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Der Film 'Toni Erdmann' von Maren Ade ist der Gewinner der 10. Ausgabe des LUX-Filmpreises 

Die deutsch-österreichisch-rumänische Koproduktion “Toni Erdmann” der Regisseurin Maren Ade hat den 10. LUX-Filmpreis des Europäischen Parlaments gewonnen. Das hat dessen Präsident Martin Schulz am Mittwoch im Plenarsaal verkündet. Der Film erforscht die moderne Unternehmenskultur durch die komplexe Beziehung zwischen Vater und Tochter.

Schulz beglückwünschte die drei Finalisten, einschließlich der Gewinnerin Maren Ade und ihren Mitarbeitern. Er sagte: „Ich gratuliere dem Team des preisgekrönten Films ‚Toni Erdmann‘ herzlich. Dieser Film, der eine Kombination aus düsterer Komödie und witzigem Drama ist, beschreibt die schwierige, zärtliche und manchmal absurde Beziehung zwischen einer jungen Frau, die im Ausland lebt, und ihrem Vater. Der Film zeigt zutreffend, wie sich Familienbeziehungen in einer alternden und wettbewerbsorientierten Gesellschaft verändern und uns beeinflussen. Er bietet keine einfachen Antworten, aber ermutigt uns, mit all seinen ernsten und heiteren Momenten, herauszufinden, was schützens- und was schätzenswert ist.“


Der Vizepräsident des Europäischen Parlaments Antonio Tajani (EVP, IT), zuständig für die Organisation des LUX-Preises, sagte: „Der LUX-Filmpreis bringt Erfolge, weil er symbolisch, aber auch ganz konkret, der Hauptschwäche des europäischen Films - dem schwierigen Vertrieb - entgegenwirkt. Während Nordamerika einen einheitlichen Markt für Filmproduktionen hat, ist Europa durch physische und sprachliche Hindernisse fragmentiert. Das europäische Kino spiegelt wider, was Europa und seine Institutionen sein sollten: Eine erfolgreiche Synthese all unserer Stärken auf der Grundlage einer auf Innovation, Kreativität und Werten aufbauenden Filmindustrie.“


Die Vorsitzende des Ausschuss für Kultur und Bildung Silvia Costa (S&D, IT) sagte: „In zehn Jahren wurden hundert Filme in den Kinos in ganz Europa gefördert, dank dem LUX-Preis, der Europas Geschichte eine Stimme und Augen verleiht. Mit dem LUX-Preis sind viele unabhängige Regisseure und ihre jungen Autoren dank der Untertitelung in den 24 Amtssprachen der EU in anderen Ländern bekannt geworden. Der Preis hat die Vielfalt und den Reichtum des europäischen Kinos, seine Themen, Empfindlichkeiten und Sprachen erweitert. Investitionen in den europäischen Film sind ein wichtiger Schritt beim Aufbau des "Europas der Kultur", an das wir glauben. Unser Engagement für die Zukunft ist es, die Reichweite des Preises auszubauen und die Finalisten auch außerhalb Europas bekannt zu machen, vor allem zunächst in den Mittelmeerländern.“


Die anderen beiden Filme in der Endauswahl waren: „A peine j’ouvre les yeux/ Kaum öffne ich die Augen“ (Frankreich, Tunesien, Belgien, Vereinigte Arabische Emirate) von Leyla Bouzid und "Ma vie de courgette / Mein Leben als Zucchini" (Schweiz, Frankreich) von Claude Barras. Der Gewinner wird jedes Jahr durch Abstimmung der Abgeordneten bestimmt.


Die drei Wettbewerbsfilme werden dank finanzieller Unterstützung durch das Parlament in allen 24 Amtssprachen mit Untertiteln versehen. Für den siegreichen Film wird außerdem eine Fassung für Seh- und Hörbehinderte hergestellt, zumindest in der Originalversion.


Die Filme werden im Rahmen der "LUX Film Days" von September bis Dezember in allen 28 Mitgliedstaaten der Öffentlichkeit vorgeführt. Ziel ist, den Reichtum und die Vielfalt des europäischen Kinos möglichst vielen Menschen zu vermitteln und Debatten über die in den Filmen behandelten Themen anzustoßen.