Verfahren : 2017/2506(RSP)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : RC-B8-0072/2017

Eingereichte Texte :

RC-B8-0072/2017

Aussprachen :

PV 19/01/2017 - 4.1
CRE 19/01/2017 - 4.1

Abstimmungen :

PV 19/01/2017 - 7.1

Angenommene Texte :

P8_TA(2017)0002

GEMEINSAMER ENTSCHLIESSUNGSANTRAG
PDF 287kWORD 55k
18.1.2017
PE596.782v01-00}
PE596.783v01-00}
PE596.787v01-00}
PE596.789v01-00}
PE598.391v01-00}
PE598.396v01-00} RC1
 
B8-0072/2017}
B8-0073/2017}
B8-0077/2017}
B8-0079/2017}
B8-0083/2017}
B8-0088/2017} RC1

eingereicht gemäß Artikel 135 Absatz 5 und Artikel 123 Absatz 4 der Geschäftsordnung

anstelle der Entschließungsanträge der Fraktionen:

S&D (B8-0072/2017)

ECR (B8-0073/2017)

Verts/ALE (B8-0077/2017)

EFDD (B8-0079/2017)

ALDE (B8-0083/2017)

PPE (B8-0088/2017)


zu Indonesien und insbesondere zum Fall von Hosea Yeimo und Ismael Alua (2017/2506(RSP))


Cristian Dan Preda, Elmar Brok, Jeroen Lenaers, Agnieszka Kozłowska-Rajewicz, Tomáš Zdechovský, Krzysztof Hetman, Pavel Svoboda, Ivan Štefanec, Brian Hayes, Jaromír Štětina, Bogdan Brunon Wenta, Marijana Petir, Eduard Kukan, Tunne Kelam, Lefteris Christoforou, Ivana Maletić, Željana Zovko, Dubravka Šuica, Thomas Mann, Csaba Sógor, Luděk Niedermayer, Michaela Šojdrová, Therese Comodini Cachia, Joachim Zeller, Anna Záborská, Lorenzo Cesa, József Nagy, Romana Tomc, Adam Szejnfeld, Ivica Tolić, Eva Paunova, Laima Liucija Andrikienė, Claude Rolin, Andrey Kovatchev, Jiří Pospíšil, Roberta Metsola, Patricija Šulin, Lars Adaktusson, Deirdre Clune, György Hölvényi, David McAllister, László Tőkés, Seán Kelly, Giovanni La Via im Namen der PPE-Fraktion
Pier Antonio Panzeri, Ana Gomes im Namen der S&D-Fraktion
Charles Tannock, Mark Demesmaeker, Ryszard Antoni Legutko, Ryszard Czarnecki, Tomasz Piotr Poręba, Karol Karski, Anna Elżbieta Fotyga, Branislav Škripek, Jana Žitňanská, Notis Marias, Ruža Tomašić, Raffaele Fitto, Angel Dzhambazki, Valdemar Tomaševski, Monica Macovei im Namen der ECR-Fraktion
Javier Nart, Pavel Telička, Dita Charanzová, Izaskun Bilbao Barandica, Ilhan Kyuchyuk, Beatriz Becerra Basterrechea, Filiz Hyusmenova, Petras Auštrevičius, Louis Michel, Marielle de Sarnez, Gérard Deprez, Martina Dlabajová, María Teresa Giménez Barbat, Marian Harkin, Ivan Jakovčić, António Marinho e Pinto, Urmas Paet, Jozo Radoš, Frédérique Ries, Marietje Schaake, Jasenko Selimovic, Hannu Takkula, Ivo Vajgl, Hilde Vautmans, Paavo Väyrynen, Cecilia Wikström, Nedzhmi Ali, Valentinas Mazuronis im Namen der ALDE-Fraktion
Barbara Lochbihler, Heidi Hautala, Bodil Valero, Ernest Urtasun, Bronis Ropė, Davor Škrlec, Igor Šoltes, Maria Heubuch im Namen der Verts/ALE-Fraktion
Ignazio Corrao, Fabio Massimo Castaldo, Isabella Adinolfi im Namen der EFDD-Fraktion
ÄND.

Entschließung des Europäischen Parlaments zu Indonesien und insbesondere zum Fall von Hosea Yeimo und Ismael Alua (2017/2506(RSP))  

Das Europäische Parlament,

–  unter Hinweis auf seine früheren Entschließungen zu Indonesien, insbesondere die vom 26. Februar 2014 zu dem Entwurf für einen Beschluss des Rates über den Abschluss des Rahmenabkommens über umfassende Partnerschaft und Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten einerseits und der Republik Indonesien andererseits, mit Ausnahme der die Rückübernahme betreffenden Angelegenheiten(1),

–  unter Hinweis auf das Partnerschafts- und Kooperationsabkommen (PKA) zwischen der EU und Indonesien, das am 1. Mai 2014 in Kraft trat,

–  unter Hinweis auf die Erklärung der Vizepräsidentin der Kommission und Hohen Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik (VP/HV), Federica Mogherini, vom 23. Mai 2015 zu möglichen weiteren Hinrichtungen in Indonesien,

–  unter Hinweis auf die Erklärung des Sprechers des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD) vom 27. Juli 2016 zu den geplanten Hinrichtungen in Indonesien,

–  unter Hinweis auf den 6. Menschenrechtsdialog zwischen der Europäischen Union und Indonesien vom 28. Juni 2016,

–  unter Hinweis auf die Erklärung von Bangkok vom 14. Oktober 2016 zur Förderung der Globalen Partnerschaft für gemeinsame strategische Ziele zwischen dem ASEAN und der EU,

–  unter Hinweis auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948,

–  unter Hinweis auf den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte, den Indonesien im Jahr 2006 ratifiziert hat,

–  unter Hinweis auf das Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe von 1987,

–  gestützt auf Artikel 135 Absatz 5 und Artikel 123 Absatz 4 seiner Geschäftsordnung,

A.  in der Erwägung, dass Indonesien weltweit das Land mit der vierthöchsten Bevölkerungszahl, die drittgrößte Demokratie und das Land mit der größten muslimischen Mehrheitsbevölkerung und mit Millionen von Angehörigen anderer Glaubensgemeinschaften ist sowie dass die vielfältige Gesellschaft Indonesiens 255 Millionen Bürger umfasst, die unterschiedlichen Volksgruppen, Sprachengemeinschaften und Kulturen angehören;

B.  in der Erwägung, dass Indonesien ein wichtiger Partner der EU ist; in der Erwägung, dass feste Beziehungen zwischen der EU und Indonesien, einem Mitglied der G20, bestehen; in der Erwägung, dass die EU und Indonesien dieselben Werte in Bezug auf die Menschenrechte, Regierungsführung und Demokratie teilen;

C.  in der Erwägung, dass der indonesische Außenminister und die VP/HV bei ihrem ersten strategischen Dialog auf Ministerebene (8. April 2016) gemeinsam ihren Beschluss verkündet haben, die Beziehungen zwischen der EU und Indonesien „auf eine neue Ebene der Partnerschaft“ zu heben;

D.  in der Erwägung, dass Hosea Yeimo und Ismael Alua, zwei politische Aktivisten, die der Volksgruppe der Papua angehören, am 19. Dezember 2016 im Anschluss an friedliche politische Aktivitäten festgenommen und gemäß dem indonesischen Strafgesetzbuch der „Aufruhr“ angeklagt wurden; in der Erwägung, dass sie am 11. Januar 2017 gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt wurden und dass das Verfahren noch nicht abgeschlossen ist; in der Erwägung, das ihnen im Falle eines Schuldspruchs lebenslange Haft droht;

E.  in der Erwägung, dass der indonesische Staatspräsident Joko Widodo den Papua einen Wandel versprochen hat, an dessen Anfang „ein offener Dialog für ein besseres Papua“ stehen soll, und er Schritte eingeleitet hat, damit unverhältnismäßiger Gewaltanwendung und Menschenrechtsverstößen Einhalt geboten wird; in der Erwägung, dass der Präsident Papua seit seiner Wahl im Jahr 2014 viermal besucht hat; in der Erwägung, dass er unlängst als Zeichen des guten Willens die Freilassung zahlreicher inhaftierter Papua angeordnet hat;

F.  in der Erwägung, dass sich der Gouverneur von Jakarta, Basuki Tjahaja Purnama, besser bekannt unter seinem Spitznamen Ahok, vor Gericht verantworten muss, weil er von einigen religiösen Gruppen bezichtigt wird, den Islam beleidigt zu haben; in der Erwägung, dass seit Oktober 2016 auf drei Kundgebungen, zu denen ein Bündnis islamistischer Gruppen namens Nationale Bewegung zum Schutz der MUI-Fatwa (GNPF-MUI) aufgerufen hatte, eine Gefängnisstrafe für Ahok gefordert wurde, darunter von Mitgliedern von Front Pembala Islam (FPI),

G.  in der Erwägung, dass die Gedankenfreiheit, das Recht auf Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit in friedlichem Rahmen sowie auf Religionsfreiheit, das Recht, nicht willkürlich festgenommen oder inhaftiert zu werden, und das Recht, nicht gefoltert zu werden, grundlegende und unveräußerliche Freiheiten und Rechte darstellen;

H.  in der Erwägung, dass Indonesien seit 2013 die Todesstrafe wieder anwendet und dort seitdem mehrere verurteilte Straftäter hingerichtet worden sind;

1.  begrüßt die festen Beziehungen zwischen der EU und Indonesien und bekräftigt, wie wichtig intensive und seit langem bestehende politische, wirtschaftliche und kulturelle Kontakte zwischen den beiden Seiten sind;

2.  ist angesichts der wachsenden Intoleranz gegenüber ethnischen, religiösen und sexuellen Minderheiten in Indonesien besorgt; verurteilt aufs Schärfste alle Gewaltakte und Fälle von Drangsalierung und Einschüchterung, die sich gegen Minderheiten richten, ebenso wie die Straflosigkeit für solche Taten, und beklagt, dass geltende Bestimmungen zunehmend dazu missbraucht werden, Angehörige von religiösen Minderheiten, traditionellen Glaubensgemeinschaften sowie von ethnischen und sexuellen Minderheiten zu diskriminieren, strafrechtlich zu verfolgen und zu inhaftieren;

3.  begrüßt die Erkenntnisse Indonesiens bei der Bekämpfung von gewalttätigem Extremismus und die entsprechenden Erfahrungen, die das Land anhand der Förderung einer toleranten Gesellschaft und interreligiöser Dialoge gewonnen hat; nimmt die Bemühungen Indonesiens zur Kenntnis, die Demokratie in dem Land aufrechtzuerhalten, die Menschenrechte zu achten und sich auf seine „Einheit in der Vielfalt“ zu besinnen; betont, dass für den Schutz aller Menschenrechte, insbesondere von Minderheiten und schutzbedürftigen Gruppen, Sorge getragen und gewährleistet werden muss, dass die Religions- und Weltanschauungsfreiheit, die Meinungsfreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie die Vereinigungsfreiheit und das Recht auf friedliche Versammlungen frei von Diskriminierung wahrgenommen werden können;

4.  begrüßt den fortgesetzten Menschenrechtsdialog zwischen der Europäischen Union und Indonesien, der 2010 aufgenommen wurde; begrüßt die enge Zusammenarbeit zwischen der EU und Indonesien in einer Vielzahl von Bereichen; betont, dass sich die EU und Indonesien darauf geeinigt haben, konkrete Kooperationsprojekte in den unterschiedlichsten Bereichen zu verfolgen, darunter dem Zugang zur Justiz, der Strafrechtspolitik, der Bekämpfung von gewalttätigem Extremismus, der Rechte von Migranten, dem Thema Wirtschaft und Menschenrechte und der Rechte von Menschen mit Behinderungen sowie von Menschen, die Minderheiten und schutzbedürftigen Gruppen angehören;

5.  weist darauf hin, dass die Verbesserung der Menschenrechtslage in Indonesien eine Priorität des PKA zwischen der EU und Indonesien ist;

6.  begrüßt die guten Beziehungen zwischen Indonesien und seinen Nachbarländern und sein reges Engagement für die Vereinten Nationen;

7.  legt der indonesischen Regierung nahe, alle Vorkehrungen zu treffen, die erforderlich sind, damit die Rechte friedlicher Aktivisten geschützt werden und ein Umfeld geschaffen wird, in dem das Recht auf freie Meinungsäußerung und das Recht auf friedliche Demonstrationen wahrgenommen werden können;

8.  begrüßt, dass Hosea Yeimo und Ismael Alua am 11. Januar 2017 gegen Kaution freigelassen wurden; nimmt zur Kenntnis, dass das Gerichtsverfahren noch nicht abgeschlossen ist; fordert die Delegation der EU in Indonesien auf, dieses Gerichtsverfahren zu verfolgen;

9.  ersucht die indonesischen Behörden, zu erwägen, die Anklage gegen Hosea Yeimo, Ismael Alua and andere gewaltlose politische Gefangene, gegen die Anklage erhoben wurde, weil sie ihr Recht auf freie Meinungsäußerung friedlich ausgeübt haben, fallen zu lassen;

10.  fordert die Behörden in Indonesien und vor Ort in Papua nachdrücklich auf, umgehend wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit und den Schutz friedlicher politischer Aktivisten bei der Ausübung ihrer Rechte zu gewährleisten; fordert die staatlichen Stellen auf, dafür Sorge zu tragen, dass die Menschen in Papua ihre Ansichten und Meinungen ohne Furcht vor Strafe, Repressalien oder Einschüchterung frei äußern können;

11.  verurteilt Gewalttaten und Terroranschläge aufs Schärfste und spricht den Familien und Opfern sein Beileid aus;

12.  nimmt den gegen Ahok erhobenen Vorwurf der Blasphemie mit Sorge zur Kenntnis; hebt hervor, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie die Gedanken- und Gewissensfreiheit und die Freiheit der Religion gemäß den internationalen Menschenrechtsnormen geschützt sind;

13.  fordert die indonesischen Behörden auf, Artikel 156 und Artikel 156 Buchstabe a seines Strafgesetzbuchs aufzuheben, die Blasphemie-Bestimmungen im derzeitigen Gesetzesentwurf für die Überarbeitung des Strafgesetzbuchs (RUU Revisi KUHP), dem Gesetz über elektronische Informationen und Transaktionen und den Aufruhrgesetzen und insbesondere in den Artikeln 106 und 110 des Strafgesetzbuchs zu entfernen und alle Gesetze in Einklang mit seinen Verpflichtungen aus den internationalen Menschenrechtsnormen zu bringen, die konkret die Meinungsfreiheit, die Gedanken- und Gewissensfreiheit und die Freiheit der Religion, die Gleichheit vor dem Gesetz, die Nichtdiskriminierung und das Recht auf freie Meinungsäußerung und öffentliche Versammlungen betreffen; weist darauf hin, dass Menschen für Verleumdung bis zu fünf Jahre in Haft kommen können;

14.  betont, dass die indonesische Regierung die traditionelle religiöse Toleranz und den traditionellen Pluralismus des Landes schützen muss, indem sie gegen Einzelpersonen oder Gruppen, die Religionsgemeinschaften diskriminieren oder diesen Gewalt antun, ermittelt, diese verhaftet und strafrechtlich verfolgt;

15.  nimmt die Zunahme der Anti-LGBTI-Rhetorik, die sich in zahlreichen Drohungen gegen und Übergriffe auf im Bereich der LGBTI-Rechte tätige nichtstaatliche Organisationen, Aktivisten und Einzelpersonen niederschlägt, mit Sorge zur Kenntnis; fordert die Regierung und die Gesetzgeber auf, die Rechte von LGBTI-Personen nicht noch weiter zu beschneiden und zu gewährleisten, dass sie ihr Recht auf freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit wahrnehmen können;

16.  bedauert die Wiederaufnahme der Anwendung der Todesstrafe; fordert die Behörden auf, mit Blick auf die Abschaffung der Todesstrafe ein Moratorium für alle Hinrichtungen auszusprechen;

17.  beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat, der Kommission, der Vizepräsidentin der Kommission und Hohen Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik, den Regierungen und Parlamenten der Mitgliedstaaten, der Regierung und dem Parlament Indonesiens, dem Generalsekretär und der zwischenstaatlichen Kommission für Menschenrechte des ASEAN sowie dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen zu übermitteln.

(1)

Angenommene Texte, P7_TA(2014)0141.

Rechtlicher Hinweis