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Tunesien: EU-Abgeordnete informieren sich über Flüchtlingssituation (Update 19. Juli)

EU-Delegation in Tunesien: In den Flüchtlingslagern (Tag 2)

 
 
Die Parlamentsdelegation besuchte am Donnerstag zwei Flüchtlingslager in der Sahara und einen Grenzposten zwischen Tunesien und Libyen   Die Parlamentsdelegation besuchte am Donnerstag zwei Flüchtlingslager in der Sahara und einen Grenzposten zwischen Tunesien und Libyen

Mehr als 500.000 Flüchtlinge überquerten in den letzten Monaten den Grenzübergang Ras Ajdir zwischen Libyen und Tunesien. EU-Abgeordnete besichtigten die Grenzanlagen und zwei Flüchtlingslager in der Sahara. Sie sprachen mit Helfern, tunesischen Armeeangehörigen und Flüchtlingen über die Probleme und Perspektiven.


Libyen kommt nicht zur Ruhe, doch auch für die Menschen, die vor dem Bürgerkrieg ins benachbarte Tunesien geflohen sind, dauert das Martyrium an. Bei extremer Hitze und Sandstürmen harren rund 5.000 Menschen in zwei tunesischen Wüstencamps aus. Sie hoffen, als Flüchtlinge anerkannt zu werden und eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen.


Vor Ort informierten sich die sechs EU-Abgeordneten der Delegation über die Lage der Flüchtlinge und erfuhren von den Sorgen und der Verzweiflung der Menschen. Eine schwangere Frau sagte, sie könne es nicht viel länger durchstehen. "Es gibt keine brauchbare Nahrung, kein sauberes Wasser, keine Medikamente." Ein anderer Flüchtling beschrieb die Hoffnungslosigkeit im Lager als das größte Problem. "Es gibt keine Hoffnung, deshalb verlassen die Menschen illegal das Land, zum Beispiel nach Italien."


Die französische Sozialdemokratin Sylvie Guillaume fand die Eindrücke aus den Lagern "zugleich bewegend und verstörend. Wir haben uns den Alltag in den Flüchtlingscamps angeschaut und mit Menschen gesprochen, denen vor allem die Hoffnung auf ein besseres Leben fehlt. Sie müssen sich Strategien überlegen, um Asyl zu erhalten, dabei sollte das ihr gutes Recht sein."


Die Niederländerin Judith Sargentini von den Grünen erklärte nach den Gesprächen mit Helfern und tunesischen Soldaten, dass dringend nach einer neuen Heimat für die Flüchtlinge gesucht werde. "Es handelt sich um drei- bis viertausend Flüchtlinge, das ist nicht so viel."


Es sei nun besonders wichtig, sagte Sargentini, sich mit den Mitgliedstaaten über die Erfahrungen der Reise auszutauschen und auf mehr Hilfe zu drängen. Man müsse sich so oder so mit den Flüchtlingen auseinandersetzen, ob auf Lampedusa oder schon vorher in den Flüchtlingslagern.


"Mir ist es lieber, wenn sie noch am Leben sind", betonte Sargentini mit Verweis auf die zahlreichen Todesopfer der gefährlichen Überfahrt nach Lampedusa auf überfüllten, unsicheren Booten.


Für Freitag sind Treffen der Parlamentsdelegation mit dem tunesischen Premierminister, einigen Ministern und Botschaftern der EU und dem Vertreter der USA vorgesehen.