Startseite aufrufen (Eingabetaste drücken)
Zugang zu den Inhalten der Seite (mit der Eingabetaste bestätigen)
Liste der anderen Websites aufrufen (Eingabetaste drücken)

Einleitung: Die Europawahl 2014  

Europawahl 2014: Diesmal geht's um mehr!


Die europäischen Bürgerinnen und Bürger wählen im Mai 2014 ihr Europäisches Parlament und haben damit die Möglichkeit, den Kurs der Europäischen Union für die kommenden fünf Jahre mitzubestimmen. Gewählt werden 751 Europa-Abgeordnete, die die Interessen der 507 Millionen Europäerinnen und Europäer vertreten.


Wann ist die Europawahl?

 

Der genaue Termin der Europawahl richtet sich nach den jeweiligen Wahl-Traditionen der Mitgliedsstaaten: so sind in den meisten Ländern Wahlen traditionell am Sonntag, in anderen Ländern jedoch am Donnerstag oder auch am Samstag. Festgelegt ist, dass die Europawahl in der Zeit zwischen dem 22. und 25. Mai 2014 ist.


In Deutschland, Belgien, Luxemburg und Österreich ist die Europawahl am Sonntag, den 25. Mai 2014. Die Wahlergebnisse aus allen 28 EU-Staaten werden am Sonntagabend bekanntgegeben, wenn alle Wahllokale geschlossen sind.


Wie viele Europa-Abgeordnete werden insgesamt gewählt?


Nach der Europawahl 2014 wird das Europäische Parlament 751 Abgeordnete zählen - diese Zahl ist durch den Vertrag von Lissabon festgelegt. Diese 751 Europa-Abgeordneten vertreten über 500 Millionen Bürgerinnen und Bürger aus 28 Staaten. Die Bevölkerungsgröße der einzelnen Mitgliedsstaaten bestimmt die Anzahl der Abgeordneten; aus den "kleinsten" EU-Staaten kommen sechs Europa-Abgeordnete, die mit Abstand meisten Europa-Abgeordneten kommen aus Deutschland, nämlich 96, dem bevölkerungsreichsten EU-Mitgliedsstaat. Österreich ist mit 18 Europa-Abgeordneten im EU-Parlament vertreten, Belgien mit 21 und Luxembourg mit sechs Abgeordneten.


Es gilt bei der Sitzverteilung nach Ländern das Prinzip der "degressiven Proportionalität". Das bedeutet, dass die Bevölkerungen der kleineren Mitgliedsstaaten relativ "besser" im EU-Parlament vertreten sind als die Bevölkerungen der größeren Mitgliedsstaaten. Dieses Prinzip ist in einer parlamentarischen Demokratie nichts Ungewöhnliches: Im deutschen Bundesrat beispielsweise sind die kleineren Bundesländer auch "relativ besser" vertreten als die größeren Bundesländer.


Warum ist diese Europawahl anders?

 

Europa steckt noch mitten in der Bewältigung der schwersten Wirtschafts- und Finanzkrise, vieles musste in Frage gestellt werden. Die Europawahl ist damit auch eine Wahl über den künftigen Kurs der Europäischen Union und somit die bislang wichtigste Europawahl überhaupt.


Die Europawahl erlaubt den Wählerinnen und Wählern darüber abzustimmen, wie die Europäische Union gestaltet werden soll und wie die wirtschaftliche und politische Integration verlaufen soll.


Die Europawahl 2014 ist zudem die erste Europawahl nach dem Inkrafttreten des Vertrages von Lissabon. Dieser Vertrag hat dem Europäischen Parlament deutlich mehr Macht und Einfluss gegeben, es bestimmt über Gesetze mit, die in allen 28 Mitgliedsstaaten gelten und entscheidet über alle internationalen Abkommen sowie über den Haushalt der Europäischen Union mit. So ist das Europäische Parlament als einzig direkt gewählte Institution der Europäischen Union der Dreh- und Angelpunkt für echte europäische Entscheidungen.


Die Europawahl 2014 wird zudem darüber entscheiden, wer der Nachfolger oder die Nachfolgerin von José Manuel Barroso als Präsident der Europäischen Kommission wird. Die Staats- und Regierungschefs werden zum ersten Mal den Ausgang der Europawahl zu berücksichtigen haben, wenn sie den Kandidaten für dieses Amt bestimmen. Das neugewählte Europäische Parlament wird über diesen Kandidaten mitentscheiden: "Es wählt den Präsidenten der Europäischen Kommission", so steht es wörtlich in Artikel 14 des Lissabon Vertrages. Die Wählerinnen und Wähler haben also einen Einfluss darauf, wer an die Spitze der nächsten EU-Kommission kommt.

 

Welche Aufgaben hat das Parlament?

Das Ergebnis der Europawahl 2014 wird zum ersten Mal in der Geschichte der EU darüber bestimmen, wer die Europäische Kommission, das Exekutivorgan der EU, leiten wird.


Die Kandidaten und Kandidatinnen für die übrigen Kommissions-Posten ("Kommissare") werden ebenfalls ein anspruchsvolles parlamentarisches Überprüfungsverfahren durchlaufen müssen, bevor sie ein Amt übernehmen können. Diese "Bewerbungsgespräche" zwischen den einzelnen Kandidaten und den Europa-Abgeordneten werden live über das Internet gestreamt und sind somit öffentlich.


Sobald die Zusammensetzung der Kommission feststeht, werden sich die Europa-Abgeordneten ihren parlamentarischen Pflichten zuwenden: der Gestaltung von Gesetzen. Diese haben Einfluss auf den Alltag der Bürgerinnen und Bürger Europas. Außerdem bestimmen die Europa-Abgeordneten über den EU-Haushalt.

Bei der Gesetzgebung und der Festlegung auf den EU-Haushalt muss das Europäische Parlament mit dem Ministerrat (dem die 28 nationalen Regierungen der EU angehören) zusammenarbeiten und sich mit diesem einigen. So ist die EU eine Art Zweikammersystem. Das Parlament verfügt zudem über Prüfungs- und Aufsichtsrechte über die anderen Organe und Institutionen der Europäischen Union: Es überwacht, wie sie arbeiten und wofür das Geld der Steuerzahler ausgegeben wird. Das Europäische Parlament ist zudem wie jedes Parlament auch der Resonanzboden für die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger und kann neue Themen auf die politische Tagesordnung Europas setzen.


Hier erhalten Sie einen Überblick über die Zuständigkeiten und Befugnisse des Parlaments.


1. Verfahren zur Ernennung der Europäischen Kommission


Zum ersten Mal in der Geschichte der Europäischen Union wird das Ergebnis der Europawahl einen entscheidenden Einfluss auf die Auswahl des Kandidaten, der Kandidatin für das Amt des Präsidenten, der Präsidentin der Europäischen Kommission haben. Die Staats- und Regierungschefs müssen das Wahlergebnis berücksichtigen, bevor sie den Kandidaten oder die Kandidatin benennen. Das Verfahren läuft folgendermaßen ab:


  • Unter Berücksichtigung der Europawahl schlagen die Staats- und Regierungschefs einen Kandidaten oder eine Kandidatin für das Amt des Kommissionspräsidenten vor;
  • der Kandidat/ die Kandidatin stellt dem Parlament seine/ ihre politischen Leitlinien (ein Programm) vor;
  • der Kandidat/ die Kandidatin muss durch eine absolute Mehrheit im Europäischen Parlament (das sind 376 von 751 Stimmen) bestätigt werden; mit der Bestätigung gilt er/sie als durch das Parlament gewählt; wird er/sie nicht bestätigt, müssen die Staats- und Regierungschefs einen neuen Kandidaten/eine neue Kandidatin vorschlagen;
  • der designierte Präsident/ die designierte Präsidentin und die Regierungen der Mitgliedsstaaten einigen sich gemeinsam auf eine Kandidatenliste für die anderen Amtsbereiche der Kommission (es gilt: ein Kandidat/eine Kandidatin pro Land);
  • jeder Kandidat und jede Kandidatin stellt sich einer Anhörung im Parlament (bei diesen Anhörungen handelt es sich nicht um bloße Formalitäten: das Parlament hat in der Vergangenheit Kandidaten/Kandidatinnen, die ungeeignet schienen, abgelehnt);
  • der Präsident/die Präsidentin und die anderen Kommissare/Kommissarinnen stellen sich dann als Organ "Europäische Kommission" einem Zustimmungsvotum im Europäischen Parlament; hierbei reicht die einfache Mehrheit (die Mehrheit der abgegebenen Stimmen);
  • nachdem sie durch das Parlament gebilligt wurde, wird die neue Europäische Kommission von den Staats- und Regierungschefs der EU förmlich ernannt und durch den Europäischen Gerichtshof vereidigt.

 

 

2. Gesetzgebung


Das Europäische Parlament ist gemeinsam mit dem Rat Gesetzgeber der Europäischen Union: Ohne den Beitrag und die Zustimmung der Europa-Abgeordneten können EU-Gesetze nicht in Kraft treten. Mit dem Vertrag von Lissabon aus dem Jahr 2009 hat das Parlament weitere Gesetzgebungsrechte über wichtige Politikbereiche erhalten – vor allem zu Landwirtschaft und bürgerliche Freiheiten. Zuvor hatte es hier lediglich eine beratende Funktion.


Im Folgenden werden die wichtigsten Arten der legislativen Befugnisse aufgeführt.


  • Ordentliches Gesetzgebungsverfahren: Auch bekannt als „Mitentscheidungsverfahren“. Dies ist das wichtigste Gesetzgebungsverfahren der EU, fast alle europäischen Gesetze werden durch dieses verfasst und verabschiedet (in etwa 70 bis 80 Politikbereichen). Das Europäische Parlament ist hier gleichberechtigter Partner mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten. Die Europa-Abgeordneten können die von der EU-Kommission vorgelegten Gesetzesvorschläge verändern und so die EU-Gesetze und deren Wirkungen maßgeblich mitgestalten. Beim Mitentscheidungsverfahren müssen Parlament und Rat zu einer gemeinsamen Position finden, damit ein EU-Gesetz verabschiedet werden kann. Das Mitentscheidungsverfahren gilt beispielsweise in allen Bereichen des gemeinsamen Binnenmarktes, in der Umweltpolitik, beim Verbraucherschutz, bei Regeln zu den bürgerlichen Freiheiten, in der Landwirtschaftspolitik, der Verkehrspolitik, zu Forschung und zu weiteren Bereichen, die die EU regelt. In dieser Legislaturperiode haben die Europa-Abgeordneten beispielsweise ihre gesetzgeberischen Kräfte eingesetzt, um schärfere Regeln zum Datenschutz, eine Beschränkung der Bonuszahlungen an Bankmitarbeiter und eine größere demokratische Kontrolle des noch jungen wirtschaftspolitischen Steuerungssystems der EU durchzusetzen.

 

  • Konsultation: Zu einigen Arten von Rechtsvorschriften (z. B. im Bereich Steuern, Wettbewerb, neue Mitglieder der Eurozone) gibt das Parlament lediglich eine Stellungnahme ab. Die Zahl der Politikbereiche, die durch dieses Verfahren gesteuert werden, ist jedoch erheblich zurückgegangen, und die meisten EU-Gesetze entstehen nun im Rahmen des Mitentscheidungsverfahrens.

 

  • Zustimmung: Wenn die EU beabsichtigt, neue Mitgliedstaaten aufzunehmen oder Abkommen mit Nicht-EU-Ländern abzuschließen (etwa Handelsabkommen), so braucht es die Zustimmung des Parlaments. Das Europäische Parlament kann zwar keine Einzelheiten solcher Abkommen ändern, jedoch begleitet es Verhandlungen zu internationalen Abkommen aktiv mit; gleiches gilt bei Verhandlungen über Beitritte zur Europäischen Union. In der aktuellen Legislaturperiode haben die Europa-Abgeordneten das Abkommen zur Bekämpfung von Produkt- und Markenpiraterie (ACTA) abgelehnt und sich geweigert, den Transfer von Bankdaten an die USA über das SWIFT-Netz zu ermöglichen. 

  • Initiativrecht: Das Parlament kann die Kommission dazu auffordern, Gesetzesvorschläge vorzulegen und tut dies häufig nach der Prüfung des jährlichen Arbeitsprogramms der Kommission.

3. Haushaltsbefugnisse

 

Landwirtschaft, regionale Entwicklung, Energieversorgung, Verkehr, Umweltschutz, Entwicklungshilfe oder auch Forschung: all das erhält Förderung durch den europäischen Haushalt. Das Europäische Parlament muss wie auch die nationalen Regierungen den langfristigen Haushaltsplan der Europäischen Union bewilligen. Auch über den jährlichen Haushalt der EU entscheiden beide Seiten.


Das Parlament prüft zudem, ob das Geld der Steuerzahler wie geplant eingesetzt worden ist. Bei zahlreichen Gelegenheiten hat es strengere Kontrollen gefordert, damit EU-Mittel nicht verschwendet werden und diese besser eingesetzt werden. Im Jahr 1999 zwang es sogar die gesamte EU-Kommission zur Amtsaufgabe, weil es große Zweifel an einer ordentlichen Haushaltsführung hatte.


4. Demokratische Kontrolle und Überwachungsbefugnisse

 

Eine grundlegende Aufgabe eines jeden Parlaments ist die Kontrolle und Aufsicht über die ausführenden, also die exekutiven Organe. Das Europäische Parlament sichert also auch die demokratische Rechenschaftspflicht in der Europäischen Union.

 

Nominierungsbefugnisse

Dem Europäischen Parlament kommt eine Schlüsselrolle bei der Installierung der Europäischen Kommission zu und es hat auch bei der Besetzung weiterer Top-Posten in der EU eine wichtige Rolle. Der designierte Präsident (oder Präsidentin) der Europäischen Zentralbank muss sich ebenso einer Anhörung im Europäischen Parlament stellen wie auch die Mitglieder des Direktoriums der Europäischen Zentralbank. Auch die Kandidaten für den Europäischen Rechnungshof müssen sich im Europäischen Parlament vorstellen.

 

Parlamentarische Kontrolle der Europäischen Zentralbank

Um die Rechenschaftspflicht der europäischen Währungspolitik sicherzustellen, erstattet der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) dem Wirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments alle drei Monate Bericht und stellt dem Parlament auch den Jahresbericht der EZB vor.


In ihrer neuen Eigenschaft als Bankenaufsicht der EU wird die EZB einer strengen parlamentarischen Aufsicht durch die Europa-Abgeordneten unterliegen, die auch ermächtigt sein werden, die Führungsspitze der Aufsichtsbehörde zu billigen.

 

Parlamentarische Untersuchungen

Das Parlament hat die Befugnis, einen nichtständigen Ausschuss einzuberufen, um entweder ein Thema von öffentlichem Interesse zu untersuchen (ein aktueller Fall ist der Ausschuss gegen organisiertes Verbrechen, Korruption und Geldwäsche) oder sich mit Verstößen gegen das Gemeinschaftsrecht oder dessen mangelhafter Umsetzung zu befassen.

 

Parlamentarische Anfragen

Um die anderen Gemeinschaftsorgane einer Bewertung zu unterziehen, können die Europa-Abgeordneten mündliche und schriftliche Anfragen stellen. Dadurch werden die Kommission und der Rat regelmäßig gezwungen, Anfragen zu beantworten, detaillierte Informationen zur Verfügung zu stellen oder sich an einer Aussprache im Parlament zu bestimmten Themen zu beteiligen.


5. Außenpolitik und Menschenrechte


Die Hohe Vertreterin für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU ist dem Parlament gegenüber rechenschaftspflichtig. So werden die Europa-Abgeordneten regelmäßig und detailliert über die Außen- und Sicherheitspolitik der EU informiert und dazu konsultiert. Außerdem können die Haushaltsbefugnisse dazu genutzt werden, den Umfang und die Tragweite der Außen- und Sicherheitspolitik zu gestalten.


Jede Erweiterung der EU und der Abschluss von Handelsabkommen oder anderen internationalen Abkommen mit Nicht-EU-Staaten bedarf der Zustimmung des Parlaments. Zudem widmen sich die Europa-Abgeordneten intensiv dem Bereich Menschenrechte und der Förderung der demokratischen Werte auf der ganzen Welt. Das Europäische Parlament entsendet stets Wahlbeobachtungsmissionen in Drittstaaten und genießt weltweit eine hohe Achtung als Hüter und Wahrer demokratischer Werte. Seit 1988 verleiht das Europäische Parlament den Sacharow-Preis für geistige Freiheit, der weltweit ein Zeichen setzt für all jene, die sich unerschrocken und unermüdlich für Menschenrechte und Demokratie einsetzen.

 

 

6. Petitionen

 

Das Europäische Parlament verfügt über eine Führungsrolle bei der Förderung von Transparenz, Offenheit und dem offenen Zugang zu Dokumenten der Europäischen Union und ihren Institutionen. Alle europäischen Bürgerinnen und Bürger haben das Recht, den Europa-Abgeordneten etwa zu den Themen Umweltprobleme, Streitigkeiten mit Zollbehörden, Transfers von Rentenansprüchen und anderen Angelegenheiten eine Petition vorzulegen, sofern diese Angelegenheit in den Zuständigkeitsbereich der Europäischen Union fällt. Die Bürgerinnen und Bürger der EU können sich auch an die Europäische Bürgerbeauftragte wenden. Diese hat die Möglichkeit, bei Vorwürfen von Misswirtschaft oder Machtmissbrauch gegen eine EU-Institution Untersuchungen anzustellen und eine möglichst bürgernahe Entscheidung vorzuschlagen.

 
 

Fraktionen: die treibenden politischen Kräfte im Europäischen Parlament

Debatten, Kontroversen und Konflikte sind das Herzblut eines jeden demokratisch gewählten Organs. Das Europäische Parlament – das sich aus Politikern mit gelegentlich deutlich unterschiedlichen Ansichten zusammensetzt – ist da keine Ausnahme.


Um aus der großen Bandbreite von Meinungen und Nationalitäten ein funktionierendes System zu machen, schließen sich die allermeisten Abgeordneten in übernationalen Fraktionen zusammen. Hier arbeiten Abgeordnete aus verschiedenen Ländern, aber mit gleichen politischen Überzeugungen zusammen. Die enge Zusammenarbeit mit den Abgeordneten aus anderen Ländern, die weitgehend die gleichen politischen Ansichten haben, ist für die Europa-Abgeordneten der effektivste Weg, um ihre Ziele auf europäischer Ebene zu verwirklichen.


Derzeit gibt es im Europäischen Parlament sieben Fraktionen, in denen insgesamt über 160 nationale Parteien vertreten sind.


Die Fraktionen sind für die Arbeit des Parlaments von zentraler Bedeutung. Sie sind die entscheidenden Akteure bei der Bildung von Abstimmungsmehrheiten zur Gesetzgebung, zum Haushaltsplan und zu anderen Themen. Sie legen die parlamentarische Tagesordnung fest und spielen eine entscheidende Rolle bei der Auswahl des Parlamentspräsidenten bzw. der Parlamentspräsidentin und anderer führender Amtsträger und Amtsträgerinnen.


Die Mitglieder einer Fraktion müssen über eine gemeinsame „politische Zugehörigkeit“ verfügen, und einer Fraktion müssenmindestens 25 Abgeordnete aus einem Viertel der Mitgliedstaaten angehören (derzeit mindestens sieben). Selbstverständlich gibt es auch fraktionslose Abgeordnete.


Eine Kultur der Kompromisse - und ein Gleichgewicht der Kräfte


Noch nie in der Geschichte des Europäischen Parlaments verfügte eine einzige Fraktion über eine absolute Mehrheit. Um eine tragfähige Mehrheit im Europäischen Parlament formen zu können, ist das Schmieden von Kompromissen wesentlich, es ist ein Wesensmerkmal des Europäischen Parlaments. Hinzu kommt, dass die Fraktionsdisziplin weniger streng als in einigen nationalen Parlamenten ist: Abgeordnete derselben Fraktion stimmen gelegentlich ganz unterschiedlich ab - häufig spielt dann die nationale oder auch regionale Zugehörigkeit eine größere Rolle. Jedoch, es ist zumeist so, dass wie in nationalen Parlamenten die entscheidenden politischen Trennlinien üblicherweise entlang der parteipolitischen Ausrichtung verlaufen. Im Europäischen Parlament jedoch steht im Zweifel der Kompromiss um die beste Lösung im Vordergrund und nicht die parteipolitische Zugehörigkeit.


Die meisten Fraktionen im Europäischen Parlament sind mit einer europäischen Parteienfamilie verbunden. Von diesen europäischen Parteien wird erwartet, dass sie rechtzeitig vor der Europawahl einen Spitzen-Kandidaten oder auch eine Spitzen-Kandidatin für das Amt des Kommissionspräsidenten oder der Kommissionspräsidentin nominieren.

 
 

Die Arbeit eines Europa-Abgeordneten

 Wie sieht der Alltag der Abgeordneten aus, sobald die Stimmen ausgezählt und die Abgeordneten gewählt worden sind? Welchen Einfluss haben sie auf das politische Leben in Brüssel und Straßburg?


Die Europa-Abgeordneten verrichten einen wesentlichen Teil ihrer Arbeit in parlamentarischen Ausschüssen, von denen es 20 gibt und in denen die Detailarbeit an den EU-Gesetzen erledigt wird. Die Ausschüsse sind thematisch unterteilt und jeder Ausschuss hat einen Vorsitzenden oder eine Vorsitzende. Die Ausschüsse sind die gesetzgeberischen Machtzentren des Europäischen Parlaments, hier werden die wichtigsten Verhandlungen und die heftigsten politischen Auseinandersetzungen geführt. Hier werden jedoch auch die Spielräume für mögliche Kompromisse erarbeitet. Die endgültigen Entscheidungen über jedes EU-Gesetz werden nach Abschluss der Ausschuss-Arbeiten von allen 751 Mitgliedern im Rahmen der Plenartagungen des Parlaments getroffen.


Im Europäischen Parlament gibt es zudem interparlamentarische Delegationen, deren Aufgabe es ist, Kontakte zu den Parlamenten von Nicht-EU-Ländern zu pflegen.


Amtsträger und Amtsträgerinnen des Parlaments


Der Präsident des Parlaments/ die Präsidentin des Parlaments, der/die von den 751 Abgeordneten für eine zweieinhalbjährige Amtszeit gewählt wird, vertritt das Parlament nach außen, führt den Vorsitz bei Plenartagungen und beaufsichtigt die gesamte Arbeit des Parlaments. Vierzehn Vizepräsidenten und Vizepräsidentinnen unterstützen ihn/sie bei dieser Arbeit.


Der/die Vorsitzende eines Ausschusses oder einer Delegation leitet die Beratungen dieses Gremiums. Ein/eine Koordinator/Koordinatorin ist der/die führende Vertreter/Vertreterin seiner oder ihrer Fraktion in einem Ausschuss, während ein/eine Berichterstatter/Berichterstatterin ein Abgeordneter oder eine Abgeordnete ist, dessen Aufgabe es ist, eine Entschließung oder ein Gesetz durch das Parlament zu steuern.


Die Lenkungsorgane des Parlaments


Die Verantwortung für die interne Verwaltung des Parlaments liegt bei verschiedenen Gremien: politische Entscheidungen werden von der Konferenz der Präsidenten getroffen, die sich aus dem Präsidenten/der Präsidentin des Parlaments und den Fraktionsvorsitzenden zusammensetzt; mit finanziellen, organisatorischen und administrativen Angelegenheiten befasst sich das Präsidium, das sich aus dem Präsidenten/der Präsidentin und den Vizepräsidenten/Vizepräsidentinnen zusammensetzt; administrative und finanzielle Angelegenheiten der Abgeordneten fallen in den Zuständigkeitsbereich des Kollegiums der Quästoren (dieses Organ setzt sich aus fünf durch das Parlament gewählte Abgeordnete zusammen).

 
 

Wahlrecht


 

Die Europawahl ist eine besondere Wahl, für sie gelten europäische Bestimmungen, die in allen EU-Staaten gleich sind: so ist die Europawahl frei, unmittelbar, allgemein und geheim. Den eigentlichen Ablauf der Europawahl jedoch regeln die jeweiligen nationalen Rechtsvorschriften. So ist es etwa auch Sache eines jeden Mitgliedstaates, ob er ein offenes oder geschlossenes Listensystem verwendet, ob es eine Wahlliste für das gesamte Land gibt oder regionale Listen.


Basiert die Wahl auf einem offenen Listensystem, können die Wählerinnen und Wähler ihre Präferenz für einen/eine oder mehrere Kandidaten/Kandidatinnen auf der Liste angeben. Dies geschieht in Belgien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Finnland, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Polen, Schweden, der Slowakei, Slowenien und Zypern. Bei der Wahl mit einem geschlossenen Listensystem legen die politischen Parteien die Rangfolge der Kandidaten/Kandidatinnen fest, und die Wählerinnen und Wähler können ihre Stimme lediglich für eine Partei abgeben. Dies geschieht in Frankreich, Deutschland, Ungarn, Portugal, Rumänien, Spanien und dem Vereinigten Königreich (mit der Ausnahme Nordirlands). In Irland und Malta sowie in Nordirland wird hingegen das System der übertragbaren einzelnen Präferenzstimme verwendet.


Jeder Mitgliedstaat kann Wahlkreise für die Wahl zum Europäischen Parlament einrichten oder sein Wahlgebiet auf andere Weise unterteilen. Die meisten Mitgliedstaaten haben sich dazu entschlossen, das gesamte Land als Wahlkreis zu betrachten. In Belgien, Frankreich, Irland und dem Vereinigten Königreich gibt es mehrere Wahlkreise oder Wahlgebiete. In Deutschland, Italien und Polen erfolgt die Wahl ebenfalls in getrennten Wahlkreisen, wobei das Wahlergebnis jedoch auf nationaler Ebene ermittelt wird.


Der Wahlzeitraum wird auf EU-Ebene festgelegt. Der genaue Wahltermin und die Öffnungszeiten der Wahllokale unterscheiden sich jedoch gemäß dem nationalen Wahlrecht. Die Wahlergebnisse jedoch dürfen erst dann bekanntgegeben werden, wenn auch das letzte Wahllokal in der gesamten EU geschlossen hat.


In Belgien, Griechenland, Luxemburg und Zypern besteht eine Wahlpflicht.


Unter den Mitgliedstaaten gibt es Unterschiede in Bezug auf das Mindestwahlalter und das Mindestalter für Kandidaturen. In mehreren Mitgliedstaaten kann man ab 18 Jahren an Wahlen teilnehmen und kandidieren (Dänemark, Deutschland, Finnland, Luxemburg, die Niederlande, Portugal, Slowenien und Schweden). In Österreich kann man jedoch schon ab 16 Jahren wählen und ab 18 Jahren kandidieren, während man in Italien 18 bzw. 25 Jahre alt sein muss.


In einigen Ländern wie etwa Frankreich und dem Vereinigten Königreich muss man sich vorher in einem Wahlverzeichnis registrieren. In vielen anderen Ländern geschieht dies automatisch.


Bürgerinnen und Bürger der EU, die in einem anderen Land als ihrem Herkunftsland leben, haben das Recht, in ihrem Wohnsitzland bei der Europawahl zu wählen und zu kandidieren, wobei das nationale Wahlrecht jedoch spezifische Verfahren dazu festlegen kann, wie dies zu geschehen hat. Für gewöhnlich haben sie auch das Recht, sich dafür zu entscheiden, in ihrem Herkunftsland zu wählen (z. B. per Briefwahl oder bei der Botschaft), aber dies hängt auch von dem nationalen Wahlrecht ab. Bürgerinnen und Bürger des Commonwealth wie etwa Kanadier und Australier, deren Namen im Wählerverzeichnis im Vereinigten Königreich stehen, haben ebenfalls das Recht, an der Wahl teilzunehmen. Es gibt mehrere Beispiele gewählter Mitglieder im derzeitigen Parlament, die in einem anderen Land als ihrem Herkunftsland kandidiert haben.


Gemäß den EU-Verordnungen gibt es mehrere Ämter, die nicht mit einem Mandat als Mitglied des Europäischen Parlaments vereinbar sind. Ein Abgeordneter, eine Abgeordnete darf weder ein Mitglied einer nationalen Regierung oder eines nationalen Parlaments noch aktiver Beamter oder Beamtin der europäischen Institutionen sein. In einigen Ländern gelten weitere Unvereinbarkeiten.

 
 

Einige Fakten über die bisherigen Europawahlen

 

 

Die erste Direktwahl des Europäischen Parlaments war am 10. Juni 1979. Davor, zwischen 1958 und 1974, wurden die Europa-Abgeordneten von den nationalen Parlamenten der Mitgliedstaaten ernannt, wobei die Abgeordneten somit über ein Doppelmandat verfügten.


Der Beschluss und der Akt zur Einführung allgemeiner unmittelbarer Wahlen der Abgeordneten des Europäischen Parlaments wurden am 20. September 1976 in Brüssel unterzeichnet. Nach der Ratifizierung durch alle Mitgliedstaaten gab es die erste Europawahl, bei der 410 Abgeordnete gewählt wurden. Seitdem haben sechs weitere Wahlen stattgefunden.


In neuen Mitgliedstaaten findet die Wahl immer dann statt, wenn sie der EU beitreten, um es ihnen zu ermöglichen, ihre eigenen Vertreter für das Europäische Parlament auch während der Legislaturperiode zu wählen. So geschehen bei Griechenland 1981, Portugal und Spanien 1987, Schweden 1995, Österreich und Finnland 1996 und Bulgarien und Rumänien 2007. In Kroatien fand die Europawahl im April 2013 statt - selbstverständlich wird aber auch in Kroatien 2014 die Europawahl sein.

 

Wahlbeteiligung


Die Beteiligung an der Europawahl unterliegt seit 1979 starken Schwankungen und damit unterscheidet sich die Europawahl nicht von vielen anderen Wahlen: auch bei Kommunalwahlen oder Bürgermeisterwahlen gibt es mitunter enttäuschende Beteiligungen. Das Werben für das demokratische Grundrecht "Wählen" ist eine Aufgabe, die das Europäische Parlament ernst nimmt und es ermuntert andere Institutionen und Vereinigungen, sich dieser Aufgabe aktiv anzunehmen.