Startseite aufrufen (Eingabetaste drücken)
Zugang zu den Inhalten der Seite (mit der Eingabetaste bestätigen)
Liste der anderen Websites aufrufen (Eingabetaste drücken)

Neu gewählte Abgeordnete: Ambitionierte Ziele für die kommenden fünf Jahre

Andere Artikel - Institutionen19-06-2014 - 11:19
 
Collage   Die neue spanische EU-Abgeordnete María Teresa Rodríguez-Rubio aus Andalusien, die neue Grünen-Abgeordnete Terry Reintke aus dem Ruhrgebiet (Mitte) und die schwedische EFD-Abgeordnete Kristina Winberg

Vier Wochen nach der Europawahl machen sich die neu gewählten Abgeordneten mit dem Parlamentsgelände in Brüssel vertraut und bereiten sich auf das konstituierende Plenum vom 1. bis 3. Juli in Straßburg vor. Im dritten Teil unserer Serie zu den neuen Abgeordnete sprechen die Deutsche Terry Reintke (Grüne), die Spanierin Teresa Rodríguez-Rubio (GUE/NGL) und die Schwedin Kristina Winberg (EFD) über ihre ersten Eindrücke vom Europaparlament.


Die 27-jährige Terry Reintke studierte Politikwissenschaften in Berlin und Edinburgh. Seit ihrer Jugend ist Reintke politisch engagiert. Besonders interessieren sie Energiethemen, Geschlechtergleichstellung, Jugendbeteiligung und Queer-Politik. Als ehemalige Sprecherin der Föderation der Europäischen Grünen Jugend kennt sie die europäische Bühne bereits.


Die 32-jährige Teresa Rodríguez-Rubio wurde in Südspanien im andalusischen Rota geboren. Sie studierte an der Universität Cádiz Arabisch und unterrichtete Spanisch. Rodríguez-Rubio engagiert sich in feministischen, sozialen und Studenten-Bewegungen gegen Einschnitte im Bildungsbereich.


Kristina Winberg wurde 1965 geboren. Sie lebt in der südschwedischen Stadt Jönköping, war in der Marketingabteilung einer Lokalzeitung beschäftigt und arbeitete auch mehrere Jahre lang als Reisebürokauffrau. Im vergangenen Jahr war Winberg im Bereich der Altenpflege tätig. 2010 wurde sie in den Stadtrat Jönköpings gewählt.


Was sind Ihre ersten Eindrücke von Brüssel und dem Europaparlament?


Reintke: Vielfalt, verschiedene Sprachen und Menschen von überall in Europa. Ich habe immer den Eindruck, dass das Geschehen hier sehr wandelbar ist. Man kann beeinflussen, wie das Parlament arbeitet und die EU mitgestalten. Ich finde das sehr aufregend.


Rodríguez-Rubio: Ich hatte bisher noch keine Gelegenheit, Brüssel kennenzulernen. Aber die Menschen scheinen sehr freundlich zu sein. Sie lächeln und sind ruhig. Mein erster Eindruck vom Parlament ist ganz anders: Es ist groß, grau, bürokratisch, unnahbar und für Neulinge und Bürger schwer zu kontrollieren. Das sind meine ersten Bedenken.


Winberg: Brüssel ist eine sehr große Stadt, von der ich bisher noch nicht viel gesehen habe, da ich ständig im Parlament bin. Das Parlament ist riesig. Ich sollte mir ein Navigationsgerät kaufen, damit ich weiß, wohin ich gehen soll!


Was unternehmen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit?


Reintke: Ich bin eine leidenschaftliche Läuferin. Im April habe ich am Halbmarathon in Bonn teilgenommen. Ich mag es auch, Gesellschaftsspiele zu spielen oder einfach zu entspannen.


Rodríguez-Rubio: Wenn ich Zeit habe, spiele ich Basketball. Außerdem lese ich gerne und schreibe Gedichte oder Karnevalslieder.


Winberg: Ich habe nicht viel Freizeit. Wenn aber doch, dann liebe ich es, im Wald Pilze zu suchen. In Schweden gibt es sehr viele Pfifferlinge. Ich reite auch gerne und bin gerne im Stall. Und natürlich liebe ich es, mit meiner Familie Zeit zu verbringen – ich habe drei erwachsene Kinder.


Wer sind Ihre Vorbilder?


Reintke: Ich wurde sehr von feministischen Aktivistinnen geprägt wie zum Beispiel der Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst oder der farbigen Feministin Audre Lorde.


Rodríguez-Rubio: Louise Michel für ihren Mut. Sie war Vorsitzende der Pariser Kommune während des Deutsch-Französischen Kriegs Ende des 19. Jahrhunderts.


Rosa Luxembourg, weil sie für soziale Grundrechte und Gerechtigkeit im ersten Weltkrieg gekämpft hat.


Außerdem Federico García Lorca, der von Franco's Armee getötet wurde: Er ist ein Symbol für das andalusische Volk und die Freiheit.


Winberg: Ich habe besonders Nigel Farrage im Sinn. Er ist ein großartiger Redner und großer EU-Kritiker. Auch Margaret Thatcher, sie war eine sehr starke Frau.


Welche Themen liegen Ihnen als Abgeordneten besonders am Herzen?


Reintke: Ich möchte mich gerne in der Politik für junge Menschen engagieren, besonders mit Blick auf die Jugendarbeitslosigkeit. Die Jugendgarantie ist ein erster Schritt, aber ich denke, dass es sehr wichtig ist, dass wir dieses Projekt zum Laufen bringen.


Ein anderer Aspekt ist die Teilnahme von jungen Menschen an der Politik. Betrachtet man die Wahlbeteiligung junger Menschen bei der Europawahl, wird klar, dass es schwierig ist, aus den europäischen Institutionen heraus junge Menschen zu erreichen. Ich würde gerne daran arbeiten, das zu ändern.


Rodríguez-Rubio: Ich würde gerne gegen die anti-sozialen Aspekte des Freihandelsabkommens mit den USA (TTIP) kämpfen, das den Alltag von vielen Europäern beeinflusst.


Darüber hinaus kämpfe ich gegen Sparmaßnahmen und Kürzungen bei Sozial-, Arbeits- und Umweltrechten, besonders für Frauen. Ich bin gegen die "Festung Europa" und Einschränkungen von Menschenrechten, die die Einwanderung an den Grenzen beeinflussen.


Ich würde gerne die Stimme der Bürger zurückgewinnen, wenn es scheint, dass Europa von Finanzmächten und multinationalen Unternehmen regiert wird.


Winberg: Natürlich geht es mir darum, das Recht auf Gesetzesentscheidungen nach Schweden zurückzuholen. Wir sehen heute, wie die EU immer mehr und mehr Macht an sich reißt. In Schweden kommen 50 Prozent der Gesetze von der EU, das will ich stoppen.


Wir haben auch ein großes Problem mit Einwanderung. Wenn ich die Möglichkeit bekomme, möchte ich im Innenausschuss mitarbeiten.


Auch die Kosten der EU-Mitgliedschaft sind enorm hoch. Wir wollen nicht so viel zahlen. Ich möchte zumindest zwei Drittel des EU-Haushalts abschaffen.

REF : 20140617STO49807
Aktualisiert am: ( 26-06-2014 - 14:58)