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Die EU-Abgeordneten möchten Mindestbeständigkeitskriterien für Produkte festlegen und Konsumenten besser über die Haltbarkeit der Produkte informieren. Ziel ist auch, mehr zu reparieren.

Smartphones haben eine durchschnittliche Lebensdauer von ein bis zwei Jahren. Andere kleine elektrische Geräte, Spielzeuge und Kleidung haben eine ebenso kurze voraussichtliche Lebensdauer. Das besagt ein Bericht des Wissenschaftlichen Dienstes des Europäischen Parlaments. Laptops, Fahrräder, Sportbekleidung oder Betttextilien schneiden auch nicht viel besser ab und müssen in der Regel nach drei bis vier Jahren ersetzt werden. Das EU-Parlament hat am Dienstag (4.7.) einen Bericht verabschiedet, der konkrete Maßnahmen fordert, um gegen diese Verschwendung von Geld, Energie und Rohstoffen vorzugehen.

Höhere Standards und modulare Produkte

Die EU-Abgeordneten treten für langlebigere Produkte ein. Sie fordern Mindeststandards, die mithilfe europäischer Normungsorganisationen festgelegt werden könnten.

Der Berichterstatter Pascal Durand (Grüne/EFA) aus Frankreich spricht sich für die modulare Bauweise von Produkten aus, damit diese leicht repariert und nachgerüstet werden können. In puncto Design sollten auch leicht ersetzbare Materialien verwendet werden sowie Techniken, die Reparaturen erlauben. (So sind zum Beispiel geschraubte Teile leichter zu reparieren als geklebte Teile.)

Laut einer Eurobarometer-Umfrage ziehen 77 Prozent der Verbraucher es vor, ein Gerät zu reparieren, anstatt ein neues zu kaufen.

Maßnahmen gegen Obsoleszenz

Der Bericht des Parlaments befasst sich auch mit dem Aspekt der sogenannten "geplanten Obsoleszenz". Darunter ist zu verstehen, dass bewusst Schwachstellen in ein Gerät bzw. Produkt eingebaut werden, um seine Lebensdauer zu verkürzen. Da es sehr schwierig ist, diese geplante Obsoleszenz überhaupt zu beweisen, fordern die EU-Abgeordneten die Kommission dazu auf, ein unabhängiges System zu entwickeln, um mögliche Betrugsfälle festzustellen.

Klarere Kennzeichnungen

Gemäß einer Eurobarometer-Umfrage sind mehr als 90 Prozent der Europäer der Ansicht, dass Produkte bezüglich ihrer Nutzungsdauer klar gekennzeichnet werden sollten. Die EU-Abgeordneten teilen diese Ansicht und fordern die Schaffung eines Kennzeichnungssystems.

"Wenn ein Kunde ein Produkt sieht, das um 30 bis 40 Prozent billiger ist und genauso gut funktioniert, dann wird er sich, wenn er nichts über die Lebensdauer des Produktes weiß, etwa dass das Gerät nur zwei Jahre statt zehn Jahren hält, natürlich für das billigere Produkt entscheiden", erklärt Pascal Durand in unserem Video.

Der Bericht wurde mit 662 Stimmen verabschiedet, bei 32 Gegenstimmen und 2 Enthaltungen. Weitere Informationen finden Sie in der Pressemitteilung.

Konsequenzen für die Produzenten?

Die Verlängerung der Lebensdauer von Produkten ist sicherlich eine Herausforderung für die Hersteller, kann (kleinen und mittleren) Unternehmen jedoch Vorteile verschaffen. Sie können zwar bei den Preisen möglicherweise nicht mithalten, können jedoch hinsichtlich der Qualität punkten.

Die Initiative steht auch mit dem Konzept der Kreislaufwirtschaft in Einklang. Durch Wiederverwenden, Recycling und Reparieren sollen weniger Abfälle anfallen.

Kreislaufwirtschaft