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Anhörung

 

Phil Hogan

Zuständigkeitsbereich: Landwirtschaft und ländliche Entwicklung
 
Tag 4 , Donnerstag 2 Oktober 2014 - 09:00 , Brüssel  
 
Zuständig für die Anhörung
 Verantwortlich für die Anhörung  Beteiligt an der Anhörung
 
Fragen und Antworten
 
1. Allgemeine Kompetenz, europäisches Engagement und persönliche Unabhängigkeit

Welche Aspekte Ihrer persönlichen Qualifikationen und Erfahrungen sind besonders wichtig für die Übernahme des Amtes eines Kommissionsmitglieds und die Förderung des allgemeinen europäischen Interesses, insbesondere in dem Bereich, für den Sie verantwortlich sein würden? Welches sind Ihre Beweggründe? Wie würden Sie dazu beitragen, die strategische Agenda der Kommission bekanntzumachen?


Welche Garantien können Sie dem Europäischen Parlament für Ihre Unabhängigkeit geben, und wie würden Sie sicherstellen, dass alle von Ihnen in der Vergangenheit, in der Gegenwart oder in der Zukunft ausgeübten Tätigkeiten keinen Zweifel an der Wahrnehmung Ihrer Pflichten innerhalb der Kommission wecken könnten?


Ich bin engagierter Europäer und seit jeher vom Wert einer tatkräftigen EU mit starkem Zusammenhalt überzeugt. Den gemeinsamen Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind, können wir am besten begegnen, wenn wir zusammenarbeiten. In meiner gesamten politischen Karriere (32 Jahre als gewählter Volksvertreter) habe ich mich aktiv für Europa eingesetzt, vor allem während der Abstimmungskampagnen für die Einheitliche Europäische Akte und die Verträge von Maastricht, Nizza und Lissabon. Außerdem war ich in der Fine Gael Partei erster Sprecher für europäische Angelegenheiten.


Als Umweltminister habe ich aktiv im Umweltrat mitgearbeitet, in dem ich während der irischen Präsidentschaft auch den Vorsitz führte. Diese Präsidentschaft waren besonders produktive sechs Monate: Wir haben gemeinsam mit dem Europäischen Parlament eine Reihe wichtiger Rechtsakte im Umweltbereich beschlossen, u. a. in Bezug auf Wasserverschmutzung, Emissionen aus Personenkraftwagen, leichten Nutzfahrzeugen und aus dem Luftverkehr, das siebte Umweltaktionsprogramm und anderes mehr.


Der gewählte Präsident Juncker hat erklärt, dass diese Kommission als starkes Team ressortübergreifend und ergebnisorientiert zusammenarbeiten sollte, und ich werde meinen Teil dazu beitragen. Diese Kommission wird bei ihrer Tätigkeit die Grundsätze der Subsidiarität, der Verhältnismäßigkeit und der besseren Rechtsetzung wahren. Dies wird ein zentraler Aspekt unserer Arbeitsweise sein. Wir werden unsere Anstrengungen auf jene Bereiche konzentrieren, in denen ein Vorgehen auf europäischer Ebene am ehesten das gewünschte Ergebnis bringen kann.


Sollte ich als Kommissar für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung bestätigt werden, so werde ich eng mit meinen Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeiten, insbesondere mit dem Vizepräsidenten für Arbeitsplätze, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit und der Vizepräsidentin für die Energieunion. Ich werde darauf achten, dass die Ausgaben für ländliche Entwicklung gut in die Agenda für Arbeitsplätze und Wachstum integriert sind – und Investitionen auf nationaler und regionaler Ebene mobilisieren. Dies wird ein Schwerpunkt bei der Umsetzung der kürzlich reformierten Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) sein.


In den ersten zwölf Monaten werden wir prüfen, wieweit bei den Direktzahlungen und insbesondere in Bezug auf Ökologisierung, ländliche Entwicklung, Qualitätspolitik und die Regelung für Obst und Gemüse weitere Vereinfachungen möglich sind. Außerdem werden wir untersuchen, wie der Agrarsektor am besten zur Förderung der Energieeffizienz und zur Verringerung von Emissionen beitragen kann, und wir werden den Nutzen des Handelns auf EU-Ebene überwachen und die Wirksamkeit der Ausgabenprogramme prüfen. Wir werden die Ausgaben im Einklang mit der Haushaltsordnung und den Grundsätzen einer wirtschaftlichen Haushaltsführung überwachen und den EU-Haushalt vor Betrug schützen. Und wir werden an der für 2016 vorgesehenen Überarbeitung des Mehrjährigen Finanzrahmens mitwirken, indem wir prüfen, wie die GAP noch stärker auf die Förderung von Beschäftigung, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit ausgerichtet werden kann.


Sollte ich vom Europäischen Parlament als Kommissar bestätigt werden, so verpflichte ich mich darüber hinaus,


- unabhängig, im besten Interesse aller Europäer und im Einklang mit den in den Verträgen (Artikel 17 Absatz 3 EUV, Artikel 245 und 339 AUEV) verankerten Pflichten zu handeln. Der Grundsatz der Unabhängigkeit ist von zentraler Bedeutung für die Arbeitsweise der Kommission und ihre Fähigkeit, ihren Aufgaben nachzukommen;


- die höchsten ethischen Normen gemäß Artikel 17 Absatz 3 EUV und Artikel 245 AEUV sowie dem Verhaltenskodex der Kommissionsmitglieder einzuhalten. Dies sind wesentliche Verpflichtungen, die in keiner Weise kompromittiert werden dürfen;


- entsprechend dem Verhaltenskodex der Kommissionsmitglieder eine vollständige Interessenerklärung abzugeben, sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und sie, sollten sich Änderungen ergeben, zu aktualisieren;


- jede Position oder Situation zu vermeiden, die meine Unabhängigkeit, Unparteilichkeit oder Verfügbarkeit für die Kommission beeinträchtigen könnte;


- den Präsidenten der Kommission von jeglicher Situation in Kenntnis zu setzen, die zu einem Interessenkonflikt in Bezug auf die Ausübung meiner amtlichen Aufgaben führen könnte.

 
 
2. Verwaltung des Geschäftsbereichs und Zusammenarbeit mit dem Europäischen Parlament

Wie würden Sie Ihre Rolle als Mitglied des Kollegiums der Kommissionsmitglieder bewerten? Inwieweit würden Sie sich als Mitglied der Kommission für Ihr Handeln und für die Arbeit Ihrer Dienststellen gegenüber dem Parlament verantwortlich und rechenschaftspflichtig fühlen?


Zu welchen spezifischen Zusagen sind Sie im Hinblick auf eine verstärkte Transparenz, eine intensivere Zusammenarbeit sowie eine effektive Weiterbehandlung der Standpunkte und Forderungen des Parlaments nach legislativen Initiativen bereit? Sind Sie im Zusammenhang mit geplanten Initiativen oder laufenden Verfahren bereit, dem Parlament gleichberechtigt mit dem Rat Informationen und Dokumente zur Verfügung zu stellen?


Ich bin Teamplayer und freue mich darauf, mit meinen Kolleginnen und Kollegen in der neuen Kommission im Geiste der Kollegialität zusammenzuarbeiten. Das Kollegialitätsprinzip bestimmt das Handeln der Kommission, die gegenüber dem Europäischen Parlament als Organ rechenschaftspflichtig ist.


Sollte ich vom Europäischen Parlament bestätigt werden, so verpflichte ich mich, unbeschadet des Kollegialitätsprinzips die uneingeschränkte politische Verantwortung für die Tätigkeiten in meinem Zuständigkeitsbereich zu übernehmen, und ich werde meinen Zuständigkeiten in Zusammenarbeit mit den anderen Mitgliedern der Kommission und im Einklang mit den vom gewählten Präsidenten festgelegten Arbeitsmethoden nachkommen. Das Arbeitsprogramm der künftigen Kommission für die kommenden Jahre wird nach den Worten des gewählten Präsidenten Juncker ein auf seinen politischen Leitlinien basierendes Produkt des gesamten Kollegiums sein.


Als Kommissionsmitglied würde ich einen konstruktiven, auf Offenheit, Transparenz, gegenseitiges Vertrauen, regelmäßige Berichterstattung und Informationsaustausch gestützten politischen Dialog mit dem Europäischen Parlament und seinen Ausschüssen führen. Ich messe meiner Beziehung zu Ihnen als gewählte Parlamentsabgeordnete große Bedeutung bei und möchte mit Ihnen stets sehr engen Kontakt halten.


Was die Weiterbehandlung der Standpunkte und Forderungen des Europäischen Parlaments betrifft, so werde ich den Bestimmungen der Rahmenvereinbarung entsprechend in meinen Zuständigkeitsbereichen sicherstellen, dass die Kommission auf Entschließungen und Forderungen des Parlaments auf der Grundlage von Artikel 225 AEUV innerhalb von drei Monaten nach deren Annahme reagiert. In diesem Zusammenhang unterstütze ich uneingeschränkt die Zusage des gewählten Präsidenten Juncker, nach der die künftige Kommission legislativen Initiativberichten gegenüber besonders aufgeschlossen sein wird.


Eine sehr wichtige Aufgabe für die Kommission ist in meinen Augen die Kommunikation. Es geht dabei um sehr viel mehr als nur darum, die Initiativen der Kommission „unters Volk zu bringen“; es geht um echte Einbeziehung und Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern Europas. Wir müssen im Rahmen unseres politischen Engagements sehr genau hinhören, was sie zu sagen haben. In diesem Sinne unterstütze ich unsere neue Verpflichtung zu Transparenz gemäß den politischen Leitlinien des gewählten Präsidenten. Ich verpflichte mich, alle Kontakte und Treffen mit Berufsverbänden und Selbstständigen, die Themen gleich welcher Art im Zusammenhang mit der Gestaltung und Durchführung der EU-Politik betreffen, öffentlich zu machen.


Die Gleichbehandlung von Europäischem Parlaments und Rat  für mich ein wichtiges Anliegen  ist nicht nur im Rahmen des ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens rechtlich vorgeschrieben, sondern für einen Kommissar, der als Mitglied des Kollegiums den direkt gewählten Mitgliedern des Europäischen Parlaments gegenüber rechenschaftspflichtig ist, eine Selbstverständlichkeit. Mit jeder Änderung der Verträge hat das Parlament seine Rolle und seinen Einfluss gestärkt; als Volksvertretung der Union ist es uneingeschränkt demokratisch legitimiert. Für mein Handeln bin ich sowohl Ihnen, den Mitgliedern des Europäischen Parlaments, als auch der breiten Öffentlichkeit rechenschaftspflichtig. Dem Europäischen Parlament kommt bei der Wahrung der Demokratie in Europa und bei der Vertretung der allgemeinen Interessen aller Europäer eine Schlüsselrolle zu. Aus diesem Grund müssen wir weiterhin eine sehr enge Arbeitsbeziehung pflegen. Als gewählter Volksvertreter in Irland in den vergangenen 32 Jahren weiß ich, wie wichtig dies ist. Was die Zuleitung von Dokumenten an das Europäische Parlament betrifft, so werde ich dafür Sorge tragen, dass die Bestimmungen der Rahmenvereinbarung angewendet werden.


Im täglichen Geschäft werde ich eng mit meinem Kabinett und meinen Dienststellen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die Beziehungen auf Loyalität, Vertrauen, Transparenz, Informationsfluss in beide Richtungen und gegenseitiger Unterstützung basieren.

 
 
Fragen des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung

3. Wahrung der Befugnisse des Parlaments gemäß dem Vertrag (Artikel 43 Absatz 3 Durchführungsrechtsakte)


Verpflichten Sie sich, zu gewährleisten, dass die Befugnisse des Parlaments gemäß dem Vertrag strikt gewahrt werden? Erstens, verpflichten Sie sich in Bezug auf die Gesetzgebungsverfahren, auf einer engen Auslegung von Artikel 43 Absatz 3 AEUV zu beharren, gegen jeden Versuch des Rates, die Befugnisse des Parlaments im Rahmen des ordentlichen Gesetzgebungsverfahrens zu beschneiden? Zweitens, verpflichten Sie sich mit Blick auf eine Verbesserung der parlamentarischen Kontrolle von Durchführungsrechtsakten in Bezug auf Rechtsakte ohne Gesetzescharakter, dafür Sorge zu tragen, dass Ihre Dienststellen das Parlament und die Mitgliedstaaten auf Augenhöhe behandeln, unter anderem indem Sie einen leichten Zugang zu den Sitzungen der Sachverständigengruppen und eine zeitgleiche Übermittlung der zu prüfenden Dokumente gewährleisten? Werden Sie ein gut strukturiertes öffentliches Register von Entwürfen delegierter Rechtsakte und anderen wichtigen Dokumenten, die den Sachverständigengruppen zur Prüfung vorliegen, einrichten, damit die Beschlussfassung für das Parlament und die Öffentlichkeit transparenter wird? Sind Sie bereit, in unserem Ausschuss auf dessen Antrag hin Entwürfe delegierter Rechtsakte vor ihrer formellen Annahme zu erörtern? Wie wollen Sie dafür Sorge tragen, dass die Ansichten des Parlaments angemessen berücksichtigt werden?


Was den ersten Punkt  das Gesetzgebungsverfahren und die Auslegung von Artikel 43 Absatz 3 AEUV  betrifft, so vertrete ich eine ähnliche Auffassung:


Wenn die Kommission einen neuen Rechtsakt vorschlägt, wird ihre Entscheidung über das anzuwendende Verfahren von zwei Grundsätzen geleitet:


- Die Anwendung von Artikel 43 Absatz 3 AEUV, nach dem der Rat alleine entscheiden kann, muss die Ausnahme sein. Das ordentliche Gesetzgebungsverfahren, bei dem das Parlament Mitgesetzgeber ist, ist im Bereich der GAP nun die allgemeine Regel.


- Alle strukturellen Parameter und grundlegenden Elemente einer Maßnahme müssen von Parlament und Rat als gemeinsame Gesetzgeber beschlossen werden. Dies gilt auch für Preise, Beihilfehöhen, mengenmäßige Begrenzungen usw. Sind die letztgenannten Elemente grundlegender Bestandteil einer neuen Maßnahme, werde ich sie daher, sofern ich als Kommissar bestätigt werde, in den Vorschlag aufnehmen, den ich auf der Grundlage von Artikel 43 Absatz 2 vorlegen werde.


Ich werde an diesen Grundsätzen festhalten, wenn ich die Vorschläge der Kommission vor dem Rat verteidige. Dies gilt auch für den vorliegenden Vorschlag der Kommission für das neue Schulprogramm, nach dem alle Elemente der neuen Regelung einschließlich der finanziellen Aspekte von Parlament und Rat als gemeinsamen Gesetzgebern gemäß Artikel 43 Absatz 2 AEUV beschlossen werden sollten.


Was die Klage Deutschlands gegen die Anwendung von Artikel 43 Absatz 2 AEUV für die Festsetzung der Referenzschwellenwerte in der Verordnung über die gemeinsame Marktorganisation anbelangt, so werde ich den Standpunkt des Parlaments unterstützen, dass die gemeinsamen Gesetzgeber die richtige Rechtsgrundlage für die Festsetzung dieser Werte gewählt haben.


In Bezug auf delegierte Rechtsakte und die verbesserte parlamentarische Kontrolle bin ich der Auffassung, dass die GAP nur dann zum Nutzen der Landwirte und der Marktbeteiligten wirksam und effizient funktionieren kann, wenn Parlament und Rat als gemeinsame Gesetzgeber der Kommission die Befugnis erteilen, die für die Durchführung einer Maßnahme erforderlichen Einzelheiten festzulegen oder in dringlichen Fällen tätig zu werden. Apropos Dringlichkeit habe ich gesehen, wie rasch nach Verhängung des russischen Embargos gegen Agrarerzeugnisse aus der EU gehandelt werden musste.


Ich werde in meinem Zuständigkeitsbereich sicherstellen, dass die bestehenden Verpflichtungen der Kommission im Einklang mit der Vereinbarung über delegierte Rechtsakte und der Rahmenvereinbarung in vollem Umfang eingehalten werden. Dies betrifft insbesondere die Verpflichtung, bei der Ausarbeitung delegierter Rechtsakte angemessene und transparente Konsultationen auf Sachverständigenebene durchzuführen und sicherzustellen, dass das Parlament und die Mitgliedstaaten die einschlägigen Informationen erhalten. Außerdem bedeutet dies, dass die Bestimmungen der Rahmenvereinbarung über die Teilnahme von Sachverständigen des Parlaments an den Sitzungen von Sachverständigengruppen in vollem Umfang eingehalten werden müssen. Dies sollte auch die parlamentarische Kontrolle erleichtern, insbesondere in Bezug auf delegierte Rechtsakte, bei denen das Parlament ein nachgelagertes Prüfrecht hat.


Ich verpflichte mich auch zu einer transparenten und konstruktiven Beziehung mit dem Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung und dem Parlament insgesamt, wenn es um die Ausarbeitung delegierter Rechtsakte geht. Ich betrachte dies als Teil der häufigen und konstruktiven Kontakte, die ich mir mit dem Parlament zum gegenseitigen Nutzen unserer beiden Organe wünsche.


Schließlich ist mir bekannt, dass die Kommission bereits ein Register von Sachverständigengruppen führt, das viele sachdienliche Informationen enthält, und dass dieses Register öffentlich zugänglich ist (1). Lösungen für horizontale Fragen wie beispielsweise stärkere Transparenz müssen auf horizontaler Ebene erörtert werden, da sie nicht ressortspezifisch sind. Ich bin bereit, an diesen Erörterungen mitzuwirken, und überzeugt, dass pragmatische, mit den Verträgen im Einklang stehende Lösungen gefunden werden können.


4. Einbeziehung des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung bei den Verhandlungen über die landwirtschaftliche Komponente internationaler Handelsabkommen


Zu welchen spezifischen Zusagen sind Sie im Hinblick auf die Einbeziehung des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung in alle Phasen der Verhandlungen über die landwirtschaftliche Komponente internationaler Handelsabkommen (bilateral und multilateral) bereit?


Wie können Sie gewährleisten, dass Sie in dem Fall, in dem Sie als für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung zuständiges Kommissionsmitglied bestätigt werden, im Rahmen der WTO-Verhandlungen weiterhin die Rolle des Verhandlungsführers der EU in Bezug auf den Handel mit Agrarerzeugnissen übernehmen?


Ich möchte den festen Willen der Kommission betonen, in einer politischen Partnerschaft mit dem Europäischen Parlament zu arbeiten. Wie im Vertrag vorgesehen, wird die Kommission dem Europäischen Parlament regelmäßig über den Fortgang der Verhandlungen Bericht erstatten. Sollte ich als Kommissar für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung bestätigt werden, so werde ich den Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung regelmäßig über die jüngsten die Landwirtschaft betreffenden Entwicklungen im Zusammenhang mit bilateralen und multilateralen Handelsabkommen informieren.


Es liegt auf der Hand, dass die Schlüsselrolle bei der Weiterentwicklung der EU-Handelspolitik und allgemein bei der Führung von Handelsverhandlungen bei der Kommissarin für Handel liegt. Im Falle meiner Bestätigung werde ich selbstverständlich eng mit Frau Malmström, der designierten Kommissarin für Handel, zusammenarbeiten. Zugleich werden die Verhandlungen über Landwirtschaft im Rahmen der WTO aufgrund der Besonderheiten des Agrarhandels weiterhin unter der Verantwortung des Kommissars für Landwirtschaft in enger Koordinierung mit der Kommissarin für Handel stattfinden. Ich sehe keinen Grund, an dieser seit langem bestehenden Praxis, die sich in der Vergangenheit gut bewährt hat, etwas zu ändern.


5. Abbau des Verwaltungsaufwands und Zusage, eine Halbzeitbewertung der neuen GAP durchzuführen


Unser Ausschuss hat immer die Auffassung vertreten, dass eine Vereinfachung des Verwaltungsaufwands im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik Priorität haben muss. Die Reform der GAP hat jedoch leider, trotz der Vorschläge des Europäischen Parlaments, sowohl für die Landwirte als auch für die Mitgliedstaaten zu einem erhöhten Verwaltungsaufwand geführt. Welche Maßnahmen gedenken Sie zu ergreifen, damit diesen übermäßigen Verwaltungsaufwand effektiv reduziert werden kann? Werden Sie sich insbesondere dazu verpflichten, eine Halbzeitbewertung der GAP durchzuführen, um diese Bürokratie und andere, damit in Zusammenhang stehende Probleme zu verbessern?


Vereinfachung und Subsidiarität stehen ganz oben auf der Agenda dieser Kommission, in der erstmals ein Vizepräsident für bessere Rechtssetzung zuständig sein wird. Sollte ich als Kommissar für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung bestätigt werden, würde ich an dieser Agenda mitarbeiten. Ich würde meine Dienststellen anweisen, die Rechtsvorschriften für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) umfassend daraufhin zu prüfen, welche Vereinfachungen möglich sind, ohne dass die Wirksamkeit dieser Politik und die Wirtschaftlichkeit der Haushaltsführung dadurch gefährdet würden. Außerdem wäre mir wichtig, dass das Subsidiaritätsprinzip in der Gemeinsamen Agrarpolitik eine stärkere Rolle spielt. Diese Prüfung sollte daher auch eine „Subsidiaritätsprüfung“ umfassen, um festzustellen, welche politischen Entscheidungen besser auf Ebene der Mitgliedstaaten getroffen werden könnten. Ich möchte eine Verringerung des Verwaltungsaufwands sowohl für die Landwirte als auch die nationalen Behörden erreichen. Dies würde auch dazu beitragen, dass bei der Verwendung der EU-Gelder weniger Fehler unterlaufen.


Auf der Grundlage dieser Prüfung würde ich im ersten Jahr meiner Amtszeit eine Vereinfachungs- und Subsidiaritätsstrategie für die GAP mit konkreten Initiativen und einem realistischen Zeitplan für ihre Umsetzung vorlegen. Außerdem werde ich beschreiben, wie die Interessenträger in das Verfahren einbezogen würden. Ich bin überzeugt, dass wir alle zusammenarbeiten müssen, um eine einfache und zugleich effiziente und flexible GAP zu gewährleisten.


Für die Umsetzung dieser Vereinfachungs- und Subsidiaritätsagenda wäre ich auf die politische Unterstützung des Europäischen Parlaments angewiesen, nicht zuletzt deshalb, weil Vereinfachung und Subsidiarität in vielen Fällen politische Entscheidungen betreffen. Dabei geht es nicht nur um die Neugestaltung von Formularen oder Verfahren; häufig bedeutet es auch weniger Entscheidungsmöglichkeiten und weniger Ausnahmen, d. h. weniger maßgeschneiderte Lösungen. Ich erwähne dies deshalb, weil viele Aspekte der GAP(-Reform), die möglicherweise als verwaltungsaufwändig wahrgenommen werden, eine direkte Folge des gerade beschlossenen komplexen Rechtsrahmens sein können.


Ohne jetzt schon allzu detailliert auf die Strategie einzugehen, kann ich bereits sagen, dass ich sie als zweistufiges Vorgehen betrachte mit einer ersten Stufe in naher Zukunft und einer zweiten mit Halbzeitinitiativen. Die erste Stufe könnte folgende Initiativen umfassen:


- Nach dem ersten Jahr, in dem Erfahrungen mit der Reform gesammelt werden, wird geprüft, ob unsere Politik, vor allem in Bezug auf Direktzahlungen, so konzipiert ist, dass sie in der Praxis richtig angewendet wird. Dort, wo dies nicht der Fall ist, werde ich vorschlagen, unsere Bestimmungen zu ändern und sie einfacher und effizienter zu gestalten. Diese Initiative betrifft selbstverständlich auch die Ökologisierungsregelung und die Maßnahme für im Umweltinteresse genutzte Flächen im Einklang mit den von der scheidenden Kommission eingegangenen Verpflichtungen;


- Überprüfungen und gegebenenfalls Vorschläge in Bezug auf:


- Möglichkeiten für eine weitere Vereinheitlichung und Vereinfachung bei den geografischen Angaben,


- Vereinfachungsmöglichkeiten bei der Regelung für Obst und Gemüse.


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1) http://ec.europa.eu/transparency/regexpert/