Konfliktmineralien: Was steckt in Ihrem Smartphone? 

 
 

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Zinn, Wolfram, Tantal, Gold: Wir assoziieren diese Mineralien mit Smartphones, Tablets oder Autos. Für die Menschen in der afrikanischen Region der Großen Seen zum Beispiel stehen sie jedoch mit Blutvergießen und Konflikten in Verbindung. Der Abbau und illegale Handel mit den Mineralien wird oft von bewaffneten Gruppen kontrolliert. Das Parlament hat am 16. März eine Verordnung gebilligt, die die Finanzierung von Konflikten und Menschenrechtsverletzungen durch Mineralienhandel verhindern soll.

"Das Europäische Parlament hat sich zurecht das wichtige Ziel gesetzt, die enge Verflechtung zwischen dem Handel mit Mineralien, die für unsere Industrien unabdingbar sind, und der Finanzierung von Konflikten und Ausbeutung von Menschen aufzulösen", sagt der Berichterstatter des Parlaments, Iuliu Winkler (EVP) aus Rumänien, in unserem Videointerview.


Woher kommen Konfliktmineralien und wofür werden sie verwendet?

Länder mit vielen Bodenschätzen, die Schauplätze von Konflikten sind, geraten oft in einen Teufelskreis: Die Einnahmen aus dem illegalen Abbau von Rohstoffen werden eingesetzt, um bewaffnete Aufstände zu finanzieren.


Konfliktmineralien wie Zinn, Wolfram, Tantal und Gold werden bei der Produktion verschiedenster High-Tech-Geräte verwendet, sowie in der Auto-, Elektronik-, Luftfahrt- Verpackungs-, Bau- und Beleuchtungsindustrie. Sie werden auch für die Herstellung von Industriemaschinen und Werkzeugen, und in der Schmuckherstellung genutzt.


Verpflichtende Kontrollen für Importeure

Die von den EU-Abgeordneten in der vergangenen Woche verabschiedete Verordnung bezieht sich auf Zinn, Wolfram, Tantal und Gold und betrifft alle Konflikt- und Hochrisikogebiete in der Welt (wie zum Beispiel die Demokratische Republik Kongo und die Region der Großen Seen).


Die Erfüllung der Sorgfaltspflicht ("Due Diligence") wird für die meisten Importeure der Mineralien aus Konflikt- und Hochrisikogebieten verpflichtend. Das neue Gesetz verpflichtet sie also zu Sorgfaltsprüfungen ihrer Lieferanten. Die Behörden in den EU-Mitgliedstaaten sind dafür verantwortlich, die Einhaltung der Sorgfaltspflicht durch die Unternehmen sicherzustellen. Von den Regeln ausgenommen sind nur EU-Einführer geringer Mengen wie Zahnärzte und Hersteller von Schmuck.


Das Parlament hat außerdem die Verpflichtung erwirkt, der zufolge große EU-Unternehmen, die diese Mineralien zur Verwendung in ihren Produkten kaufen, aufgefordert werden, ihre Beschaffungspraxis offen zu legen. Sie können sich dann auch in ein EU-Register aufnehmen lassen.


"Wir möchten sicherstellen, dass die gesamte Lieferkette sauber ist, um einen Dominoeffekt bis zu den Unternehmen am Ende der Kette zu erzeugen. Da sind jene, die unsere Smartphones, Tablets etc. verkaufen", sagt die Schattenberichterstatterin Maria Arena (S&D) aus Belgien.


Iuliu Winkler begrüßt die klare Mehrheit, mit der der Text angenommen worden ist. Diese sei ein "sehr wichtiges Signal der parteiübergreifenden Unterstützung für mehr Transparenz und Verantwortlichkeit in den Lieferketten".


Die Sorgfaltspflicht gilt ab 1. Januar 2021.


Sehen Sie dazu auch unser Video