Steuervermeidung und Steuerhinterziehung: Die wichtigsten Steuerbegriffe einfach erklärt 

 
 

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Steuer-Glossar ©BELGA/AGEFOTOSTOCK 

Was versteht man unter Steuervermeidung und Steuerhinterziehung? Was sind Steueroasen? In unserem Glossar werden alle Begriffe rund um das Thema Steuern einfach erklärt.

Steuervermeidung

Nutzung von legalen Instrumenten, um möglichst wenig Steuern zu zahlen, wie zum Beispiel die Verlagerung von Gewinnen in ein Land mit niedrigem Besteuerungsniveau oder der Abzug von Zinszahlungen für Kredite mit künstlich erhöhten Zinssätzen

Die EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Steuervermeidungspraktiken tritt im Januar 2019 in Kraft.

Weitere Informationen zur Bekämpfung von Steuervermeidung finden Sie in unserer Infografik.

Steuerhinterziehung und Steuerbetrug

Verwendung illegaler Praktiken zur Vermeidung von Steuerzahlungen, wie zum Beispiel die Nichterklärung von Gewinnen oder die Nutzung verschiedener Methoden zur Vermeidung von Mehrwertsteuerzahlungen

Die EU-Kommission hat im Oktober 2017 neue Regeln vorgeschlagen, um Mehrwertsteuerbetrug zu bekämpfen.

Steueroasen

Bestimmte Länder oder Jurisdiktionen ermöglichen es ausländischen Unternehmen und Privatpersonen, die sich dort registrieren, wenig oder gar keine Steuern zu zahlen. Steueroasen garantieren auch, dass die Identität von Einzelpersonen und wirtschaftlichen Eigentümern von Unternehmen, die in diesen Rechtsordnungen ansässig sind, nicht preisgegeben wird.

In seinem Bericht über Maßnahmen gegen Steuervermeidung im Zuge des Panama-Papers-Skandals forderte das Parlament eine schwarze Liste von Steueroasen oder "unkooperativen Jurisdiktionen". Nachdem der Rat Anfang 2018 die schwarze Liste schließlich festgelegt hatte, kritisierte das Parlament die Mitgliedstaaten scharf, weil sie acht Länder, darunter Panama, nicht aufgelistet hatten.

Steuervorbescheid

Eine schriftliche Erklärung einer Steuerbehörde, in der im Voraus dargelegt wird, wie die Körperschaftssteuer berechnet wird und welche Steuervorschriften angewendet werden. Diese Regelungen sind legal, könnten aber, unter EU-Vorschriften, staatliche Beihilfen beinhalten und somit der Kontrolle der Europäischen Kommission unterliegen. Steuervorbescheide standen bisweilen in der Kritik, wenn multinationale Konzerne im Endeffekt weniger Steuern zahlen als normale Steuerzahler.

Gewinnkürzung und Gewinnverlagerung („Base Erosion and Profit Shifting“)

Steuerplanungsstrategien, die die Unterschiede in den Steuersystemen der Länder ausnutzen, um Gewinne in Jurisdiktionen mit niedrigen Steuersätzen zu deklarieren, obwohl Gewinne anderswo erzielt wurden. Dies hat zur Folge, dass in Ländern, in denen das Unternehmen die meisten seiner Gewinne erwirtschaftet haben könnte, kaum oder gar keine Körperschaftssteuer gezahlt wird.

Wirtschaftlicher Eigentümer

Der letztendliche wirtschaftliche Eigentümer eines Unternehmens (oder einer anderen juristischen Person) kann sich hinter einem Konstrukt von verschiedenen Gesellschaften verbergen. Dies kann zu einem Mangel an Transparenz führen, da nicht klar ist, wer die Gewinne erwirtschaftet oder entscheidet, welche Maßnahmen das Unternehmen ergreift.

Im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung ist es dem Parlament bereits gelungen, die Mitgliedstaaten dazu zu bewegen, zentrale Register mit Informationen über die wirtschaftlichen Eigentümer von Unternehmen einzurichten.

Im Januar 2018 unterstützten die EU-Abgeordneten ein neues Gesetz, das jedem Bürger den Zugang zu Daten über die wirtschaftlichen Eigentümer von Unternehmen, die in der EU tätig sind, ermöglichen soll.

Gemeinsame konsolidierte Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage (GKKB)

Im März 2018 unterstützte das Parlament einen Vorschlag zur Schaffung der Gemeinsamen konsolidierten Körperschaftssteuer-Bemessungsgrundlage. Die Unternehmen würden dort besteuert, wo sie ihre Gewinne erzielen. Ihre digitale Präsenz würde ebenfalls berücksichtigt werden; personenbezogene Daten sind ein immaterielles, aber sehr wertvolles Gut, das von Unternehmen wie Facebook, Amazon und Google zur Schaffung ihres Reichtums genutzt wird, das derzeit jedoch bei der Berechnung ihrer Steuerschuld nicht berücksichtigt wird.

Patentbox (Lizenzbox)-System

Eine besondere Steuerregelung für geistige Eigentumsrechte. Um Innovation zu fördern und Technologieunternehmen anzulocken, bieten manche europäische Länder Steuerentlastungen für Einkünfte aus Patenten an. Das bedeutet, dass beispielsweise Patente oder Verkäufe von Lizenzen für geistiges Eigentum für einen niedrigeren Steuersatz in Frage kommen. Manche Unternehmen wurden bezichtigt, irrelevante Patente zu ihren Produkten hinzuzufügen, um sich für das Patentbox-Regime zu qualifizieren und weniger Steuern zu zahlen.

Nach Ansicht des zweiten Sonderausschusses zu Steuervorbescheiden können die Verbindungen zwischen Patentboxen und Forschung und Entwicklung sehr oft beliebig oder künstlich sein, da Unternehmen das System zur aggressiven Steuerplanung nutzen. In seinem Abschlussbericht fordert der Ausschuss die EU-Kommission auf, den Missbrauch von Patentboxen zu verbieten und neue Rechtsvorschriften zu ihrer Regulierung zu erarbeiten.

Faire Besteuerung - Priorität des Parlaments

Die Bekämpfung von Steuervermeidung und Steuerbetrug ist eine der Prioritäten des Parlaments. Das EU-Parlament hat am 1. März 2018 einen Sonderausschuss zu Finanzkriminalität, Steuerhinterziehung und Steuervermeidung eingerichtet.

In Steuerfragen hat das Parlament eine beratende Funktion im Gesetzgebungsverfahren. Die EU-Gesetze werden von den Mitgliedstaaten im Rat einstimmig beschlossen.

Lesen Sie hier mehr über die Arbeit des Parlaments für eine faire Besteuerung