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Interview mit Sacharow-Preisträger Mukwege: Vergewaltigung darf nicht als Kriegswaffe eingesetzt werden

Plenartagung Artikel - Menschenrechte25-11-2014 - 19:53
 
Sakharov laureate Denis Mukwege talks about violence against women. ©Pietro Naj-Oleari_Mukwege_11242014_265

©Pietro Naj-Oleari_Mukwege_11242014_265   Sacharow-Preisträger Denis Mukwege ©Pietro Naj-Oleari_Mukwege_11242014_265

Am Mittwoch (26.11.) erhält Denis Mukwege den Sacharow-Menschrechtspreis im EU-Parlament. Der Gynäkologe wird für seinen Einsatz für weibliche Opfer von sexueller Gewalt in der Demokratischen Republik Kongo ausgezeichnet. Wir haben Mukwege gefragt, wie Frauen und Mädchen vor sexueller Gewalt geschützt werden können. Verfolgen Sie die Zeremonie im Live-Stream.


Wie wird der Preis Ihre Arbeit beeinflussen?


Wir haben das Gefühl, dass das Europäische Parlament verstanden hat, wie ernst die Situation für Frauen in Konfliktgebieten ist und hoffen, eine Lösung zu finden, so dass Vergewaltigung nicht mehr als Waffe oder sogar Kriegsstrategie eingesetzt wird.


Wie viele Menschenrechtsaktivisten arbeiten Sie unter schwierigen Umständen. Was motiviert Sie? Gab es jemals einen Moment, in dem Sie aufgeben wollten?


Vor zwei Jahren wurde ich Zuhause angegriffen. Meine Wachmänner wurden getötet, meine Kinder als Geiseln genommen. In diesem Moment dachte ich daran, aufzugeben. Auch weil ich als Familienvater Verantwortung trage. Ich habe den Kongo verlassen, aber bin schnell wieder zurückgekehrt wegen der Frauen in Not.


Frauen und Mädchen werden oft zu Opfern sexueller Gewalt in heutigen Konflikten wie in der Demokratischen Republik oder in Syrien. Wie können wir Frauen und Mädchen vor sexueller Gewalt schützen?


Jeder muss verstehen, dass Vergewaltigung eine Handlung ist, mit der eine Person nicht einverstanden ist. In Konflikten wird Vergewaltigung als Waffe der Demütigung eingesetzt, die Menschen die Würde nimmt. Eine Frau oder ein Kind vor anderen zu vergewaltigen und ihre Genitalien zu verstören, ist kein Sex, sondern eine Erniedrigung und teuflische Zerstörung.


Vergewaltigung hat die gleiche Auswirkung oder sogar eine größere wie Waffen. Erstens führt Vergewaltigung zu einer massiven Vertreibung der Bevölkerung.


Zweitens zerstört sie wie alle klassischen Waffen die Demographie des Feindes. Einige Frauen werden nicht mehr in der Lage sein, Kinder zu bekommen - Und wenn ist ihre Fruchtbarkeit meistens niedrig.


Drittens werden die Konsequenzen oft auf nachkommende Generationen übertragen. Diese Frauen leben weiter und stecken andere Menschen im Dorf an, wenn sie bei der Vergewaltigung mit einer sexuell übertragbaren Krankheit angesteckt wurden. Möglicherweise geben sie diese Krankheit auch an ihre Kinder weiter.


Die internationale Gemeinschaft hat Grenzen für chemische, nukleare und biologische Waffen aufgezeigt. Wir, Männer und Frauen, müssen Grenzen für Vergewaltigung als billige Waffe, die allen zugänglich ist und eine verstörende Wirkung hat, aufzeigen.


Verfolgen Sie die Übergabe des Sacharow-Preises am Mittwoch (26.11.) ab 12 Uhr im Live-Stream.

REF : 20141124STO80018
Aktualisiert am: ( 26-11-2014 - 10:50)