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Verfahren : 2017/2210(INI)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : A8-0031/2018

Eingereichte Texte :

A8-0031/2018

Aussprachen :

PV 16/04/2018 - 23
CRE 16/04/2018 - 23

Abstimmungen :

PV 17/04/2018 - 6.10
Erklärungen zur Abstimmung

Angenommene Texte :

P8_TA(2018)0101

Angenommene Texte
PDF 188kWORD 61k
Dienstag, 17. April 2018 - Straßburg Endgültige Ausgabe
Gleichstellung der Geschlechter in der Medienbranche in der EU
P8_TA(2018)0101A8-0031/2018

Entschließung des Europäischen Parlaments vom 17. April 2018 zur Gleichstellung der Geschlechter in der Medienbranche in der EU (2017/2210(INI))

Das Europäische Parlament,

–  unter Hinweis auf die Artikel 11 und 23 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union,

–  gestützt auf Artikel 2 und Artikel 3 Absatz 3 zweiter Unterabsatz des Vertrags über die Europäische Union (EUV) und Artikel 8 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV),

–  unter Hinweis auf die Richtlinie 2006/54/ΕG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 5. Juli 2006 zur Verwirklichung des Grundsatzes der Chancengleichheit und Gleichbehandlung von Männern und Frauen in Arbeits- und Beschäftigungsfragen(1),

–  unter Hinweis auf die Richtlinie 2010/13/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10. März 2010 zur Koordinierung bestimmter Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Bereitstellung audiovisueller Mediendienste (Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste)(2),

–  unter Hinweis auf den Vorschlag der Kommission vom 26. April 2017 für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für Eltern und pflegende Angehörige und zur Aufhebung der Richtlinie 2010/18/EU des Rates (COM(2017)0253),

–  unter Hinweis auf das von der Kommission vorgeschlagene dritte mittelfristige Aktionsprogramm der Gemeinschaft für die Chancengleichheit für Frauen und Männer (1991-1995) (COM(90)0449),

–  unter Hinweis auf die Entschließung des Rates und der im Rat vereinigten Vertreter der Regierungen der Mitgliedstaaten vom 5. Oktober 1995 zur Darstellung der Frau und des Mannes in Werbung und Medien(3);

–  unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission vom 7. Juni 2000 mit dem Titel „Für eine Rahmenstrategie der Gemeinschaft zur Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern (2001-2005)“ (COM(2000)0335),

–  unter Hinweis auf die Schlussfolgerungen des Rates vom 9. Juni 2008 zur Überwindung von Geschlechterstereotypen in der Gesellschaft,

–  unter Hinweis auf die Schlussfolgerungen des Rates vom 24. Juni 2013 – Stärkere Förderung von Frauen als Entscheidungsträger in den Medien,

–  unter Hinweis auf den vom Rat im März 2011 verabschiedeten Europäischen Pakt für die Gleichstellung der Geschlechter (2011–2020),

–  unter Hinweis auf den am 1. März 2006 vorgelegten Fahrplan für die Gleichstellung von Frauen und Männern 2006-2010 (COM(2006)0092),

–  unter Hinweis auf die am 21. September 2010 vorgestellte Strategie für die Gleichstellung von Frauen und Männern 2010–2015 (COM(2010)0491),

–  unter Hinweis auf das Arbeitsdokument der Kommissionsdienststellen vom 3. Dezember 2015 – Strategisches Engagement für die Gleichstellung der Geschlechter (2016–2019) (SWD(2015)0278),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 25. Juli 1997 zur Diskriminierung von Frauen in der Werbung(4),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 3. September 2008 zu den Auswirkungen von Marketing und Werbung auf die Gleichstellung von Frauen und Männern(5),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 12. März 2013 zum Abbau von Geschlechterstereotypen in der EU(6),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 28. April 2016 zur Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung von Frauen im digitalen Zeitalter(7),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 13. September 2016 zu der Schaffung von Arbeitsmarktbedingungen zur Förderung eines ausgewogenen Verhältnisses von Berufs- und Privatleben(8),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 15. September 2016 zu der Anwendung der Richtlinie 2000/78/EG des Rates vom 27. November 2000 zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf („Gleichbehandlungsrichtlinie für den Bereich Beschäftigung“)(9),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 14. Juni 2017 zur Notwendigkeit einer EU-Strategie zur Beendigung und Vermeidung des geschlechtsspezifischen Rentengefälles(10),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 4. Juli 2017 zu Arbeitsbedingungen und prekären Beschäftigungsverhältnissen(11),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 3. Oktober 2017 zur Stärkung der wirtschaftlichen Stellung der Frau im Privatsektor und im öffentlichen Sektor in der EU(12),

–  unter Hinweis auf seine Entschließung vom 26. Oktober 2017 zur Bekämpfung von sexueller Belästigung und sexuellem Missbrauch in der EU(13),

–  unter Hinweis auf die Empfehlung des Ministerkomitees des Europarats vom 10. Juli 2013 zu Geschlechtergleichstellung und Medien,

–  unter Hinweis auf die Empfehlung Nr. 1555 der Parlamentarischen Versammlung des Europarats vom 24. April 2002 zum Thema „Das Bild der Frau in den Medien“,

–  unter Hinweis auf die Empfehlung Nr. 1799 der Parlamentarischen Versammlung des Europarats vom 26. Juni 2007 zum Thema „Das Bild der Frau in der Werbung“,

–  unter Hinweis auf die an die Mitgliedstaaten gerichtete Empfehlung des Ministerkomitees des Europarats vom 27. September 2017 zu Geschlechtergleichstellung im audiovisuellen Sektor,

–  unter Hinweis auf die 2013 vom Europäischen Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE) vorgelegte Studie mit dem Titel „Überprüfung der Umsetzung der Pekinger Aktionsplattform in den EU-Mitgliedstaaten: Frauen und Medien – Förderung der Geschlechtergleichstellung in Entscheidungsprozessen von Medienorganisationen“,

–  unter Hinweis auf die im September 1995 von der Vierten Weltfrauenkonferenz verabschiedete Erklärung und Aktionsplattform von Peking und die dazugehörigen Anhänge,

–  unter Hinweis auf den 2013 vom Europarat vorgelegten Bericht zum Thema „Medien und die Darstellung von Frauen“,

–  gestützt auf Artikel 52 seiner Geschäftsordnung,

–  unter Hinweis auf den Bericht des Ausschusses für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter und die Stellungnahme des Ausschusses für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten (A8–0031/2018),

A.  in der Erwägung, dass die Gleichstellung der Geschlechter als wesentlicher Grundsatz in Artikel 8 AEUV verankert ist, der besagt, dass die Union bei allen ihren Tätigkeiten darauf hinwirkt, Ungleichheiten zu beseitigen und die Gleichstellung von Männern und Frauen zu fördern; in der Erwägung, dass die Maßnahmen der Europäischen Union zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter dazu beigetragen haben, das Leben vieler EU-Bürger zu verbessern;

B.  in der Erwägung, dass die Medien als vierte Gewalt in der Lage sind, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und diese letztendlich zu gestalten; in der Erwägung, dass die Medien zu den tragenden Säulen demokratischer Gesellschaften gehören und als solche die Pflicht haben, die Informationsfreiheit, die Meinungsvielfalt und den Medienpluralismus zu gewährleisten, die Achtung der Menschenwürde zu fördern und alle Formen von Diskriminierung und Ungleichheit zu bekämpfen, unter anderem durch die Darstellung diversifizierter sozialer Rollenmodelle; in der Erwägung, dass Medienunternehmen sensibilisiert werden müssen;

C.  in der Erwägung, dass auf der Vierten Weltfrauenkonferenz in Peking 1995 anerkannt wurde, wie wichtig die Beziehung zwischen Frauen und Medien ist, wenn es darum geht, die Gleichstellung von Frauen und Männern zu erreichen, und dass dabei zwei strategische Ziele in die Pekinger Aktionsplattform (PAP) aufgenommen wurden:

   a) die Erhöhung der Mitwirkung und des Zugangs von Frauen in Bezug auf Ausdrucksmöglichkeiten und Entscheidungsprozesse in und durch Medien und neue Kommunikationstechnologien und
   b) die Förderung einer ausgewogenen und nicht stereotypen Darstellung von Frauen in den Medien;

D.  in der Erwägung, dass das in den Medien gezeichnete Bild von Frauen und Männern in verschiedenen Kontexten, einschließlich politischer, wirtschaftlicher, sozialer, akademischer, religiöser, kultureller und sportlicher Kontexte, eine ungleiche Darstellung übermitteln kann, wobei Männer hauptsächlich in aktiven sozialen Rollen auftreten und Frauen auf passivere Rollen beschränkt sind; in der Erwägung, dass das beste Beispiel für die verschiedenen Stereotype, die das Bild von Frauen und Männern beeinflussen, die insbesondere in der Regenbogenpresse und in der Werbung praktizierte Sexualisierung des weiblichen Körpers ist; in der Erwägung, dass die in den Medien anzutreffende Erotisierung der Gewalt und Degradierung von Frauen zum Objekt negative Auswirkungen auf die Bemühungen um die Beseitigung der Gewalt gegen Frauen hat; in der Erwägung, dass geschlechtsspezifische Stereotypen oft mit anderen Stereotypen kombiniert werden, die Diskriminierung aus beliebigen Gründen beinhalten;

E.  in der Erwägung, dass die Medien einen erheblichen Einfluss auf kulturell definierte Geschlechternormen und auf die Art und Weise haben, wie soziale Darstellungen, die mit Frauen und Männern assoziiert werden, geformt und weiterentwickelt werden, und das Publikum mit stereotypen Körperbildern und Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit beeinflussen, wie z.B. die Darstellung von Frauen in der Werbung und die Art und Weise, wie Produkte auf potentielle Konsumenten ausgerichtet und traditionelle Geschlechternormen dadurch tendenziell verfestigt werden; in der Erwägung, dass in den Fällen, in denen die Medien weiterhin stereotype Darstellungen von Frauen und Männern, einschließlich derjenigen von LGBTI-Personen, verbreiten, diese Darstellungen sehr oft als legitim angesehen werden, so dass es schwierig oder unmöglich ist, sie in Frage zu stellen;

F.  in der Erwägung, dass in den heutigen Gesellschaften der Werbeindustrie eine wichtige Rolle innerhalb der Medienlandschaft zukommt, da sie mithilfe von Bildern und Ideen kommuniziert, die die Menschen emotional ansprechen und daher ihre Werte und Sichtweisen sowie ihre Wahrnehmungsweise der Welt prägen können; in der Erwägung, dass die Werbung durch die Vermittlung eines verzerrten Geschlechterbildes auf Sexismus hinauslaufen und diskriminierende Praktiken verfestigen kann; in der Erwägung, dass eine Werbung als diskriminierend oder sexistisch angesehen werden kann, wenn ein Geschlecht in erniedrigender und beleidigender Weise oder als weniger begabt, weniger intelligent oder minderwertig dargestellt wird;

G.  in der Erwägung, dass die neuen Technologien die traditionellen Geschäftsmodelle in der Medienbranche verändern; in der Erwägung, dass der audiovisuelle Sektor eine wirtschaftlich bedeutende Branche darstellt, in der mehr als eine Million Menschen in der EU unmittelbar beschäftigt sind; in der Erwägung, dass die neuen Online-Kommunikations- und -Multimediasysteme eine Anpassung der Überwachung der auf nationaler Ebene bestehenden Mechanismen sowie der Selbstregulierungssysteme erforderlich machen, und zwar unbeschadet des Ergebnisses der Verhandlungen über die Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste;

H.  in der Erwägung, dass die Perspektive von Frauen und Männern gleichermaßen berücksichtigt werden sollte, um ein vollständiges und differenziertes Bild aller Facetten der gesellschaftlichen Realität zu erhalten; in der Erwägung, dass es wichtig ist, dass das Potenzial und die Fähigkeiten von Frauen bei der Vermittlung von Informationen, Fakten und Meinungen über die Herausforderungen, mit denen Frauen in den Medien konfrontiert sind, nicht ungenutzt bleiben, und dass anerkannt werden muss, dass Frauen nicht als homogene Gruppe behandelt werden können;

I.  in der Erwägung, dass die fortgesetzte negative und entwürdigende Darstellung von Frauen in den Medien – seien es elektronische Medien, Printmedien, visuelle Medien oder Audiomedien – geändert werden muss; in der Erwägung, dass geschlechtsbezogene Ungleichheiten auch durch die Sprache und Bilder, die durch die Medien verbreitet werden, entstehen und sich reproduzieren; in der Erwägung, dass Kinder bereits in sehr jungem Alter mit geschlechtsspezifischen Ungleichheiten konfrontiert sind, weil durch Fernsehserien und -programme, Diskussionsrunden, Spiele, Videospiele und in der Werbung Rollenmodelle befördert werden; in der Erwägung, dass die Geschlechterrollen vor allem in der Kindheit und Jugend geprägt werden und sich auf das ganze Leben auswirken; in der Erwägung, dass die Bildung und Ausbildung der im Medienbereich tätigen Personen ein wirksames Instrument ist, um Stereotypen zu bekämpfen und zu überwinden, ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen und die Gleichstellung voranzubringen;

J.  in der Erwägung, dass im Jahr 2015 in der EU-28 68 % der Absolventen in den Fächern Journalismus und Informationswissenschaften Frauen waren(14), wohingegen aus den Beschäftigungsdaten für die EU-28 im Zeitraum 2008 - 2015 hervorgeht, dass der durchschnittliche Frauenanteil im Mediensektor dauerhaft bei etwa 40 % verharrt;

K.  in der Erwägung, dass der Anteil der Frauen an der Entscheidungsfindung in den Medien in der EU-28 im Jahr 2015 mit nur 32 % noch immer unter dem Bereich eines ausgewogenen Geschlechterverhältnisses (40-60 %) lag, während der Anteil der Frauen als Vorstandsvorsitzende lediglich bei 22 % lag(15);

L.  in der Erwägung, dass das geschlechtsspezifische Lohn- und Rentengefälle in der EU nach wie vor ein Problem darstellt und sich in verschiedenen Wirtschaftszweigen, darunter auch der Medienbranche, in der das geschlechterspezifische Lohngefälle 17 % beträgt, beobachten lässt;

M.  in der Erwägung, dass in der Medienbranche tätige Frauen weiterhin mit einer gläsernen Decke konfrontiert sind und möglicherweise keine gleichen Chancen auf Beförderung oder beruflichen Aufstieg haben, was auf eine Vielzahl von Faktoren zurückzuführen ist, darunter eine Organisationskultur, die einer Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben oft abträglich ist, und ein konkurrenzgeprägtes Umfeld, das sich durch hohe Stressbelastung, starre Fristen und lange Arbeitszeiten auszeichnet; in der Erwägung, dass Frauen aufgrund ihrer Unterrepräsentation in höheren Führungspositionen weniger Entscheidungsmacht in Bezug auf die Festlegung der Nachrichtenthemen haben;

N.  in der Erwägung, dass Medienorganisationen in den Mitgliedstaaten ihre Gleichstellungspolitik selbst festlegen können, was zu einer breiten Vielfalt an diesbezüglichen Vorgehensweisen in der EU führt: von sehr umfassenden Rahmenregelungen, die sich auf Medieninhalte beziehen und für eine ausgewogene Vertretung von Frauen und Männern in den Entscheidungsgremien sorgen, bis hin zum völligen Fehlen entsprechender Regelungen;

O.  in der Erwägung, dass aus Untersuchungen hervorgeht, dass lediglich 4 % der Nachrichtenbeiträge frei von stereotypen Darstellungen sind; in der Erwägung, dass unter den Personen, über die in den Nachrichten berichtet wird, der Frauenanteil bei lediglich 24 % liegt(16); in der Erwägung, dass lediglich 37 % der Online- und Offline-Nachrichten von Frauen berichtet werden, wobei in den letzten zehn Jahren keine Aussicht auf Verbesserung dieser Situation bestand(17); in der Erwägung, dass Frauen meistens gefragt werden, wenn es darum geht, eine populäre Meinung (41 %) oder persönliche Erfahrung (38 %) wiederzugeben, aber selten als Expertinnen zitiert werden (nur 17 % der Meldungen); in der Erwägung, dass Untersuchungen ferner gezeigt haben, dass es sich bei weniger als einem Fünftel der Experten oder Kommentatoren um Frauen handelt (18 %)(18);

P.  in der Erwägung, dass trotz der vielfältigen Medienlandschaft in den Mitgliedstaaten Frauen in den Nachrichten- und Informationsmedien unterrepräsentiert sind und in den Bereichen Sport, Politik, Wirtschaft und Finanzen sogar noch weniger zu sehen sind; in der Erwägung, dass historisch bedeutende Frauen in diesbezüglichen Medieninhalten, wie etwa biografischen Dokumentarfilmen, fast nicht vorkommen;

Q.  in der Erwägung, dass die gleichberechtigte Beteiligung von Frauen und Männern an den Inhalten der Berichterstattung und als Informationsquellen nicht nur aus Gründen der Repräsentation, sondern auch aus Gründen der Chancengleichheit und der uneingeschränkten Anerkennung ihrer Fachkenntnisse und ihres Wissens von entscheidender Bedeutung ist; in der Erwägung, dass es in der europäischen Medienlandschaft aufgrund der finanziellen Zwänge und der Arbeitsbedingungen, wie etwa prekäre Beschäftigungsverhältnisse und hohe Anforderungen an die Berufserfahrung, sowie aufgrund der zunehmenden Geschwindigkeit der Informationsverbreitung und der kommerziellen Erwägungen Hindernisse für einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Gleichstellung der Geschlechter gibt;

R.  in der Erwägung, dass es Frauen in den Medien gibt, die auf höchstem professionellen Niveau arbeiten, darunter renommierte Filmemacherinnen, Journalistinnen und Reporterinnen, die zwar ebenso gut abschneiden wie Männer, aber in höherem Maße geschlechtsspezifischer Gewalt und Diskriminierung am Arbeitsplatz ausgesetzt sind und möglicherweise nicht das gleiche Maß an Wertschätzung erfahren wie ihre männlichen Kollegen;

S.  in der Erwägung, dass Frauen, die in den sozialen Medien aktiv sind, in zunehmendem Maße mit Mobbing konfrontiert sind; in der Erwägung, dass ein solches Mobbing die Frauen zum Schweigen bringen kann und ihre gesellschaftliche Teilhabe beeinträchtigt; in der Erwägung, dass aus weltweit gesammelten Daten hervorgeht, dass jede zweite in der Medienbranche tätige Frau sexuellen Missbrauch, jede vierte physische Gewalt und drei von vier Einschüchterungen, Bedrohungen oder Missbrauch erfahren haben(19); in der Erwägung, dass die Gewalt im Internet gegen Frauen und Mädchen zunehmend Anlass zur Sorge gibt, und dass Schätzungen zufolge jede zehnte Frau in der EU nach ihrem 15. Lebensjahr irgendeine Form von Gewalt im Internet erfahren hat; in der Erwägung, dass es auf EU-Ebene einen Mangel an Daten und Forschung in Bezug auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen im Internet gibt; in der Erwägung, dass Mobbing und sexuelle Belästigung Menschenrechtsverletzungen darstellen; in der Erwägung, dass die Medien und die nationalen und internationalen Regulierungsbehörden Regeln festlegen sollten, darunter auch in Bezug auf die von den Medienorganisationen anzuwendenden Sanktionen, um auf diese Probleme einzugehen;

T.  in der Erwägung, dass insbesondere investigative Journalistinnen oft Opfer von Gewalt und gezielter tödlicher Angriffe werden, wie es die Fälle Veronica Guerin und Daphne Caruana Galizia gezeigt haben;

U.  in der Erwägung, dass laut einer Studie des „European Women’s Audiovisual Network“ (EWA)(20) nur bei einem von fünf europäischen Filmen in sieben untersuchten Ländern eine Frau die Regie führte und die überwiegende Mehrheit der Finanzmittel an Filme geht, bei denen die Regie nicht von einer Frau geführt wird, obwohl rund die Hälfte der Absolventen von Filmhochschulen Frauen sind;

V.  in der Erwägung, dass Medienunternehmen Selbstregulierungsmechanismen und Verhaltenskodizes einführen sollten, die auch Verfahrensregeln und -kriterien in Bezug auf die berufliche Laufbahn und die Berichterstattung umfassen, damit die Gleichstellung der Geschlechter geschützt und gefördert wird; in der Erwägung, dass die Selbstregulierung und die Verhaltenskodizes in Zusammenarbeit mit den branchenspezifischen Gewerkschaften ausgearbeitet werden sollten, wobei eine eindeutige Gleichstellungsstrategie verfolgt werden sollte;

Präsenz von Frauen in den Medien

1.  betont, dass Frauen mit höherem Bildungsabschluss zwar einen beachtlichen Teil der Beschäftigten in der Medienbranche ausmachen, sie aber auf der Management- und Führungsebene unterrepräsentiert sind; ist der Auffassung, dass sowohl die öffentlich-rechtlichen als auch die privaten Medien die Aufgabe haben, die Gleichstellung von Männern und Frauen zu gewährleisten und jeglicher Form von Diskriminierung vorzubeugen; fordert die Mitgliedstaaten auf, politische Anreize zu entwickeln, um Hindernisse für den Zugang von Frauen zu Management- und Führungspositionen in Medienorganisationen abzubauen;

2.  bedauert, dass der Frauenanteil in den öffentlich-rechtlichen Medien in der EU im Durchschnitt gering ist, was strategische und operative Führungspositionen und auch Verwaltungsräte betrifft (2017: 35,8 % bei Führungspositionen, 37,7 % bei Positionen ohne Führungsfunktion und 33,3 % bei Verwaltungsratsmitgliedern)(21);

3.  erinnert daran, dass im Hinblick auf die Überwachung der kritischen Bereiche der Aktionsplattform von Peking in Bezug auf Frauen in den Medien das EIGE folgende Indikatoren entwickelt hat:

   Anteil der Frauen und Männer in Positionen mit Entscheidungsbefugnissen und in den Leitungsgremien von Medienorganisationen in der EU,
   Anteil der Frauen und Männer in Leitungsgremien von Medienorganisationen in der EU,
   Maßnahmen zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter in Medienorganisationen,

4.  erinnert daran, dass es in der Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste heißt, dass die Ziele der Richtlinie „von den Mitgliedstaaten nicht in hinreichendem Maße verwirklicht und besser auf Unionsebene erreicht werden können“, die Richtlinie aber keinerlei Hinweis auf eine ausgewogene Vertretung in Medienorganisationen enthält;

5.  weist darauf hin, dass Frauen zwar in den öffentlich-rechtlichen Medien derzeit nicht genügend vertreten sind, sie aber in den öffentlich-rechtlichen Medien höhere Chancen auf Einstellung oder Beförderung in eine Führungsposition haben als bei privaten Medienunternehmen(22);

6.  fordert die Mitgliedstaaten und die Medienorganisationen auf, Anreizmaßnahmen zu entwickeln und zu fördern, darunter auch Quoten für die Sicherstellung einer ausgewogenen Vertretung von Frauen und Männern in Positionen mit Entscheidungsbefugnis; fordert ferner, dass der wirksamen Überwachung solcher Bemühungen in diesen Organisationen höhere Priorität eingeräumt wird; fordert die Kommission auf, ihre Bemühungen zu intensivieren, um die im Rat seit 2013 bestehende Blockade der Richtlinie zu Frauen in Verwaltungs- und Aufsichtsräten zu überwinden;

7.  nimmt die lange Tradition der Beschäftigung von freiberuflichen und festangestellten Mitarbeitern im Mediensektor sowie die fortschreitende Digitalisierung zur Kenntnis, die zu einem Rückgang der traditionellen Vertriebs- und Werbeeinnahmen geführt hat, was sich auf die Art der in dieser Branche angebotenen Beschäftigungsverhältnisse auswirkt; weist ferner darauf hin, dass bei vielen atypischen Beschäftigungsverhältnissen auf dem gesamten Arbeitsmarkt Frauen überrepräsentiert sind; weist darauf hin, dass der zunehmende Druck auf die Medienbranche, die Rentabilität zu bewahren, wahrscheinlich dazu führen wird, dass diese Art von Beschäftigungsverhältnissen zunehmen werden;

8.  ist der Ansicht, dass Stereotype zu einem negativen sozialen Umfeld für Frauen führen und zu geschlechtsspezifischer Diskriminierung am Arbeitsplatz beitragen können; weist darauf hin, wie wichtig ein positives soziales Umfeld dafür ist, dass Arbeitnehmer ein hohes Arbeitsaufkommen bewältigen können;

9.  erinnert daran, dass es den Medienorganisationen freisteht, die Rollen ihrer Beschäftigten, egal ob Männer oder Frauen, festzulegen, fordert sie aber nachdrücklich auf, dabei die persönliche Würde und die professionellen Qualitäten in höchstem Maße zu achten; nimmt in diesem Zusammenhang die besorgniserregenden Fälle von Reporterinnen zur Kenntnis, die aufgrund ihrer Attraktivität für das Publikum als für den Fernsehjournalismus geeigneter betrachtet werden und später, wenn sie älter werden, durch jüngere Kolleginnen ersetzt werden;

10.  verurteilt ferner das weit verbreitete Auftreten von sexueller Belästigung und anderer Formen des Missbrauchs, vor allem bei Online-Spielen und in den sozialen Medien, und fordert die Medienunternehmen auf, eine Sicherheitsumgebung schaffen, die auf sämtliche Belästigungsfälle reagiert; fordert daher verschiedene Maßnahmen, einschließlich Sensibilisierung, interne Vorschriften über Disziplinarmaßnahmen gegen die Täter und psychologische und/oder rechtliche Unterstützung für die Opfer dieser Praktiken, um Mobbing und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und in Online-Umgebungen zu verhindern und zu bekämpfen;

11.  verurteilt aufs Schärfste die Angriffe auf Journalistinnen, die furchtlos über gravierende politische und kriminelle Vorkommnisse berichten, und fordert, dass größtmögliche Bemühungen unternommen werden, um den Schutz und die Sicherheit aller Journalisten zu gewährleisten;

12.  fordert die öffentlich-rechtlichen und privaten Medienorganisationen nachdrücklich auf, interne Maßnahmen zu ergreifen, wie etwa Strategien zur Förderung von Chancengleichheit und Vielfalt, Maßnahmen zur Bekämpfung von Belästigungen, Mutterschafts- oder Elternurlaub, flexible Arbeitszeitregelungen, mit denen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gefördert wird und die es sowohl Frauen als auch Männern ermöglichen, Elternurlaub zu nehmen und die Männer zur Inanspruchnahme von Vaterschaftsurlaub ermutigen, die Sicherstellung einer gerechten Verteilung der Aufgaben der Kinderbetreuung, Mentoring- und Ausbildungsprogramme für Führungskräfte, der Rückgriff auf Heimarbeit und flexible Arbeitszeitregelungen für Männer und Frauen, was auf freiwilliger Basis und ohne nachteilhafte Auswirkungen auf den beruflichen Aufstieg erfolgen sollte;

13.  fordert die Medien auf, das Recht von Frauen und Männern zu achten, Mutterschafts-, Vaterschafts- oder Elternurlaub in Anspruch zu nehmen; verweist darauf, dass keine Frau aufgrund einer Schwangerschaft diskriminiert werden darf und keiner Frau eine Arbeitsstelle verwehrt werden darf, weil sie sich dazu entschließen könnte, Mutter zu werden; fordert Medienorganisationen und Regulierungsbehörden auf, Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen offenzulegen, sich zu Transparenz in Bezug auf Gehälter zu verpflichten und den Grundsatz des gleichen Entgelts für gleiche Arbeit durch verbindliche Maßnahmen in die Tat umzusetzen;

14.  schlägt vor, dass Medienorganisationen Datenbanken mit Expertinnen für verschiedene Fachgebiete, insbesondere diejenigen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind, einrichten, damit sie bei Bedarf darauf zurückgreifen können; regt ferner an, zu Medieninhalten jeder Art nach Geschlechtern aufgeschlüsselte Daten zu erheben;

15.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, die Mitwirkung und den Zugang von Frauen zur Meinungsäußerung und Entscheidungsfindung in und mithilfe der Medien und der neuen Kommunikationstechnologien zu verbessern;

16.  ist der Ansicht, dass alle in der Medienbranche Beschäftigten Nutzen daraus ziehen würden, wenn sich die Arbeitsbedingungen für Frauen generell verbessern; vertritt jedoch die Auffassung, dass eine solche Verbesserung nicht ausreicht und dass es weiterhin Ungleichbehandlung geben wird; betont, dass die Mitgliedstaaten und die Kommission gemäß Artikel 157 AEUV den Grundsatz des gleichen Entgelts fördern und sicherstellen müssen, indem sie unter anderem gegen das geschlechtsspezifische Lohn- und Rentengefälle vorgehen, prekäre Beschäftigungsverhältnisse zurückdrängen(23), den Zugang zu erschwinglicher und hochwertiger Kinderbetreuung gewährleisten, Maßnahmen für eine bessere Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben ergreifen und das Recht auf Tarifverhandlungen sicherstellen;

17.  erinnert daran, dass die Medien unbedingt eine Politik des gleichen Entgelts für gleiche Arbeit umsetzen müssen, darunter auch Verpflichtungen in Bezug auf Lohntransparenz, und dass sie darüber hinaus den Frauen in Bezug auf beruflichen Aufstieg und Weiterbildung sowie jegliche weitere zusätzliche Vorteile dieselben Möglichkeiten zu denselben Bedingungen wie Männern einzuräumen haben;

18.  verweist auf die positive Rolle von Frauenräten und Gleichstellungsbeauftragten am Arbeitsplatz; fordert, dass die Gleichstellung der Geschlechter in den Medien bereichsübergreifend gefördert wird; ist der Auffassung, dass die Verwirklichung der Gleichstellung von Frauen auf allen Ebenen, insbesondere auf den Entscheidungsebenen, erfordert, dass in den Medien eine mitarbeiterzentrierte Unternehmenskultur herrscht und bei den Führungskräften ein Bewusstsein für das Thema Gleichstellung entsteht; empfiehlt den nationalen Aufsichtsbehörden und den Medienorganisationen, sich an die Empfehlung der Kommission 2014/124/EU zur Stärkung des Grundsatzes des gleichen Entgelts für Frauen und Männer durch Transparenz zu halten(24), Leitlinien für faire Auswahlverfahren auszuarbeiten, umfassende Gleichstellungsstrategien festzulegen, die sich sowohl auf Medieninhalte als auch auf die Beförderung von Frauen in Entscheidungsgremien beziehen, sowie interne Verfahren in Bezug auf Mobbing am Arbeitsplatz einzurichten; fordert die Kommission auf, auch künftig die ordnungsgemäße Anwendung und Durchsetzung der Richtlinie 2006/54/EG zu überwachen, die in Fällen geschlechtsspezifischer Diskriminierung eine Beweislastumkehr vorsieht;

Medieninhalte und Frauen

19.  betont die Rolle der Medien im Dienste des sozialen Wandels und ihren Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung, und fordert die Mitgliedstaaten auf, in den öffentlich-rechtlichen Medien Inhalte zum Thema Gleichstellung der Geschlechter zu fördern; weist darauf hin, dass bislang alle Regulierungsmaßnahmen zur Bekämpfung von Sexismus und stereotypen Geschlechterdarstellungen in Medieninhalten in die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten fallen; erinnert daran, dass die Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste ein Verbot der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts in den Medien enthält; betont ferner, dass Regulierungsmaßnahmen im Hinblick auf den Grundsatz der Meinungsfreiheit zwar einer ordnungsgemäßen Abwägung bedürfen, die redaktionelle Freiheit jedoch unter keinen Umständen als Ansporn oder Rechtfertigung für erniedrigende Darstellungen von Frauen und LGBTI-Personen dienen darf; fordert die Mitgliedstaaten auf, unter Wahrung der genannten Freiheiten den Zugang zu Videospielen mit schädlichen Online-Inhalten und zu Pornografie im Internet zu regulieren;

20.  betont, dass wirtschaftliche Gründe nicht als Vorwand für die Verfestigung von Geschlechterstereotypen in den Medien dienen dürfen;

21.  betont, dass sich Gewalt darstellende und sexistische Medieninhalte nachteilig auf Frauen und ihre gesellschaftliche Teilhabe auswirken; bringt seine Besorgnis darüber zum Ausdruck, dass bestimmte audiovisuelle Inhalte kommerzieller Anbieter Kindern und jungen Menschen seelische oder körperliche Schäden zufügen; fordert die relevanten Akteure und Stellen auf, sich des Problems der Werbeinhalte anzunehmen, die Essstörungen wie Magersucht indirekt Vorschub leisten, und weitere Maßnahmen zu ergreifen, um besonders schutzbedürftige Personen wie Mädchen und junge Frauen vor solchen Inhalten zu schützen;

22.  fordert nachdrücklich, dass Medieninhalte – einschließlich Werbung –, die mit Familienplanung, sexuellen und reproduktiven Rechten, der Gesundheit von Müttern und Kindern sowie der Erziehung im Zusammenhang stehen, sowohl an Männer als auch an Frauen gerichtet werden;

23.  betont, wie wichtig es ist, die Medienkompetenz zu fördern und allen relevanten Akteuren Initiativen im Bereich der Medienerziehung anzubieten, bei denen Geschlechteraspekte berücksichtigt werden, damit junge Menschen darin bestärkt werden, ihre Fähigkeit zum kritischen Denken zu entwickeln, und es ihnen ermöglicht wird, sexistische Darstellungen und Diskriminierungen, geschlechtsspezifische Gewalt, Cyber-Mobbing, Hassrede und Gewalt, die durch das Geschlecht, die Geschlechtsidentität, die geschlechtsspezifische Ausdrucksweise, die sexuelle Orientierung oder die Geschlechtsmerkmale einer Person motiviert sind, zu erkennen und dagegen ihre Stimme zu erheben; hebt hervor, dass vorbeugende Maßnahmen, einschließlich Verschlüsselung und elterlicher Kontrolle, erforderlich sind, um eine sicherere Internetnutzung sowie die digitale und mediale Kompetenz zu gewährleisten; weist darauf hin, dass sich Stereotype in der Werbung und in anderen Medienprodukten auf die Sozialisation von Kindern und somit auf ihr Selbstverständnis, ihre Familienangehörigen und die Außenwelt auswirken können; weist darauf hin, dass Werbung ein wirksames Instrument zur Bekämpfung von Stereotypen, wie etwa Geschlechterstereotypen und Vorurteile gegen LGBTI-Personen, sein kann; fordert daher eine stärkere Konzentration auf berufliche Aus- und Fortbildungsmaßnahmen, um Diskriminierungen zu bekämpfen und die Gleichstellung der Geschlechter und von LGBTI-Personen zu fördern;

24.  empfiehlt, dass freiwilligen Maßnahmen wie Gleichstellungsplänen oder -leitlinien in den Medienorganisationen noch mehr Gewicht eingeräumt werden sollte, und rät dazu, dass in solchen Protokollen Standards für eine positive Darstellung von Frauen in der Werbung, in Nachrichten, in der Berichterstattung sowie in der Produktion und Ausstrahlung niedergelegt werden und dass sie alle Bereiche mit sensiblen Inhalten, wie etwa die Darstellung von Macht und Autorität, Sachverstand, Entscheidungskompetenz, Sexualität, Gewalt, Rollenvielfalt und die Verwendung einer sexismusfreien Sprache abdecken; fordert die öffentlich-rechtlichen und privaten Medien ferner auf, die Gleichstellung der Geschlechter bei allen ihren Inhalten zu berücksichtigen und Gleichstellungspläne zu erlassen, um die soziale Vielfalt widerzuspiegeln;

25.  empfiehlt, dass die von den Aufsichtsbehörden für Medien und Kommunikation erlassenen Regelungen Kriterien enthalten, die eine klischeefreie Darstellung von Frauen und Mädchen gewährleisten und die Möglichkeit schaffen, beleidigende Inhalte zu entfernen oder zu sperren; empfiehlt, dass spezialisierte Einrichtungen, wie nationale Gleichstellungsstellen oder Frauenverbände, in die Überwachung der Umsetzung solcher Regelungen einbezogen werden;

26.  weist darauf hin, dass die Mitgliedstaaten mit allen geeigneten Mitteln dafür Sorge tragen müssen, dass die Medien, einschließlich der Online-Medien, der sozialen Medien und der Werbung, frei von jeglicher Aufstachelung zu Gewalt oder Hass gegen Personen oder Personengruppen sind; betont die Notwendigkeit, nach Geschlechtern aufgeschlüsselte Daten auf EU-Ebene zu erheben und in Zusammenarbeit mit dem EIGE Forschung in diesem Bereich zu betreiben, um auf Gewalt und sexuelle Belästigung im Internet, Bedrohungen, sexistische Äußerungen und Hassreden gegen Frauen und Mädchen, einschließlich solcher, bei denen es sich um LGBTI-Personen handelt, reagieren zu können; betont, dass besonderes Augenmerk auf Schulungen darüber gerichtet werden muss, wie in den Medien über Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt, einschließlich gegen LGBTI-Personen gerichteter Gewalt, berichtet wird; schlägt vor, dass Medienmitarbeitern, auch solchen in Führungspositionen, kontinuierliche Schulungen zur Darstellung von Frauen und Männern in den Medien angeboten werden; empfiehlt, dass das Thema Geschlechtergleichstellung in den Lehrplänen der Fächer Journalismus und Kommunikation für Studierende und Postgraduierte berücksichtigt werden sollte;

27.  fordert die Mitgliedstaaten und die Kommission auf, die Selbstregulierung und Koregulierung in den Medien durch Verhaltenskodizes zu fördern;

Beispiele für bewährte Praktiken

28.  nimmt mit Begeisterung die verschiedenen Beispiele für bewährte Praktiken zur Kenntnis, die in allen Mitgliedstaaten zu beobachten sind, wie etwa Medienkampagnen, spezielle Rechtsvorschriften, Preise oder Negativpreise für stereotype und sexistische Werbung, Expertinnen-Datenbanken, Schulungen für Branchenfachkräfte, Gleichstellungspläne von Medienorganisationen, Verhaltenskodizes und Strategien zur Gewährleistung von Chancengleichheit und Vielfalt sowie die Festlegung von Mindestquoten für die Vertretung der Geschlechter in den Leitungsgremien der Medienaufsichtsbehörden;

29.  fordert die Mitgliedstaaten auf, Kampagnen wie u.a. das belgische Expertalia-Instrument, die in Tschechien verliehenen „Sexist Piggy“-Preise oder die schwedische Initiative #TackaNej (‘Nein, danke’) zu unterstützen; fordert die Mitgliedstaaten auf, regelmäßig Informations- und Sensibilisierungskampagnen zu geschlechtsbezogenen, diskriminierenden Inhalten in den Medien durchzuführen und regelmäßig über die Entwicklungen im Bereich der Geschlechtergleichstellung in den Medien Bericht zu erstatten; fordert die Kommission auf, spezielle Finanzmittel für Unterprogramme zur gezielten Förderung von Frauen im Mediensektor bereitzustellen und Medienverbände und -netzwerke dabei zu unterstützen, öffentliche und sektorspezifische Sensibilisierungskampagnen in die Wege zu leiten; fordert die Kommission ferner auf, einen EU-Preis einzuführen, der an Studierende im Medienbereich für Arbeiten mit Bezug zum Thema Gleichstellung der Geschlechter verliehen wird;

30.  fordert die Organisationen der Zivilgesellschaft auf, Kommunikationsstrategien auszuarbeiten, und zwar nicht nur für die traditionellen Medien, sondern auch für die Online-Medien, damit die Möglichkeiten, die Medienagenda zu beeinflussen und zu überwachen, erweitert werden;

Weitere Empfehlungen

31.  fordert die Mitgliedstaaten auf, in Zusammenarbeit mit den Gleichstellungsgremien für die vollständige Umsetzung der geltenden Rechtsvorschriften zur Gleichstellung der Geschlechter zu sorgen und den Aufsichtsbehörden nahezulegen, darauf zu achten, dass Frauen beruflich aufsteigen können, und dass keine stereotypisierenden Medieninhalte verbreitet werden; fordert die Mitgliedstaaten auf, die oben genannten Bereiche regelmäßig zu evaluieren und, falls dies noch nicht geschehen ist, Rechtsvorschriften auszuarbeiten, die sich auf stereotypfreie Medieninhalte konzentrieren; betont, dass es Aufgabe der Mitgliedstaaten ist, im Rahmen ihrer Zuständigkeit für die Wahrnehmung von Aufgaben des öffentlichen Dienstes die in den Medien vorhandenen Ressourcen besser zu nutzen und damit einer geschlechtergerechteren und demokratischeren Gesellschaft Ausdruck zu verleihen;

32.  fordert die Kommission auf, die Vertretung von Frauen in Führungspositionen in der Medienbranche weiter zu untersuchen; lobt das EIGE für seine Arbeit in diesem Bereich und fordert es auf, die Entwicklung und Überwachung relevanter Indikatoren fortzusetzen, wie etwa die Beteiligung von Frauen an der Entscheidungsfindung, ihre Arbeitsbedingungen und die Gleichstellung der Geschlechter in den Medieninhalten; fordert das EIGE ferner auf, seine Aufmerksamkeit auf die neuen Technologien im Bereich der sozialen Medien zu richten, um Methoden zur Verhinderung geschlechtsspezifischer Gewalt und Belästigung in sozialen Medien zu entwickeln;

33.  fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, Frauenorganisationen, die die Gleichstellung der Geschlechter in der Medienbranche aktiv fördern, zu unterstützen und diese Unterstützung auch Organisationen zu gewähren, die Frauen und Mädchen betreuen, die unter geschlechtsspezifischer Gewalt, sich überschneidenden Diskriminierungen oder sexueller Belästigung leiden;

34.  fordert die Mitgliedstaaten auf, Aktionsprogramme umzusetzen, mit denen für die Beteiligung von Frauen an der Gestaltung und Umsetzung von wirksamen und effizienten gleichstellungsorientierten Maßnahmen und Programmen in den Medienorganisationen gesorgt ist;

35.  fordert die Mitgliedstaaten auf, Programme auszuarbeiten, um die Fertigkeiten von Frauen in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT-Fächer), die für Laufbahnen in der Medienbranche mit einem eher technischen Schwerpunkt wie Tontechnik oder audiovisuelle Technik wichtig sind, zu verbessern; betont die große Bedeutung der beruflichen Aus- und Weiterbildung, da sie Laufbahnoptionen diversifiziert und Frauen und Männern unkonventionelle Karrierechancen bietet, wodurch die horizontale und die vertikale Segregation überwunden werden;

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36.  beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat und der Kommission zu übermitteln.

(1) ABl. L 204 vom 26.7.2006, S. 23.
(2) ABl. L 95 vom 15.4.2010, S. 1.
(3) ABl. C 296 vom 10.11.1995, S. 15.
(4) ABl. C 304 vom 6.10.1997, S. 60.
(5) ABl. C 295E vom 4.12.2009, S. 43.
(6) ABl. C 36 vom 29.1.2016, S. 18.
(7) ABl. C 66 vom 21.2.2018, S. 44.
(8) Angenommene Texte, P8_TA(2016)0338.
(9) Angenommene Texte, P8_TA(2016)0360.
(10) Angenommene Texte, P8_TA(2017)0260.
(11) Angenommene Texte, P8_TA(2017)0290.
(12) Angenommene Texte, P8_TA(2017)0364.
(13) Angenommene Texte, P8_TA(2017)0417.
(14) Gemeinsame Datenerhebung von UNESCO, OECD und Eurostat (UOE), abrufbar unter: http://eige.europa.eu/gender-statistics/dgs/indicator/ta_educ_part_grad__educ_uoe_grad02
(15) Gleichstellungsindex des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE).
(16) https://www.womenlobby.org/IMG/pdf/factsheet_women_and_media.pdf
(17) Lenka Vochocová, öffentliche Anhörung im FEMM-Ausschuss zum Thema „Gleichstellung der Geschlechter in der Medienbranche in der EU“, 26. Juni 2017, Aufzeichnung abrufbar unter: http://www.europarl.europa.eu/ep-live/en/committees/video?event=20170626-1500-COMMITTEE-FEMM
(18) Global Media Monitoring Projekt, Regionalbericht für Europa (2015), abrufbar unter: http://cdn.agilitycms.com/who-makes-the-news/Imported/reports_2015/regional/Europe.pdf
(19) Kampagne der Internationalen Journalisten-Vereinigung (IFJ) zu geschlechtsspezifischer Gewalt am Arbeitsplatz https://www.ifj-stop-gender-based-violence.org/
(20) Wo sind die Regisseurinnen in der europäischen Filmbranche? Bericht über die Gleichstellung von Männern und Frauen in der Filmindustrie (2006-2013) mit bewährten Verfahren und politischen Empfehlungen http://www.ewawomen.com/en/research-.html
(21) Geschlechtergleichstellung in Machtpositionen und bei der Entscheidungsfindung. Überprüfung der Umsetzung der Aktionsplattform von Peking in den Mitgliedstaaten der EU, 2017 (Quelle: EIGE-Datenbank für Gender-Statistiken – Frauen und Männer in Entscheidungsprozessen).
(22) Europäisches Institut für Gleichstellungsfragen (EIGE): Überprüfung der Umsetzung der Aktionsplattform von Beijing in den EU-Mitgliedstaaten: Frauen und Medien – Förderung der Geschlechtergleichstellung in Entscheidungsprozessen von Medienorganisationen (2013).
(23) Siehe Entschließung des Europäischen Parlaments vom 4. Juli 2017 zu Arbeitsbedingungen und prekären Beschäftigungsverhältnissen.
(24) ABl. L 69 vom 8.3.2014, S. 112.

Letzte Aktualisierung: 1. Juli 2019Rechtlicher Hinweis