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Aktivisten des Arabischen Frühlings erhalten Sacharow-Preis für geistige Freiheit 2011

Sacharow-Preisträger Ahmed El-Senussi: Ich will keine Rache

 
Ahmed El-Senussi: "Manche Leute glauben, dass Libyen im Bürgerkrieg versinken könnte, aber das wird nicht passieren."   Ahmed El-Senussi: "Manche Leute glauben, dass Libyen im Bürgerkrieg versinken könnte, aber das wird nicht passieren."

Als politischer Häftling verbrachte Ahmed El-Senussi 31 Jahre in Gaddafis Gefängnissen. Als Mitglied des nationalen Übergangsrates arbeitet er heute am Wiederaufbau Libyens. Vor der Verleihung des Sacharow-Preises in Straßburg sprachen wir mit ihm über sein Leben und Libyens Zukunft.


Glauben Sie, dass Ihnen der Sacharow-Preis bei Ihrer Arbeit helfen wird?


Er wird mir und dem libyschen Volk sehr helfen. Das ist das erste Mal das ein Libyer solch einen Preis erhält. Wenn Sie mir helfen, meine Aufgabe richtig zu machen, dann wird das auch Libyen helfen.


Was können EU und Parlament tun, um den Übergang zur Demokratie in Libyen zu unterstützen?


Die EU kann uns sehr helfen. Wir versuchen, unser Land wiederaufzubauen und die Staaten Europas haben große Erfahrung mit dem Wiederaufbau nach dem Krieg.  Wir brauchen alle Hilfe, die wir kriegen können, denn wir starten von Null.


Wie ist die Lage in Libyen zurzeit?


Die Libyer sind sehr glücklich, dass sie den Diktator losgeworden sind. Die Leute blicken nach vorn und hoffen auf ein Leben in Freiheit und Demokratie. Manche Leute glauben, dass Libyen im Bürgerkrieg versinken könnte, aber das wird nicht passieren. Die Menschen werden alles tun, um ihre neue Freiheit zu behalten.


Vor kurzen wurde in Tunesien und Algerien gewählt. Wann ist Libyen soweit?


Tunesien und Ägypten sind nicht vergleichbar, denn beide Staaten hatten ein echtes Staatssystem mit Sicherheitskräften und einer Armee. In Libyen fehlt all dies, wir fangen ganz von vorn an. Deshalb können wir auch noch keinen Wahltermin nennen. Wir müssen zuerst einen starken Staat aufbauen, mit einer Armee und Polizeikräften. Und danach werden wir wählen.


Sie waren mehr als 30 Jahre im Gefängnis. Haben Sie nie die Hoffnung verloren?


Nein, aus zwei Gründen. Ich bin Muslim und ich glaube, dass man selbst in harten Zeiten Geduld haben muss. Die 31 Jahre waren ein Test für mich und ich habe ihn überlebt.


Der zweite Grund ist, dass ich an das glaube, was ich für mein Land getan habe [organisierte einen Staatsstreich gegen Gaddafi] und das hat mir geholfen, die schwierigen Bedingungen im Gefängnis zu überstehen. Und diese Bemühungen wurden jetzt belohnt und das macht mich sehr glücklich.


Können Sie den Menschen vergeben, die Ihnen so viel von ihrem Leben gestohlen haben?


Ich spüre keinen Hass für diese Menschen und ich kann vergeben, weil ich weiß dass die Menschen manchmal Dinge tun, ohne wirklich davon überzeugt zu sein. Einem der Männer, die mich gefoltert haben, begegne ich manchmal in Bengasi, aber ich habe nie daran gedacht, ihm etwas anzutun. Ich überlasse ihn seinem Gewissen. Mein Traum ist wahr geworden. Ich will keine Rache.

 
 
 
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