EP-Präsident Buzek in Berlin: "Begonnen hat alles vor dem Tor der Danziger Werft und geendet hat es vor dem Brandenburger Tor."
Rede von Jerzy Buzek, Präsident des Europäischen Parlaments, anlässlich der Feier im Bundestag zum 20. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer.
Die vollständige Rede ist auf der Web-Site von Präsident Buzek. Hier eine Auswahl wesentlicher Aussagen:
• "Lediglich einige Schritte von uns entfernt mahnen weiße Kreuze an der Ebertstraße zum Gedenken an die Mauertoten, die nicht darauf warten wollten oder konnten, dass das Imperium des Bösen zum Fallen kommt. In Erinnerung an ihr Opfer und zum Wohle der Lebenden bauen wir seit zwanzig Jahren das wiedervereinigte Europa.
• Die Europäischen Gemeinschaften entstanden vor einem halben Jahrhundert auf den von Adenauer und de Gaulle geschaffenen Fundamenten der historischen Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich.
• Die deutsch-polnische Aussöhnung dauerte länger, denn länger dauerte auch die Teilung Europas. Die Grundlagen wurden 1965 von den polnischen Bischöfen in den von ihnen ausgesprochenen Worten "wir vergeben und bitten um Vergebung" vorbereitet. Fünf Jahre später gab es Willy Brandts Kniefall vor dem Warschauer Ghetto-Denkmal. Die Versöhnung konnte im November 1989 beim Treffen zwischen Premierminister Mazowiecki und Bundeskanzler Kohl in einem schon freien Polen vollzogen werden. Sie wählten hierfür einen ganz besonders symbolischen Ort, das schlesische Kreisau, das einstige Anwesen des Grafen von Moltke, eines Deutschen der sein Leben im Kampf gegen die Nazis opferte.
• Damals, 1989, begannen wir einen sehr wichtigen Prozess: Den Bau einer neuen europäischen Identität. Diesmal auf uns alle, und nicht gegen irgend jemanden gerichtet. Eine Identität, die Ost und West verbindet. Damals entstand der Gründungsmythos eines neuen Europas! Der bereits von allen Mitgliedsländern ratifizierte Lissabon-Vertrag ist der nächste Schritt auf diesem Weg.
• Wir haben uns hier aus Anlass des 20. Jahrestags des Falls der Berliner Mauer versammelt, einer Mauer der Schande, eines Symbols der Teilung nicht nur des deutschen Volkes, sondern der Teilung von ganz Europa in einen freien und einen unterdrückten Teil des Kontinents. Ohne die Zerstörung dieser Mauer, ohne eine Versöhnung zwischen Ost und West, ohne eine Versöhnung zwischen Deutschland und Polen und ohne die Wiedervereinigung Deutschlands gäbe es keine Wiedervereinigung Europas.
• Wir müssen aber noch weiter gehen. Eine Schlüsselrolle für uns Europäer spielt weiterhin der Osten unseres Kontinents. Wenn Europa mit einer Stimme mit unseren östlichen Nachbarn sprechen möchte, muss es auch fähig sein, den Osten mit den Augen seiner historischen Nachbarn zu sehen. Mit den Augen jener Staaten, die vor kurzem der Union beigetreten sind. Dann haben sowohl unsere Öffnung als auch das Erinnern an Demokratie und Menschenrechte ihren wahren Wert. Wir müssen auch daran denken, dass wir uns nicht durch eine neue Mauer von unseren direkten, östlichen Nachbarn abschotten dürfen.
• Lassen Sie mich bitte hier und jetzt auch jenen Menschen die Ehre erweisen, die sich in vielen Ländern östlich der Berliner Mauer nie mit der Versklavung abgefunden haben. Lassen Sie mich auch den vielen tausenden Westeuropäern meinen Dank aussprechen, die uns im Osten, jenseits des Eisernen Vorhangs, geholfen haben. Sie gaben uns das Gefühl nicht allein gelassen zu werden.
• Der Freiheitstraum des Menschen ist stärker als alle Betonmauern, stärker als verbrecherische politische Doktrinen. Die Menschen östlich des Eisernen Vorhangs hatten gegen Panzer nur ihre großen Herzen und ihre große Entschlossenheit. Aber sie siegten! Sie alle waren hier mit Euch, damals vor zwanzig Jahren, beim Niederreissen der Mauer. Begonnen hat alles vor dem Tor der Danziger Werft und geendet hat es vor dem Brandenburger Tor.
• Vor zwanzig Jahren haben die Berliner, die Einwohner Deutschlands und die Europäer mit eigenen Händen, mühsam, Stück für Stück, die Berliner Mauer zerbrökelt. Die Politiker von damals schufen die entsprechenden Bedingungen, damit die große Begeisterung der Zivilgesellschaft in der Wiedervereinigung Eures Landes und der Wiedervereinigung Europas münden konnte.
• Heute ist es unsere Aufgabe, die Aufgabe der europäischen Politiker, für die Achtung jener Werte Sorge zu tragen, auf denen die Union begründet ist: Versöhnung und Solidarität. Wir sollten alles tun, um sie nicht zu vergessen. Ich bin überzeugt, dass wir immer auf die Begeisterung unserer Bürgerinnen und Bürger zählen können. Machen wir es Ihnen doch nach in Mut und Entschlossenheit!"
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Anmerkung für Heraugeber:
Die Rede und das Konzert sind am 8. November um 20.00 Uhr exklusiv vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) übertragen.
Die Veranstaltungen am 8. November wurden auch von Europe by Satellite um 22.00 Uhr übertragen
http://ec.europa.eu/avservices/ebs/schedule.cfm?page=1&date=11/08/2009&institution=0#82925
und am 9. November um 17.30:
http://ec.europa.eu/avservices/ebs/schedule.cfm?page=3&date=11/09/2009&institution=0
Zusätzlich auch über ein FTP-Server zum Herunterladen erhältlich: ftp://epavvideoget:mo12ssb@ftpeps01.europarl.eu.int/epavvideo/cabinetpresident/Buzek_BerlinWall/
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Für weitere Informationen:
Inga Rosińska, Pressesprecherin
Mobil: +32 498 981 354
Daniela Senk, Pressereferentin
Mobile: +32 498 981348
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