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10 Jahre nach EU-Osterweiterung: Traum von Europa, das mit beiden Lungen atmet

Andere Artikel - Erweiterung05-05-2014 - 15:21
 
MEP Buzek_   Der polnische EU-Abgeordnete Jerzy Buzek war der erste Präsident des Europaparlaments aus einem der Mitgliedstaaten, die 2004 der EU beigetreten sind

2004 sind die Länder aus Ost- und Südeuropa der EU beigetreten. Wie bewertet der polnische EU-Abgeordnete Jerzy Buzek (EVP), erster Europaparlamentspräsident eines Mitgliedstaats Osteuropas, die Erweiterung zehn Jahre danach? Buzek sprach mit uns über seine Sorgen, Hoffnungen und Errungenschaften.


Am 1. Mai haben wir das zehnjährige Jubiläum der größten EU-Erweiterung gefeiert. Was bedeutet es für Sie persönlich?


Ich kann mich noch gut an den Moment erinnern. Für mich ist der Traum, dass Europa mit seinen beiden Lungen atmet, wahr geworden.


Es war ein wichtiger Tag für den Wandel unseres Landes und die Erneuerung der Wurzeln zur westlichen Zivilisation. Gleichzeitig war es das Ergebnis langer Anstrengungen und ein Energieschub.


Die Menschen in diesem Land haben diesen Tag gefeiert, weil mit ihm die jahrelange Spaltung zwischen dem Osten und dem Westen in Europa aufgehoben wurde.


Jetzt haben wir die Möglichkeit und die Verantwortung, die Europäische Union mitzugestalten. Zusammen können wir uns für das gemeinsame Wohlbefinden engagieren. Osteuropa hat seine Rolle gefunden und es ist nun wichtig darüber nachzudenken, wie wir die Dinge zusammen anpacken können.  


Viele Menschen hatten vor dem Beitritt Angst, ihre Identität oder Unabhängigkeit zu verlieren. Was ist aus diesen Gefühlen geworden?


Die Bürger selbst haben die beste Antwort darauf gegeben. Die Identität der Menschen in den Ländern, die vor zehn Jahren Teil der EU geworden sind, wurde gestärkt und sie haben ihre Unabhängigkeit nicht verloren.


Wir haben in den vergangenen Jahren gelernt, dass wir in europäischen Entscheidungsprozessen mit überzeugenden Argumenten gewinnen und EU-Politik auf diese Weise beeinflussen können.


Wie profitieren die neuen Mitgliedstaaten von der EU und welche Herausforderungen liegen vor ihnen?


Ich höre nur selten den Ausdruck die "neuen Mitgliedstaaten" auf den Fluren des Europaparlaments. Es ist Zeit, dass wir nicht mehr so genannt wurden.


Wir müssen eine EU schaffen und nicht nur daran teilnehmen - besonders, wenn es neue geopolitische Herausforderungen gibt und viele westliche Länder eine gewisse "EU-Integrations-Müdigkeit" zeigen.


Mit der Erweiterung im Jahr 2004 wurde auch die Östliche Partnerschaft und Euronest geboren. [Dabei treffen sich Abgeordnete des Europaparlaments und der Parlamente in der Ukraine, der Republik Moldau, Armenien, Georgien und Aserbaidschan.] Außerdem legen wir mehr Wert auf Energiethemen.


Sollte die EU noch erweitert werden? Wenn ja, wer sollte als nächstes beitreten?


Die EU muss ihre Türen offen halten. Ein Beitritt sollte aber nur möglich sein, wenn es vorher umfassende Verhandlungen gab sowie die Bereitschaft, die EU-Standards umzusetzen, und die Länder, bestimmte Kriterien [Gemeinschaftlicher Besitzstand, acquis communautaire] erfüllen.


Ansonsten ist es sowohl für das Beitrittsland als auch für die EU nicht möglich, von der Integration zu profitieren.

REF : 20140502STO46005
Aktualisiert am: ( 05-05-2014 - 15:32)