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Plenartagung 14.-17. Juni

Berichterstatter: Derivate sollen Risiken streuen, nicht konzentrieren

 
 
Der Europa-Abgeordnete Werner Langen (CDU)   Der Europa-Abgeordnete Werner Langen (CDU)

Der amerikanische Milliardär und Großinvestor Warren Buffet bezeichnete Finanzderivate bereits lange vor der aktuellen Krise als "finanzielle Massenvernichtungswaffen", da sie zur Konzentration enormer Risiken in den Händen einiger weniger Derivathändler geführt hätten. Gleichwohl halten viele Experten Derivate grundsätzlich für notwendig und für volkswirtschaftlich sinnvoll. Es komme auf klare Regeln und Transparenz an, meint Parlamentsberichterstatter Werner Langen. 


Wie Derivate funktionieren: Derivate sind Finanzinstrumente, deren Wert sich vom Preis eines Referenzproduktes oder eines Wertpapiers oder anderer Referenzgrößen, etwa einem Zinssatz oder einem Aktienindex, ableitet (lat. derivare = ableiten).


Im Kern ist ein Derivat ein Vertrag, der von der Idee her dazu dient, den Einfluss von Preis- und anderen Marktentwicklungen auf die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens zu begrenzen, bzw. die Planung zu erleichtern und Risiken zu begrenzen.


Beispielsweise kann sich eine Firma gegen Devisenkurs-Schwankungen oder die Preisentwicklung von Rohstoffen absichern, in dem sie sich per Derivat das Recht erkauft, die Devise oder den Rohstoff zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft zu einem zuvor festgelegte Preis zu erwerben (oder umgekehrt: zu verkaufen).


So kann eine Firma, die ihre Einnahmen hauptsächlich in Euro erzielt, aber ihre Ausgaben zu einem bedeutenden Teil in Dollar tätigt, sich das Recht erkaufen, einen bestimmten Euro-Betrag zu einem bestimmten Termin zu einem festgelegten Kurs in Dollar zu tauschen. Handelt es sich dabei nicht um eine Verpflichtung, die Dollar zum entsprechenden Kurs zu kaufen, sondern nur um eine Möglichkeit, so spricht man entsprechend von Optionen. In jedem Fall zahlt die Firm der das Kursrisiko tragenden Gegenseite eine Gebühr.


Futures, Forwads, Swaps…


Ein weiteres Beispiel: Firma X kauft per Derivat einen von ihr benötigten Rohstoff (z.B. Öl) in einer festgelegten Menge zur Lieferung in sechs Monaten zu einem festgelegten Preis ein. Der Preis wird bei Vertragsabschluss festgelegt und richtet sich nicht nach dem nach sechs Monaten geltenden Tagespreis richtet. In diesem Fall spricht man auch von Termingeschäften und wenn diese an den Börsen gehandelt werden von Futures. Außerbörslich (englisch: over the counter OTC) gehandelte Termingeschäfte werden als Forwards bezeichnet.


Eine weitere Art von Derivaten sind die Swaps, bei denen ein Tauschgeschäft in der Zukunft vereinbart wird.


Im Kern geht es auch hier um den Handel mit bzw. die Absicherung gegen (finanzielle) Risiken, die die eine Seite für die andere Seite übernimmt – beispielsweise das Risiko sich verändernder Kreditzinsen oder das Risiko, dass ein Kreditnehmer zahlungsunfähig wird (Credit Default Swap, CDS oder Kreditausfall-Swap).   


EU-Parlamentsberichterstatter "Derivate nützlich zur Risikostreuung"


Werner Langen, Vorsitzender der deutschen Christdemokraten im Europaparlament, zeichnet für einen Bericht verantwortlich, den er am Montagabend im Plenum vorstellt.


Gegenüber der Europarl-Website betont Langen, dass Finanzderivate "in einer Volkswirtschaft zunächst eine weitgehend nützlich Rolle zur Risikostreuung haben". Allerdings habe mangelnde Transparenz mancher Derivate zu einer "verstärkenden Rolle in der Finanzmarktkrise geführt".


Dies rührt daher, dass ein großer Teil der Derivate zwischen zwei Parteien (außerbörslich) abgeschlossen werden und sowohl Aufsichtsbehörden als auch andere Marktteilnehmer keine konkreten Kenntnisse der Abmachungen haben.


Es lägen heute "kaum verlässliche Daten über die Art und Höhe sowie Risiken" der außerbörslichen Derivatgeschäft vor, so Langen. Er erwartet, dass künftig Transaktionsregister und Meldestandards mehr Transparenz schaffen und den Regulierungsbehörden notwendige Informationen über die Transaktionen verschaffen. 


Spekulation und Kreditausfall-Swaps (CDS)

Um zu ermöglichen, dass Unternehmen Derivate "weiterhin sinnvoll zur Absicherung von Risiken aus ihrer realen Geschäftstätigkeit nutzen können", müssten sinnvolle und rein spekulative Derivate deutlicher voneinander unterschieden werden, so der CDU-Parlamentarier.


Besonders bedeutsam ist die Unterscheidung von spekulativen Derivaten von solchen. die zur echten Risikobegrenzung genutzt werden. bei den Kreditausfall-Swaps (CDS).


Wenn der das Risiko tragende Käufer solcher CDS nicht auch der vom potenziellen Kreditausfall betroffen ist, handelt es sich im Kern um eine Spekulation auf den Konkurs eines Unternehmens oder (falls sich der CDS auf Staatsanleihen bezieht) eines Staates. Der Käufer solcher "nackter CDS" hat de facto ein wirtschaftliches Interesse am Konkurs des Kreditnehmers.


Langen unterstreicht, dass sein Bericht ausdrücklich fordert "CDS einem unabhängigen zentralen Clearing zu unterwerfen und einzelne Derivat-Typen mit sich kumulierenden Risiken gegebenenfalls nur unter Auflagen zuzulassen oder im Einzelfall sogar zu verbieten".


Konkret würde dies bedeuten, dass Kreditausfall-Swaps nicht mehr allein bilateral zwischen Käufer und Verkäufer ausgehandelt und abgeschlossen werden dürften, sondern durch eine zentrale Clearing-Stelle genehmigt und abgewickelt würden.


"Finanzmarkt der EU nicht international isolieren"


Den zuweilen geäußerten Einwand, eine Regulierung durch die EU würde zur massiven Abwanderung von Finanzdienstleistern führen, hält Werner Langen nicht für gerechtfertigt.


"Auch die USA und anderen G20-Staaten haben sich eindeutig für eine bessere Regulierung dieses Marktes ausgesprochen und entsprechende Gesetzesinitiativen sind in Beratung", betont Langen.


Er erwarte in der Frage der internationalen über-europäischen Abwicklung von Derivatgeschäften von der Kommission eine "weitsichtige Lösung, die es ermöglicht den EU-Finanzmarkt gut zu kontrollieren und für mehr Sicherheit zu sorgen und gleichzeitig den EU-Handel mit Derivatprodukten nicht international zu isolieren."