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Tarabella: "Männer und Frauen sind und werden nie gleich sein, aber sie sollten die gleichen Rechte haben"

Andere Artikel - Rechte der Frau/Chancengleichheit09-03-2015 - 10:15
 
Marc Tarabella   Interview mit Marc Tarabella aus Belgien

Jedes Jahr bereitet der Ausschuss für die Rechte der Frau und Gleichstellung der Geschlechter einen Bericht vor, der den Fortschritt bei der Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern bewertet. Das Plenum diskutiert diesen Bericht am Montag (9.3.) und stimmt darüber am Dienstag (10.3.) ab. Wir haben den belgische Berichterstatter Marc Tarabella (S&D) gefragt, an welchen Themen die Gesellschaft bei der Gleichberechtigung noch arbeiten muss. Verfolgen Sie die Debatte im Live-Stream.


Was hat sich seit ihrem letzten Bericht zur Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Jahr 2009 getan?


Es gibt einen Fortschritt, aber nur langsam. Wenn wir so weitermachen, werden wir die Lohnlücke vor 2084 nicht schließen können.


Seit meinem Bericht vor fünf Jahren ist die Beschäftigung von Frauen von 60 auf 63 Prozent gestiegen. Das ist nicht genug. Wir müssen uns auch mehr darum kümmern, welche Arbeitsplätze Frauen haben - Frauen sind öfters in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen, Teilzeit- sowie Leiharbeitsverträgen.


An welche Themen sollten als erstes gearbeitet werden?


Die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen sollte zu einer Priorität gemacht werden. Wir sollten ein Jahr haben, das dem Kampf gegen Gewalt gewidmet werden sollte. Es würde symbolisch sein. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, darüber zu reden, weil es in vielen Ländern immer noch ein Tabu ist.


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Die gläserne Decke ist immer noch eine Realität, besonders dann, wenn wir über die Quoten für Frauen in den börsennotierten Unternehmen sprechen. Wir können 30 Jahre darüber sprechen, aber um eine wirkliche Veränderung zu sehen, brauchen wir bindende Maßnahmen. Wir müssen bereits Kinder aufklären, damit sie keine Stereotypen entwickeln. Außerdem muss die Istanbul-Konvention zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen ratifiziert werden.


Dieser Bericht ist nicht für oder gegen Abtreibung. Er ist über Gleichberechtigung und das Recht zu entscheiden, was ein Grundrecht ist.


Sie sind einer von wenigen Männern im Ausschuss für die Rechte der Frau und Gleichstellung. Welche Rolle spielen Männer dabei, die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern zu verbessern?


Es gibt nicht genug Männer, die bereit sind, an diesem Problem zu arbeiten. Es gibt viele Vorurteile gegen Männer, die sich für Gleichberechtigung einsetzen. Wir müssen die Mentalitäten ändern.


Ich denke, dass die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen bedeutet, dass beide die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben. Männer und Frauen sind und werden nie gleich sein, aber sie sollten die gleichen Rechte haben.


Dieses Interview wurde zum ersten Mal am 20. Januar 2015 veröffentlicht, nachdem der Bericht im Ausschuss für die Rechte der Frau und Gleichstellung angenommen worden war.

REF : 20150119STO10502