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Die Hälfte der in Europa verbrauchten Antibiotika wird an Tiere verfüttert. ©Samantha Celera www.flickr.com/photos/scelera Gesundheitsexperten warnen seit Jahren davor, dass die unsachgemäße Verwendung von Antibiotika zu resistenten Krankheitserregern führen kann. Weniger Beachtung erfährt hingegen die Verwendung von Antibiotika in der Tierhaltung. Der Landwirtschaftsausschuss des EU-Parlaments fordert nun schärfere Kontrollen und, auf lange Sicht, Tierzucht ohne Antibiotika.
Seit 2005 ist die Verwendung von Antibiotika für die Tiermast in der EU verboten. Noch immer aber wird rund die Hälfte aller in Europa verbrauchter Antibiotika an Tiere verabreicht, heißt es in einem von Paolo de Castro, dem Vorsitzenden des Landwirtschaftsausschusses, verfassten Bericht.
Kommt es dabei zu unsachgemäßer Verwendung der Medikamente, können Erregerstämme Resistenzen gegen die Medikamente entwickeln, heißt es in der Resolution. Oft können diese resistenten Keime auch von Tieren auf Menschen übertragen werden und stellen damit ein gravierendes Gesundheitsrisiko dar. Auch für die Tierhaltung sei das problematisch. Vor allem Jungtiere würden unter dem Medikamentenmissbrauch leiden.
Antibiotika, kritisiert de Castro, würden dabei nicht nur für die Behandlung akuter Krankheiten verwendet, sondern auch präventiv verfüttert. Und trotz des EU-weiten Verbotes werden Antibiotika noch immer als Wachstumsbeschleuniger missbraucht.
Langfristig ohne Antibiotika
Antibiotika können sich auch über die Nahrungskette im menschlichen Körper anreichern. So steigt selbst bei Menschen, die Antibiotika korrekt anwenden, das Risiko einer Resistenz. Unbekannt ist vielen Tierhaltern auch, dass selbst Haustiere solche Resistenzen begünstigen können.
Um "Antibiotika als wirksames Instrument zur Bekämpfung von Krankheiten sowohl bei Tieren als auch bei Menschen zu erhalten", müsse ihre Verwendung in Zukunft drastisch eingeschränkt werden, fordert de Castro.
Um das zu erreichen, drängen die Mitglieder des Landwirtschaftsausschusses auf bessere Daten über die Medikamentenverkäufe an Tierärzte. Kontrolliert werden solle auch, wie die Veterinäre diese Mittel später verwenden. Die Abgeordneten empfehlen auch die regelmäßige Untersuchungen von Haus- und Nutztieren auf eventuelle Resistenzen.
Landwirten und Tierärzten kommt bei diesen Bemühungen eine Schlüsselrolle zu. Deshalb sollten sie durch Schulungen und Informationskampagnen auf mögliche Resistenzen hingewiesen werden.
Langfristig müsse nach einem Weg gesucht werden, Tiere komplett ohne Antibiotika zu halten. Hier seien neue Impfstoffe, bessere Haltungsbedingungen und krankheitsresistente Züchtungen nötig.