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14-06-2018
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„Die EU und Russland - Partner oder Gegner?"

Fachgespräch in der Reihe >>EUROPE after work<<

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Pünktlich zum Auftakt der Fußball-WM in Russland lautete das Thema der Veranstaltungsreihe EUROPE after work: „Die EU und Russland - Partner oder Gegner?“. Der Bestseller-Autor und Journalist Boris REITSCHUSTER erklärte mit profunder Sachkenntnis und authentischer Leidenschaft Wladimir Putins Russland und die Folgen für Europa.

Man könne Putin nicht vorwerfen, dass er kein Demokrat sei, sondern „dass er mit Siebenmeilenstiefeln in die Vergangenheit zurückgeht.“ Er habe eine neue Form der Diktatur geschaffen und lasse die Methoden der sowjetischen Herrschaft wieder aufblühen. Und das sei, so Boris Reitschuster, das größte Problem in diesem Land.

„Den Russen geht es heute so gut wie nie zuvor! So betrug der russische Durchschnittsverdienst vor Putin 60 Euro und aktuell 460 Euro pro Monat.“ Dieser Umstand erkläre die anhaltende Unterstützung des Präsidenten in Russland. REITSCHUSTER beschreibt anschaulich wie der Ex-KGB-Oberstleutnant in Russland sein autoritäres Regime zementiert: Anti-westliche Stimmungsmache, Kriegshetze, mafiöse Strukturen, Angst vor der Staatsgewalt und Hurra-Patriotismus seien die Grundpfeiler seiner Macht.

Ein Drittel der russischen Wirtschaft gehöre dem „Putin-Clan“ an, so REITSCHUSTER. Demnach lägen 35% des gesamten Volksvermögens bei 110 Milliardären. Zum Vergleich: In den westlichen Ländern liege der Wert bei durchschnittlich 1-2%. Dabei seien das Fehlen von Rechtstaatlichkeit, Eigentumsgarantie und der Mangel an Wettbewerb die Hauptprobleme. Eine Reform wäre eine Gefahr für dieses System.

Einzig die Eliten Russlands könnten Putin gefährlich werden, da diese sehr westlich orientiert sind, ihr Vermögen im Ausland haben, ihre Kinder in internationale Schulen nach England schicken und in Skandinavien und Südfrankreich Urlaub machen. Genau dort sieht Boris Reitschuster eine wirksame Alternative zu den wirtschaftlichen Sanktionen: Mit der Einschränkung der Visaerleichterungen beispielsweise und zielgerichteten Sanktionen gegen die Nutznießer des Systems, könnte man den tatsächlichen Kern Russlands treffen.

Auch Putins Syrienpolitik war Thema dieses spannenden Abends. Aufgrund Russlands wirtschaftlicher Abhängigkeit von einem hohen Ölpreis habe Wladimir Putin rein strategisch gar kein Interesse an Stabilität im Nahen Osten. Außerdem wurde er durch den Syrien-Konflikt wieder ein wichtiger Akteur auf der Weltbühne. Jedoch warnt REITSCHUSTER in diesem Zusammenhang vor einer westlichen Naivität ihm gegenüber – und hierbei nimmt er ganz klar Bundeskanzlerin Angela Merkel aus, denn sie habe Putin aufgrund ihrer Sozialisation in der DDR durchschaut.

In seinem Vortrag zeigte REITSCHUSTER, warum das Wegsehen und Beschönigen fatale Folgen für den Westen hat. Er empfahl aber auch gleichzeitig ein konstruktiveres Vorgehen der EU: so könnten zum Beispiel zielgerichtete Sanktionen mit positiven Schritten verbunden werden, wie etwa Visafreiheit für russische Studenten. Das würde an Putins Bild des „russlandfeindlichen Westens“ kratzen und den Menschen zeigen, dass nicht sie Ziel der Sanktionen sind, sondern die völkerrechtswidrige Politik ihres Präsidenten.

Das Interesse an der Veranstaltung war größer als die Saalkapazitäten und so musste einigen Interessierten bereits im Vorfeld abgesagt werden. Die über 60 Gäste beteiligten sich nach dem spannenden Vortrag rege an der Diskussion. Selbst nach den Schlussworten von Tobias WINKLER, dem Leiter des Verbindungsbüros, führten die zahlreichen Anwesenden ihre Gespräche über Putin, Russland und die EU in Kleingruppen fort.

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© Fotos: Europäisches Parlament 2018

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Fachreihe >>EUROPE after work<<

Zusammen mit der Europäischen Akademie Bayern und der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit lädt das Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments regelmäßig zu Fachgesprächen über aktuelle europapolitischen Fragen ein. Die Reihe richtet sich an junge „EU-Professionals“, die bei Unternehmen, in Behörden oder Verbänden mit EU-Themen befasst sind, oder auch LehrerInnen, FachbereichsbetreuerInnen, junge WissenschaftlerInnen und interessierte BürgerInnen.

Fachgespräche >> EUROPE after work << in 2017