Impfungen: EU-Abgeordnete besorgt über unzureichende Impfraten in der EU 

 
 

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Das EP befasst sich mit dem Rückgang der Impfquoten in Europa - Foto: Whitesession - Pixabay 

Die Zahl der Masernfälle verdreifachte sich in der EU binnen eines Jahres. Die Abgeordneten sind beunruhigt über die Folgen niedriger Impfraten für die öffentliche Gesundheit.

Was haben Pocken, Kinderlähmung, Masern, Mumps und Windpocken gemeinsam? Sie gehören zu den durch Impfschutz vermeidbaren Krankheiten, die im Laufe der Jahre sowohl für den Tod von Millionen von Menschen verantwortlich sind, als auch für auftretende schwere Komplikationen, darunter Erblindung und Lähmung. 


Heute sind Pocken dank weit verbreiteter Impfungen ausgerottet, und solange die gegenwärtigen Anstrengungen beibehalten werden, ist dies auch von Kinderlähmung zu erwarten. Andere Krankheiten sind zwar weiterhin im Umlauf, aufgrund von Schutzimpfungen wurde ihre Ausdehnung allerdings begrenzt. Dies ist bei Masern der Fall: Vor der Einführung des Impfstoffs in den frühen 60er Jahren starben jedes Jahr 2,6 Millionen Menschen an Masern, einem hoch ansteckenden Virus, das über die Luft oder kontaminierte Flächen übertragen wird. 2016 kamen 89 780 Menschen aufgrund von Masern ums Leben - die bis dato niedrigste Zahl.


Die Impfung ist nach wie vor eines der wichtigsten Instrumente für die öffentliche Gesundheit im 21. Jahrhundert. Pro Jahr rettet sie zwei bis drei Millionen Menschen das Leben. Weitere 1,5 Millionen Todesfälle könnten laut WHO durch die Erhöhung der Impfraten verhindert werden. 


Masernfälle in der EU binnen eines Jahres verdreifacht


Obwohl Ansteckungen mit Masern und durch Masern herbeigeführte Todesfälle weltweit rückläufig sind, wurden 2017 in der EU 14.451 Fälle gemeldet - drei Mal mehr als 2016 (4.643). Rumänien und Italien gehören zu den beiden Ländern mit der höchsten Falldichte (laut ECDC). In 87 Prozent aller Fälle (2017) waren nicht geimpfte Personen betroffen. 2017 gab es in Deutschland 929 Masernfälle und in Österreich 95. In der EU verloren in den vergangenen zwei Jahren 50 Menschen durch Masern ihr Leben.


Warum nehmen Maserninfektionen in der EU zu?


Der effektivste Weg, die Verbreitung von Masern zu verhindern, ist, sicherzustellen, dass 95 Prozent der Bevölkerung mit zwei Dosen des MMR-Impfstoffs (Masern, Mumps und Röteln) geimpft sind. In der EU wurde dieser Wert 2016 jedoch nur von Kroatien, Ungarn, Litauen, Portugal, der Slowakei, Spanien und Schweden erreicht (WHO). Rumänien und Italien etwa, Länder mit der höchsten Falldichte, lagen 2017 deutlich unter diesem Wert.


EU-Abgeordnete warnen vor Rückgang der Impfquoten


Am 19. April nahm das EU-Parlament eine Entschließung an, in dem es seine Besorgnis über die ungenügende Impfdichte in Europa und die Folgen für die öffentliche Gesundheit zum Ausdruck bringt. Die unterschiedliche Impfpolitik der Länder, steigende Preise für Impfstoffe sowie die Verweigerung von Impfungen seien einige der Faktoren, die man in Betracht ziehen muss, um die Unterschiede der Impfraten in den EU-Mitgliedstaaten zu erklären.


In der Entschließung rufen die Abgeordneten die Kommission dazu auf, einen besser harmonisierten Impfplan in der EU zu fördern und nationale Impf-Initiativen noch mehr zu unterstützen. Sie begrüßen darüber hinaus eine Vereinbarung über ein gemeinsames Beschaffungsverfahren, welches den Erwerb von Impfstoffen für Mitgliedstaaten preiswerter machen wird.


Zögerliche Haltung gegenüber Impfungen


Die EU-Abgeordneten sind insbesondere darüber besorgt, dass Menschen sich weigern, Impfungen für sich selbst oder ihre Kinder zuzulassen. „Zu viele Eltern entziehen sich Impfungen, bestimmte Infektionskrankheiten treten wieder auf“, betonte die italienische Abgeordnete Elena Gentile (S&D), eine der sieben Ko-Berichterstatter, nach der Abstimmung im Umwelt- und Gesundheitsausschuss im März.


Menschen vermeiden Schutzimpfungen oder verweigern sie im Glauben, dass sie gefährliche Nebenwirkungen haben, nicht sicher oder unwichtig sind (jahrzehntelange weit verbreitete Impfungen haben ihren Nutzen in Europa unsichtbar werden lassen). Trotz zahlreicher wissenschaftlicher Studien, die keinen Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und Autismus feststellen konnten, kursieren diese Behauptungen weiterhin auf Internetseiten, in Foren und den sozialen Netzwerken.  


„Unsere Impfstoffe sind absolut sicher. Es werden viele Fehlinformationen verbreitet, dass diese Impfstoffe Menschen krank machen, aber das ist natürlich Unsinn, ein gefährlicher Unsinn“, betonte die Ko-Berichterstatterin Renate Sommer (EVP) aus Deutschland.


In der Entschließung begrüßen die Abgeordneten den Gemeinsamen Aktionsplan für Schutzimpfungen, mit dem man die Ablehnung gegenüber Impfungen bekämpfen will. Außerdem werden Maßnahmen vorgestellt, um die Transparenz hinsichtlich der Bewertung der Sicherheit von Impfstoffen zu erhöhen. Die Abgeordneten fordern auch mehr Sensibilisierungs- und Informationskampagnen, mit denen gegen Falschinformationen über Schutzimpfungen vorgegangen werden soll, insbesondere im Internet. Der italienische Ko-Berichterstatter Marco Affronte (Grüne/EFA) sagte: “Wir müssen Familien beruhigen und gegen Fake News vorgehen.“


Nächste Schritte


Die Europäische Kommission wird voraussichtlich noch vor dem Sommer Maßnahmen zur Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von durch Impfung vermeidbaren Krankheiten vorstellen.


Ko-Berichterstatter des Parlaments: Renate Sommer (EVP, DE), Elena Gentile (S&D, IT), Bolesław G. Piecha (EKR, PL), Gesine Meissner (ALDE, DE), Kateřina Konečná (GUE/NGL), Marco Affronte (Grüne/EFA, IT), Mireille D´Ornano (EFDD, FR)

Erfahren Sie hier mehr über die Maßnahmen der EU im Bereich der öffentlichen Gesundheit.