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Was Sie schon immer über das Dolmetschen im EP wissen wollten

Andere Artikel - Institutionen13-03-2012 - 16:14
 
EP Dolmetscher bei der Arbeit   EP Dolmetscher bei der Arbeit

Dolmetscher sorgen dafür, dass die Debatten im Europäischen Parlament flüssig und reibungslos in bis zu 23 Sprachen ablaufen. Als direkt gewählte Vertreter der Europäischen Bürger müssen die Abgeordnete in ihrer Muttersprache an Sitzungen teilnehmen können. Ohne Dolmetscher wäre das unmöglich.


„Sprache ist Teil unserer Identität und weit mehr als nur ein Kommunikationsmittel. Die Parlamentarier sollten deswegen unbedingt in ihrer Muttersprache sprechen, damit sie sich optimal für die Interessen ihrer Wähler einsetzen und sich direkt und verständlich an die Bürger wenden können. Dieses Wunder müssen wir jeden Tag vollbringen“, sagt Olga Cosmidou, die Direktorin der Generaldirektion Dolmetschen und Konferenzen. 


So arbeiten die Dolmetscher


Als Simultandolmetscher müssen die Dolmetscher gleichzeitig zuhören und sprechen. Sie bedienen sich deshalb einer selektiven Hörtechnik, mit der sie sich eher auf den Inhalt als auf den genauen Wortlaut konzentrieren. „Dolmetscher sind wie Artisten im Zirkus, die ihre Kunststücke ohne Netz und doppelten Boden vorführen. Das Gesagte kann nicht zurückgenommen werden, also muss man sich seiner Sache schon recht sicher sein“, erklärt Cosmidou. „Schnellredner sind mitunter das Schlimmste für Dolmetscher, können aber auch sehr spannend sein. Diesen positiven Stress und den Adrenalinschub muss man mögen. Genauso sollte man über ein gewisses Maß an Antizipationsfähigkeit verfügen.“


Dolmetscher arbeiten zweimal am Tag, jeweils maximal 3,5-Stunden. Zur Vorbereitung müssen Dolmetscher einschlägige Unterlagen in den jeweiligen Arbeitssprachen lesen und sich über Veränderungen und neue Begriffe  auf dem neuesten Stand halten. Dazu gehört auch die regelmäßige Lektüre der Presse in mehreren Sprachen, um über die internationale politische Lage sowie aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden zu bleiben. Dies erleichtert die Arbeit mit den  breit gefächerten Themen, die im Parlament besprochen werden.


Das Europäische Parlament – Spitzenreiter in Sachen Mehrsprachigkeit


Im EP steht die Mehrsprachigkeit an erster Stelle. Das EP garantiert die Verdolmetschung der Plenartagungen und Präsidiumssitzungen und soweit möglich auch der Ausschuss- und Delegationssitzungen. Damit ist es das Parlament mit den meisten Sprachen und der weltweit größte Arbeitgeber für Dolmetscher. Die Anzahl der im EP tätigen Dolmetscher schwankt zwischen 350 während der Ausschusssitzungen in Brüssel und rund 1000 während der Plenartagungen in Straßburg. Bei Bedarf kann das EP auf etwa 4000 freiberufliche Dolmetscher zurückgreifen.


Dolmetscher beherrschen ihre Muttersprache perfekt und haben sehr gute Sprachkenntnisse in mindestens zwei weiteren Sprachen.


Wussten Sie schon ?


Die Plenartagungen werden in 23 Sprachkabinen gedolmetscht, die mit jeweils 3 oder 4 Dolmetschern besetzt sind. Die Kabinen sind schalldicht, klimatisiert, gut beleuchtet, mit ergonomischen Stühlen ausgestattet und bieten eine gute Sicht in den Plenar- oder Sitzungssaal, sodass die Dolmetscher direkt verfolgen können, was vor sich geht. Sie selbst sind auch gut erkennbar, aber sie stehen nie im Rampenlicht.

Derzeit gibt es 506 Sprachkombinationen (23 × 22 Sprachen), und schon deshalb wird manchmal nicht direkt gedolmetscht, sondern auf ein Relais-System zurückgegriffen, bei dem aus einer dritten Sprache, der sogenannten Schaltsprache oder Relais-Sprache, gedolmetscht wird.


Im Gegensatz zu den anderen Mitarbeitern des EP haben die Dolmetscher keine eigenen Büros mit Computern und Telefonen. Stattdessen werden ihnen besondere Telefone und tragbare Computer zur Verfügung gestellt, damit sie erreichbar sind, wenn sich Zeitpunkt und Ort einer Sitzung ändern. Zu spät kommen dürfen sie nie, denn ohne sie kann keine Sitzung beginnen.


Wie werde ich Dolmetscher im EP?


Erforderlich sind ein Universitätsabschluss und zwei Jahre Berufserfahrung als Dolmetscher. Außerdem gilt es, ein Auswahlverfahren zu bestehen. Aber das ist noch nicht alles: „Sie brauchen ein besonderes Wesen – Sie sollten kommunikationsfreudig, extrovertiert und sehr wissbegierig sein“, erklärt Cosmidou.

REF : 20120220STO38575
Aktualisiert am: ( 16-03-2012 - 11:13)