Steuervermeidung durch Unternehmen: Bekämpfung "aggressiver Steuerplanung" 

 
 

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Infografik zum Thema Unternehmensbesteuerung 

Am Dienstag (7.6.) debattierten die EU-Abgeordneten über Maßnahmen zur Bekämpfung der Steuervermeidung durch Unternehmen, wie zum Beispiel eine Zinsabzugsbeschränkung. Die Empfehlungen des Parlaments zur EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Steuervermeidung wurden am Mittwoch (8.6.) angenommen. Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel und konsultieren Sie unsere Infografik zu gesetzlichen Höchstkörperschaftsteuersätzen und auf das Einkommen oder Gewinne von Unternehmen erhobenen Steuern.

EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Steuervermeidung


Die von der EU-Kommission vorgeschlagene Richtlinie zur Bekämpfung von Steuervermeidung basiert auf dem Prinzip, dass die Besteuerung am Ort der Gewinnerwirtschaftung und der Wertschöpfung stattfinden soll. Sie beinhaltet sechs Hauptmaßnahmen, die darauf abzielen, den häufigsten Formen aggressiver Steuerplanung einen Riegel vorzuschieben.


Gleichzeitig werden gemeinsame Definitionen für Begriffe wie "Betriebsstätte", "Steueroase" und "wirtschaftliche Mindestsubstanz" vorgeschlagen. Diese Begriffe konnten bisher flexibel interpretiert werden.


Die Richtlinie ist die Antwort der EU auf den Aktionsplan der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Bekämpfung der Gewinnverkürzung und Gewinnverlagerung.


Position des Parlaments


Das EU-Parlament wird in diesem Gesetzgebungsverfahren konsultiert. Der Ministerrat beschließt über die Vorschläge nach Anhörung des Parlaments.


Der belgische EU-Abgeordnete und Berichterstatter Hugues Bayet (S&D) sagt: "Es ist unvorstellbar, dass man ständig mehr von Arbeitern, Rentnern und kleinen und mittleren Unternehmen fordert, während gleichzeitig die Wohlhabenden und multinationale Unternehmen ihren fairen Steuerbeitrag umgehen."


Das Parlament begrüßte die Vorschläge der EU-Kommission und fordert eine strengere Zinsabzugsbeschränkung. So sollen Unternehmen von künstlichen Kreditgestaltungen abgehalten werden, die nur dazu dienen, ihre Steuerbelastung zu verringern.


Wie werden Steuern gespart?

Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern (Quelle: Europäische Kommission) 

Eine Unternehmensgruppe gründet eine Tochtergesellschaft in einem nicht besteuernden Drittland. Die Tochtergesellschaft gibt dann einem anderen Unternehmen der Gruppe in einem EU-Mitgliedstaat ein hochverzinsliches Darlehen. Das in der EU ansässige Unternehmen muss der Tochtergesellschaft hohe Zinsen zahlen. Diese Zinsen sind steuerlich abzugsfähig. Auf diese Weise kann das Unternehmen seine steuerpflichtigen Einkünfte in dem EU-Mitgliedstaat reduzieren. Gleichzeitig werden die entsprechenden Zinserträge im Drittland nicht besteuert.

Die EU möchte den Zinsbetrag, den der Steuerpflichtige in einem Steuerjahr abziehen darf, begrenzen. Die Kommission schlägt für den Abzugssatz eine Obergrenze von 30 Prozent vor, während die Abgeordneten sich für 20 Prozent oder 2 Millionen Euro aussprechen.