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Das Haus der europäischen Geschichte

Institutionen24-04-2017 - 18:08
 

Das Haus der europäischen Geschichte will dazu anregen, sich mit der Geschichte Europas und dem europäischen Einigungsprozess auseinanderzusetzen. Sein Ziel ist es, Wissen zu erweitern und Neugierde zu wecken. Mit der Zeit soll es ein Ort werden, an dem man über Europa und seine Geschichte Ideen austauscht, sich damit auseinandersetzt und darüber diskutiert. Zugleich will es Verbindungen herstellen zwischen Menschen, Einrichtungen und Netzwerken.


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REF : 20170420BKG71839
 
 

Zahlen und Fakten

Inhalt: Geschichte Europas, hauptsächlich des 20. Jahrhunderts, mit einem Schwerpunkt auf der europäischen Integration und ergänzt durch Rückblicke auf Entwicklungen und Ereignisse früherer Jahrhunderte.

 

Eröffnung für die Öffentlichkeit: geplant am 6. Mai 2017.

 

Historischer Ansatz: Das Haus der europäischen Geschichte bietet einen transnationalen Überblick über die europäische Geschichte und trägt dabei ihrer Vielfalt sowie ihren unterschiedlichen Deutungen und Wahrnehmungen Rechnung. Mit dem Haus soll ein Beitrag zum Verständnis der europäischen geleistet und zur Diskussion über Europa und den europäischen Einigungsprozess angeregt werden. Hauptgegenstand der Dauerausstellung sind die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts und die Geschichte der europäischen Einigung. Die Darstellung erfolgt aus einem weit gefassten historischen Blickwinkel und zeigt sowohl die gegensätzlichen als auch die gemeinsamen historischen Erfahrungen der Europäer.


Ziele: Das Haus der europäischen Geschichte will dazu anregen, sich mit der Geschichte Europas und dem europäischen Einigungsprozess auseinanderzusetzen. Sein Ziel ist es, Wissen zu erweitern und Neugierde zu wecken. Mit der Zeit soll es ein Ort werden, an dem man über Europa und seine Geschichte Ideen austauscht, sich damit auseinandersetzt und darüber diskutiert. Zugleich will es Verbindungen herstellen zwischen Menschen, Einrichtungen und Netzwerken, die sich mit der europäischen Geschichte befassen. Die Besucher werden zu einer kritischen Bewertung der Geschichte Europas, ihres Potenzials und ihrer Zukunft herausgefordert.


Standort: Eastman-Gebäude im Parc Léopold, inmitten des Brüsseler Europaviertels. Das Gebäude wurde von einem internationalen Konsortium, bestehend aus den Architekturbüros Atelier d’architecture Chaix & Morel & associés (FR), JSWD Architekten (DE) und TPF (BE), umgebaut und erweitert. Für das Design der Dauerausstellung ist die Agentur Acciona Producciones y Diseño (ESP) zuständig; produziert wird sie von dem Unternehmen Meyvaert Glass Engineering (BE).


Sprachen: Die Dauerausstellung  steht in allen 24 Amtssprachen der EU zur Verfügung; das weitere Besucherangebot in mindestens 4 Sprachen.


Öffnungszeiten und allgemeine Bedingungen: An allen Wochentagen geöffnet, montags 13.00 bis 18.00 Uhr; dienstags bis sonntags 10.00 bis 18.00 Uhr. Eintritt frei. An folgenden Tagen hat das Museum geschlossen: 1. Januar, 1. Mai, 1. November, 24., 25. und 31. Dezember.


Einrichtungen für Besucher:

Cafeteria, Shop, Auditorium, Studienräume.


Was bietet das Haus der europäischen Geschichte? Eine Dauerausstellung mit Ausstellungsobjekten, die aus mehr als 300 Museen und Sammlungen in ganz Europa sowie aus Drittländern stammen; Wechselausstellungen; Lernprogramme; Veranstaltungen; Veröffentlichungen und ein breites Angebot an Online-Informationen.

 

Zielgruppen: An Europa und seiner Geschichte interessierte Personen; es sind keine speziellen Vorkenntnisse erforderlich. Für bestimmte Zielgruppen wie Jugendliche, Familien und Schulen werden spezielle Angebote entwickelt.


Ausstellungsbereich: ungefähr 4 000 m2 für die Dauerausstellung; ungefähr 800 m2 für Wechselausstellungen.


Dauerausstellung: In der Dauerausstellung wird die politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Geschichte Europas chronologisch dargestellt, wobei innerhalb dieser Struktur eine thematische Gliederung vorgenommen wird. Im Mittelpunkt steht dabei die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts, die um Rück- und Einblicke in Vorgänge und Ereignisse aus vorangegangenen Jahrhunderten ergänzt wird, welche für die Entwicklung Europas von Bedeutung waren. Besondere Aufmerksamkeit kommt der Geschichte der europäischen Einigung zu.


Erste Wechselausstellung: „Interaktionen“ - Die erste Wechselausstellung zeigt beispielhafte Momente und Geschichten von Begegnungen und Austausch in der Europäischen Geschichte.

 

Besuchserlebnis: Die Besucher können die europäische Geschichte in ihrem eigenen Tempo und entsprechend ihrer Vorbildung erkunden und sich dabei Themen vertieft widmen, die sie besonders interessieren. Zum Einsatz kommt eine möglichst breite Palette moderner museologischer Instrumente und Methoden, etwa eine mehrschichtige Präsentation, die Besuche von unterschiedlicher Tiefe und Länge ermöglicht. Das Besuchserlebnis wird sich von Ausstellungsbereich zu Ausstellungsbereich je nach Atmosphäre und Raumkonzept, aber auch in Anhängigkeit von der Ballung der Ausstellungsobjekte und der interaktiven Stationen unterscheiden. Die einzelnen Themen der Ausstellung werden durch wiederkehrende Elemente miteinander verknüpft.

 

Kosten: Die Kosten für die Entwicklung des Projekts belaufen sich auf ungefähr 55,4 Millionen Euro. Diese umfassen den Umbau, die Erweiterung und die Renovierung des Gebäudes, die Entwicklung und Installation der Dauerausstellung sowie der ersten Wechselausstellung und den Beginn des Aufbaus einer eigenen Sammlung.

 

Mitarbeiter: Der Inhalt der Ausstellung wurde von einem interdisziplinären wissenschaftlichen Projektteam (bestehend aus Historikern, Museologen, Museumspädagogen und Mitarbeitern des Europäischen Parlaments aus 18 verschiedenen Mitgliedstaaten) entwickelt. Im Bereich der architektonischen und infrastrukturellen Entwicklung überwacht ein interdisziplinäres Team alle Bau- und Entwicklungsarbeiten.

 

Finanzierung: Die Entwicklungskosten wurden vom Europäischen Parlament getragen.


Leitungsgremien: Ein Kuratorium und ein wissenschaftlicher Beirat überwachen und beraten das Projektteam.


Das Kuratorium überwacht die Entwicklung des Projekts und entscheidet über grundlegende Fragen. Es wird dabei von Harald Rømer, ehemaliger Generalsekretär des Parlaments, unterstützt. Den Vorsitz im Kuratorium hat der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, Dr. Hans-Gert Pöttering, inne.


Der wissenschaftliche Beirat, der sich aus Universitätsprofessoren und Experten von international renommierten Museen zusammensetzt und dessen Vorsitz der Historiker Prof. Dr. Włodzimierz Borodziej innehat, berät das wissenschaftliche Projektteam des Hauses der europäischen Geschichte in allen historischen und museologischen Fragen.

 
 

Häufig gestellte Fragen

Ein Haus der europäischen Geschichte – wozu?


Die Europäische Union ist im Laufe eines jahrzehntelangen Prozesses entstanden, der sich erheblich darauf ausgewirkt hat, wie die Länder Europas heute strukturiert sind und regiert werden. Bisher gab es jedoch kein Museum, in dem dieser Vorgang in einen breiteren historischen Zusammenhang eingeordnet und die unterschiedlichen Erfahrungen der einzelnen Länder und Völker Europas zusammengebracht und einander gegenübergestellt wurden.


Die Generation der Zeitzeugen, die die Tragödien des 20. Jahrhunderts durchlebt und sich dann dem Aufbau der Europäischen Gemeinschaften gewidmet haben, ist im Schwinden begriffen. Daher ist es nun an der Zeit, die Entwicklung der europäischen Einigung einem breiten Publikum in verständlicher Weise zu präsentieren und ihre wichtigsten historischen Etappen, ihre treibenden Kräfte und Ziele zu erläutern, damit künftige Generationen begreifen, wie und warum sich die Europäische Union so und nicht anders entwickelt hat und in welcher zeitlichen Abfolge dies geschehen ist. In Krisenzeiten ist es besonders wichtig, das Bewusstsein für das kulturelle Erbe zu schärfen und daran zu erinnern, dass ein friedliches Miteinander nicht einfach als gegeben vorausgesetzt werden kann.


Das Europäische Parlament hat daher ein Haus der europäischen Geschichte errichtet, das den Bürgern die Möglichkeit bietet, sich mit diesen geschichtlichen Vorgängen auseinanderzusetzen und darüber nachzudenken, was diese für die Gegenwart bedeuten.


Das Parlament ist überzeugt, dass das Museum ein Ort sein wird, an dem Probleme der Gegenwart ausgehend von ihren historischen Ursachen und auf dem Hintergrund historischer Erfahrungen diskutiert und dadurch besser verstanden werden können.


Auf welchen Grundsätzen beruht das Projekt?


Das Projekt war von Beginn an von dem Bestreben bestimmt, in offener und anregender Weise das Wissen um die Geschichte Europas zu fördern und ein Bewusstsein für die Vielfalt unterschiedlicher Erinnerungen innerhalb Europas zu schaffen. Die wissenschaftliche Unabhängigkeit und die internationale Zusammensetzung des Projektteams waren Vorbedingungen dafür. Deshalb wurde eigens für dieses Projekt ein Team aus Historikern und Museumsexperten aus ganz Europa rekrutiert. Dieses Team war mit dem Aufbau der Ausstellung befasst und hat dafür gesorgt, dass die Vielfalt der europäischen Geschichte und ihre verschiedenen Auslegungen ausgewogen dargestellt werden.


Ein hochrangiges Beratungsgremium (Wissenschaftlicher Beirat), das sich aus international anerkannten Historikern und Museologen zusammensetzt, ist für die wissenschaftliche Korrektheit und Relevanz des Inhalts der Ausstellungen verantwortlich.


Wo befindet sich das Haus der europäischen Geschichte?


Das Haus der europäischen Geschichte befindet sich im Eastman-Gebäude im Parc Léopold, in unmittelbarer Nähe der EU-Institutionen. Das Eastman-Gebäude wurde 1935 als Zahnklinik für bedürftige Kinder errichtet und mit Spendengeldern des US-amerikanischen Geschäftsmanns George Eastman, des Erfinders der Kodak-Kamera, finanziert. Für seinen Umbau zu einem Ausstellungsgebäude wurde ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Den Zuschlag bekam ein Zusammenschluss dreier Architekturbüros: Chaix & Morel et associés aus Frankreich, JSWD Architekten aus Deutschland und TPF aus Belgien. Gemäß ihren Plänen wurde die Fassade unter Bewahrung des historischen Erscheinungsbilds des Gebäudes restauriert, und im Hof und auf dem Dach wurden moderne Erweiterungsbauten errichtet.


Wie hat sich das Projekt bis jetzt entwickelt?


Den Anstoß zur Errichtung eines Hauses der europäischen Geschichte gab 2007 Dr. Hans-Gert Pöttering in seiner Antrittsrede als Präsident des Europäischen Parlaments. Im Jahr darauf erarbeitete ein Ausschuss, der sich aus renommierten Historikern und Museumsexperten aus verschiedenen europäischen Ländern zusammensetzte, ein erstes Konzept für das Projekt mit dem Titel „Konzeptionelle Grundlagen für ein Haus der europäischen Geschichte“. Darin wurde das Haus der europäischen Geschichte als ein modernes Ausstellungs-, Dokumentations- und Informationszentrum konzipiert, das die neuesten Erkenntnisse im Bereich der Museumskunde widerspiegeln sollte.


Ab Januar 2011 wurde das wissenschaftliche Projektteam rekrutiert. Dieses gesamteuropäische Team hat seitdem nach und nach die Vision und Aufgabe des neuen Museums festgelegt und das Narrativ der Dauerausstellung entwickelt. Außerdem hat es sich mit Fragen der Besucherpolitik, der Wechselausstellungen, der Sammlungspolitik und anderen Bereichen beschäftigt. Der wissenschaftliche Beirat hat das Team bei seiner Arbeit beraten und die Ergebnisse seiner Arbeit genehmigt. Das Präsidium des Parlaments (Präsident und 14 Vizepräsidenten) hat alle wichtigen Entscheidungen bestätigt.


Worum geht es im Haus der europäischen Geschichte?

 

In der Dauerausstellung geht es in erster Linie um Ereignisse und Entwicklungen, die das heutige Europa in der Vergangenheit wesentlich geprägt haben. Es wird gezeigt, wie vielfältig diese Entwicklungen wahrgenommen und wie unterschiedlich sie interpretiert wurden und werden und wie unterschiedlich die Erinnerungen an sie waren und sind.


Die Dauerausstellung im Haus der europäischen Geschichte gibt nicht die individuellen Geschichten der einzelnen europäischen Staaten und Regionen wider. Stattdessen befasst sie sich mit gesamteuropäischen Phänomenen. Das wissenschaftliche Projektteam hat hierzu drei Kriterien ausgewählt: Das Ereignis oder die Idee hat ihren Ursprung in Europa, hat sich in Europa ausgebreitet und ist bis in die Gegenwart von Bedeutung. Auf der Grundlage dieser Kriterien hat das Projektteam sechs allgemeine Themen beschlossen, die eine große Zahl an Unterthemen umfassen. Die Dauerausstellung behandelt auch historische Entwicklungen außerhalb der Außengrenzen der Europäischen Union.


Die europäische Geschichte ist komplex, facettenreich und fragmentiert, aber sie umfasst zahlreiche Gemeinsamkeiten und Erfahrungen, die ein Großteil der Europäer teilt. Die Darstellung einiger von ihnen ist Ziel der Dauerausstellung. Die Ausstellung beginnt mit dem antiken Mythos von Europa und dem Stier und seinen sich ändernden Auslegungen, und konzentriert sich dann auf die zentralen Elemente des europäischen Erbes, die Europa tiefgreifend, mit Auswirkungen bis in die Gegenwart, geprägt haben.


Soll mit dem Haus der europäischen Geschichte eine europäische Identität geschaffen werden?


Der Begriff der Identität gehört in den Kulturwissenschaften zu einem der am häufigsten diskutierten Begriffe. In Verbindung mit der Arbeit von Museen sind zu diesem Thema Literatur und Abhandlungen in erheblichem Umfang entstanden. Es gibt keine allgemeingültige Definition, was eine europäische Identität ausmachen könnte. Der Begriff ist zu verkürzt und zu statisch, als dass er dem Haus der europäischen Geschichte als Grundlage dienen könnte. Wenn das Haus ein von Vornherein festgelegtes Konzept von europäischer Identität vorgeben würde, würde dies die Diskussion einschränken, anstatt einen vielstimmigen Meinungsaustausch zu dieser höchst interessanten und aktuellen Frage anzustoßen. Anstatt fertige Antworten zu erteilen, möchte das Haus der europäischen Geschichte die öffentliche Auseinandersetzung mit der Frage nach einem europäischen Gedächtnis und einem europäischen Bewusstsein anregen.


Wird das Haus der europäischen Geschichte die Nationalgeschichten ersetzen?

Das Haus der europäischen Geschichte wird die Nationalgeschichten weder einfach zusammenfassen, noch wird es sie ersetzen. Das Haus der europäischen Geschichte ist als ein Hort des europäischen Gedächtnisses gedacht, der Erfahrungen und Auslegungen in all ihrer Vielfalt und Widersprüchlichkeit beinhaltet. Geschichte soll hier komplex anstatt einförmig, differenziert anstatt homogen, kritisch statt affirmativ dargestellt werden. Ein roter Fadenist dabei jedoch das Entstehen der europäischen Gemeinschaft.


Womit beginnt das Narrativ?


Die Dauerausstellung des Hauses der Europäischen Geschichte, das Herzstück des neuen Museums, legt ihren Schwerpunkt auf die europäische Geschichte vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. In einigen Teilen führt die Ausstellung noch weiter zurück in die Vergangenheit, bis ins Altertum und ins Mittelalter, um wesentliche Elemente der europäischen Kultur und Zivilisation zu erläutern und dem Besucher so ein besseres Verständnis der Gegenwart und der Zukunft zu ermöglichen.


Die Dauerausstellung beginnt mit der Darstellung des Mythos von Europa und des Wandels geografischer Bezeichnungen im Laufe der Zeit sowie dem Nachsinnen über die Frage, worin das europäische Erbe bestehen könnte. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der europäischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, wobei der Geschichte der europäischen Einigung besondere Aufmerksamkeit zukommt.


Besteht die Gefahr von Überschneidungen mit dem Parlamentarium, in dem ebenfalls die Geschichte der europäischen Einigung gezeigt wird?


Das Parlamentarium, das Besucherzentrum des Europäischen Parlaments, ist der Rolle, der Arbeitsweise und der Tätigkeit des Europäischen Parlaments gewidmet. Das Haus der europäischen Geschichte dagegen ist ein Museum für europäische Geschichte im viel weiteren Sinne. Die Inhalte unterscheiden sich stark, unter anderem hinsichtlich ihres Rahmens und ihrer Ziele, Aufträge und Instrumente. Im Haus der europäischen Geschichte wird ein sehr breiter Ansatz beim Umgang mit geschichtlichen Themen verfolgt. Da es ein Museum ist, stehen hier Objekte, die als Zeugnisse der Geschichte angesehen werden können, im Mittelpunkt des Interesses. Die beiden Projekte ergänzen sich gegenseitig.

 
 
   
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