Startseite aufrufen (Eingabetaste drücken)
Zugang zu den Inhalten der Seite (mit der Eingabetaste bestätigen)
Liste der anderen Websites aufrufen (Eingabetaste drücken)

Juli-Plenarsitzung vom 2. bis 5. Juli 2012: EU-Patent, ACTA, Ratspräsidentschaft

Abgeordnete fordern einheitlichen EU-Tierschutz

 
Marit Paulsen: "Die Leute denken immer noch, sie hätten ein Schnäppchen gemacht, wenn sie im Supermarkt ihre Schweinefilets für 3 Euro kaufen. "   Marit Paulsen: "Die Leute denken immer noch, sie hätten ein Schnäppchen gemacht, wenn sie im Supermarkt ihre Schweinefilets für 3 Euro kaufen. "

"Die EU-Mitgliedsstaaten stehen unter zu wenig Druck, die EU-Regeln für Tierschutz umzusetzen", kritisiert die schwedische Liberaldemokratin Marit Paulsen im Interview. Am Mittwoch stimmt das Plenum für ihren Vorschlag, die Umsetzung der Gesetze strenger zu überwachen.


Sie schlagen eine einheitliche Strategie zum Tierschutz in der EU vor. Wird das Thema in Europa nicht ernst genommen?


Wir bringen sicherlich keine Höchstleistungen. Etwa ein Drittel schlägt sich ganz gut, denke ich. Es folgt ein breites Mittelfeld, in dem es von Bauernhof zu Bauernhof erheblich variiert, in dem jedoch durchweg Antibiotika verwendet werden. Zurzeit erstellen nur Schweden und Dänemark genauste Aufzeichnungen über den Gebrauch von Antibiotika - und das hat große Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit.


Was folgt, sind Mitgliedsländer, die nicht die geringste Ahnung haben, wovon wir hier reden. Deswegen versuchen wir nun eine gemeinsame Grundlage zu schaffen. Momentan haben wir lediglich eine Reihe vereinzelter Regelungen. Was wir brauchen, ist eine einheitliche Definition von Tierschutz! Darauf können wir dann aufbauen.


Da freier Handel auch in der Landwirtschaft immer wichtiger wird, und die USA, Kanada und Australien zurzeit Vorreiter beim Tierschutz sind, könnte solch eine Definition eine entscheidende Rolle spielen. 


Nehmen die Verbraucher  Rücksicht auf artgerechte Tierhaltung?


Lediglich 15-20 % kaufen auch so ein, wie sie es von sich behaupten. Die Leute denken immer noch, sie hätten ein Schnäppchen gemacht, wenn sie im Supermarkt ihre Schweinefilets für 3 Euro kaufen. Sie fühlen sich sogar gut! Aber was für ein Leben hat dieses Schwein wohl zu so einem Preis geführt?


Sie schlagen "rechtliche Meilensteine" vor, um die Umsetzung leichter zu gestalten. Ist das notwendig?


Nehmen Sie die Direktive für Legehennen: die gibt es seit fast 12 Jahren. In den neuen Mitgliedsländern erst seit 8 Jahren, aber auch die wussten, was kommt und was nach dem Beitritt von ihnen erwartet wird. Doch der EU-Kommission waren bis zum Januar 2012 die Hände gebunden, so dass die Vorgaben einfach ignoriert werden konnten.


Für eine so aufwendige Reform mit einer langen Übergangszeit brauchen wir  ein oder zwei Meilensteine. Die Kommission sollte zwar nicht das Recht erhalten, Verstöße vor Gericht zu bringen. Als Hüterin der Verträge sollte sie aber die Möglichkeit haben, etwa die Anzahl der Käfige und die Pläne für die nächsten Jahre zu überprüfen. Manchmal ist es gut, mit dem Finger auf EU-Staaten zu zeigen, um das Thema wieder auf die Agenda zu bekommen.


Und das könnte nicht nur für den Tierschutz hilfreich sein. Wenn diese Initiative durchgeht, könnten rechtliche Meilensteine zum Standard für die Umsetzung langfristiger EU-Gesetzvorhaben werden.