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Reden

Rede anlässlich der Eröffnung des Brüsseler Büros des Europäischen Jüdischen Kongresses

Brüssel -
14/10/2009
President Jerzy Buzek 
President Jerzy Buzek

Sehr geehrter Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses, Herr Moshe Kantor,
Sehr geehrter Präsident der Europäischen Kommission, Herr José-Manuel Barroso,
Sehr geehrter Vizepräsident der Europäischen Kommission, Herr Jacques Barrot,
Sehr geehrter israelischer Minister für Infrastruktur, Herr Uzi Landau,
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitglieder des Europäischen Parlaments,
Sehr geehrte Botschafter, meine Damen und Herren,

mit großer Freude nehme ich die Einladung an, anlässlich der offiziellen Eröffnung des neuen Brüsseler Büros des Europäischen Jüdischen Kongresses das Wort an Sie zu richten.

Zunächst möchte ich einer wahrhaft außergewöhnlichen Person gedenken, die kürzlich verstorben ist. Marek Edelman ist nicht nur für seine Heimat Polen, sondern für ganz Europa eine überaus wichtige Persönlichkeit. Er war der letzte überlebende Anführer des Aufstands im Warschauer Ghetto im Jahre 1943 und sein ganzes Leben lang ein herausragender Verteidiger der Menschenrechte. Heute Abend gedenke ich seiner hier voller Anerkennung.

Seit der Gründung Ihrer Organisation im Jahre 1986 haben Sie die Entwicklung der Europäischen Union in ihrer wichtigen Rolle als Schnittstelle zwischen den jüdischen Gemeinden in ganz Europa und den Organen der EU begleitet.

Ihre Präsenz in Brüssel und Straßburg ist für die Informierung des Europäischen Parlaments bei seinen Beratungen von großer Bedeutung, und die Eröffnung dieses neuen Büros stellt einen bedeutenden Schritt dar. Sie haben sich als zuverlässiger Partner unseres Organs erwiesen und ich weiß, dass Sie dies auch in Zukunft sein werden.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch mein ganz persönliches Engagement für die Förderung von Toleranz und Versöhnung sowie für den Kampf gegen Antisemitismus und jegliche Form der Diskriminierung auf der Grundlage der Rasse oder Religion unterstreichen.

Vor zehn Jahren nahm ich als polnischer Ministerpräsident an der Seite des damaligen israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu an dem sogenannten "Marsch der Überlebenden" teil. Wir marschierten gemeinsam mit Holocaust-Überlebenden nach Auschwitz-Birkenau. Das war für mich eine sehr bewegende persönliche Erfahrung.

Wir setzen uns konstruktiv mit diesen Bedrohungen unserer demokratischen Werte auseinander, indem wir Maßnahmen zur Förderung des interkulturellen Dialogs und insbesondere des Dialogs mit unterschiedlichen Religionen und Glaubensmeinungen ergreifen.

Das Jahr 2008 wurde als das Europäische Jahr des interkulturellen Dialogs vom Europäischen Parlament durch zahlreiche herausragende Aktivitäten gewürdigt. Ich weiß, dass der Europäische Jüdische Kongress einer unserer Partner in jenem Jahr gewesen ist. Die gemeinsam organisierte Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Reichspogromnacht (Kristallnacht) war besonders ergreifend.

Der auf der Grundlage von Respekt und Toleranz geführte interkulturelle Dialog darf sich nicht auf das Jahr 2008 beschränken, sondern muss als anhaltender Prozess weitergeführt werden. Das Judentum hat genau wie das Christentum und der Islam seinen ganz besonderen Beitrag zur Ausgestaltung unserer modernen europäischen Gesellschaft geleistet. Die Europäische Union versteht sich als eine Wertegemeinschaft, deren grundlegendster Wert die Würde des Einzelnen ist.

Wir alle haben die Pflicht, uns allen Formen von Extremismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus uneingeschränkt und ausnahmslos zu widersetzen und in der ganzen Welt für die Demokratie, die Verteidigung der Menschenrechte und die Menschenwürde einzustehen.

Mit dem Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon wird eine rechtliche Grundlage dafür geschaffen, dass mit allen Religionen in Europa ein strukturierter Dialog geführt werden kann. Ich begrüße diese Entwicklung nachdrücklich und gedenke dafür Sorge zu tragen, dass das Europäische Parlament zu diesem wichtigen Dialog seinen Beitrag leistet.

Ich freue mich auf die Fortsetzung unserer guten Zusammenarbeit mit dem Europäischen Jüdischen Kongress und mit den jüdischen Gemeinden in der Europäischen Union im Geiste eines offenen Dialogs unter Freunden.

Ich wünsche dem EJC mit diesem neuen Büro viel Erfolg.
Mazel Tov!