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Wie möchte die EU die sichere Gasversorgung gewährleisten? Erfahren Sie hier die wichtigsten Zahlen und Fakten zum Thema Erdgas in der EU.

Erdgas und EU-Energiemix 

Die EU-Mitgliedstaaten werden besser vorbereitet sein, um potenzielle Störungen der Erdgasversorgung bewältigen zu können. Die EU-Abgeordneten haben am Dienstag (12.9.) einen entsprechenden neuen Solidaritätsmechanismus gebilligt.

Im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte ist ein wachsender Anteil des europäischen Energiebedarfs durch Erdgas abgedeckt worden. Der Anteil der anderen fossilen Brennstoffe, Erdöl und Kohle, am Energiemix ist hingegen gesunken. Der Erdgasanteil entspricht nun beinahe einem Viertel des Bruttoinlandsenergieverbrauchs der EU. Gas wird vor allem für das Heizen von Wohnhäusern und die Stromerzeugung verwendet.

Es bestehen jedoch Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedsländern. So spielt Erdgas in den Niederlanden, Italien und im Vereinigten Königreich eine viel größere Rolle als in Schweden, Estland und Finnland. Malta hat zu Beginn des Jahres seine erste Ladung von LNG (Flüssigerdgas) erhalten und Zypern hat erst vor Kurzem begonnen, nach Erdgas zu suchen.

Gas-Infrastruktur und Nutzung 

Die Europäische Union importiert zwei Drittel ihres Erdgases, entweder über Pipelines oder verflüssigt in Tankschiffen (über LNG-Terminals). Mehr als ein Drittel davon kommt aus Russland, gefolgt von Norwegen, Algerien und Katar. Eine Mehrheit der Mitgliedstaaten ist (fast) völlig von Einfuhren abhängig und die Versorgung mancher Länder wird dabei von einem einzigen Lieferanten wie Russland dominiert.

Die Abhängigkeit von einer einzigen Quelle oder einer einzigen Transportroute kann die Versorgung gefährden, sei es nun aufgrund eines technischen Zwischenfalls oder politischer/wirtschaftlicher Auseinandersetzungen. In den Jahren 2006 und 2009 wurden die Lieferungen an einige europäische Länder aufgrund von Unstimmigkeiten zwischen Russland und der Ukraine über Energiepreise unterbrochen.

Nach dieser Krise hat die EU im Jahr 2010 ihre Bestimmungen zur Sicherung der Gasversorgung gestärkt: Die Mitgliedstaaten wurden dazu verpflichtet, sicherzustellen, dass Haushalte und andere "schutzbedürftige" Verbraucher wie Krankenhäuser selbst unter schwierigen Bedingungen wie einer Unterbrechung der Haupt-Erdgasinfrastruktur mit Gas versorgt werden. 2014 hat die Europäische Kommission sogenannte "Gas-Stresstests" durchgeführt: Diese zeigten, dass Europa Gasversorgungsstörungen nur dann bewältigen könne, wenn die Mitgliedstaaten enger zusammenarbeiten. 

Im vergangenen Jahr hat die Kommission eine Überarbeitung der Verordnung aus dem Jahr 2010 vorgeschlagen. Es soll ein neuer Solidaritätsmechanismus eingeführt werden, um sicherzustellen, dass Mitgliedstaaten, die unter einer Gasversorgungskrise leiden, auf die Unterstützung ihrer Nachbarn zählen können. Die Unterhändler des Parlaments und des Ministerrats haben im April eine Einigung über die neuen Regeln erzielt. Das Plenum hat die neuen Regeln für die Zusammenarbeit am 12. September gebilligt.

Energiebilanz 

Der Berichterstatter des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek (EVP) aus Polen, betont in unserem Interview: "Solidarität bedeutet, dass wir in Krisenzeiten Gas von einem Land in ein anderes liefern können, um die Gasversorgung von Haushalten, Erbringern wichtiger sozialer Dienstleistungen wie Krankenhäuser sowie von bestimmten Gaskraftwerken sicherzustellen und Stromausfälle zu vermeiden."

Außerdem diversifizieren die Mitgliedstaaten mit der Unterstützung der EU ihre Versorgungsquellen und -wege, indem neue LNG-Terminals und Pipelines gebaut und geplant werden. Eines dieser Projekte, Nord Stream 2, ist jedoch in die Kritik geraten: Es wird befürchtet, dass die Abhängigkeit von einer einzelnen Quelle, nämlich Russland, eher erhöht als verringert werde. Die EU-Abgeordneten debattieren am Donnerstag (14.9.) über dieses Thema.