Multiresistente Keime: Kampf gegen Antibiotikaresistenzen (Video) 

 
 

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25 000 Menschen sterben jährlich in der EU an auf multiresistente Keime zurückzuführenden Infektionen. Antimikrobielle Resistenzen nehmen zu. Die Abgeordneten fordern mehr Gegenmaßnahmen.

Weltweit sterben pro Jahr rund 700 000 Menschen durch antimikrobielle Resistenzen (AMR). In der EU sind es ca. 25 000 Personen. Es wird befürchtet, dass antimikrobielle Resistenzen bis zum Jahr 2050 mehr Todesfälle verursachen könnten als Krebserkrankungen. Der Begriff „antimikrobielle Resistenz“ deckt die Resistenz gegenüber Arzneimitteln ab, die Infektionen behandeln, die nicht nur durch Bakterien, sondern auch andere Mikroben, wie Parasiten, Viren und Pilze ausgelöst wurden. Diese Mikroorganismen können also Abwehrmechanismen gegen die Medikamente entwickeln.

Was sind antimikrobielle Mittel? 
  • Dazu gehören Antibiotika (gegen Bakterien), Virostatika (gegen Viren), Antimykotika (gegen Pilze) und Antiprotozoenmittel (gegen Protozoen).  
  • Sie sind Wirkstoffe synthetischen oder natürlichen Ursprungs, die die Vermehrung von Mikroorganismen hemmen oder die Erreger abtöten. 

Wodurch werden antimikrobielle Resistenzen hervorgerufen?

AMR ist ein Phänomen, das auf natürliche Weise im Laufe der Zeit auftritt, jedoch durch verschiedene Faktoren beschleunigt werden kann. Dazu zählen der Missbrauch oder die Übernutzung von Antibiotika sowohl in der Humanmedizin (zum Beispiel zur Behandlung von Virusinfektionen, obwohl sie dagegen unwirksam sind) als auch in der Tierhaltung (Prophylaxe und Wachstum). Des Weiteren spielen die Übertragung von resistenten Bakterien von Tieren auf Menschen durch Direktkontakt oder über die Nahrungskette und die Freisetzung von antimikrobiellen Stoffen in die Umwelt eine Rolle. Weitere Faktoren sind die unsachgemäße Entsorgung nicht verwendeter Arzneimittel in das Grundwasser und die mangelnde Entwicklung neuer Antibiotika.

Die EU hat seit 1999 mehr als 1,3 Milliarden Euro in die Erforschung antimikrobieller Resistenzen investiert.

Was fordert das Parlament?

Am 13. September hat das EU-Parlament einen Initiativbericht der österreichischen Abgeordneten Karin Kadenbach (S&D) zum neuen Europäischen Aktionsplan zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen verabschiedet. Die Abgeordneten fordern, mehr Maßnahmen gegen die Bedrohung durch AMR zu setzen, da sonst die Rückkehr in eine „Prä-Antibiotika/-Penicillin“-Zeit droht:

  • Sie betonen, dass Strategien zur Bekämpfung von AMR auf dem Grundsatz „Eine Gesundheit“ beruhen sollten, da ein Zusammenhang zwischen der Gesundheit von Mensch und Tier sowie der Umwelt besteht und Krankheiten von Menschen auf Tiere und umgekehrt übertragen werden können.
  • Sie heben die Bedeutung eines angemessenen und umsichtigen Einsatzes antimikrobieller Mittel hervor und fordern zudem, den Verkauf von Antibiotika durch Angehörige der mit der Gesundheit von Menschen und Tieren befassten Berufe einzuschränken sowie gegen illegale Verkäufe vorzugehen.
  • Die Abgeordneten sprechen sich dafür aus, Anreize für Investitionen in die Entwicklung neuer Substanzen zu schaffen. (Die Entdeckung und Entwicklung neuer Antibiotika hat sich in den vergangenen 20 Jahren stark verlangsamt.)
  • Sie fordern kostengünstigere diagnostische Schnelltests, die rasch Klarheit darüber schaffen, ob eine Infektion viralen oder bakteriellen Ursprungs ist.
  • Zudem sollen gute Hygienestandards gefördert und ein Bewusstsein über die Risiken der Selbstmedikation und der allzu häufigen Verschreibung von Antibiotika geschaffen werden. (44 Prozent der Europäer wissen nicht, dass Antibiotika bei Erkältungen und Grippe nicht helfen.)

Tierarzneimittel

Im Juni hat der Umwelt- und Gesundheitsausschuss eine Einigung mit dem Rat über neue Vorschriften zur Verringerung des Einsatzes von Antibiotika in der Landwirtschaft gebilligt. Die präventive und kollektive Behandlung mit antimikrobiellen Mitteln in der Tierhaltung soll so begrenzt werden, und importierte Lebensmittel müssen den EU-Normen für den Einsatz von Antibiotika entsprechen. Das EU-Parlament stimmt im Herbst über die neuen Regeln ab.