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Verfahren : 2016/2007(INI)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : A8-0168/2016

Eingereichte Texte :

A8-0168/2016

Aussprachen :

PV 25/05/2016 - 24
CRE 25/05/2016 - 24

Abstimmungen :

PV 26/05/2016 - 6.1
Erklärungen zur Abstimmung

Angenommene Texte :

P8_TA(2016)0228

Angenommene Texte
PDF 219kWORD 100k
Donnerstag, 26. Mai 2016 - Brüssel Endgültige Ausgabe
Virtuelle Währungen
P8_TA(2016)0228A8-0168/2016

Entschließung des Europäischen Parlaments vom 26. Mai 2016 zu virtuellen Währungen (2016/2007(INI))

Das Europäische Parlament,

–  unter Hinweis auf das Arbeitspapier der Internationalen Bank für Zahlungsausgleich vom November 2015 zum Thema „digitale Währungen“(1),

–  unter Hinweis auf die Veröffentlichung der Bank of England zum Thema „Economics of digital currencies“ [Ökonomie der digitalen Währungen] (Q3/2014)(2),

–  unter Hinweis auf die Stellungnahme der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde vom Juli 2014 zu virtuellen Währungen(3),

–  unter Hinweis auf die von der Europäischen Zentralbank im Februar 2015 durchgeführte Analyse zu virtuellen Währungssystemen(4),

–  unter Hinweis auf den am 2. Februar 2016 von der Kommission vorgestellten Aktionsplan für ein intensiveres Vorgehen gegen Terrorismusfinanzierung(5),

–  unter Hinweis auf die Studie der Kommission vom Mai 2015 zum Ausmaß der Mehrwertsteuerlücke in der EU(6),

–  unter Hinweis auf die Studie der Gemeinsamen Forschungsstelle der Kommission zur digitalen Agenda für virtuelle Währungen(7),

–  unter Hinweis auf die Leitlinien der Arbeitsgruppe „Bekämpfung der Geldwäsche und der Terrorismusfinanzierung“ (FATF) für einen risikobasierten Ansatz in Bezug auf virtuelle Währungen mit Stand von Juni 2015,

–  unter Hinweis auf die Schlussfolgerungen des Europäischen Rates vom 12. Februar 2016 zur Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung(8),

–  unter Hinweis auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs in der Rechtssache C-264/14 bezüglich der mehrwertsteuerlichen Behandlung des Umtauschs einer virtuellen Währung(9) sowie auf die Schlussanträge der Generalanwältin Kokott vom 16. Juli 2015(10),

–  unter Hinweis auf die von der ESMA im Juli 2015 durchgeführte Konsultation zu Investitionen, bei denen virtuelle Währungen oder dezentrale Transaktionsnetzwerke (Distributed Ledgers) zum Einsatz kommen(11),

–  unter Hinweis auf sein EPRS-Briefing zum Bitcoin-Markt, zur Bitcoin-Wirtschaft und zur Bitcoin-Regulierung(12),

–  unter Hinweis auf den Bericht von Europol vom 18. Januar 2016 mit dem Titel ‘Changes in modus operandi of Islamic State terrorist attacks’ [Geänderte Vorgehensweise bei den Terroranschlägen des Islamischen Staats](13),

–  unter Hinweis auf den Bericht der Arbeitsgruppe „Bekämpfung der Geldwäsche und der Terrorismusfinanzierung“ (FATF) vom Juni 2014 zu virtuellen Währungen(14),

–  unter Hinweis auf die OECD-Studie „The Bitcoin Question - currency versus trust-less transfer technology“ [Die Bitcoin-Frage: Währung oder Übertragungstechnologie, der man nicht trauen kann?](15),

–  unter Hinweis auf das interne Diskussionspapier des IWF vom Januar 2016 zu „Virtual Currencies and Beyond“ [Virtuelle Währungen und darüber hinausgehende Fragen](16),

–  unter Hinweis auf den Bericht des Obersten Wissenschaftlichen Beraters der Wissenschaftsbehörde des Vereinigten Königreichs aus dem Jahr 2016 mit dem Titel „Distributed Ledger Technology: beyond block chain“, [Dezentrale Transaktionsnetzwerke: über die Blockketten-Technologie hinaus](17),

–  unter Hinweis auf die am 25. Januar 2016 im Ausschuss für Wirtschaft und Währung abgehaltene Anhörung zum Thema virtuelle Währungen,

–  gestützt auf Artikel 52 seiner Geschäftsordnung,

–  unter Hinweis auf den Bericht des Ausschusses für Wirtschaft und Währung und die Stellungnahme des Ausschusses für Binnenmarkt und Verbraucherschutz (A8-0168/2016),

A.  in der Erwägung, dass noch keine allgemein gültige Begriffsbestimmung festgelegt wurde, aber virtuelle Währungen manchmal als digitales Bargeld bezeichnet werden und die Europäische Bankaufsichtsbehörde (EBA) sie als digitale Darstellung eines Werts betrachtet, die von keiner Zentralbank oder öffentlichen Stelle emittiert wurde und an keine traditionelle Währung geknüpft ist, aber von natürlichen oder juristischen Personen als Zahlungsmittel akzeptiert wird und auf elektronischem Wege übertragen, gespeichert und gehandelt werden kann; in der Erwägung, dass virtuelle Währungen in erster Linie auf der Technologie der dezentralen Transaktionsnetzwerke (Distributed Ledger Technology, DLT) beruhen, die die technologische Grundlage für mehr als 600 virtuelle Währungen(18) bildet, von denen derzeit Bitcoin die bekannteste ist; in der Erwägung, dass der Bitcoin 2009 eingeführt wurde und derzeit unter den DLT-basierten virtuellen Währungen auf einen Marktanteil von nahezu 90 % kommt, wobei der Marktwert der im Umlauf befindlichen Bitcoins etwa 5 Milliarden Euro entspricht(19) und somit noch keine systemrelevante Dimension erreicht wurde;

B.  in der Erwägung, dass DLT Datenbanken mit unterschiedlichen Vertrauens- und Resistenzstufen umfasst, die eine hohe Anzahl von Transaktionen schnell verarbeiten können und eine Transformationskapazität im Bereich der virtuellen Währungen und generell im Bereich der Finanztechnologie („Fintech“) aufweisen, wobei als Anwendungen in erster Linie Clearing- und Abwicklungsdienste in Betracht kommen sowie, über den Finanzbereich hinaus, insbesondere der Nachweis der Identität und der Berechtigung als Eigentümer;

C.  in der Erwägung, dass die Investitionen in DLT einen integralen Bestandteil des laufenden finanztechnologischen Innovationszyklus darstellen und sich derzeit auf insgesamt über 1 Milliarde EUR belaufen, die sowohl von Wagniskapitalgebern als auch von Unternehmen stammen(20);

Chancen und Risiken von virtuellen Währungen und DLT in einem sich schnell entwickelnden technologischen Umfeld für Zahlungen

1.  hebt hervor, dass virtuelle Währungen und DLT das Potenzial besitzen, einen positiven Beitrag zum Wohlergehen der Bürger und zur wirtschaftlichen Entwicklung, etwa im Finanzsektor, zu leisten, indem sie

   a) die Transaktionskosten und operativen Kosten für Zahlungen und insbesondere für grenzüberschreitende Überweisungen senken werden, nämlich wahrscheinlich auf unter 1 % gegenüber den üblichen 2 % - 4 % bei Online-Zahlungssystemen(21) und um durchschnittlich mehr als 7 % bei grenzüberschreitenden Überweisungen(22), wodurch sich nach optimistischen Schätzungen die Gesamtkosten für Auslandsüberweisungen um bis zu 20 Milliarden EUR verringern könnten;
   b) ganz allgemein die Kosten des Zugangs zu Finanzmitteln senken, selbst wenn kein klassisches Bankkonto vorhanden ist, wodurch sie einen Beitrag zur finanziellen Inklusion und zur Verwirklichung des 5x5-Ziels der G-20 und G-8 leisten könnten(23);
   c) die Belastbarkeit und je nach Architektur des Systems die Geschwindigkeit der Zahlungssysteme und den Handel mit Waren und Dienstleistungen mithilfe der inhärent dezentralen Architektur der DLT verbessern, die selbst dann weiterhin verlässlich funktionieren könnte, wenn Teile des Netzwerks ausfallen oder gehackt werden sollten;
   d) Systeme ermöglichen, die einfach zu bedienen sind, geringe Transaktionskosten und operative Kosten verursachen und ein hohes Maß an Schutz der Privatsphäre garantieren, jedoch keine völlige Anonymität, so dass Transaktionen im Falle böswilligen Handelns bis zu einem gewissen Maße zurückverfolgt werden können und die Transparenz für die Marktteilnehmer im Allgemeinen erhöht werden kann;
   e) solche Systeme verwenden, um sichere Online-Lösungen für Mikrozahlungen zu entwickeln, die die Privatsphäre der Nutzer wahren und möglicherweise einige der bestehenden Online-Geschäftsmodelle ersetzen könnten, die eine erhebliche Gefahr für die Privatsphäre der Bürger darstellen;
   f) es ermöglichen könnten, unterschiedliche Arten von traditionellen und innovativen Zahlungsmechanismen, von Kreditkarten bis zu mobilen Lösungen, in einer einzigen sicheren und nutzerfreundlichen Anwendung zusammenzuführen, die einige Aspekte des elektronischen Handels in Europa voranbringen und den Binnenmarkt vertiefen könnte;

2.  weist darauf hin, dass virtuelle Währungen und DLT-Systeme mit Risiken einhergehen, auf die angemessen eingegangen werden muss, um ihre Vertrauenswürdigkeit zu stärken, auch angesichts der aktuellen Umstände:

   a) das Fehlen flexibler und zugleich belastbarer und verlässlicher Governance-Strukturen oder einer Definition solcher Strukturen, insbesondere bei einigen DLT-Anwendungen wie Bitcoin, was zu Unsicherheit und Problemen beim Schutz der Verbraucher oder generell beim Schutz der Nutzer führt, insbesondere im Falle von Schwierigkeiten, die von den Entwicklern der Original-Software nicht vorhergesehen wurden;
   b) die hohe Volatilität von virtuellen Währungen und die Gefahr spekulativer Blasen sowie das Fehlen traditioneller Formen der Aufsicht, der Sicherungen und des Schutzes, was für die Verbraucher eine besondere Herausforderung darstellt;
   c) die zum Teil begrenzten Kapazitäten der Regulierungsbehörden auf dem Gebiet der neuen Technologien, die ihnen möglicherweise Schwierigkeit bereiten, rechtzeitig geeignete Sicherungen festzulegen, welche die ordnungsgemäße und verlässliche Funktionsweise der DLT-Anwendungen gewährleisten, wenn oder bevor diese so groß werden, dass sie als systemrelevant gelten;
   d) die rechtliche Unsicherheit im Zusammenhang mit neuen DLT-Anwendungen;
   e) der Energieverbrauch für die Bereitstellung bestimmter virtueller Währungen, der im Falle von Bitcoin laut einem Bericht des obersten wissenschaftlichen Beraters der britischen Regierung auf über 1 GW geschätzt wurde, was Investitionen in die Erforschung und Förderung effizienterer Mechanismen zur Überprüfung der Transaktionen erforderlich machen würde;
   f) das Fehlen einer hinreichend transparenten und leicht zugänglichen technischen Dokumentation über die Funktionsweise spezifischer virtueller Währungen und anderer DLT-Systeme;
   g) potenzielle Quellen für finanzielle Instabilität im Zusammenhang mit Derivateprodukten, die auf schlecht verstandenen Merkmalen von virtuellen Währungen basieren;
   h) die potenziellen langfristigen künftigen Beschränkungen der Wirksamkeit der Geldpolitik, falls privat verwaltete virtuelle Währungen in großem Umfang als Ersatz für die offiziellen Fiat-Währungen verwendet werden;
   i) das Risiko von „Schwarzmarkt-Transaktionen“, der Geldwäsche, der Terrorismusfinanzierung(24), des Steuerbetrugs, der Steuerhinterziehung und sonstiger strafbarer Handlungen auf der Grundlage von „Pseudonymität“ und der „Kombination von Diensten“, die einige dieser Dienstleister ermöglichen, sowie die dezentrale Struktur einiger virtueller Währungen, wobei jedoch zu berücksichtigen ist, dass die Rückverfolgbarkeit bei Bargeld-Transaktionen in der Regel immer noch wesentlich schwieriger ist;

3.  weist darauf hin, dass eine Berücksichtigung dieser Risiken eine Aufstockung der Kapazitäten und der technischen Kenntnisse der Regulierungsbehörden erforderlich machen wird sowie die Ausarbeitung eines rechtlichen Rahmens, der mit der Innovation Schritt hält und eine rechtzeitige und verhältnismäßige Reaktion sicherstellt, falls die Nutzung einiger DLT-Anwendungen systemrelevant werden sollte;

4.  weist jedoch darauf hin, dass eine verfrühte Regulierung in dieser sich noch im Wandel befindlichen Situation möglicherweise nicht angebracht ist, da sie der Öffentlichkeit in Bezug auf die Vorteile oder die Sicherheit virtueller Währungen ein falsches Bild vermitteln könnte;

Einsatz von DLT über den Zahlungsbereich hinaus

5.  weist darauf hin, dass das Potenzial von DLT, datengesteuerte Prozesse zu geringeren Kosten zu beschleunigen, zu automatisieren und zu standardisieren, das Potenzial besitzt, die Art und Weise, in der Vermögenswerte übertragen und Aufzeichnungen aufbewahrt werden, grundlegend zu verändern, was sich auf den privaten und öffentlichen Sektor auswirkt, wobei letzterer in dreierlei Hinsicht betroffen ist: als Dienstleister, als Aufseher und als Gesetzgeber;

6.  weist darauf hin, dass das Clearing, die Abwicklung und andere dem Handel nachgelagerte Managementprozesse die globale Finanzbranche gegenwärtig weit mehr als 50 Milliarden EUR im Jahr kosten(25) und dass dies und die Verfahren der Banken zum Kontenabgleich Bereiche sind, in denen der Einsatz von DLT Veränderungen ermöglichen könnte, was Effizienz, Geschwindigkeit und Widerstandsfähigkeit betrifft, wodurch aber auch neue regulatorische Herausforderungen entstehen würden;

7.  betont, dass diesbezüglich von Akteuren des Privatsektors mehrere Initiativen eingeleitet wurden, und ruft die zuständigen Behörden auf europäischer und nationaler Ebene auf, diese Initiativen im Auge zu behalten;

8.  weist ferner darauf hin, dass DLT eingesetzt werden könnte, um den Austausch von Daten, die Transparenz und das Vertrauen nicht nur zwischen Regierungen und Bürgern sondern auch zwischen Akteuren des Privatsektors und Kunden zu verbessern;

9.  erkennt an, dass sich das Potenzial der DLT noch entfaltet und weit über den Finanzsektor hinausreicht, etwa in Bereiche wie „Crypto-equity Crowdfunding“ (Schwarmfinanzierung mit „Krypto-Kapital“), Streitschlichtungsdienste, insbesondere im Finanzsektor und im Justizwesen, intelligente Verträge in Verbindung mit digitalen Unterschriften, Anwendungen, die einen erhöhten Datenschutz und Synergien mit der Entwicklung des Internets der Dinge ermöglichen;

10.  unterstreicht die Dynamik, die die Blockkettentechnologie in der Unternehmenswelt in Gang setzt, sowie ihr Potenzial, langfristig eine Transformation in der Realwirtschaft herbeizuführen;

11.  erkennt an, dass DLT den Regierungen dabei helfen kann, Geldwäsche, Betrug und Korruption zurückzudrängen;

12.  fordert staatliche Stellen auf, nach Durchführung ordnungsgemäßer Folgenbewertungen DLT-Systeme zu testen, um die Bereitstellung von Diensten für die Bürger und Lösungen für elektronische Behördendienste unter Einhaltung der EU-Datenschutzvorschriften zu verbessern; fordert die staatlichen Stellen auf, „Knebeleffekten“ vorzubeugen, die im Zusammenhang mit herstellereigenen DLT-Systemen auftreten könnten; erkennt insbesondere an, dass DLT zu Verbesserungen im Bereich des Grundbuchwesens führen kann;

13.  spricht sich dafür aus, dass staatliche Stellen und für die Analyse großer Datenmengen zuständige Behörden im Rahmen einer RegTech-Agenda im Finanzbereich und anderen Bereichen den Einsatz von auf Echtzeit-DLT beruhenden Aufsichts- und Meldeinstrumenten erkunden sollten, auch um wenigstens die beträchtliche Mehrwertsteuerlücke in der EU zu verringern(26);

Intelligente Regulierung zur Förderung von Innovationen und zur Gewährleistung der Integrität

14.  verlangt einen verhältnismäßigen regulatorischen Ansatz auf EU-Ebene, damit Innovationen nicht im Keim erstickt werden und in dieser frühen Phase keine unnötigen Kosten entstehen; fordert zugleich eine ernsthafte Befassung mit den regulatorischen Herausforderungen, die sich aus der umfassenden Verwendung von virtuellen Währungen und DLT ergeben könnten;

15.  betont die Ähnlichkeiten zwischen der Distributed-Ledger-Technologie (DLT), die aus einer Reihe von Knotenpunkten besteht, die an einem System beteiligt sind und eine gemeinsame Datenbank nutzen, und dem World Wide Web, das als globales Netz von Ressourcen definiert wird, die durch Hyperlinks logisch miteinander verknüpft sind; weist darauf hin, dass sowohl die DLT als auch das World Wide Web auf dem Internet basieren, also einem globalen System aus untereinander vernetzten Großrechnern, PCs und drahtlosen Computernetzwerken;

16.  erinnert daran, dass das Internet trotz der Versuche, einen alle Interessenträger umfassenden Ansatz zu verfolgen, immer noch von der National Telecommunications and Information Administration, einer Agentur des US-Handelsministeriums verwaltet wird;

17.  begrüßt die Bildung einer dynamischen Koalition für Blockkettentechnologien im Rahmen des Internet Governance Forums, und fordert die Kommission auf, eine gemeinsame und inklusive Governance der DLT zu fördern, damit die in der Vergangenheit bei der Entwicklung des Internets aufgetretenen Probleme vermieden werden können;

18.  hebt hervor, dass wichtige EU-Rechtsvorschriften wie die Verordnung über die europäische Marktinfrastruktur (EMIR), die Verordnung über Zentralverwahrer (CSDR), die Richtlinie über die Wirksamkeit von Abrechnungen (SFD), die Richtlinie und die Verordnung über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID/MiFIR), die OGAW-Richtlinie und die AIFM-Richtlinie, je nach ausgeübter Tätigkeit, aber unabhängig von der zugrunde liegenden Technologie einen Regulierungsrahmen bilden könnten, und zwar selbst dann, wenn virtuelle Währungen und DLT-basierte Anwendungen sich auf neue Märkte ausdehnen und ihre Aktivitäten ausweiten; weist jedoch darauf hin, dass speziellere Rechtsvorschriften notwendig werden könnten;

19.  begrüßt die von der Kommission vorgeschlagene Einbeziehung von Plattformen zum Tausch von virtuellen Währungen in die Richtlinie zur Bekämpfung der Geldwäsche (AMLD), damit der mit solchen Plattformen verbundenen Anonymität ein Ende bereitet werden kann; erwartet, dass jeder diesbezügliche Vorschlag zielgerichtet sein wird und auf einer umfassenden Analyse der mit virtuellen Währungen verbundenen Risiken und einer gründlichen Folgenbewertung beruhen wird;

20.  empfiehlt der Kommission eine umfassende Untersuchung zu virtuellen Währungen durchzuführen und auf Grundlage dieser Bewertung gegebenenfalls eine Überarbeitung der einschlägigen EU-Rechtsvorschriften über Zahlungen, etwa der Richtlinie über Zahlungskonten (PAD), der Richtlinie über Zahlungsdienste (PSD) und der E-Geld-Richtlinie (EMD), in Erwägung zu ziehen, und zwar unter Berücksichtigung der neuen Möglichkeiten, die neue technologische Entwicklungen wie virtuelle Währungen und DLT bieten, um den Wettbewerb weiter zu stärken und die Transaktionskosten weiter zu senken, etwa im Wege einer verbesserten Interoperabilität und möglicherweise auch im Wege der Förderung einer universellen, nicht herstellergebundenen elektronischen Geldbörse;

21.  weist darauf hin, dass in Europa nicht zuletzt als Reaktion auf die Finanzkrise und die damit zusammenhängende Kreditklemme mehrere virtuelle Währungen auf lokaler Ebene geschaffen wurden; fordert dazu auf, dass bei der Festlegung einer Definition für virtuelle Währungen im Rahmen künftiger Gesetzgebungsakte sorgfältig darauf geachtet wird, der Existenz von lokalen Währungen Rechnung zu tragen, die nicht gewinnorientiert sind, oft eine begrenzte Funktionalität besitzen und bedeutende soziale und ökologische Vorteile bieten, und eine unverhältnismäßige Regulierung in diesem Bereich zu vermeiden, sofern dabei keine Steuern vermieden oder umgangen werden;

22.  verlangt die Einrichtung einer horizontalen Task Force DLT (TF DLT), die von der Kommission geleitet wird, sich aus technischen Experten und Regulierungsexperten zusammensetzt und sich mit Folgendem befasst:

   i) Bereitstellung des erforderlichen technischen und regulatorischen Fachwissens in den verschiedenen Sektoren der einschlägigen DLT-Anwendungen, Einbeziehung interessierter Akteure und Unterstützung der relevanten öffentlichen Akteure auf EU-Ebene und nationaler Ebene in ihren Bemühungen, die Verwendung von DLT auf europäischer Ebene und weltweit zu überwachen;
   ii) Entwicklung eines Bewusstseins für DLT-Anwendungen und Analyse der damit verbundenen Vorteile und Risiken – einschließlich für Endnutzer – , damit ihr Potenzial optimal genutzt werden kann, etwa durch Ermittlung der wesentlichen Merkmale von DLT-Systemen, die dem allgemeinen Interesse dienen, wie nicht herstellergebundene offene Standards, oder durch Ermittlung von Standards für bewährte Praktiken, wenn sich solche Standards herausbilden;
   iii) Unterstützung einer rechtzeitigen, fundierten und verhältnismäßigen Antwort auf die neuen Chancen und Herausforderungen, die sich aus der Einführung von bedeutenden DLT-Anwendungen ergeben, etwa mithilfe eines Fahrplans für künftige Maßnahmen auf europäischer und nationaler Ebene, der eine Bewertung bestehender EU-Rechtsvorschriften enthalten würde, damit diese als Reaktion auf eine bedeutende und systemische DLT-Verwendung gegebenenfalls aktualisiert werden können, wobei auch auf den Verbraucherschutz und systemische Herausforderungen einzugehen wäre;
   iv) Ausarbeitung von Stresstests für alle relevanten Aspekte von virtuellen Währungen und sonstigen DLT-Systemen, die einen solchen Grad der Nutzung erreichen, dass sie im Hinblick auf die Stabilität als systemrelevant zu betrachten wären;

23.  betont, wie wichtig Verbraucherbewusstsein, Transparenz und Vertrauen für die Nutzung virtueller Währungen sind; fordert die Kommission auf, in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und der Branche für virtuelle Währungen Leitlinien auszuarbeiten, mit denen gewährleistet wird, dass bestehende und künftige Nutzer virtueller Währungen korrekt, eindeutig und umfassend informiert werden, sodass sie eine sachkundige Entscheidung treffen können, wodurch die Transparenz von virtuellen Währungen in Bezug darauf, wie sie organisiert und betrieben werden und wodurch sie sich hinsichtlich des Verbraucherschutzes von regulierten und beaufsichtigten Zahlungssystemen unterscheiden, verbessert wird;

o
o   o

24.  beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat und der Kommission zu übermitteln.

(1) http://www.bis.org/cpmi/publ/d137.pdf
(2) http://www.bankofengland.co.uk/publications/Documents/quarterlybulletin/2014/qb14q3digitalcurrenciesBitcoin2.pdf
(3) https://www.eba.europa.eu/documents/10180/657547/EBA-Op-2014-08+Opinion+on+Virtual+Currencies.pdf
(4) https://www.ecb.europa.eu/pub/pdf/other/virtualcurrencyschemesen.pdf
(5) http://ec.europa.eu/justice/newsroom/criminal/news/160202_en.htm
(6) http://europa.eu/rapid/press-release_IP-15-5592_de.htm
(7)  http://publications.jrc.ec.europa.eu/repository/bitstream/JRC97043/the%20digital%20agenda%20of%20virtual%20currencies_final.pdf
(8) http://www.consilium.europa.eu/de/press/press-releases/2016/02/12-conclusions-terrorism-financing/
(9)  http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?qid=1463564584935&uri=CELEX%3A62014CJ0264
(10) http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX%3A62014CC0264
(11) https://www.esma.europa.eu/sites/default/files/library/2015/11/2015-532_call_for_evidence_on_virtual_currency_investment.pdf
(12) http://www.europarl.europa.eu/RegData/bibliotheque/briefing/2014/140793/LDM_BRI(2014)140793_REV1_EN.pdf
(13) https://www.europol.europa.eu/sites/default/files/publications/changes_in_modus_operandi_of_is_in_terrorist_attacks.pdf
(14) http://www.fatf-gafi.org/media/fatf/documents/reports/virtual-currency-key-definitions-and-potential-aml-cft-risks.pdf
(15) http://www.oecd.org/daf/fin/financial-markets/The-Bitcoin-Question-2014.pdf
(16) https://www.imf.org/external/pubs/ft/sdn/2016/sdn1603.pdf
(17) https://www.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/492972/gs-16-1-distributed-ledger-technology.pdf
(18) http://www.bis.org/cpmi/publ/d137.pdf
(19) http://coinmarketcap.com/
(20) Siehe u. a. http://www.coindesk.com/state-of-Bitcoin-blockchain-2016/
(21) https://www.eba.europa.eu/documents/10180/657547/EBA-Op-2014-08+Opinion+on+Virtual+Currencies.pdf
(22) https://remittanceprices.worldbank.org/sites/default/files/rpw_report_december_2015.pdf
(23) http://web.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/TOPICS/EXTFINANCIALSECTOR/0,,contentMDK:22383199~pagePK:210058~piPK:210062~theSitePK:282885,00.html
(24) Was die Möglichkeit betrifft, dass virtuelle Währungen zur Terrorismusfinanzierung eingesetzt werden, hat Europol jedoch vor Kurzem (18. Januar 2016) Folgendes erklärt: „Es gibt zwar Hinweise von Dritten, dass Terroristen zur Finanzierung ihrer Aktivitäten auf anonyme Zahlungsmittel wie Bitcoins zurückgreifen. Dies konnte aber von den Vollzugsbehörden nicht bestätigt werden.“
(25) https://www.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/492972/gs-16-1-distributed-ledger-technology.pdf
(26) http://europa.eu/rapid/press-release_IP-15-5592_de.htm

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