkeit von spontanen und organisierten Früherkennungsprogrammen gewonnen werden können;

13.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, Informations- und Sensibilisierungskampagnen an weiterführenden Schulen über das humane Papilloma-Virus (HPV) in die Wege zu leiten‚ um Mädchen und junge Frauen über diese Infektion zu informieren;

14.  fordert die Mitgliedstaaten auf, die Einrichtung von modernen Zentren zu fördern, in denen spezialisierte psychologische Hilfe für Onkologie-Patienten durch qualifizierte Fachkräfte im Bereich Intermediate-Care, Psychologen und sonstiges einschlägiges medizinisches Personal angeboten wird, um den spezifischen Bedürfnissen von Krebspatienten während ihrer Behandlung durch die Bereitstellung verschiedener Formen der psychologischen Betreuung Rechnung zu tragen; stellt fest, dass stetige technologische Entwicklungen im Bereich der Medizin dazu führen, dass sich medizinisches Personal kontinuierlich Wissen aneignen muss, das für die Früherkennung und die Qualität der Behandlung wesentlich ist;

15.  bestärkt die Mitgliedstaaten darin, die häusliche Pflege stärker auszubauen, um ein breiteres Spektrum an Dienstleistungen abzudecken, die von ehemaligen Krebspatienten und Menschen mit chronischen Erkrankungen benötigt werden; betont, dass die häusliche Pflege geschlechtsspezifisch entwickelt werden sollte, um den besonderen Bedürfnissen von weiblichen ehemaligen Krebspatientinnen gerecht zu werden, wenn sie in die allgemeine oder berufliche Bildung, in die Beschäftigung oder in das Familienleben zurückkehren, und dabei ihren psychosozialen Bedürfnissen Rechnung zu tragen;

16.  begrüßt die Unterstützung der Kommission bei der Entwicklung des Europäischen Qualitätssicherungssystems für Versorgungsleistungen bei Brustkrebs; ist der Ansicht, dass diese Regelung Leitlinien für die Rehabilitation, die Betreuung von Überlebenden und die Palliativbehandlung mit besonderem Schwerpunkt auf den Bedürfnissen weiblicher Krebspatientinnen und von Überlebenden in schwierigen Situationen bieten sollte;

17.  fordert die Mitgliedstaaten auf, den Zugang zu frühzeitiger Kontrolle durch wirksamere Finanzierung und mehr Ressourcen zu verbessern und Sensibilisierungskampagnen in die Wege zu leiten, um alle Risikogruppen darin zu bestärken, kostenlose ärztliche Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch zu nehmen;

18.  fordert die Mitgliedstaaten auf, EU-Mittel wie die europäischen Struktur- und Kohäsionsfonds und die Instrumente der Europäischen Investitionsbank zu nutzen, um qualitätsgesicherte Früherkennungs-, Präventions- und Behandlungszentren einzurichten, die für alle Patienten leicht zugänglich sind;

19.  fordert die Mitgliedstaaten auf, mit Unterstützung der Kommission und unter Nutzung verschiedener Finanzierungsmöglichkeiten der EU Dienste zu finanzieren, die von Krebs betroffene Familien unterstützen, einschließlich Familienberatungs- und Fertilitätsberatungsdienste für Krebspatienten und deren Angehörige;

20.  fordert die Kommission mit Nachdruck auf, Maßnahmen zu ergreifen, um die Strategie der WHO zur Beseitigung von Gebärmutterhalskrebs voll zu unterstützen;

21.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, den bestehenden Rechtsrahmen in vollem Umfang umzusetzen, insbesondere in den Bereichen Überwachung, Vigilanz und Kontrolle hinsichtlich der Verwendung von Medizinprodukten mit hohem Risiko und ihrer Auswirkungen auf die Gesundheit von Frauen; fordert sie ferner auf, die Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit von Brustimplantaten weiterzuentwickeln; ist der Ansicht, dass eine eingehende Bewertung der Risiken, die mit solchen Implantaten verbunden sind, dringend erforderlich ist, wobei besonderes Augenmerk auf Krebserkrankungen und insbesondere auf das anaplastische großzellige Lymphom (ALCL) bei Frauen zu legen ist;

22.  fordert, dass ein Untersuchungsausschuss eingerichtet wird, der die Auswirkungen von Silikonimplantaten auf die Gesundheit von Frauen und insbesondere den möglicherweise bestehenden Zusammenhang zwischen solchen Implantaten und Arten von Krebs und damit zusammenhängenden Begleiterkrankungen untersucht;

23.  fordert, dass der Früherkennung von Eierstockkrebs sowie der mit dieser Krebsart zusammenhängenden Grundlagenforschung mehr Aufmerksamkeit und Ressourcen gewidmet werden;

24.  fordert die Kommission auf, vorrangig Maßnahmen zu ergreifen, um die Kluft zu schließen, die zwischen Mittel- und Osteuropa und dem europäischen Durchschnitt mit Blick auf die Inzidenz und die Mortalität von Eierstock- und Gebärmutterhalskrebs besteht, indem strukturelle Unterschiede zwischen den Ländern durch die Organisation wirksamer und kosteneffizienter Dienste der Krebsvorsorge beseitigt werden;

25.  fordert die Mitgliedstaaten auf, sich auch auf die Verbesserung der Lebensqualität von Frauen und Männern zu konzentrieren, die Krebspatienten und Patienten mit anderen Begleiterkrankungen sind und deren Krankheiten nicht geheilt werden können, beispielsweise durch Unterstützung der Hospiz-Bewegung;

26.  begrüßt den Vorschlag der Kommission für eine Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für Arbeitnehmer und pflegende Angehörige; betont in diesem Zusammenhang, dass die Rechte von Einzelpersonen auf Urlaub und auf Beantragung flexibler Arbeitsregelungen wichtig sind, die den besonderen Herausforderungen Rechnung tragen, mit denen berufstätige Eltern und/oder pflegende Angehörige konfrontiert sind, die sich um Angehörige kümmern, die an Krebs und damit zusammenhängenden Begleiterkrankungen erkrankt sind;

27.  beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat, der Kommission und den Parlamenten der Mitgliedstaaten zu übermitteln.

 

 

(1)

https://unesdoc.unesco.org/ark:/48223/pf0000119111

(2)

ABl. L 327 vom 16.12.2003, S. 34.

(3)

ABl. C 68 E vom 18.3.2004, S. 611.

(4)

ABl. C 313 E vom 20.12.2006, S. 273.

(5)

ABl. C 247 E vom 15.10.2009, S. 11.

(6)

ABl. C 81 E vom 15.3.2011, S. 95.

(7)

ABl. C 434 vom 23.12.2015, S. 38.

(8)

ABl. C 252 vom 18.7.2018, S. 99.

(9)

ABl. L 117 vom 5.5.2017, S. 1.

(10)

ABl. C 332 E vom 15.11.2013, S. 89.

(11)

http://ec.europa.eu/health/scientific_committees/emerging/docs/scenihr_o_034.pdf

(12)

ABl. C 53 E vom 28.2.2002, S. 231.

(13)

https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php/Cancer_statistics

(14)

http://cancer-code-europe.iarc.fr/index.php/de/

(15)

http://cancer-code-europe.iarc.fr/index.php/de/

Letzte Aktualisierung: 11. Februar 2019Rechtlicher Hinweis