La Via zum VW-Skandal: "Wir fordern eine unverfälschte Prüfung der Abgaswerte " 

 
 

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Interview mit Giovanni La Via (EVP) aus Italien 

Der deutsche Autohersteller Volkswagen hat zugegeben, dass mehrere Millionen Autos, die weltweit verkauft wurden, mit einer speziellen Software ausgestattet worden sind, um die Abgaswerte zu manipulieren. Der Umweltausschuss befasst sich mit Gesetzesvorschlägen hinsichtlich der Abgastests für Autos. Der Ausschussvorsitzende Giovanni La Via (EVP) aus Italien fordert eine gründliche Untersuchung des Skandals. Zudem solle ein europäisches Gremium EU-weite Standards für Abgastests festlegen.

Heute wurde bekannt, dass auch in Europa verkaufte Autos mit einer Manipulationssoftware ausgestattet worden sind. Welche Enthüllungen stehen uns noch bevor?


Es ist schwer, die tatsächliche Reichweite dieses Skandals vorherzusagen. Es steht fest, dass auch auf der europäischen Ebene Fehler gemacht wurden. Heute haben wir erfahren, dass andere bekannte Autohersteller möglicherweise ein anderes System nutzen. Wir müssen nun von den europäischen Institutionen erfahren, ob andere Hersteller in den Skandal involviert sind.


Sind Sie der Meinung, dass dieser Skandal den Standpunkt des EU-Parlaments bezüglich der Emissionswerte und Kontrollen beeinflussen wird?


Wir sind die gesetzgebende Gewalt in der Europäischen Union und müssen deshalb Emissionsgrenzwerte festlegen. Wir fordern, dass alle Autohersteller die europäischen Bestimmungen einhalten. Ist das nicht möglich, so müssen die Hersteller ihre Modelle austauschen. Sie müssen die ökologischen Aspekte intensiver erforschen. Die Umweltverschmutzung durch Autos muss stark verringert werden - und zwar rasch.


Wie kann sichergestellt werden, dass Unternehmen die Bestimmungen auch einhalten?


Bisher gibt es nur nationale Kontrollen in den 28 Mitgliedstaaten. Wir benötigen eine europäische Agentur oder ein Gremium, das diese Kontrollen überwacht. Es ist auch vorstellbar, ein bereits existierendes Gremium damit zu beauftragen, sofern die EU-Kommission dies vorschlägt. Sieht der Vorschlag anders aus, so werden wir ihn überprüfen. Wir wollen sicherstellen, dass Konsumenten richtige Informationen über das Fahrzeug erhalten, das sie erwerben.


Hätte des EU-Parlament in den Verhandlungen entschlossener auftreten sollen?


Nein, denn wir haben von Anfang an eine Änderung der Emissionskontrollsysteme gefordert und sind dafür eingetreten, dass die Abgase überprüft werden und zwar im Realbetrieb und nicht nur im Labor. Es wurde mehrfach über ein neues System abgestimmt. Die Position des EU-Parlaments ist klar: Wir fordern eine unverfälschte Prüfung der Abgaswerte.


Wie kann Europa seinen guten Ruf in Bezug auf Umwelt- und Klimaschutz wahren, wenn Unternehmen Schadstoff-Kontrollen so leicht manipulieren können?


In Hinblick auf die Klimakonferenz COP21 in Paris müssen wir uns nun rasch einen klaren Überblick schaffen, um der Welt zu zeigen, dass wir diesen Skandal ernst nehmen. Es ist sehr wichtig, dass wir die Lage evaluieren und Strafen verhängen.


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