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Plenum: Langfristige Budgetplanung, die Erweiterung des Schengenpaktes und Beziehungen mit Russland

Bruttoinlandsglück: Wie messen wir Erfolg?

 
 
MEP Anna Rosbach: "Das BIP allein genügt nicht."   MEP Anna Rosbach: "Das BIP allein genügt nicht."

Das Bruttoinlandsprodukt gilt als einer der besten Maßstäbe für ökonomischen Erfolg. Nicht gemessen werden damit aber etwa Umweltverschmutzung und die gesellschaftlichen Auswirkungen des Fortschrittes. Die "Beyond GDP Initiative" der EU formuliert Alternativvorschläge. Am Dienstag stimmen die EU-Abgeordneten über die Vorschläge des Parlaments hierzu ab. Die Dänin Anna Rosbach von den Europäischen Konservativen und Reformisten erklärt, worum es geht.


Seit 80 Jahren wird ökonomische Erfolg eines Staates an seinem Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemessen. Warum wollen Sie das nun ändern?


Das BIP allein genügt nicht. Es gibt beispielsweise einige afrikanische Staaten die viele Rohstoffe wie Gold oder Diamanten besitzen. Auf dem Papier sind sie reich, aber jeder einzelne Bürger dieser Länder ist unglaublich arm, sie haben keinen Zugang zu Wasser oder Strom. Betrachtet man nur das durchschnittliche BIP pro Kopf  müssten sie eigentlich recht wohlhabend sein, aber das Geld landet in den Taschen einiger weniger Diktatoren. In diesem Falle wird das BIP missbraucht.


Welche Indikatoren würden Sie in die Gleichung einbeziehen?


Ich würde gerne Kriterien wie etwa die Qualität der Ausbildung und die Berufschancen der Menschen heranziehen. Was kann ich für mein Geld kaufen; wie werde ich behandelt, wenn ich krank werde; was für eine Lebensqualität habe ich, wenn ich älter werde...


Das ist meine persönliche Meinung. Diese Ideen werden sie nicht in unserem Parlamentsbericht finden. Wir versuchen derzeit einen Kompromiss zu finden, der von der Parlamentsmehrheit mitgetragen wird. Die EU-Kommission soll dann greifbare Kriterien vorschlagen, die wir in unseren Vorschlag aufnehmen können.


Wir brauchen Dinge, die von Eurostat gemessen werden und Jahr für Jahr erhoben werden können. Es kann also nicht um Träumereien gehen, etwa jeden Tag Glück und Sonnenschein.


Wann glauben Sie könnten neue Indikatoren in der Praxis angewandt werden?


Ich hoffe kurzfristig, weil sie dringend benötigt werden. In vielen großen EU-Staaten wie Frankreich oder Großbritannien wird das schon diskutiert. Auch außerhalb der EU ist das ein Thema. Nur die EU selbst ist hier etwas hinten dran und ich glaube wir müssen hier mehr Gas geben.