Diese Seite teilen : 
Q&A from COP 22 in Marrakesh        
UN-Klimakonferenz COP 22 in Marrakesch (7. bis 18. November 2016) 

In den vergangenen zwei Wochen haben die Staaten der Welt auf dem UN-Klimagipfel COP22 in Marrakesch über die konkrete Umsetzung des Pariser Klimaabkommens beraten. Am 18.11. haben rund 200 Staaten eine Proklamation verabschiedet. Diese besagt, der Kampf gegen den Klimawandel habe "dringende Priorität". Eine Delegation des Parlaments hat am Weltklimagipfel teilgenommen. Wir haben den Delegationsleiter Giovanni La Via (EVP, IT) zu den weiteren Schritten und der Rolle des Parlaments befragt.

In welcher Weise hat sich die COP22 in Marrakesch von der COP21 in Paris unterschieden?

Auf der UN-Klimakonferenz COP21 ging es um die Frage, wie wir unseren Planeten retten können, also um die großen Zielsetzungen und Prinzipien. Gegenstand der COP22 war nun die konkrete Umsetzung der in Paris beschlossenen Klimaziele.


Welches war das wichtigste Thema, über das in Marrakesch beraten wurde?

Die Finanzierung des Klimaschutzes, vor allem im Hinblick auf Afrika. Die Entwicklungsländer möchten zu Recht sichergehen, dass die Finanzmittel, die sie für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels benötigen, ihnen auch zur Verfügung gestellt werden. Andererseits kann es sich hier nicht nur um öffentliche Gelder handeln.


Wofür ist die Delegation des Europäischen Parlaments in Marrakesch eingetreten?

Dafür, das Vertrauen in den Prozess aufrechtzuerhalten. Es geht um die Schaffung von Vertrauen. Wir waren hier in Marrakesch, um erneut zu bestätigen, dass die EU ihren Verpflichtungen auch nachkommen wird, egal was passiert.


Was ist die größte Errungenschaft der COP22?

Die "Proklamation von Marrakesch". Diese bestätigt die Bereitschaft aller Staaten, den Klimawandel zu bekämpfen und die nachhaltige Entwicklung zu unterstützen. Bis 2020 sollten alle Staaten ihre langfristigen Klimastrategien und Verpflichtungen bis 2050 offenlegen.


An welchen Maßnahmen arbeitet das Europäische Parlament bereits?

Bereits im kommenden Monat stimmen wir über die Reform des EU-Kohlenstoffmarktes ab. Außerdem werden wir in Kürze beginnen, an einer Verringerung der Emissionen der einzelnen Mitgliedstaaten zu arbeiten (die sogenannte Lastenverteilung / "Effort Sharing") und an einem neuen Gesetzesvorschlag zu Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft.  


Was hat die EU bereits erreicht? Wie schreitet die Umsetzung der Pariser Klimaziele voran?

Wir sind auf dem richtigen Weg, um unsere ursprünglichen "Klimaziele für 2030" umzusetzen. Wir sind auch dazu entschlossen, unser Ziel bis 2020, nämlich die Senkung der Emissionen um 20 Prozent, sogar zu übertreffen.


Was ist die größte Herausforderung, die sich für die EU bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens ergibt?

Das Vertrauen, auf dessen Basis sich 197 Staaten auf eine gemeinsame Erklärung in Marrakesch geeinigt haben, zu festigen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir erneut bestätigen, dass die EU, trotz aller politischen Unsicherheiten, denen wir gegenüberstehen, ihre Verpflichtungen auch einhalten wird.


Unser Ziel ist die Entkarbonisierung. Die Frage ist nun, inwieweit die EU bei diesem revolutionären Prozess die Führung übernehmen will und andere globale Akteure dazu aufrufen möchte, ihr auf diesem Weg zu folgen.


Der italienische EU-Abgeordnete Giovanni La Via (EVP, IT) ist der Vorsitzende des Umweltausschusses des EU-Parlaments.