Startseite aufrufen (Eingabetaste drücken)
Zugang zu den Inhalten der Seite (mit der Eingabetaste bestätigen)
Liste der anderen Websites aufrufen (Eingabetaste drücken)

Parlament fordert geschlechtsspezifische Asylpolitik

Plenartagung Pressemitteilung - Rechte der Frau/Chancengleichheit08-03-2016 - 17:43
 
Photo reportage on women refugees by photojournalist Marie Dorigny who travelled to Greece, the Former Yugoslav Republic of Macedonia and Germany. © Marie Dorigny / European Union 2015   Die französische Fotojournalistin Marie Dorigny ist vor kurzem nach Griechenland und in die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien gereist. Dort hat sie im Auftrag des Parlaments das Leid von weiblichen Flüchtlingen fotografiert© Marie Dorigny/EU 2015

Eine Reform der Migrations- und Flüchtlingspolitik sowie ihrer Verfahren muss geschlechtsspezifische Maßnahmen enthalten, um die Sicherheit weiblicher Asylsuchender zu garantieren, die oft mit jungen Kindern und anderen Familienangehörigen reisen, sagen die Abgeordneten in einer Entschließung, die sie am Dienstag angenommen haben.


"Diese Entschließung unterstreicht die außerordentlich schwierige Lage der weiblichen Flüchtlinge in der EU. Sie sind vor Verfolgung in ihren Heimatländern geflohen und haben eine gefährliche Reise unternommen, um einen Ort der Sicherheit zu erreichen. Bei der Ankunft an den Aufnahmezentren sind diese Frauen, die sich bereits in einer schwachen Position befinden und Opfer sexueller Gewalt oder von Menschenhandel und anderen Gewaltverbrechen werden können, mit zusätzlichen Hindernissen konfrontiert", sagte die Berichterstatterin Mary Honeyball (S&D, UK).


Die Entschließung wurde mit 388 Stimmen angenommen, bei 150 Gegenstimmen und 159 Enthaltungen.


Geschlechtsspezifische Asylverfahren


Die Entschließung besagt, dass politische Maßnahmen und Verfahren im Bereich Asyl und die Prüfung von Asylanträgen geschlechterspezifische Fragen berücksichtigen müssen, und dass geschlechtsspezifische Formen der Gewalt und Diskriminierung, z.B. Vergewaltigung, sexuelle Gewalt, Verstümmelung weiblicher Genitalien, Zwangsverheiratung oder häusliche Gewalt berechtigte Gründe sein sollten, in der EU Asyl zu suchen.


Die Abgeordneten betonen auch, dass es in allen Mitgliedstaaten Aufnahmeeinrichtungen mit Strukturen für LGBTI-Personen geben muss, und weisen darauf hin, dass es in Aufnahmeeinrichtungen oft zu Gewalt gegen LGBTI-Personen kommt.


In der Entschließung fordern die Abgeordneten Maßnahmen, um sicherzugehen, dass die Bedürfnisse von Frauen während des Asylverfahrens und in Aufnahmeeinrichtungen erfüllt werden, wie zum Beispiel:


  • getrennte Wasch- und Schlafräume für Frauen und Männer,

  • die Bereitstellung von weiblichen Gesprächspartnern und Dolmetschern,

  • Beratung für traumatisierte Frauen, die geschlechterspezifische Verletzungen erlitten haben,

  • Kinderbetreuung für die Zeit der Überprüfung und Anhörungen durch die Asylbehörden,

  • das Recht, einen Asylantrag unabhängig vom Ehemann stellen zu können, bzw. die Aufklärung darüber, dass dies möglich ist,

  • Schulungen zu geschlechtsspezifischen Themen für Personal, und

  • angemessene Rechtsberatung für Frauen in Aufnahmeeinrichtungen.

Die Inhaftierung von Kindern, Schwangeren und Vergewaltigungsopfern stoppen


Die Inhaftnahme von Asylbewerbern allein um einer Erleichterung der Verwaltungsarbeit willen verstößt gegen das in Artikel 6 der EU-Grundrechtecharta verankerte Recht auf Freiheit, so der Text. Die Abgeordneten fordern ein Ende der Inhaftnahme Minderjähriger, schwangerer und stillender Frauen und von Opfern einer Vergewaltigung, sexueller Gewalt oder des Menschenhandels.


Das Parlament wiederholt, dass sichere und legale Routen in die EU zur Verfügung gestellt werden müssen, um die Sicherheit und Unversehrtheit von weiblichen Flüchtlingen zu verbessern und fordert die Mitgliedstaaten auf, im Bereich der Zuwanderung wirksam gegen Schleusung und Menschenhandel vorzugehen. Es betont, dass der Zugang zu den EU-Asylverfahren nicht durch Rechtsvorschriften und politische Maßnahmen im Zusammenhang mit irregulärer Migration verhindert werden sollte.


Gender mainstreaming


Das Parlament hat auch eine Entschließung zum "Gender-Mainstreaming" der Berichterstatterin Angelika Mlinar (ALDE, AT) mit 453 Stimmen bei 173 Gegenstimmen und 79 Enthaltungen angenommen.

REF : 20160303IPR16927
Aktualisiert am: ( 08-03-2016 - 17:55)
 
 
Kontakt
 
 
 
 
 
 
 
   
55%
der Menschen, die Griechenland erreichen, um in der EU Asyl zu suchen, sind Frauen und Kinder (Stand: Januar 2016). 2015 waren es noch 38%.
(Fortsetzung lesen)
Video
 

Inside the Calais camps: the struggles of many women