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Hypothekenreform: Faire Kredite für ein stabiles Finanzsystem

Wirtschaft und Währung 01-09-2011 - 10:52
 
 
EU-Abgeordneter Sanchez-Presedo über Hypothekenkredite: "Wir brauchen mehr Flexibilität, weniger Ausgrenzung, mehr Stabilität und vor allem viel mehr Wettbewerb."   EU-Abgeordneter Sanchez-Presedo über Hypothekenkredite: "Wir brauchen mehr Flexibilität, weniger Ausgrenzung, mehr Stabilität und vor allem viel mehr Wettbewerb."

Faule Kredite waren einer der Auslöser der Banken- und Schuldenkrise der letzten Jahre. Ein Bericht des spanischen Sozialdemokraten Antolín Sánchez Presedo, der am Mittwoch im Wirtschaftsausschuss des EU-Parlaments vorgestellt wurde, beschreibt wie Schuldner besser geschützt werden könnten. Gleichzeitig soll Europas Finanzwirtschaft auf eine stabilere Basis gestellt werden.


Mangelhafte Kreditregeln waren einer der Auslöser der Finanzkrise im Jahre 2008. Bestehen die Risiken noch immer?


Überschuldung steht noch immer im Mittelpunkt der Krise. Es wäre ein wichtiger erster Schritt, den Markt für Hypotheken besser zu regulieren.


In Zukunft geht es auch darum, dass Sparer und Steuerzahler nicht unter unverantwortlichen Kreditregeln leiden und die Hypothekenbranche nicht wieder eine neue Krise heraufbeschwört.


Ihr Bericht basiert auf einem Vorschlag der EU-Kommission, den Sie aber deutlich erweitert haben. Was fehlte?


Wir haben drei neue Kapitel eingeführt. Eines beschäftigt sich damit, was Verbraucher über Kredite wissen sollten, bevor sie eine Hypothek aufnehmen. Wir betrachten aber auch, was passiert, nachdem Verbraucher einen Hypothekenkredit unterschrieben haben.


Das dritte zusätzliche Kapitel befasst sich mit Markttransparenz. Hier geht es etwa darum, Hypotheken eindeutig identifizieren zu können und zu registrieren. So wüsste man jederzeit, aus welchen Hypotheken komplexe Finanzprodukte bestehen. Das würde die Finanzmärkte stabilisieren.


Sie schlagen viele Neuerungen vor, gibt es auch Praktiken, die Sie verbieten wollen?


Wir brauchen gute Regeln, um Fehler bei der Kreditvergabe zu vermeiden. Wir brauchen definitiv transparentere und verlässlichere Märkte. Ich möchte die Debatte vor allem auf riskante Produkte lenken und den Aufsichtsbehörden mehr Befugnisse geben. Sie sollen Verbraucher warnen können, gleichzeitig aber auch schärfere Kreditvoraussetzungen erlassen, so dass diejenigen, die ein höheres Risiko eingehen auch für die potenziell anfallenden höheren Kosten aufkommen.


Die Hypothekenmärkte in Europa unterscheiden sich deutlich. Ist das ein Problem oder ein Vorteil?


Wir sollten nationale Vielfalt als etwas Positives ansehen und das Subsidiaritätsprinzip nicht verletzen, aber wir müssen auch Hemmschwellen für den Zugang zu nationalen Märkten abbauen. Funktionierende Kreditsysteme, die aus etablierten rechtlichen und kulturellen Traditionen resultieren, sollten bewahrt werden. Vielfalt ist wichtig für Innovation und um möglichst vielen Menschen einen Zugang zu für sie passenden Finanzprodukten zu gewährleisten. Ein Produkt für alle, das funktioniert einfach nicht.


Deshalb brauchen wir mehr Wettbewerb. Aber die Konzentration in der Finanzindustrie steigt an. In jedem Mitgliedsstaat liegt der Marktanteil der fünf größten Kreditinstitute bei über 75%. Mehr Wettbewerb wäre wichtig, um die Effizienz der Märkte zu steigern.


Bessere Regeln für Kreditgeber ist nur ein Teil der Debatte. Wie wollen Sie Kreditnehmern helfen?


Wir brauchen bessere finanzielle Bildung, gute Informationen und professionelle Beratung.


Wir haben uns aber auch Vorschläge wie etwa flexiblere Verträge und Zahlungen angesehen, die sich an die Situation des Kreditnehmers anpassen lassen und es ihm oder ihr erlauben, eine Hypothek schneller als geplant zurückzuzahlen. Interessant ist auch die Möglichkeit, unkompliziert zu einem anderen Kreditinstitut zu wechseln oder einen Kredit, der in einer anderen Währung aufgenommen wurde, in die eigene Währung zu übertragen. So ließen sich Risiken vermeiden, die viele Menschen einfach nicht handhaben können.


Sie fordern in Ihrem Bericht auch besseren Zugang zu Hypotheken für bisher benachteiligte Menschen. Wie könnte das funktionieren?


Ich bin davon überzeugt, dass Produkte den Bedürfnissen eines jeden Kunden angepasst werden sollten. So sind etwa Arbeitslosengeld oder andere staatliche Hilfsleistungen auch Werte, die bei der Evaluierung der Kreditwürdigkeit eines Konsumenten beachtet werden sollten. Auch müssen wir verhindern, dass Menschen wegen falscher Informationen vom Kreditmarkt ausgeschlossen werden oder aufgrund von Entscheidung, die nur auf automatisch erstellten Kreditdaten basieren.  


Das Finanzsystem muss wieder den Bedürfnissen von Familien und Firmen dienen, der Realwirtschaft. Um dahin zu gelangen, brauchen wir mehr Flexibilität, weniger Ausgrenzung, mehr Stabilität und vor allem viel mehr Wettbewerb.


Der Bericht wurde am 31.08. im Wirtschaftsausschuss des EU-Parlaments vorgestellt. Der Ausschuss wird Anfang 2012 über den Vorschlag abstimmen, eine erste Lesung im Plenum des Parlaments könnte dann im Frühjahr 2012 folgen.

REF : 20110826STO25374