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Verfahren : 2014/2713(RSP)
Werdegang im Plenum
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Eingereichte Texte :

RC-B8-0027/2014

Aussprachen :

Abstimmungen :

PV 17/07/2014 - 10.6

Angenommene Texte :

P8_TA(2014)0010

Angenommene Texte
PDF 226kWORD 68k
Donnerstag, 17. Juli 2014 - Straßburg Endgültige Ausgabe
Arbeitsplätze für Jugendliche
P8_TA(2014)0010RC-B8-0027/2014

Entschließung des Europäischen Parlaments vom 17. Juli 2014 zum Thema Arbeitsplätze für Jugendliche (2014/2713(RSP))

Das Europäische Parlament,

–  unter Hinweis auf seinen Standpunkt vom 8. September 2010 über den Vorschlag für einen Beschluss des Rates über Leitlinien für beschäftigungspolitische Maßnahmen der Mitgliedstaaten: Teil II der integrierten Leitlinien zu Europa 2020 (COM(2010)0193 – C7-0111/2010 – 2010/0115(NLE))(1),

–  in Kenntnis der Mitteilung der Kommission vom 20. Dezember 2011 mit dem Titel „Initiative ‚Chancen für junge Menschen‘“ (COM(2011)0933),

–  in Kenntnis der Schlussfolgerungen des Rates zur Förderung der Jugendbeschäftigung im Hinblick auf die Verwirklichung der Ziele der Strategie Europa 2020, die am 17. Juni 2011 in Luxemburg angenommen wurden,

–  in Kenntnis der Mitteilung der Kommission über die Umsetzung der Initiative „Chancen für junge Menschen“ (COM(2012)0727),

–  in Kenntnis des Vorschlags der Kommission vom 5. Dezember 2012 für eine Empfehlung des Rates zur Einführung einer Jugendgarantie (COM(2012)0729),

–  in Kenntnis der Schlussfolgerungen des Europäischen Rates vom 7. Februar 2013 zur Beschäftigungsinitiative für Jugendliche,

–  in Kenntnis der Empfehlung des Rates vom 22. April 2013 zur Einführung einer Jugendgarantie,

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 11. September 2013 zum Thema „Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit: mögliche Auswege“(2),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 16. Januar 2014 zur Achtung des Grundrechts auf Freizügigkeit in der EU(3),

–  unter Hinweis auf seinen Standpunkt vom 16. April 2014 über den Vorschlag für einen Beschluss des Europäischen Parlaments und des Rates über die verstärkte Zusammenarbeit zwischen den öffentlichen Arbeitsverwaltungen (ÖAV) (COM(2013)0430 – C7-0177/2013 – 2013/0202(COD))(4),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 6. Juli 2010 zu der Förderung des Zugangs Jugendlicher zum Arbeitsmarkt, Stärkung des Status von Auszubildenden, Praktikanten und Lehrlingen(5),

–  in Kenntnis der Mitteilung der Kommission über die Umsetzung der Initiative „Chancen für junge Menschen“ (COM(2012)0727),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 16. Januar 2013 zu einer Jugendgarantie(6),

–  gestützt auf Artikel 123 Absätze 2 und 3 seiner Geschäftsordnung,

A.  in der Erwägung, dass Arbeitslosigkeit eine wesentliche Ursache von Ungleichheit ist, wobei die Jugendarbeitslosenquoten ein bisher nicht gekanntes Niveau von im EU-Durchschnitt 23 % erreicht haben, und in der Erwägung, dass die Jugendarbeitslosigkeit in der EU ungleichmäßig stark ausgeprägt ist, wobei die Arbeitslosenquote bei jungen Menschen zwischen 16 und 25 Jahren in einigen Mitgliedstaaten mehr als 50 % beträgt;

B.  in der Erwägung, dass im März 2014 in den 28 EU-Staaten 5,34 Millionen junge Menschen (unter 25 Jahren) arbeitslos waren, davon 3,426 Millionen im Euro-Währungsgebiet;

C.  in der Erwägung, dass die Gründe für die Jugendarbeitslosigkeit in der EU unterschiedlich sind und auch grundlegende strukturelle Probleme der Volkswirtschaften umfassen können, die sich auf die Arbeitsmärkte auswirken; in der Erwägung, dass die Situationen und die Probleme der jungen Menschen nicht gleich geartet sind, wobei einige Gruppen unverhältnismäßig stark betroffen sind und individuelle Lösungen benötigen;

D.  in der Erwägung, dass die Lage auf dem Arbeitsmarkt für junge Menschen unabhängig von ihrem Ausbildungsniveau besonders kritisch ist, da sie oft keine oder nur eine befristete Beschäftigung finden, die gleichzeitig schlechter bezahlt ist und ein geringeres Maß an sozialem Schutz bietet, oder gezwungen werden, prekäre Beschäftigungsverhältnisse oder unbezahlte Praktika anzunehmen;

E.  in der Erwägung, dass eine Jugendgarantie zur Verwirklichung von drei Zielen der Strategie Europa 2020 beitragen würde, nämlich bis 2020 75 % der 20- bis 64-Jährigen in Arbeit zu bringen, eine Schulabbrecherquote von unter 10 % zu erreichen und die Zahl der von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffenen oder bedrohten Menschen um mindestens 20 Millionen zu reduzieren;

F.  in der Erwägung, dass 7,5 Millionen junge Europäer zwischen 15 und 24 Jahren weder eine Arbeit haben noch eine schulische oder berufliche Ausbildung absolvieren (die sogenannten „NEET“), und in der Erwägung, dass in der EU-28 im Jahr 2012 29,7 % der jungen Menschen zwischen 15 und 29 Jahren von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht waren(7);

G.  in der Erwägung, dass sich das System der dualen Berufsbildung und das System der kombinierten akademisch-berufspraktischen Studiengänge, die in einigen Mitgliedstaaten angeboten werden, dank ihres auf praktische Fähigkeiten ausgerichteten Schwerpunkts insbesondere in Zeiten der Krise bewährt haben, indem sie durch die Verbesserung der Vermittelbarkeit der Absolventen dazu beigetragen haben, die Jugendarbeitslosigkeit auf einem geringeren Niveau zu halten;

H.  in der Erwägung, dass die derzeitige Beschränkung der Jugendgarantie auf Jugendliche bis 25 Jahre unzureichend ist, weil die 6,8 Millionen 25- bis 30-jährigen NEET nicht darin berücksichtigt werden;

I.  in der Erwägung, dass KMU ein hohes Potential hinsichtlich der Schaffung von Arbeitsplätzen haben und eine entscheidende Rolle beim Übergang zu einer neuen, nachhaltigen Wirtschaft spielen;

J.  in der Erwägung, dass zwar die Anzahl der Arbeitnehmer, die in einen anderen Mitgliedstaat umgezogen sind, von 4,7 Millionen im Jahr 2005 auf 8 Millionen im Jahr 2008 gestiegen ist, dass dies in Prozent ausgedrückt jedoch nur einen Anstieg von 2,1 % auf 3,3 % der gesamten Erwerbsbevölkerung darstellt;

K.  in der Erwägung, dass die Mitgliedstaaten bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit eine entscheidende Rolle zu spielen haben, die sich unter anderem in der finanziellen Unterstützung von mit EU-Mitteln finanzierten Instrumenten wie dem Europäischen Sozialfonds, dem Europäischen Fonds für die Anpassung an die Globalisierung, dem Europäischen Programm für Beschäftigung und soziale Innovation (EaSI) und der Jugendgarantie für den Programmplanungszeitraum 2014–2020 niederschlägt;

L.  in der Erwägung, dass die Europäische Union 6 Mrd. EUR bereitgestellt hat, um die Beschäftigung von Menschen unter 25 Jahren zu fördern;

M.  in der Erwägung, dass die Ursachen für Jugendarbeitslosigkeit nicht allein in dem Missverhältnis zwischen Qualifikationsangebot und –nachfrage zu sehen sind, weil sie mit Aspekten wie dem Mangel an neuen Arbeitsplätzen, der auf die Deindustrialisierung in Europa zurückzuführen ist, Outsourcing und Spekulation zusammenhängen, und in der Erwägung, dass diese Situation durch die Krise und die Sparmaßnahmen verschärft wurde; in der Erwägung, dass das Problem der Jugendarbeitslosigkeit nicht allein durch Ausbildung und Schulung gelöst werden kann;

N.  in der Erwägung, dass alle zur Steigerung der Beschäftigung von Jugendlichen eingeführten Maßnahmen und Programme mit der Konsultation aller einschlägigen Interessenträger auf den jeweiligen Ebenen, insbesondere der Sozialpartner und Jugendorganisationen, und/oder der Zusammenarbeit mit diesen einhergehen sollten;

O.  in der Erwägung, dass über 67 % der Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft der EU von 20,7 Millionen KMU angeboten werden und der Anteil der Kleinstunternehmen daran 30 % beträgt;

P.  in der Erwägung, dass KMU und Kleinstunternehmen ein enormes Potential hinsichtlich der Schaffung von Arbeitsplätzen haben, da sie für 85 % aller neu geschaffenen Arbeitsplätze verantwortlich sind;

Jugendgarantie – Jugendbeschäftigung

1.  warnt, dass es kein wesentliches nachhaltiges Wirtschaftswachstum in der EU geben wird, solange die Ungleichheiten nicht verringert werden, und verweist darauf, dass dies bei der Reduzierung der Arbeitslosigkeit, insbesondere der Jugendarbeitslosigkeit, und bei der Linderung von Armut beginnt;

2.  fordert eine wirksame Überwachung der Umsetzung der Jugendgarantie; fordert die Kommission auf, die Herausforderungen, die in den länderspezifischen Empfehlungen 2014 bezüglich der Qualität der Angebote, der mangelnden aktiven Bemühungen um NEET, der Verwaltungskapazität der öffentlichen Arbeitsvermittlungsstellen und des Mangels an wirksamer Interaktion mit allen einschlägigen Partnern ermittelt wurden, genau zu überwachen und gleichzeitig bewährte Verfahren zu ermitteln, die als Referenz für die Verbesserung von Programmen fungieren könnten; fordert jedoch mehr Transparenz bei der Überwachung der Umsetzung sowie mehr Ehrgeiz im Hinblick auf die Mitgliedstaaten, die diesbezüglich keinen Fortschritt vorweisen können;

3.  fordert die Kommission auf, einen europäischen Rechtsrahmen vorzuschlagen, mit dem Mindeststandards für die Umsetzung der Jugendgarantien eingeführt werden, die sich unter anderem auf die Qualität von Ausbildungsstellen, angemessene Löhne für junge Menschen und den Zugang zu Arbeitsvermittlungsstellen beziehen, und auch für junge Menschen zwischen 25 und 30 Jahren gelten, falls die bestehenden Empfehlungen zu Jugendgarantien von den Mitgliedstaaten nicht eingehalten werden;

4.  fordert, dass die Verringerung der Jugendarbeitslosigkeit als konkrete Zielvorgabe im Rahmen des Europäischen Semesters festgeschrieben wird; fordert außerdem, dass Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in die länderspezifischen Empfehlungen und die nationalen Reformprogramme (NRP) aufgenommen werden; fordert die Kommission auf, die Einführung solcher Maßnahmen genau zu verfolgen und zu überprüfen; fordert diesbezüglich eine umfassende Beteiligung des Europäischen Parlaments im Rahmen des Verfahrens des Europäischen Semesters;

5.  fordert die Kommission auf, die Einführung der Beschäftigungsinitiative für junge Menschen voranzutreiben und vor Ende 2014 eine Mitteilung darüber zu veröffentlichen, wie sie eingerichtet wurde;

6.  legt den Mitgliedstaaten nahe, eine Ausweitung der Jugendgarantie auf junge Menschen unter 30 Jahren in Erwägung zu ziehen;

7.  betont die Notwendigkeit einer aktiven, umfassenden und integrativen Arbeitsmarktpolitik mit speziellen Maßnahmen für junge Menschen;

8.  fordert die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zu ergreifen, darunter insbesondere solche Maßnahmen, durch die verhindert wird, dass die Schulausbildung vorzeitig abgebrochen wird, oder durch die Bildungs- und Ausbildungssysteme gefördert werden (etwa durch Einführung eines dualen Ausbildungssystems oder anderer, gleichermaßen effizienter Strukturen), sowie umfassende Strategien für junge Menschen zu entwickeln, die weder eine Arbeit haben noch eine schulische oder berufliche Ausbildung absolvieren (NEET), und die einzelstaatlichen Jugendgarantieprogramme vollständig umzusetzen;

9.  hebt hervor, dass die Beschäftigungsinitiative für junge Menschen die Mitgliedstaaten nicht davon abhalten sollte, zur Finanzierung von umfassenderen Projekten im Zusammenhang mit jungen Menschen, und insbesondere im Zusammenhang mit der Armut und der sozialen Inklusion junger Menschen, auf den Europäischen Sozialfonds zurückzugreifen; fordert die Kommission auf, die Verwendung der Mittel des Europäischen Sozialfonds für Projekte im Zusammenhang mit jungen Menschen zu überwachen;

10.  ist der festen Überzeugung, dass die EU-Mittel und insbesondere die Mittel, die im Rahmen der Beschäftigungsinitiative für junge Menschen bereitgestellt werden, nicht dazu verwendet werden sollten, nationale Konzepte zu ersetzen, sondern vielmehr dafür verwendet werden sollten, jungen Menschen zusätzliche Unterstützung zu gewähren, durch die die nationalen Programme gemäß der Entscheidung der Mitgliedstaaten ergänzt und verbessert werden;

11.  ist der Auffassung, dass EU-Programme eine angemessene Flexibilität zulassen müssen, um die Mitgliedstaaten in die Lage zu versetzen, im Einklang mit den lokalen Bedürfnissen individualisierte Unterstützung zu leisten und dafür zu sorgen, dass die Mittel in den Bereichen eingesetzt werden, in denen die Jugendarbeitslosigkeit am höchsten ist und Finanzmittel am meisten benötigt werden, wobei es bei Prüfungen und Kontrollen keine Zugeständnisse geben darf;

12.  hebt hervor, dass die Beschäftigungsinitiative für junge Menschen die Mitgliedstaaten nicht davon abhalten sollte, zur Finanzierung von umfassenderen Projekten im Zusammenhang mit jungen Menschen, insbesondere in Bezug auf junges Unternehmertum, Armut und soziale Inklusion, auf andere EU-Programme wie den Europäischen Sozialfonds und ERASMUS + zurückzugreifen; hebt hervor, dass es wichtig ist, dass die Mitgliedstaaten die dafür erforderliche Kofinanzierung bereitstellen; fordert die Kommission auf, die Verwendung der Mittel des Europäischen Sozialfonds für Projekte im Zusammenhang mit jungen Menschen zu überwachen;

Berufliche Bildung und Ausbildung

13.  weist darauf hin, dass die für die Beschäftigungsinitiative für junge Menschen veranschlagten 6 Mrd. EUR nicht ausreichen, um die Jugendarbeitslosigkeit nachhaltig zu bekämpfen; fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten daher auf, die Jugendgarantie zu einer Priorität zu erklären und die veranschlagten Haushaltsmittel für den Gesamtzeitraum 2014–2020 zu erhöhen, wenn über die verbindliche, nach der Wahl anberaumte Überprüfung des MFR 2014–2020, die spätestens Ende 2016 stattfinden soll, entschieden wird;

14.  fordert die Mitgliedstaaten auf, Systeme zur beruflichen Bildung und Ausbildung einzurichten oder diese zu verbessern; betont, dass zur Erleichterung des Übergangs von der Schule zur Arbeit ein europäischer Rahmen für duale Ausbildung eingerichtet werden sollte, der auf in Europa bewährten Verfahren in diesem Bereich basiert; schlägt außerdem die EU-weite Nutzung von „Eisbrecher“-Programmen vor, bei denen junge Universitäts- und Ausbildungsabsolventen praktische Erfahrung sammeln können, indem sie von Unternehmen für sechs bis zwölf Monate eingestellt werden, um eine mit Innovation und Entwicklung zusammenhängende, genau definierte Fragestellung zu bearbeiten;

15.  fordert die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, tiefgreifende Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und der frühen Ausgrenzung vom Arbeitsmarkt zu ergreifen, insbesondere durch Präventivmaßnahmen gegen den vorzeitigen Abbruch der Schulausbildung oder von Bildungs- und Ausbildungsprogrammen (etwa durch die Einführung eines dualen Ausbildungssystems oder anderer, gleichermaßen effizienter Strukturen);

16.  fordert die Mitgliedstaaten auf, insbesondere die Standards der allgemeinen und beruflichen Bildung für junge Menschen zu reformieren, um ihre Möglichkeiten im Hinblick auf Beschäftigung und ihr Leben im Allgemeinen bedeutend zu verbessern;

17.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, die Transparenz und Anerkennung von Qualifikationen innerhalb der Union insbesondere durch das Europäische Leistungspunktesystem für die Berufsbildung, Europass und den Europäischen Qualifikationsrahmen zu verbessern;

18.  betont, dass es für junge Menschen wichtig ist, auch im Rahmen eines Auslandsstudiums fachübergreifende Kompetenzen wie IKT-Kenntnisse, Führungskompetenzen, kritisches Denken und Sprachkenntnisse zu erwerben, um ihre Aussichten auf dem Arbeitsmarkt, ihre Fähigkeit zur Anpassung an künftige Entwicklungen des Arbeitsmarktes und ihre aktive gesellschaftliche Teilhabe zu verbessern;

19.  fordert die Mitgliedstaaten auf, sich auf Branchen mit einem hohem Potential für Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen zu konzentrieren und Maßnahmen zu ergreifen, um den Bereichen Naturwissenschaften, Technologie, Ingenieurwissenschaften und Mathematik in ihren Ausbildungsprogrammen Priorität einzuräumen, um so den voraussichtlichen zukünftigen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt entsprechend der Notwendigkeit, zu einer ressourcenschonenden Wirtschaft überzugehen, gerecht zu werden;

20.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, neue Arten der Wirtschaftstätigkeit zu unterstützen, darunter insbesondere das soziale Unternehmertum, das Coworking und die Schwarmauslagerung („Crowdsourcing“), sowie unterstützende Maßnahmen für Genossenschaften von jungen Menschen und Jungunternehmen im Bereich des sozialen Unternehmertums anzubieten;

21.  fordert die Mitgliedstaaten auf, wachstumsfördernde Maßnahmen voranzutreiben, und fordert, dass auf EU-Ebene im Sinne einer europäischen Wachstumsstrategie gehandelt wird, bei der Investitionen in und die Entwicklung von Schlüsselbereichen wie des digitalen Marktes, des Telekommunikationsmarktes und einer Energiegemeinschaft zur Schaffung stabiler Arbeitsplätze führen;

22.  bedauert, dass die Prioritäten, die am 27. Juni 2014 vom Europäischen Rat in Form einer strategischen Agenda für die EU und die neue Kommission veröffentlicht wurden, keine gezielten Maßnahmen und Investitionen umfassen, mit denen die Schaffung hochwertiger Arbeitsplätze für junge Menschen unterstützt wird;

23.  betont, dass die Ziele der Jugendgarantie nur durch strategische Reformen verwirklicht werden können, durch die der Übergang von der Schule zum Arbeitsmarkt verbessert wird;

24.  fordert die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, ihre Arbeitsvermittlungsstellen auszubauen bzw. zu reformieren;

25.  betont, dass umfangreiche Investitionen in Bildung und Ausbildung angesichts des voraussichtlichen raschen Wandels des Arbeitsmarktes heute dringender denn je benötigt werden; betont, dass ausbildungspolitische Maßnahmen nicht nur als Mittel gesehen werden sollten, den Bedarf des Arbeitsmarkts zu decken, sondern dass damit auch Kompetenzen anerkannt werden sollten, die im Wege einer informellen Ausbildung erworben wurden, die Umsetzung von Maßnahmen zum lebenslangen Lernen unterstützt werden sollte und sie letztendlich Teil eines ganzheitlichen Bildungsansatzes sein sollten;

26.  fordert die Kommission und Agenturen wie Eurofound und Cedefop auf, die vorhandenen Systeme der dualen Berufsausbildung zu untersuchen und die entsprechenden Informationen an andere Mitgliedstaaten weiterzugeben, die von sich aus an diesen Systemen interessiert sind, ohne dass dadurch die bereits bestehenden Ausbildungsstandards gesenkt werden;

27.  erkennt die Rolle der Familie als ein wirksames System zur Unterstützung junger Menschen an, die mit Arbeitslosigkeit, Armut und sozialer Ausgrenzung konfrontiert sind;

28.  fordert die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, grenzübergreifenden Ausbildungen, Lehren und Praktika zu fördern und diesbezügliche Hindernisse zu beseitigen, um das Angebot und die Nachfrage nach beschäftigungsbasierten Ausbildungsmöglichkeiten für junge Menschen insbesondere in Grenzregionen besser aufeinander abzustimmen, und so die Mobilität und die Vermittelbarkeit zu fördern;

29.  begrüßt die Empfehlung des Rates vom 10. März 2014 zu einem Qualitätsrahmen für Praktika und fordert die Mitgliedstaaten auf, diesen zugunsten seiner Adressaten unverzüglich umzusetzen; hebt hervor, dass die Programme der Mitgliedstaaten, mit denen Praktika gefördert oder angeboten werden, mit EU-Mitteln finanziell unterstützt werden können;

Neues Umfeld für Arbeitsplätze

30.  hebt hervor, dass Europa ein KMU-freundliches Umfeld schaffen muss, was auch die Bereitstellung der bestmöglichen finanziellen und rechtlichen Bedingungen für Jungunternehmen umfasst, da im Jahr 2012 insgesamt 66,5 % aller europäischen Arbeitsplätze auf KMU entfielen(8);

31.  bekräftigt, dass ein breit angelegter und einfacher Zugang zu Schulungen sowie zum Internet und zu Online-Informationen sowie digitalen Fähigkeiten sichergestellt werden muss; fordert die Mitgliedstaaten im Einklang mit den Zielen der digitalen Agenda auf, die Digitalisierung von Dienstleistungen und Ausbildungsmöglichkeiten für junge Menschen zu fördern und zu erleichtern, um ihnen den Zugang zu digitalen Arbeitsplätzen zu ermöglichen;

32.  weist darauf hin, dass immer mehr Unternehmen seit einiger Zeit ihre Produktion und ihre Dienstleistungen zurück nach Europa verlagern und dass dies Chancen für die Schaffung von Arbeitsplätzen, insbesondere für junge Menschen, birgt; vertritt die Auffassung, dass die Volkswirtschaften der EU die einmalige Gelegenheit haben, diese Tendenz hin zur Rückverlagerung von Arbeitsplätzen zu beschleunigen;

33.  weist nachdrücklich darauf hin, dass Europa auf der Grundlage einer kohärenten Strategie und der zugehörigen Umsetzung reindustrialisiert werden muss, wodurch wachstumsfreundliche Maßnahmen und die Schaffung neuer Arbeitsplätze gefördert und ermöglicht werden;

34.  fordert die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, Maßnahmen zugunsten der Jugendbeschäftigung mit guten und dauerhaften Arbeitsverträgen zu verknüpfen und damit gegen die zunehmende strukturelle Unsicherheit der Arbeitsverhältnisse und die Unterbeschäftigung anzugehen;

35.  fordert die Mitgliedstaaten auf, dafür zu sorgen, dass junge Menschen Zugang zu hochwertigen Arbeitsplätzen haben, bei denen ihre Rechte einschließlich des Rechts auf Stabilität und Sicherheit durch einen Arbeitsplatz gewahrt werden, der ein existenzsicherndes Gehalt und sozialen Schutz bietet und ein sicheres, menschenwürdiges und unabhängiges Leben ermöglicht, damit junge Arbeitnehmer vor Diskriminierung und Ausbeutung geschützt werden;

36.  ist der Ansicht, dass Jungunternehmer und wachstumsorientierte KMU notwendig für Innovation und die Schaffung von Arbeitsplätzen sind;

37.  vertritt die Auffassung, dass Unternehmen nur dann mehr Arbeitsplätze schaffen und mehr Menschen einstellen werden, wenn das wirtschaftliche Umfeld wachstumsfreundlich ist und wenn sie mit qualifizierten Arbeitskräften rechnen können;

38.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, im Bereich Jugend und Beschäftigung einen auf Rechtsansprüchen beruhenden Ansatz zu verfolgen; betont, dass insbesondere in Krisenzeiten die Qualität der Arbeit für junge Menschen nicht beeinträchtigt werden darf und die Kernarbeitsnormen und andere die Qualität der Arbeit betreffende Normen wie Arbeitszeit, sozialer Schutz und Gesundheitsschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz entscheidende Gesichtspunkte bei den Bemühungen sein sollten; betont, dass der Diskriminierung aufgrund des Alters ein Ende gesetzt werden muss;

39.  betont, wie wichtig es ist, die unterschiedlichen Sozial- und Wirtschaftssysteme in den Mitgliedstaaten anzuerkennen und zu respektieren;

40.  fordert die Mitgliedstaaten und die Kommission auf, Mobilitätsmechanismen, durch die die Arbeitsplatzsuche in anderen Mitgliedstaaten erleichtert wird, darunter insbesondere EURES, zu unterstützen und zu fördern;

41.  fordert die Mitgliedstaaten auf, die öffentlichen Arbeitsvermittlungsstellen in vollem Umfang zu nutzen, um das Angebot und die Nachfrage bezüglich freier Stellen bzw. erforderlicher Qualifikationen zwischen den Mitgliedstaaten in Einklang zu bringen;

42.  fordert die Kommission auf, bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit Initiativen sowie andere Formen der Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft zu unterstützen;

43.  fordert die Kommission auf, mit einer Initiative zur Reindustrialisierung Europas eine Führungsrolle zu übernehmen, indem die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie verbessert wird, ohne den Unternehmen einen übermäßigen Verwaltungsaufwand aufzuerlegen, und indem die Schaffung von Arbeitsplätzen unterstützt, die Arbeitslosigkeit bekämpft und die Möglichkeiten für junge Menschen, ein eigenes Unternehmen zu gründen oder einen Arbeitsplatz zu finden, erweitert werden;

44.  empfiehlt, dass eine künftige Bewertung der einschlägigen ESF-Systeme durch die Europäische Kommission in dem Bereich Arbeitsplätze für Jugendliche über die Kosten und die Zahl der Teilnehmer hinausblicken und die tatsächlichen und langfristigen Auswirkungen auf den Jugendarbeitsmarkt berücksichtigen sowie dem Verständnis, wie und warum Maßnahmen erfolgreich sind, Vorrang einräumen sollte;

45.  fordert die Mitgliedstaaten auf, mit Blick auf die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit unnötigen Verwaltungsaufwand und bürokratische Hürden für Selbständige, Kleinstunternehmen und KMU zu beseitigen, vorteilhafte steuerpolitische Maßnahmen einzuführen, günstigere Bedingungen für private Investitionen zu schaffen und unverhältnismäßig harte Konkursgesetze zu überarbeiten; weist darauf hin, dass KMU einen beträchtlichen Anteil an der europäischen Wirtschaft haben und ihre Rolle entscheidend sein kann, wenn es darum geht, für eine rasche und dauerhafte Erholung von der Wirtschaftskrise zu sorgen und auch für junge Menschen neue Arbeitsplätze zu schaffen;

46.  fordert die Mitgliedstaaten auf, die Zusammenarbeit zwischen der Wirtschaft und dem Bildungswesen auf allen Ebenen dahingehend zu verbessern, dass die Lehrpläne besser auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes abgestimmt werden;

47.  betont, dass in der europäischen Wirtschaft Bemühungen erforderlich sind, um die Freizügigkeit und die Arbeitsmobilität in der EU zu verbessern, anstatt Beschränkungen in diesem Bereich einzuführen, und fordert die Mitgliedstaaten auf, für die Freizügigkeit aller Bürger und Arbeitnehmer zu sorgen, um die Entwicklung eines wirklichen Arbeitsmarktes der Union zu ermöglichen, Engpässe zu beseitigen und es Arbeitnehmern aus der EU zu ermöglichen, dorthin zu ziehen, wo ihre Fähigkeiten benötigt werden; betont, dass die Freizügigkeit ein grundlegendes Recht ist; betont außerdem, dass junge Menschen auch die Möglichkeit haben sollten, an ihrem Herkunftsort zu arbeiten;

48.  fordert die Mitgliedstaaten auf, der hohen Jugendarbeitslosigkeit unter benachteiligten Gruppen besondere Aufmerksamkeit zu widmen und dem Zugang zum und der Integration in den Arbeitsmarkt und der Etablierung von Zugangs- und Integrationsmaßnahmen Vorrang einzuräumen, da Arbeit der Schlüssel zu einer erfolgreichen Integration ist;

49.  vertritt die Auffassung, dass die Mitgliedstaaten auf die spezifischen Bedürfnisse junger Menschen mit Behinderungen eingehen müssen, indem sie ihnen die richtigen Instrumente und Unterstützungsdienste zur Verfügung stellen, um ein gleichwertiges Umfeld zu schaffen und die Vermittelbarkeit junger Menschen mit Behinderungen auf dem Arbeitsmarkt, in Bildung und Ausbildung aktiv zu erhöhen;

50.  betont, wie wichtig es ist, sich insbesondere bei jüngeren Menschen und Absolventen auf Anreize für Unternehmertum zu konzentrieren, indem Betriebspraktika von Absolventen und Einstellungen in Kleinunternehmen und Kleinstunternehmen gefördert werden, um die Betriebserfahrungen junger Menschen zu verbessern und das Bewusstsein für Möglihckeiten und die Fähigkeit, ihr eigenes Unternehmen zu gründen, zu stärken;

51.  betont, dass angesichts der Folgen der Krise für junge Menschen ein größeres Engagement und eine verbesserte Überwachung seitens der Mitgliedstaaten erforderlich sind, um die Lage junger Menschen zu verbessern; fordert die Mitgliedstaaten in diesem Zusammenhang auf, das Thema Jugendarbeitslosigkeit auf der nächsten informellen Tagung des Rates für Beschäftigung, Sozialpolitik, Gesundheit und Verbraucherschutz am 17. und 18. Juli 2014 in Mailand zu behandeln und statt Erklärungen Maßnahmen und Strategien hervorzubringen;

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52.  beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung der Kommission und dem Rat zu übermitteln.

(1) ABl. C 308 E vom 20.10.2011, S. 116.
(2) Angenommene Texte, P7_TA(2013)0365.
(3) Angenommene Texte, P7_TA(2014)0037.
(4) Angenommene Texte, P7_TA(2014)0435.
(5) ABl. C 351 E vom 2.12.2011, S. 29.
(6) Angenommene Texte, P7_TA(2013)0016.
(7) Eurostat: http://appsso.eurostat.ec.europa.eu/nui/show.do?dataset=yth_incl_010&lang=de
(8) http://ec.europa.eu/enterprise/policies/sme/facts-figures-analysis/performance-review/files/supporting-documents/2013/annual-report-smes-2013_en.pdf

Rechtlicher Hinweis