Klimawandel und Gender  

 
 

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Ein Bericht des EP befasst sich mit dem Thema Klimagerechtigkeit ©AP Images/European Union-EP 

Ein neuer Bericht des Parlaments befasst sich mit dem Thema der Gleichstellung der Geschlechter und der Klimagerechtigkeit.

Der Klimawandel betrifft grundsätzlich alle Menschen. Es ergeben sich jedoch Unterschiede in Bezug auf Männer und Frauen. Die unterschiedlichen Auswirkungen des Klimawandels auf Männer und Frauen werden insbesondere in Regionen deutlich, in denen die sozioökonomischen Strukturen schwach sind. Eine Studie des Parlaments befasst sich mit diesen Aspekten.

Vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern sind Frauen vom Klimawandel besonders betroffen. Sie sind aufgrund ihrer traditionellen gesellschaftlichen Rolle oft in einer schwächeren Position, arbeiten häufig in der Landwirtschaft und kümmern sich um Haushalt und Familie. Frauen und Mädchen sind in vielen Entwicklungsländern verantwortlich für die Wasserversorgung. Durch zunehmende extreme Trockenheit und Dürren erhöht sich ihr Arbeitsaufwand, sie müssen weitere Wege auf sich nehmen, um Wasserstellen zu finden. Oft müssen junge Mädchen ihre schulische Ausbildung abbrechen, da sie hier gebraucht werden.

Auch Krankheiten verbreiten sich schneller aufgrund von höheren Temperaturen oder Überschwemmungen. Da sich in vielen Gesellschaften vor allem Frauen um die Krankenpflege kümmern, sind sie einem höheren Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Schwangere Frauen sind besonders gefährdet.

Da sie das Wohl derer, um die sie sich kümmern, wie Kinder oder ältere Familienmitglieder, über ihr eigenes stellen, werden Frauen im Falle von extremen Wetterphänomenen und Naturkatastrophen häufiger zu Opfern.

Der Klimawandel führt in seiner extremsten Ausprägung auch zu Migration. In einigen Fällen verlassen jedoch nur die Männer das Land. Die zurückgelassenen Frauen stehen dann oft vor neuen Problemen wie dem Zugang zu Versorgungsmitteln. Vertriebene Frauen und Mädchen wiederum sind einem erhöhten Risiko sexueller Gewalt ausgesetzt. Sie sind verletzlicher während der Schwangerschaft und durch die Kinderfürsorge.  

Frauen, Gleichstellung der Geschlechter und Klimagerechtigkeit

Mit diesem Themenkomplex befasst sich ein neuer Initiativbericht, den das Europäische Parlament am 16. Januar verabschiedet hat.

"Die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen bei Naturkatastrophen ums Leben kommen liegt um ein Vielfaches höher als bei Männern", sagt die schwedische Berichterstatterin Linnéa Engström (Grüne/EFA). Weiters betont sie: "Die EU und die Mitgliedstaaten müssen die klimawandelbedingte Vertreibung von Menschen ernst nehmen und auf eine genderorientierte Klimaagenda hinarbeiten."

Der Bericht fordert die EU-Institutionen auf, die Sensibilisierung für den Gender-Aspekt in ihrer Politikgestaltung zu erhöhen.

Engström fügt hinzu, dass es einer globalen Lösung bedürfe, um "klimawandelbedingte Vertreibung anzugehen, indem diese Migrationskategorie, mit einer Gender-Perspektive, in den neuen Globalen Pakt für Migration der Vereinten Nationen aufgenommen wird." 

Des Weiteren betont der Bericht, dass "die Gleichstellung der Geschlechter der Motor für eine nachhaltige Entwicklung" sei und dass Frauen in den gesamten Prozess der Politikgestaltung in diesem Bereich miteinbezogen werden sollten.

"Frauen sind nicht nur Opfer. Da sie oft das Land bewirtschaften, sowie die Wasser- und Energieversorgung regeln, können sie, wenn es ihnen ermöglicht wird, auch mächtige Akteure für Veränderungen bei der Entwicklung von Anpassungs- und Abmilderungsstrategien in ihren Gemeinschaften sein", fasst Engström zusammen.