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Tierversuche in der Kosmetikindustrie demnächst verboten

Kosmetiktests an Tieren - ein Thema, das die Gemüter erhitzt. Ein Thema, bei dem es um mehrere Aspekte geht: die Sicherheit der Verbraucher, das Wohlergehen der Tiere, den Welthandel und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen. Die erste Richtlinie, die den Verkauf von an Tieren getesteten Kosmetika untersagte, wurde bereits in den 90er Jahren erlassen. Leider war ihr nur mäßiger Erfolg beschieden. Inzwischen wurden die Vorschriften überarbeitet und sehen nun eine allmähliche Abschaffung von Tierversuchen in der gesamten EU vor. Auf Initiative des Europäischen Parlaments ist nun auch der Verkauf von Kosmetika und einzelnen Inhaltsstoffen verboten, die an Tieren getestet wurden. Das gilt auch für Produkte aus Drittländern.

Ob Make-up, Lippenstift, Duschgel oder Shampoo: Alle diese Produkte müssen getestet werden, um ihre Unschädlichkeit für den Menschen zu überprüfen. Versuche an Tieren stoßen jedoch auf immer schärfere Kritik. Nach Ansicht von Tierschutzorganisationen werden für die Entwicklung neuer Kosmetika jährlich 38.000 Tiere in der EU „verbraucht“. Manche halten es für überflüssig, neue Inhaltsstoffe zu testen, da der Industrie bereits mehr als 9000 Ingredienzien zur Verfügung stehen.

Der Verkauf von an Tieren getesteten Kosmetika sollte bereits 1998 verboten werden. Dieses Verbot konnte jedoch nicht in Kraft treten, da es noch keine alternativen Testverfahren gab und die Regeln der Welthandelsorganisation eingehalten werden mussten, die eine Diskriminierung von Erzeugnissen aus Drittstaaten verhindern sollen. Die Kommission nahm einen neuen Anlauf und legte einen Vorschlag vor. Damit sollten Tierversuche untersagt werden, nicht jedoch die Vermarktung von an Tieren getesteten Produkten. Das Verbot sollte sich Endprodukte und Inhaltsstoffe beziehen.

Das Parlament war jedoch der Auffassung, es reiche nicht aus, nur die Versuche zu verbieten. Es wollte auch das ursprüngliche Vorhaben, nämlich die Vermarktung solcher Produkte zu verbieten, wieder vorantreiben. Nach Ansicht der Abgeordneten, sollte das Verbot auch für außerhalb der Gemeinschaft getestete Erzeugnisse gelten, damit die europäischen Kosmetikhersteller nicht gegenüber der Konkurrenz jenseits der EU-Grenzen benachteiligt werden. Auch wollte man eine Verlagerung der Tierversuche in Drittstaaten vermeiden.

Ein klarer Zeitplan

Bei den anschließenden Verhandlungen hatten Parlament und Rat sehr unterschiedliche Ansichten in Bezug auf die Notwendigkeit eines klaren Zeitplans. Die Minister beharrten auf folgender Position: Da die Sicherheit und Gesundheit der Verbraucher an erster Stelle stehe, könne eine kurze und verbindliche Frist erst festgesetzt werden, wenn alternative Versuchsverfahren gefunden seien. Das Parlament forderte dennoch einen präzisen Zeitplan für ein totales Verbot sowohl der Tests als auch der Vermarktung, weil darin das beste Mittel sieht, die Entwicklung alternativer Verfahren zu beschleunigen.

Nach zähen Verhandlungen, einigten sich Parlament und Rat darauf, Tests von Kosmetika (Enderzeugnisse) in der gesamten Europäischen Union ab 2004 zu verbieten. Außerdem einigten sie sich darauf, Tierversuche schrittweise auch für Inhaltsstoffe zu verbieten. Um auch die Importe zu erfassen, soll jede Vermarktung von Kosmetika oder Inhaltsstoffen für Kosmetika, die an Tieren getestet wurden, verboten werden. Diese Verbote treten schrittweise in Kraft, und zwar parallel zur Entwicklung alternativer Testverfahren. Letzter der Termin dafür ist das Jahr 2009.

Drei Arten von Tests, die sich nur schwer ersetzen lassen, dürfen noch bis 2013 durchgeführt werden. Danach ist der Verkauf von Produkten, die auf diesen Versuchen basieren, ebenfalls verboten, und zwar unabhängig davon, ob alternative Verfahren entwickelt wurden oder nicht. Das Zieldatum 2013 kann zwar verschoben werden, doch die endgültige Entscheidung darüber fällt das Parlament zum gegebenen Zeitpunkt im Rahmen der Mitentscheidung. Neue Versuchsverfahren werden von der EU anerkannt. Sie müssen allerdings die Entwicklungen im Rahmen der OECD berücksichtigen, um den Welthandelsregeln zu entsprechen.

Die Gesetzgebung sieht ferner das Verbot von Stoffen vor, die Krebs erregen, das Erbgut verändern oder die Fortpflanzung schädigen können. Das Parlament hat auch eine Verbesserung der Kennzeichnungsvorschriften erreicht, um die Verbraucher über die verwendeten Konservierungsstoffe und mögliche Allergierisiken zu informieren.

Tierschutzorganisationen hatten ein noch rascheres Verbot der Tierversuche gefordert. Angesichts des starken Widerstands des Rates gegen einen strikten Zeitplan und der Tatsache, dass die Industrie tatsächlich Zeit braucht, um sich umzustellen, wurde das Endergebnis von den Abgeordneten als großer Erfolg begrüßt.

 



  
Berichterstatter:
  
Kosmetika: Tierversuche: Dagmar Roth-Behrendt (PES, D)
  
Amtsblatt - endgültiger Rechtsakt
  
Kosmetika: Tierversuche

 

 

 
  Publishing deadline: 2 April 2004