Jerzy Buzek - Präsident des Europäischen Parlaments
Jerzy Buzek wurde am 3. Juli 1940 in Śmiłowice im Teschener Schlesien geboren. Sein Heimatort befindet sich heute auf dem Gebiet der Tschechischen Republik.
Präsident des Europäischen Parlaments
Dank seiner Persönlichkeit und seiner Kompetenz sowie des geschickten politischen Agierens der polnischen Regierung und der Opposition wurde Jerzy Buzek am 14. Juli 2009 zum Präsidenten des Europäischen Parlaments gewählt. Bei der Wahl entfielen 555 von 644 gültigen Stimmen auf ihn - die größte Mehrheit, mit der ein EP-Präsident seit 1979, also seit den ersten direkten Wahlen, jemals gewählt wurde. Er ist der erste Parlamentspräsident, der aus den neuen Mitgliedsländern der EU stammt.
In seiner Programmrede legte er die Schwerpunkte seines Mandats dar: Förderung des Gedankens einer europäischen Energiegemeinschaft, Stärkung der Demokratie und Verteidigung der Menschenrechte, verstärkte Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten der EU im Osten und Süden Europas, Stärkung der Rolle der EU in einer multipolaren Welt, mehrjähriger Haushalt der EU entsprechend den Erfordernissen und Vorhaben der erweiterten EU, Vorbereitung des Europäischen Parlaments auf seinen Bedeutungszuwachs nach dem Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon.
Der Parlamentspräsident steht in ständigem Kontakt mit dem Präsidenten der Europäischen Kommission, dem Vorsitzenden des Europäischen Rats sowie dem Ratsvorsitz der EU und vertritt auf seinen Auslandsreisen das Europäische Parlament. Zu seinen täglichen Aufgaben gehört es u. a., die Arbeit des Parlaments zu organisieren und die Aussprachen im Plenum zu leiten. Jerzy Buzek hat sich zum Ziel gesetzt, das Europäische Parlament zu einem Ort interessanter und lebendiger politischer Debatten zu machen und es den Menschen näher zu bringen.
Seine Amtszeit wird zweieinhalb Jahre dauern.
Bester polnischer Europa-Abgeordneter
2004 gewann er die Wahlen zum Abgeordneten des Europäischen Parlaments mit dem besten Wahlergebnis in Polen.
In Brüssel war er von Anfang an sehr aktiv. Er wurde Vizepräsident des European Energy Forum (EEF). Während der Wahlen in der Ukraine vertrat er dort das Europäische Parlament und unterstützte die Orangefarbene Revolution. Er war Berichterstatter für das siebte Rahmenprogramm für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration (2007-2013) sowie für den Europäischen Strategieplan für Energietechnologie. Von 2004 bis 2009 war er Mitglied des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie sowie des Ausschusses für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit. Außerdem war er Mitglied der Delegation des Europäischen Parlaments im Parlamentarischen Kooperationsausschuss EU-Ukraine und der EP-Delegation für die Beziehungen zu den Ländern Südostasiens und der Vereinigung südostasiatischer Nationen (ASEAN).
Mehrmals ist er für sein Engagement und seine Kompetenzen ausgezeichnet worden. 2006 erhielt er den Titel "EU-Abgeordneter des Jahres" in der Kategorie "Wissenschaftliche Forschung und Technologie". Diese Auszeichnung wird vom zweiwöchentlich in Brüssel erscheinenden "Parliament Magazine" vergeben. Außerdem wurde ihm 2006 in Polen für seine Errungenschaften im Bereich des Ingenieurswesens die Auszeichnung "Weiße Kohle" verliehen.
In den Rankings der polnischen Wochenzeitschrift "Wprost" und der polnischen Tageszeitschrift "Rzeczpospolita" wurde er 2008 zum besten Europaabgeordneten erklärt.
Bei den jüngsten Wahlen zum Europäischen Parlament erhielt Jerzy Buzek in seinem Wahlkreis Schlesien fast 400 000 Stimmen und erzielte so erneut das beste Wahlergebnis in Polen.
Polnischer Ministerpräsident
Im Februar 1997 wurde Jerzy Buzek Vorsitzender der Arbeitsgruppe Wirtschaft der Wahlaktion Solidarität (AWS). Das in dieser Zeit erstellte Programm der AWS war ein Schlüsselfaktor für den Sieg dieser Partei in den Wahlen zum Parlament. Jerzy Buzek wurde bei diesen Wahlen zum Abgeordneten des polnischen Parlaments der dritten Legislaturperiode gewählt und anschließend von der AWS als Ministerpräsident nominiert.
Die Vereidigung der Regierung unter Jerzy Buzek fand am 31. Oktober statt. Er übte dieses Amt bis zum 19. Oktober 2001, also während der gesamten Legislaturperiode, aus. Während seiner Amtszeit führte er Polen in die NATO und verhandelte die Bedingungen für die Aufnahme Polens in die Europäische Union.
Die Koalitionsregierung unter Jerzy Buzek hat eine der intensivsten Reformanstrengungen unternommen, die in Polen nach 1989 getätigt wurden. Sie reformierte die Gebietskörperschaften, das Rentensystem, die Gesundheitsfürsorge, das Bildungswesen und den Bergbau.
Als Ministerpräsident der Republik Polen initiierte Jerzy Buzek die Schaffung des Strategieprogramms der Regierung für die Stadt Oświęcim, dessen Hauptziel es ist, Auschwitz zu einem internationalen Bildungszentrum für Menschenrechtsfragen zu machen. Bis heute engagiert sich Jerzy Buzek für diese Initiative. Er war an der Entstehung der Akademie Auschwitz beteiligt, die gemeinsam mit der Jagiellonen-Universität in Krakau das Bildungsprojekt "Paweł-Włodkowic-Schule für Kultur und Menschenrechte" plant.
Als erster Ministerpräsident der Republik Polen nahm Jerzy Buzek 1998 gemeinsam mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu am Marsch der Lebenden von Auschwitz zum Tor des Lagers Birkenau teil und gab so den Impuls für die Weiterentwicklung dieser außergewöhnlichen Initiative.
Im Januar 1999 wurde er Vorsitzender der Partei Gesellschaftliche Bewegung AWS. Nachdem die AWS die Parlamentswahlen im Herbst 2001 verlor, zog sich Jerzy Buzek für die nächsten Jahre aus der aktiven Politik zurück.
Wissenschaftler
Nach dem Abitur 1957 am Juliusz-Słowacki-Gymnasium in Chorzów studierte Jerzy Buzek an der Fakultät für Energietechnik der Schlesischen Technischen Universität in Gleiwitz (Gliwice) und schloss sein Studium 1963 ab. Im selben Jahr begann er seine Tätigkeit am Institut für Chemieingenieurwesen der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Gleiwitz. 1969 promovierte er. In den 70er Jahren war er ausschließlich wissenschaftlich tätig. 1971 absolvierte Jerzy Buzek im Rahmen eines Forschungsstipendiums einen Studienaufenthalt an der Universität Cambridge. In den 80er Jahren konzentrierte er sich in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit auf Fragen des Umweltschutzes. An der Schlesischen Technischen Universität in Gleiwitz und später an der Technischen Universität Oppeln (Opole) wurde er als Dozent sehr geschätzt.
In Würdigung seiner wissenschaftlichen und didaktischen Leistungen wurde ihm der Titel "Professor der Technischen Wissenschaften" Verliehen.
Aktivist der Solidarność
Im September 1980 wurde Jerzy Buzek in der Gewerkschaft "Solidarność" tätig. Er wurde zum Vorsitzenden des betrieblichen Streikkommittees gewählt. 1981 war er Abgeordneter des I. landesweiten Delegiertenkongresses der "Solidarność". Seine Bedeutung in der Gewerkschaft nahm systematisch zu. Er war Vorsitzender des IV. V. und VI. landesweiten Delegiertenkongresses des Unabhängigen Gewerkschaftsbunds "Solidarność". Am 13. Dezember 1981, dem Tag der Einführung des Kriegsrechts, gelang es ihm, der Internierung zu entgehen. Er ging in den Untergrund und gab das illegale, hektographierte Nachrichtenblatt "Biuletyn ´S´" heraus, dessen erste Ausgabe bereits im Januar 1982 erschien.
1987 zog er sich aufgrund der schweren Krankheit seiner Tochter Agata aus der Untergrundarbeit zurück.
Nach dem Sieg der "Solidarność" 1989 nahm er seine wissenschaftliche Tätigkeit im vollen Umfang wieder auf.
Gemeinnützige und pädagogische Tätigkeit
Ende der 90er Jahre initiierte Jerzy Buzek den jährlich stattfindenden Wettbewerb Pro Publico Bono um den Preis für die beste Bürgerinitiative in Polen. 2002 bis 2004 war er wissenschaftlicher Prorektor der Polonia-Akademie in Tschenstochau (Częstochowa). Er war außerdem Mitbegründer der Polonia-Schule für Diplomatie und der "Stiftung für die Familie".
http://www.europarltv.europa.eu/yourparliament.aspx?action=viewVideo&packageId=4f47b61e-2cd2-4f2c-b1ca-d0082bc4f64a
