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Verleihung des Sacharow-Preises: "Raif Badawi war mutig genug, sich ihrer Unmenschlichkeit zu widersetzen"

Plenartagung Artikel - Menschenrechte16-12-2015 - 13:15
 
"Heart" to support demands  for the release of jailed blogger Raif Badawi, who was awarded Parliament's #SakharovPrize for Freedom of Thought today   Ensaf Haidar nahm am 16.12. den Sacharow-Preis stellvertretend für ihren Ehemann Raif Badawi entgegen

"Raif Badawi war mutig genug, um seine Stimme zu erheben und sich ihrer Unmenschlichkeit zu widersetzen. Deshalb wurde er mit den Peitschenhieben bestraft", sagte die Ehefrau des inhaftierten Menschenrechtsaktivisten Raif Badawi, als sie am Mittwoch (16.12.) in Straßburg den Sacharow-Preis für ihn stellvertretend entgegennahm. Badawi wurde für sein Engagement für die Rede- und Gedankenfreiheit in Saudi-Arabien ausgezeichnet.


In seiner Ansprache vor dem EU-Parlament in Straßburg betonte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz: "Raif Badawi ist zu einer Symbolfigur und zu einer Inspiration für all diejenigen geworden, die für die Grundrechte, nicht nur in der Region, sondern weit darüber hinaus in der ganzen Welt kämpfen."


Er führte an: "Trotz eines hohen Risikos bemüht sich Raif Badawi als Blogger tapfer, das freie Denken zu fördern. Er hat nichts wahrgenommen als sein Recht auf freie Meinungsäußerung und er hat damit eine Lücke gefüllt. Eine Lücke in einem Land, in dem es durch das Fehlen einer freien Presse ein Vakuum gibt."


Der EU-Parlamentspräsident forderte König Salman von Saudi-Arabien dazu auf, Raif Badawi zu begnadigen und ihn sofort und ohne Auflagen freizulassen.


Schulz rief die saudischen Behörden dazu auf, die "systematische Unterdrückung von friedlichen Meinungsäußerungen zu beenden". Er erwähnte in diesem Zusammenhang Waleed Abu al-Khair, Abdulkarim Al-Khodr, Ashraf Fayadh und Ali Mohammed al-Nimr. Applaus brandete auf, als Schulz die Freilassung von Mohammed al-Nimr forderte, der zum Tode verurteilt worden war.


Der Parlamentspräsident verwies darauf, dass das Land zum Mitglied des UN-Menschenrechtsrates gewählt worden war.


"Wir sind zum Dialog bereit", sagte Martin Schulz. Der Parlamentspräsident führte zudem an: "Kein Terror, auch kein menschenverachtendes Strafrecht werden uns daran hindern, für die Menschenrechte zu kämpfen. Und kein Sicherheitsargument und kein Waffengeschäft und auch kein Ölhandel darf uns davon abhalten."


Schulz begrüßte die übrigen Repräsentanten der Finalisten für den Sacharow-Preis 2015, die an der Preisverleihungszeremonie teilnahmen. Maria-Alejandra Aristeguieta-Alvarez vertrat die demokratische Opposition in Venezuela. Des Weiteren war Olga Shorina, Geschäftsführerin der Boris-Nemzow-Stiftung für Freiheit in Deutschland anwesend.


"Raif Badawi ist kein Verbrecher. Er ist Schriftsteller und Freidenker."


In ihrer Rede zitierte Ensaf Haidar ihren Ehemann Raif Badawi: "Freidenkende arabische Intellektuelle sind daran gewohnt, ihre Botschaften indirekt zu vermitteln." "Freie und aufgeklärte Ideen werden gemäß der Ideologie, die in den arabischen Gesellschaften vorherrscht, als blasphemisch angesehen. Jeder freie Gedanke ist dekadent und eine Abkehr vom richtigen Weg."


"Raif ist kein Verbrecher", betonte Ensaf Haidar. "Er ist Schriftsteller und Freidenker. Raif Badawis Verbrechen besteht darin, dass er seine freie Meinung vertritt und das in einem Land, welches nur eine einzige Meinung akzeptiert."


Raif Badawis Ehefrau lebt mit den gemeinsamen Kindern im Exil in Kanada. Sie betonte: "Raif ist ein Denker, der es ablehnte, Teil der Masse zu sein, die den Geistlichen folgt, die in einem anderen Zeitalter leben und ein ungerechtes und tyrannisches Regime führen."


Haidar bedankte sich für die Auszeichnung. "Die Verleihung des Sacharow-Preises an Raif Badawi ist ein historisches Ereignis." Sie wandte sich an EU-Parlamentspräsident Schulz und die EU-Abgeordneten: "Es ist, Herr Parlamentspräsident, ein Zeichen Ihres Mutes und des Mutes aller derer, die für ihn gestimmt haben."


Raif Badawi: Zensiert, inhaftiert, ausgepeitscht, aber nicht mundtot 


Raif Badawi ist ein Blogger und Menschenrechtsaktivist aus Saudi-Arabien. Er wurde wegen angeblicher Blasphemie und "Beleidigung des Islam" auf seiner Website Free Saudi Liberal Network zu 10 Jahren Haft, 1 000 Peitschenhieben und einer hohen Geldstrafe verurteilt.


Die ersten Peitschenhiebe wurden Anfang Januar öffentlich vollstreckt. Die Fortführung wurde nach internationalen Protesten und wegen des katastrophalen Gesundheitszustandes von Badawi vorerst ausgesetzt. Badawi befindet sich jedoch weiter in Haft. Vor Kurzem ist er in Isolationshaft verlegt worden.


Raid Badawi ist nicht der erste Preisträger in der Geschichte des Menschenrechtspreises, der nicht an der Verleihungszeremonie teilnehmen kann. So war beispielsweise die Menschenrechtsaktivistin Aung San Suu Kyi 1990 mit der Auszeichnung geehrt worden, als sie unter Hausarrest stand. Erst 23 Jahre später konnte sie den Preis persönlich entgegennehmen.


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REF : 20151215STO07590
Aktualisiert am: ( 18-12-2015 - 10:11)
 
 
   
Raif Badawi: Trägt Sacharow-Preis zur Freilassung des saudischen Bloggers bei?
 

Ensaf Haidar, die Frau des Sacharow-Preisträgers für geistige Freiheit Raif Badawi, äußert sich gegenüber EPTV zu dessen beunruhigender Situation und ihrer Hoffnung auf eine Freilassung Anfang 2016.

 
Raif Badawi
 

Sacharow-Preisträger 2015