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Verfahren : 2014/2905(RSP)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadien in Bezug auf das Dokument :

Eingereichte Texte :

RC-B8-0161/2014

Aussprachen :

PV 23/10/2014 - 6.3
CRE 23/10/2014 - 6.3

Abstimmungen :

PV 23/10/2014 - 7.3
CRE 23/10/2014 - 7.3

Angenommene Texte :

P8_TA(2014)0041

Angenommene Texte
PDF 145kWORD 59k
Donnerstag, 23. Oktober 2014 - Straßburg Endgültige Ausgabe
Verschwinden von 43 Lehramtsstudenten in Mexiko
P8_TA(2014)0041RC-B8-0161/2014

Entschließung des Europäischen Parlaments vom 23. Oktober 2014 zu dem Verschwinden von 43 Lehramtsstudenten in Mexiko (2014/2905(RSP))

Das Europäische Parlament,

–  unter Hinweis auf seine früheren Entschließungen zu Mexiko, insbesondere diejenige vom 11. März 2010 zur Gewalteskalation in Mexiko(1),

–  unter Hinweis auf das Abkommen über wirtschaftliche Partnerschaft, politische Koordinierung und Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Mexikanischen Staaten,

–  unter Hinweis auf seine Empfehlung vom 12. März 2009 an den Rat zu einer strategischen Partnerschaft EU-Mexiko(2),

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission vom 15. Juli 2008 an den Rat und das Europäische Parlament mit dem Titel „Für eine strategische Partnerschaft EU-Mexiko“ (COM(2008)0447),

–  unter Hinweis auf die spezifische Erklärung der EU zu Iguala vom 12. Oktober 2014, die im Einvernehmen mit den Missionschefs der EU-Mitgliedstaaten in Mexiko abgegeben wurde,

–  unter Hinweis auf die Erklärung des mexikanischen Staatspräsidenten, Enrico Peña Nieto, vom 14. Oktober 2014,

–  unter Hinweis auf den gemeinsamen Durchführungsplan für die strategische Partnerschaft EU-Mexiko vom 16. Mai 2010,

–  unter Hinweis auf die Erklärungen der Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union, Lateinamerikas und der Karibik (EU-CELAC),

–  unter Hinweis auf die gemeinsame Erklärung des VII. Gipfeltreffens EU-Mexiko in Los Cabos (mexikanischer Bundesstaat Baja California Sur) vom 17. Juni 2012,

–  unter Hinweis auf die gemeinsame Erklärung des Gemischten Parlamentarischen Ausschusses EU-Mexiko anlässlich seiner XII. Tagung vom 10./11. Juni 2013 in Mexiko-Stadt,

–  gestützt auf Artikel 135 Absatz 5 und Artikel 123 Absatz 4 seiner Geschäftsordnung,

A.  in der Erwägung, dass Mexiko und die Europäische Union gemeinsame Werte haben, die sich in unseren demokratischen und pluralistischen Gesellschaften, welche die Grundfreiheiten, die Menschenrechte und die Arbeitnehmerrechte verteidigen und sich für Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung einsetzen, sowie im gemeinsamen Engagement für die Festigung der Demokratie, die Rechtsstaatlichkeit, eine gerechte wirtschaftliche und soziale Entwicklung und die Bekämpfung von Korruption und Armut widerspiegeln;

B.  in der Erwägung, dass unsere demokratischen Systeme die Aufgabe und die Verpflichtung haben, das Funktionieren der Rechtsstaatlichkeit und die Achtung der Menschenrechte zu gewährleisten, sowie in der Erwägung, dass daher die Wahrnehmung und uneingeschränkte Ausübung von Freiheiten und das Recht auf körperliche Unversehrtheit einen der Grundpfeiler der Rechtsstaatlichkeit bilden;

C.  in der Erwägung, dass die strategische Partnerschaft EU-Mexiko eine engere Zusammenarbeit zwischen der EU und Mexiko bei Themen von weltweiter Bedeutung und insbesondere einen verstärkten Dialog, eine bessere Koordinierung und einen Ausbau des Erfahrungsaustauschs in Bereichen wie Sicherheit, Menschenrechte, Wahlrechtsreform, regionale Entwicklung oder Handels- und Regulierungspolitik ermöglicht hat;

D.  in der Erwägung, dass am 26. September 2014 sechs Menschen, darunter drei Studenten, getötet wurden, als die Polizei in Iguala (Bundesstaat Guerrero) das Feuer auf demonstrierende Lehramtsstudenten der Escuela Normal de Ayotzinapa eröffnete; in der Erwägung, dass seit diesem Zeitpunkt 43 Studenten vermisst werden; in der Erwägung, dass unterschiedlichen Quellen zufolge diese Studenten von Polizisten eingekesselt, abgeführt und an unbekannte bewaffnete Männer mit Verbindungen zu einem Drogenkartell übergeben worden sind;

E.  in der Erwägung, dass nach Angaben der mexikanischen Regierung 51 Menschen, die mit den Verbrechen in Zusammenhang stehen, festgenommen wurden, die meisten davon Polizeibeamte aus den Gemeinden Iguala und Cocula; in der Erwägung, dass der mexikanische Generalstaatsanwalt am 14. Oktober 2014 erklärt hat, dass die gerichtsmedizinischen Untersuchungen der 28 Leichen, die am 4. Oktober 2014 in Geheimgräbern in der Nähe von Iguala entdeckt worden waren, ergeben hätten, dass es sich dabei nicht um die vermissten Studenten handelt; in der Erwägung, dass die mexikanischen Behörden den mutmaßlichen Anführer der kriminellen Bande Guerreros Unidos („Vereinigte Krieger“), die mit dem Verschwinden der 43 Studenten in Zusammenhang gebracht wird, festgenommen haben;

F.  in der Erwägung, dass der Bürgermeister von Iguala, dessen Ehefrau und der Polizeichef von Iguala Justizflüchtlinge sind, die beschuldigt werden, Verbindungen zum örtlichen Drogenkartell Guerreros Unidos zu unterhalten;

G.  in der Erwägung, dass der mexikanische Staatspräsident, Enrique Peña Nieto, die Bundesregierung und seinen Sicherheitsstab angewiesen hat, sofortige und überzeugende Maßnahmen zu ergreifen, sowie in der Erwägung, dass mit den Angehörigen und Vertretern der vermissten Studenten vereinbart worden ist, welche Maßnahmen gemeinsam ergriffen werden sollen; in der Erwägung, dass die OAS und die Vereinten Nationen die mexikanische Regierung ausdrücklich aufgefordert haben, die Verschleppungen zu untersuchen, die dafür Verantwortlichen zu bestrafen und die Angehörigen der vermissten Studenten zu beschützen; in der Erwägung, dass die mexikanische Regierung in diesem Fall mit den genannten internationalen multilateralen Einrichtungen zusammenarbeitet;

H.  in der Erwägung, dass die mexikanische Regierung und die wichtigsten Oppositionsparteien im Jahr 2012 einen „Pakt für Mexiko“ vereinbart haben, um Mexikos wichtigste Probleme, darunter Sicherheit und Straflosigkeit, in Angriff zu nehmen;

I.  in der Erwägung, dass im Bundesstaat Guerrero die Gewalt zugenommen hat; in der Erwägung, dass überall in Mexiko zahlreiche Studenten und Lehrer für die unversehrte Rückkehr der vermissten Studenten demonstrieren und die Mittäterschaft gewisser Elemente der örtlichen Polizei an den Verbrechen, die Korruption innerhalb der Polizei sowie die Schwäche des Staates in bestimmten Teilen des Landes, in denen es besonders an sozialer Kohäsion mangelt, anprangern; in der Erwägung, dass auch die Regierungsgebäude in Chilpancingo und mehrere andere Amtsgebäude in verschiedenen Gemeinden des Bundesstaats Guerrero sowie religiöse Führer und Büros politischer Parteien bedroht oder angegriffen wurden;

J.  in der Erwägung, dass Mexiko sich an allen regionalen und internationalen Foren beteiligt und alle internationalen Übereinkommen über Menschenrechte und Grundfreiheiten unterzeichnet hat;

K.  in der Erwägung, dass sich die mexikanische Regierung der Schwierigkeiten Mexikos bewusst ist und ein energisches Engagement an den Tag gelegt hat, um die Sicherheitslage im Land zu verbessern, und dazu auch den Haushalt der Sicherheitskräfte erheblich aufgestockt und die staatlichen Sicherheitsorgane reformiert hat, um die Effektivität der Strafverfolgung und des Rechtssystems zu erhöhen, und so in der Lage ist, sich dem organisierten Verbrechen entgegenzustellen; in der Erwägung, dass Verschleppungen, Gewalt im Zusammenhang mit dem organisierten Verbrechen sowie die mutmaßliche Zusammenarbeit zwischen bestimmten lokalen Körperschaften und organisierten kriminellen Banden nach wie vor Anlass zu großer Sorge geben;

1.  verurteilt aufs schärfste die Verschleppungen und Verbrechen in Iguala, die nicht hinnehmbar sind, und fordert die staatlichen Stellen Mexikos auf, alle Verbrechen, darunter den Fund von 28 Leichen in Geheimgräbern, zu untersuchen; fordert die zuständigen staatlichen Stellen auf, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um schnell und auf transparente und unparteiische Weise diejenigen zu ermitteln, festzunehmen und vor Gericht zu bringen, die die Verbrechen verübt haben, und fordert, dass die für die Verbrechen Verantwortlichen ermittelt und verfolgt werden, wobei alle intern und extern verfügbaren Informationen und Ressourcen genutzt werden sollten und kein Raum für Straffreiheit bleiben sollte; fordert, dass die Ermittlungen fortgesetzt werden, bis die Studenten in Sicherheit gebracht worden sind;

2.  spricht den Angehörigen und Freunden der Opfer sowie dem mexikanischen Volk sein Mitgefühl und seine Solidarität aus und fordert das mexikanische Volk auf, weiter mit friedlichen Mitteln für den Schutz des demokratischen Systems und der Rechtsstaatlichkeit zu kämpfen;

3.  nimmt die Festnahmen, die stattgefunden haben, zur Kenntnis; fordert, dass die Suche nach dem Bürgermeister von Iguala, dessen Ehefrau und dem Polizeichef von Iguala fortgesetzt wird; ist zutiefst besorgt über die offensichtliche Unterwanderung örtlicher Strafverfolgungs- und Verwaltungsbehörden durch das organisierte Verbrechen;

4.  begrüßt die Entschlossenheit von Staatspräsident Peña Nieto, wenn es darum geht, diese Vorkommnisse zu untersuchen und aufzuklären sowie der Bandenkriminalität in Mexiko ein Ende zu bereiten; begrüßt die Einsetzung von Begleitausschüssen in Senat und Abgeordnetenhaus im Zusammenhang mit den Vorkommnissen in Iguala; fordert die staatlichen Stellen Mexikos auf, den Angehörigen der Opfer Schutz und Hilfe zukommen zu lassen und sie über die fortdauernden Ermittlungen und die Bemühungen um die Festnahme der Täter auf dem Laufenden zu halten;

5.  unterstützt die mexikanische Regierung in ihrer Entschlossenheit, den organisierten Drogenhandel zu bekämpfen, bekundet aber zugleich seine tiefe Sorge über die Zunahme der Gewalt im Zusammenhang mit dem Drogenhandel und die allgemein vorherrschende Straflosigkeit; solidarisiert sich mit dem mexikanischen Volk im Kampf gegen den organisierten Drogenhandel;

6.  fordert die mexikanische Regierung auf allen Ebenen auf, Maßnahmen auf allen Ebenen zu ergreifen, damit es nie wieder zu Vorkommnissen wie denen in Iguala kommt; verurteilt jede Art von Gewalt, insbesondere die Gewalt und die ständigen Morddrohungen gegen Bürger, die sich für die Förderung und den Schutz der freien Meinungsäußerung und der Menschenrechte in Mexiko einsetzen, und fordert die staatlichen Stellen Mexikos auf, die Bemühungen um den rechtlichen und persönlichen Schutz der betroffenen Gruppen zu verstärken;

7.  unterstützt die Bemühungen der mexikanischen Behörden um eine Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen wie der EU, den Vereinten Nationen, der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (CELAC), dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz und der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (IAMRK) mit Unterstützung argentinischer und internationaler forensischer Sachverständiger; betont, wie wichtig es ist, dass die mexikanische Regierung die erforderlichen finanziellen Mittel zur Verfügung stellt, damit die IAMRK in Ergänzung zu den staatlichen Maßnahmen im Zusammenhang mit den Untersuchungen der Vorkommnisse in Guerrero ein Programm für technische Hilfe durchführen kann;

8.  betont, dass Mexiko ein strategischer Partner der EU ist; legt der mexikanischen Regierung nahe, zur Behebung einiger der strukturellen Probleme, die zu den Menschenrechtsverletzungen geführt haben, weiter an der Stärkung der staatlichen Institutionen und der Konsolidierung der Rechtsstaatlichkeit und insbesondere an der Reform des Justizsystems zu arbeiten; weist in diesem Sinne darauf hin, wie wichtig eine unabhängige Justiz als Garantin für Unparteilichkeit und für energische Maßnahmen zur Bekämpfung der Straflosigkeit ist; fordert Schutz auf bundesstaatlicher Ebene für diejenigen, die an der Rechtspflege mitwirken;

9.  fordert die EU, ihre Mitgliedstaaten – im Rahmen ihrer bilateralen Beziehungen zu Mexiko – sowie die Organe der EU auf, ihre Unterstützung für den Schutz der Menschenrechte durch Programme sowie finanzielle und technische Ressourcen zu verstärken; fordert sie ferner auf, eine Aufstockung der Haushaltsmittel für die Zusammenarbeit bei der Stärkung und Reform der Justiz, Strafverfolgungsbehörden und Staatsanwaltschaften vorzusehen, damit die Täter verfolgt und bestraft werden und wirksame Systeme zum Schutz von Zeugen und Opfern und deren Angehörigen geschaffen werden können;

10.  betont, dass dringend ein einheitliches, öffentliches und zugängliches nationales Register vermisster und verschwundener Personen sowie eine DNA-Datenbank auf bundesstaatlicher Ebene eingerichtet werden müssen;

11.  beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat, der Kommission, der Vizepräsidentin der Kommission/Hohen Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik, den Mitgliedstaaten, dem amtierenden Vorsitz der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten, dem Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten, der Parlamentarischen Versammlung Europa-Lateinamerika sowie dem Präsidenten und dem Kongress der Vereinigten Mexikanischen Staaten zu übermitteln.

(1) ABl. C 349 E vom 22.12.2010, S. 92.
(2) ABl. C 87 E vom 1.4.2010, S. 172.

Rechtlicher Hinweis