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Nicole Kiil-Nielsen: "Es geht nicht darum, zwischen Maßnahmen zur Gleichheit von Frauen und Männern und Maßnahmen gegen den Klimawandel zu entscheiden."        
Nicole Kiil-Nielsen: "Es geht nicht darum, zwischen Maßnahmen zur Gleichheit von Frauen und Männern und Maßnahmen gegen den Klimawandel zu entscheiden." 

Frauen sterben häufiger durch Naturkatastrophen als Männer, sind also auch stärker von den Folgen des Klimawandels betroffen. Am Freitag diskutieren die EU-Abgeordneten darüber, wie Frauen eine stärkere Rolle beim Kampf gegen den Klimawandel eingeräumt werden kann. Das, erklärt die französische Berichterstatterin Nicole Kiil-Nielsen (Grüne), könnte den Kampf gegen den Klimawandel fairer und effektiver machen.

Warum wollen sie Klimawandel und Gender-Debatte verknüpfen? 


Während jeder neuen Krise, jeder neuen Revolution, hören wir, dass zuerst das Problem gelöst werden müsse - später könne man sich dann um die Rechte der  Frauen kümmern. Aber dieses Argument ist veraltet und funktioniert nicht mehr.


Heute sind die Herausforderung durch den Klimawandel und die Rechte der Frauen aufs engste verbunden. Wir werden keine wirksamen Lösungen vorschlagen, wenn wir unsere Perspektive nicht erweitern. Wir wissen heute beispielsweise, dass das Risiko für eine Frau, während oder nach einer Naturkatastrophe zu sterben, bis zu 14 Mal höher ist als für einen Mann.


Was wollen Sie dagegen unternehmen?

 

Im Bericht schlagen wir konkrete Veränderungen der europäischen Klimadiplomatie vor. So sollten Frauen mindestens 40 % jeder Delegation stellen. Wir brauchen mehr Offenheit in allen Bereichen, sei es Technik, Politik oder Finanzen.


Außerdem fordern wir, dass während der Vorbereitung oder Evaluation von Projekten gezielt Daten für beide Geschlechter gesammelt werden. So ließe sich der Gender-Aspekt besser verstehen und wir könnten unsere Strategie dementsprechend anpassen.


Es geht nicht darum, zwischen Maßnahmen zur Gleichheit von Frauen und Männern und Maßnahmen gegen den Klimawandel zu entscheiden. Wir wollen beides gemeinsam voranbringen.


Und wie soll der Kampf gegen den Klimawandel davon profitieren?


Wenn beim Kampf  gegen den Klimawandel auf Gender-Askepte Rücksicht genommen wird, können wir gezielt gegen Diskriminierung vorgehen und effektivere Lösungen zum Schutz der Natur finden. Das ist eine Win-Win-Situation.   


Ein Beispiel hat mich besonders beeindruckt. In Tansania, in der Region Kilombero, hatte eine NGO ein Projekt zum Bau neuer Brunnen gestartet. Nach nicht einmal zwei Jahren waren die neuen Brunnen ausgetrocknet. Später hat man festgestellt, dass nur die Männer des Dorfes in die Planung einbezogen worden waren. Das Wasser holten allerdings immer die Frauen und nur sie wussten, wo neue Brunnen gegraben werden sollten. Nachdem die NGO ihren Fehler erkannt hatte und die Brunnen dort grub, wo es die Frauen vorschlugen, versiegten die Brunnen nicht mehr.