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Aktivisten des Arabischen Frühlings erhalten Sacharow-Preis für geistige Freiheit 2011

Sacharow-Preisträger dankbar für Europas Unterstützung des Arabischen Frühlings

 
Zwei der fünf Sacharow-Preisträger 2011 im EU-Parlament: Asmaa Mahfouz (l.) und Ahmed El-Senussi   Zwei der fünf Sacharow-Preisträger 2011 im EU-Parlament: Asmaa Mahfouz (l.) und Ahmed El-Senussi
"Durch die Vergabe des Sacharow-Preises an fünf arabische Aktivisten erkennt das Europäische Parlament die Mühen all derer an, die für Würde, Grundrechte und politischen Wandel in der arabischen Welt kämpfen", sagte Präsident Buzek während der Preisverleihung am Mittwoch in Straßburg.

Präsident Buzek betonte: "Die historischen Ereignisse erinnern uns an unsere Verantwortung, die auch bedeutet, dass wir die aufkommende, junge und lebendige Zivilgesellschaft unterstützen müssen." Er wies insbesondere auf die "entscheidende Rolle der Frauen während des Arabischen Frühlings" hin.


Die Gewinner sprachen ihre Dankbarkeit für den Preis als wichtiges Symbol für Europas entscheidende Unterstützung während der Aufstände zum Arabischen Frühlings aus. Sie hoben auch die Herausforderungen bezüglich der Menschenrechte hervor, denen sich ihre Länder in ihren Bemühungen, echte demokratische Regimes, die die Rechtsprechung und Menschenwürde achten, wieder aufzubauen und zu etablieren, gegenüber sehen.  


Schweigeminute für Tote


Nur zwei der Preisträger waren in der Lage, der Zeremonie beizuwohnen: Asma Mahfouz, eine junge ägyptische Bloggerin und Ahmed El-Senussi, der am längsten inhaftierte Gefangene Libyens. Das Parlament hielt eine Schweigeminute für alle, die ihr Leben in den Aufständen verloren und insbesondere für Mohamed Bouazizi, dessen Selbstverbrennung als Protest gegen die Unterdrückung der Tunesischen Obrigkeit die Proteste in Tunesien auslöste, ab. Der Preis wurde ihm posthum verliehen.


In ihrer Dankesrede sagte Asma Mahfouz: „Dieser Preis zollt allen Menschen in Ägypten Tribut, die viel mutiger waren als ich und tatsächlich ihr Leben auf den Straßen opferten. Ich würde Ihnen gerne erzählen, wie stolz ich für alle Märtyrer der Arabischen Revolution bin. Wir werden sie nicht verraten, wir werden dem Weg folgen."


Ahmed El-Senussi hob die Wichtigkeit der Aussöhnung hervor: "Wir müssen unser Land wieder aufbauen, Toleranz zeigen, selbst gegenüber denen, die Verbrechen begangen und auch die Menschenwürde verletzt haben." Er dankte Libyens europäischen Nachbarn, die die ersten waren, die Libyen zur Hilfe kamen, für deren "eindeutige diplomatische und militärische Unterstützung".


Botschaft aus dem Untergrund


Der syrische Karikaturist Ali Ferzat, der sich im Exil in Kuba befindet, hat eine Videonachricht geschickt, in der er seine Dankbarkeit für den Preis sowie seine tiefe Trauer für die Anzahl der Opfer in seinem Heimatland Syrien, die "jede Minute ansteigt", ausdrückte.


Die syrische Menschenrechtsanwältin Razan Zeitouneh, die zurzeit versteckt leben muss, schickte einen Brief, in dem es heißt: "Ich möchte dem Europäischen Parlament und allen danken, die bei unserer Revolution mitgefühlt haben und uns in jeglicher Weise unterstützt haben, damit wir künftig keinerlei Unterdrückung, Gefängnisse und Blutvergießen mehr erleiden müssen. Für alle tapferen Menschen in Tunesien, Ägypten, Libyen, Jemen, Bahrain und darüber hinaus. Für alle, die sich ihre Freiheit erkämpft haben und für die, die noch um sie kämpfen."


Preisträger des Sacharow-Preis 2011


Asmaa Mahfouz

Asma Mahfouz ist eine junge Ägyptische Bloggerin. Ihre Youtube-Videos brachten tausende Menschen auf die Straßen, um gegen das unterdrückende Regime von Präsident Hosni Mubarak zu demonstrieren.


Ahmed El-Senussi

Ahmed El-Senussi war der am längsten inhaftierte Gefangene Libyens, verhaftet nach einem versuchten Anschlag auf den früheren Diktator Gaddafi und 31 Jahre später freigelassen.


Mohamed Bouazizi

Die Selbstverbrennung des jungen Straßenverkäufers löste innerhalb weniger Stunden weitverbreitete Proteste aus, die schließlich zum Fall des Regimes führten.


Ali Ferzat

Ali Ferzat ist ein syrischer Karikaturist, der dafür bekannt ist, arabische Diktatoren zu karikieren. Er floh aus Syrien, nachdem er auf der Straße attackiert und ihm beide Hände gebrochen wurden.


Razan Zeitouneh

Razan Zeitouneh ist eine Menschenrechtsanwältin aus Syrien, die untertauchen musste. Die Regierung beschuldigte sie, eine ausländische Spionin zu sein, weil sie täglich auf der Webseite ShRIL und ausländischen Medien über Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung in Syrien berichtete.


Der Sacharow-Preis für geistige Freiheit
 
Der Sacharow-Preis für geistige Freiheit, benannt nach dem sowjetischen Physiker und Menschenrechtsaktivisten Andrei Sacharow, wird seit 1988 jedes Jahr vom Europäischen Parlament an Individuen oder Gruppen verliehen, die einen wichtigen Beitrag zum Kampf für Menschenrechte und Demokratie geleistet haben. Das Preisgeld beträgt 50.000 Euro.