Diese Seite teilen: 

Einsatz von Drohnen in der Landwirtschaft ©AP Images/ European Union-EP 

2050 werden voraussichtlich rund 9,6 Milliarden Menschen auf der Welt leben und die globale Nachfrage nach Nahrungsmitteln um 70 Prozent steigen. Kann genug Nahrung für alle produziert werden? Während der vergangenen Plenartagung betonten die Abgeordneten, Investitionen in Agrartechnologien seien essenziell, um die Produktivität zu steigern und Belastungen der Umwelt zu verringern. Benötigt werden aber auch Maßnahmen, um die Ernährungssicherheit in gefährdeten Regionen der Welt zu garantieren.

Laut UN-Welternährungsprogramm leiden weltweit rund 795 Millionen Menschen unter Hunger. Der Großteil lebt in Entwicklungsländern. Im subsaharischen Afrika ist eine von vier Personen unterernährt.


Reduktion der Umweltauswirkungen der Landwirtschaft

 

In der EU ist die Landwirtschaft für 10,35 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich, gemäß Eurostat. Weltweit liegt der Anteil der durch die Agrarproduktion verursachten Treibhausgasemissionen bei 11 bis 15 Prozent. Zählt man jedoch Landnutzung und Abholzung, Verarbeitung, Transport, Verpackung, Einzelhandel und Abfälle dazu, steigen die Zahlen auf rund 50 Prozent.


Der niederländische EU-Abgeordnete Jan Huitema (ALDE) ist der Berichterstatter eines Berichts über die Verbesserung von Innovation und wirtschaftlicher Entwicklung bei der künftigen Verwaltung europäischer landwirtschaftlicher Betriebe, der vergangene Woche im Plenum verabschiedet worden ist. Er sagt: "Landwirte haben das Wissen und die Fähigkeit zur Innovation, werden jedoch durch veraltete Gesetze oder Bestimmungen eingeschränkt."


Dem Bericht zufolge könne die Präzisionslandwirtschaft (auch Teilschlagbewirtschaftung genannt), den Pestizid-, Düngemittel- und sogar Wasserverbrauch reduzieren. IKT-basierte Verwaltungssysteme, die zum Beispiel von Robotersystemen erfasste Informationen nutzen, führten wiederum zu mehr Leistung und verbesserten die Umweltbilanz.


Huitema fügt hinzu: "Viele bahnbrechende Techniken, wie die Schädlingsbekämpfung mithilfe von Insekten oder die Herstellung grüner Dünger aus Abfall gibt es bereits. Die europäische Gesetzgebung behindert manchmal jedoch diese Innovationen. Die EU-Abgeordneten haben diese Woche entschieden, Schritte zu setzen, anstatt in der Vergangenheit stecken zu bleiben."


Genetische Vielfalt

Während der vergangenen Plenartagung hat das Plenum einen Bericht über technisch innovative Lösungen für eine nachhaltige Landwirtschaft gebilligt. Die britische EU-Abgeordnete und Berichterstatterin Anthea McIntyre (EKR) zeigt darin auf, dass genetische Vielfalt und die Qualität der pflanzengenetischen Ressourcen eine entscheidende Rolle für die Widerstandsfähigkeit und die Produktivität in der Landwirtschaft spielten.


"Großunternehmen wissen das genau so gut wie wir und ich bin mir sicher, dass sie diese Vielfalt in ihren Entwicklungsprogrammen im Kopf behalten werden", sagt McIntyre in einem Statement. Und sie ergänzt: "Wir sollten die Vorteile der innovativen Landwirtschaft im Auge behalten, da sie letztendlich für die Reduktion von Pestiziden, Düngemitteln und Wasserverbrauch gedacht ist, gleichzeitig aber auch Erträge optimiert."


Afrika: Kleinbauern muss geholfen werden

 

2012 wurde unter der Schirmherrschaft der G8 die "Neue Allianz für Ernährungssicherheit und Ernährung" geschaffen. Die NAFSN wird von der EU unterstützt und dient der Förderung der Landwirtschaft und Linderung der Armut durch öffentlich-private Partnerschaften in den Ländern Afrikas südlich der Sahara. Das Projekt verbindet unter anderem die G8-Staaten, Regierungen Afrikas, den Saatgutproduzenten Syngenta und den Düngemittelhersteller Yara International.


Während der vergangenen Plenartagung ist ein Bericht über die "Neue Allianz für Ernährungssicherheit und Ernährung“ verabschiedet worden. Die deutsche EU-Abgeordnete Maria Heubuch (Grüne/EFA) ist die Berichterstatterin.


Sie kritisiert den Schwerpunkt der Initiative auf Monokulturen und die Abhängigkeit von Düngemitteln. In Afrika werde zu viel Land dazu genutzt, landwirtschaftliche Exportprodukte (sogenannte "Cash Crops") anzubauen, anstelle von Nahrungsmittelpflanzen für den lokalen Verbrauch, so Heubuch. Dies führe dazu, dass afrikanische Länder vom Lebensmittelimport abhängig seien sowie anfällig für Preisschwankungen auf dem Weltmarkt.


Sind genetisch veränderte Organismen (GVO) die Lösung? Dazu sagt Maria Heubuch: "Gentechnik führt nicht zu höheren Erträgen. Stattdessen haben GV-Pflanzen zum Einsatz von mehr und nicht weniger Pestiziden geführt."