Doris Pack zu Bosnien und Herzegowina: "Wir können das Land nicht von außen neu gestalten" 

 
 

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Die deutsche Christdemokratin Doris Pack im Interview über Bosnien und Herzegowina ©European Union 2014 - European Parliament 

Christen und Muslime demonstrieren in den Straßen Bosnien-Herzegowinas gegen ihre Regierung, die sie für die schlechte Lage des Landes verantwortlich machen. Neben der Ukraine ist Bosnien-Herzegowina ein weiteres Land an der EU-Außengrenze in dem Unruhen ausbrechen. Wir haben die deutsche Christdemokratin Doris Pack, die für den Fortschrittsbericht Bosnien und Herzegowinas verantwortlich ist, nach den Zukunftsperspektiven des Landes gefragt.

Die Unruhen zeigen, dass eine gespaltene Gesellschaft durch ein gemeinsames Anliegen vereint werden kann. Ist die Diversität in Bosnien-Herzegowinas ein Vorteil oder eine mögliche Gefahr für das Land?


Es gibt keine Stabilität und ich habe diese Unruhen schon lange vorhergesagt. Die politischen Führer suchen nicht nach Kompromissen. Sie sind nicht fähig, die für die Bürger entscheidenden Probleme zu lösen.


Ich hoffe, dass die politische Elite beginnt zuzuhören, denn sie ist für die derzeitige Lage verantwortlich und bis jetzt nicht zurückgetreten.


Beeinflussen die Unruhen den Weg des Landes in die EU?


Die Krise könnte zu einer verbesserten politische Situation im Land führen, wenn die Führer Schritte nach vorne machen und die Probleme lösen. Wir können nur eine helfende Hand reichen, so wie wir es in der Vergangenheit schon gemacht haben, und zeigen, dass wir immer noch an der Zukunft des Landes interessiert sind.


Eine gute EU-Vertretung und internationale Gemeinschaft vor Ort sollte die Menschen überzeugen, den Weg für die Europäische Union zu ebnen.


Was können wir machen, um den Stillstand in Bosnien und Herzegowina zu überwinden?


Wir müssen versuchen ihnen zu zeigen, welche Schritte am besten sind. Letztendlich kennen sie selbst aber diese Maßnahmen am besten.


Es ist eine Schande, dass die Interessen der Bürger nicht auch die ihrer Führer sind. Denn die Bürger wollen Teil der EU werden und eine bessere Zukunft haben.


Die Demonstranten kritisieren die aufgeblasene Verwaltung, die anfällig für Korruption ist.


Das Land muss umstrukturiert werden. Mit der Verfassung werden ethnische Unterschiede vertieft, anstatt Menschen miteinander vereint.


Wir können das Land nicht von außen neu gestalten. Wir können nur ein besseres Arbeitsumfeld schaffen, aber es muss einen inneren Willen zur Veränderung geben. Wenn es diesen Willen nicht gibt, befürchte ich, dass wir noch länger eine schwierige Situation haben werden.