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Steigende Gefahr von Antibiotika-Resistenz: Parlament fordert Sofortmaßnahmen

Plenartagung Gesundheitswesen 11-12-2012 - 13:18
 

Bakterien, die gegen antimikrobielle Wirkstoffe resistent sind, führen in der EU, in Island und in Norwegen zu 25.000 Todesfällen pro Jahr. In einer Entschließung, die das Parlament am Donnerstag verabschiedet hat, fordert es als Sofortmaßnahmen die Entwicklung neuer Wirkstoffe, die umsichtige Verwendung bestehender Mittel und die Verbesserung der Tierhaltung.


Die Abgeordneten warnen davor, dass eine Vernachlässigung des Problems sogar einen Rückfall ins sogenannte vor-antibiotische Zeitalter zur Folge haben könnte.


Um die Resistenz gegen antimikrobielle Wirkstoffe langsamer ansteigen zu lassen, fordern die Abgeordneten Leitlinien für den umsichtigen Einsatz solcher Mittel, um deren unnötige Verwendung in der Human- und die Veterinärmedizin, Landwirtschaft und Aquakultur zu senken. Die nicht-bindende Entschließung, verfasst von Anna Rosbach (ECR, DK), wurde mit 588 Stimmen verabschiedet, bei 16 Gegenstimmen und 23 Enthaltungen.

"Die Anzahl resistenter Bakterien in Europa explodiert. Bakterien lassen sich nicht von Grenzen aufhalten und bedrohen die gesamte EU. Zuallererst müssen wir sicherstellen, dass die Verwendung von Antibiotika für Menschen und Tiere eingeschränkt wird. Wir müssen aber auch die Lücke zwischen steigender Resistenz und der Entwicklung neuer Wirkstoffe schließen, indem wir Forschung und Entwicklung stärker fördern. Wenn wir jetzt keine Maßnahmen ergreifen, könnte die wachsende Resistenz die Heilung von Patienten erschweren und sogar einen Rückfall ins vor-antibiotische Zeitalter zur Folge haben", erklärte Anna Rosbach während der Debatte vor der Abstimmung.

Sinneswandel dringend nötig
Das Hauptziel der Strategie muss darin bestehen, die Wirksamkeit bereits vorhandener antimikrobieller Wirkstoffe zu erhalten, indem sie verantwortungsvoll eingesetzt werden. Voraussetzung dafür ist ein Sinneswandel bei ihrer Verwendung, so die Abgeordneten. Sie unterstreichen die Notwendigkeit besserer Aus- und Weiterbildung für Ärzte, Apotheker, Tierärzte und Landwirte sowie umfassende Informationskampagnen für die Öffentlichkeit, um eine bessere Sensibilisierung für die Folgen zu erreichen, die mit dem falschen Einsatz antimikrobieller Wirkstoffe einhergehen.

Der Vorbeugung den Vorzug geben
Um die übermäßige Verwendung antimikrobieller Wirkstoffe zu vermeiden, sollte die Tierhaltung, die Aquakultur und die Humanmedizin sich eher auf die Vorbeugung von Krankheiten konzentrieren, statt prophylaktisch antimikrobielle Mittel einzusetzen. Dieses Ziel kann durch höhere Hygienestandards in sensiblen Umgebungen wie beispielsweise Krankenhäusern erreicht werden, und durch eine allgemein verbesserte Tierhaltung, so die Entschließung.

Antimikrobielle Mittel sollen nur noch durch beruflich qualifizierte Tierärzte verschrieben werden dürfen. Die Berechtigung, antimikrobielle Mittel zu verschreiben, soll von der Berechtigung zum Verkauf dieser Mittel getrennt werden, wodurch wirtschaftliche Anreize zur Verschreibung dieser Mittel entfallen.

Für menschliche Patienten fordern die Abgeordneten in der Entschließung, dass antimikrobielle Wirkstoffe nicht frei verkäuflich und rezeptfrei zugänglich sein sollten.

Der veterinärmedizinische Einsatz antimikrobieller Mittel der dritten und vierten Generation, die laut Weltgesundheitsorganisation für den Menschen von besonderer Bedeutung sind, sollte beschränkt werden, so die Abgeordneten.

Forschung und Entwicklung fördern
Forschung in Bezug auf neue Antibiotika sollte EU-weit und international besser koordiniert werden, und die Vorteile öffentlich-privater Partnerschaften nutzen, um den Zugang zu neuen Wirkstoffen zu erleichtern und sie erschwinglicher zu machen, so der Text der Entschließung.


Verfahren:  Nichtlegislative Entschließung

REF : 20121207IPR04406
 
 
 
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